Zylinderkopfdichtung die 2

Hallo Experten
Mir hat eben einer in Anlehnung an den unteren Artikel folgendes
erzählt :
Er hätte nie meher Probleme mit der Dichtung , da er sich eine aus Aluminium selber gefräßt hätte und das es nichts besseres gäbe.
Also ich würde dazu sagen absoluder schwachsinn oder ?
Gruß HExe

Dichtung … aus Aluminium selber gefräßt
Also ich würde dazu sagen absoluder schwachsinn oder ?

Hallo,

Motorblock, Dichtung, Zylinderkopf und die Verschraubungen bilden ein aufeinander abgestimmtes System, das innerhalb eines großen Temperaturbereichs funktionieren soll. Der Zylinderkopf mit viel Mechanik, Nockenwelle, Lagern und Kühlkanälen darf sich nicht verziehen. Die Verschraubungen müssen in der Lage sein, erhebliche Kräfte aufzunehmen, die auftreten, wenn sich der Motor erwärmt. Die Bolzen müssen entsprechend dehnbar sein. Auch die Dichtung muß Bewegungen aufnehmen. Sie muß insbesondere weicher sein als das Material des Zylinderkopfes.

Aluminium ist ein weiter Begriff. Reines Al wird es nicht sein. Technische Verwendung finden Legierungen u. a. mit Magnesium, Silizium. Die Eigenschaften reichen anschaulich ausgedrückt von butterweich bis knüppelhart. Es ist in jedem Fall verformbar, aber es wird dabei mürbe, neigt zu Rissen und Brüchen, viel eher als etwa kupferhaltige Dichtungen.

Eine so ausgeprägte Schwachstelle sind Zylinderkopfdichtungen nun auch wieder nicht, daß sich mit derartigen Basteleien die Zuverlässigkeit des Motors nennenswert verbessern ließe. Wenn Al überhaupt geeignet ist. Mindestens bei den heute üblichen Leichtmetall-Zylinderköpfen halte ich Erfolge in dieser Richtung für zufällig und nicht für dauerhaft.

In Schrauberkreisen wird viel herumgespielt. Bar jeder wirtschaftlichen Vernunft werden z.B. Dichtungen auf abenteuerliche Weise selbst hergestellt, wobei dann die eigentliche Dichtfunktion draufgeschmiertes Hylomar erledigt. Ich erzähl’ dabei aus dem Nähkästchen, gehörte ich doch vor 25 bis 35 Jahren selbst zu dieser Sorte. Wem die Bastelei nicht gleich während der ersten Probefahrt um die Ohren fliegt, erzählt dann etwas von „nie wieder Ärger damit“.

Gruß
Wolfgang

Auch die Dichtung muß Bewegungen
aufnehmen. Sie muß insbesondere weicher sein als das Material
des Zylinderkopfes.

Hi Wolfgang,

das stimmt so nicht. Die alten Dichtungen sind mit der Zeit verhärtet. Derzeit werden Mehrlagen Stahldichtungen verwendet. Ein Freund von mir produziert derzeit Einlagen Stahldichtungen, die aus einem Stück Stahlblech herausgefräst werden. Sie müssen nur noch an kritischen Stellen bearbeitet werden.

Max

das stimmt so nicht. Die alten Dichtungen sind mit der Zeit
verhärtet. Derzeit werden Mehrlagen Stahldichtungen verwendet.
Ein Freund von mir produziert derzeit Einlagen
Stahldichtungen, die aus einem Stück Stahlblech herausgefräst
werden. Sie müssen nur noch an kritischen Stellen bearbeitet
werden.

Hallo Max,

hast Recht, so generelle Aussagen sind gefährlich, wenn es sich um ein breites Gebiet handelt, wo es ganz unterschiedliche
Prinzipien gibt. Das ist bei Dichtungen der Fall, nicht nur für Zylinderköpfe.

Für eine Dichtung, die über ihre gesamte Fläche gleichmäßig tragen soll, gilt die Aussage, daß sie weicher sein muß als die
abzudichtenden Teile. Jede flächige Dichtung braucht viel Druck, der sich über die gesamte Dichtfläche verteilt.

Statt dessen kann man auch einzelne Dichtelemente verwenden, sogar mit unterschiedlichen Materialien und Aufbauten, je nachdem, was an der betreffenden Stelle gerade optimal erscheint. Diese vielen einzelnen Dichtelemente werden untereinander verbunden. Als Tragelement zur Fixierung der Lage der Einzeldichtungen kann z. B. Stahlblech dienen. Das sieht dann tatsächlich so aus, als bestünde die Dichtung flächig aus Stahl. Ist aber nicht. Es ist ein Stahlblechträger, der die etwas dickeren Dichtelemente trägt.

Es gibt auch reine Stahldichtungen, ein- oder mehrlagig. Durch Verformung, z. B. Bördeln, werden nachgiebige Dichtelemente für die tatsächlich abzudichtenden Stellen hergestellt. Das auch wieder in dem Bestreben, keine Flächendichtung herzustellen, die sehr viel Druck braucht, sondern einzelne Dichtelemente ihren Dienst tun zu lassen.

Übrigens ist das alles keine Besonderheit von Zylinderkopfdichtungen. In vielen Anwendungen tauchen solche Problemstellungen auf, werden diese Prinzipien ständig verbessert und bis zur Perfektion getrieben.

Gruß
Wolfgang