Antwort von
nach 9 Stunden
hilfreich
Re: Erklärt mir mal den Sinn !
Hallo Maik,
leider geht es Dir genauso wie vielen anderen, die in einem Unternehmen arbeiten, das sich entschlossen hat, ein QM-System einzuführen, ohne sich die Mühe zu machen, seine Mitarbeiter sinnvoll einzubinden. Diese Praxis ist weit verbreitet, weil der Druck auf viele Unternehmen immer größer wird, ein QM-System einzuführen und da wird "es halt gemacht", ohne daß der tatsächliche Hintergrund verstanden wird.
Ein System zur Überprüfung und Sicherung der Qualität hat, richtig angewendet, nicht nur Sinn, sondern auch konkreten Nutzen.
Im Idealfall sieht es so aus: Die Firmenleitung gibt bekannt, daß man ein Qualitätssicherungssystem einführen möchte. Es werden Teams gebildet, die sich quer durch alle Hierarchieebenen ziehen und die sich in regelmäßigen Abständen treffen. In diesen Teams wird erst einmal erörtert, was derzeit getan wird, um zu garantieren, daß die Qualität der Produkte immer gleichleibend gut ist, das die Qualität der angelieferten Materialien stabil ist und das der Werdegang eines Produktes rückverfolgbar bis zu seinen Ausgangsmaterialien ist. Diese Dinge sind wichtig für den Fall, daß Fehler auftreten, denn dann muß ja immer jemand oder etwas gefunden werden, daß/der Verursacher der Misere ist. Neben den Materialien spielen natürlich noch eine Reihe anderer Faktoren eine große Rolle bei guter Arbeit, alle sollen erkannt und bewertet werden. Jetzt überlegen sich die Teams (wenn die Leitung noch nicht entschieden hat, welches System gewählt wird, es gibt nämlich verschiedene!), welches QM-System für das Unternehmen das Sinnvollste wäre. Man arbeitet aus der entsprechenden Norm/System die Punkte heraus, die dieses System fordert. Dann vergleicht man das Ergebnis mit dem Stand im Unternehmen und sieht, wo noch Handlungsbedarf besteht.
Der Sinn hinter dieser Art von QM-Systemen liegt in verschiedenen Bereichen. Zunächst einmal sollen Fehler und unnötige Kosten vermieden werden. In dem man sich selbst regelmäßig (mind. 1x pro Jahr) überprüft, kann man frühzeitig steuernd eingreifen. Wie willst Du allerdings erkennen, daß etwas nicht stimmt, wenn Du Dir keine Aufzeichnungen machst, die Du über einen Zeitraum von x-Tagen oder Monaten auswertest? Ich spreche von Tendenzen in Maschinenfähigkeiten, von Leistungsspitzen bei Mitarbeitern, von auftretendem Schulungsbedarf....
Dann kommt noch ein weiterer Punkt. Du als "Mann an der Front" hast den tiefsten Einblick in Deinen Arbeitsablauf. Bei der Einführung sollten Du und Deine Kollegen ihre Verbesserungsvorschläge einbringen können, denn jeder ärgert sich über,sagen wir mal, scheinbar unwichtige Dinge, die aber zusammengefasst viel Zeit fressen und die Wahrscheinlichkeit, daß Fehler passieren, erhöhen. Man kommt bei der Einführung eines QM-Systems nicht um ein gewisses MAß an Papier herum, nur sollte es in einem sinnvollen Umfang geschehen. Wichtig ist, daß die entscheidenden Dinge aufgeschrieben sind, damit man später nachgucken kann, wo und warum was schief gelaufen ist.
Ich kann nur sagen, daß es selbstverständlich von ungeheurer Wichtigkeit ist, und Du bist für mich wieder mal eine Bestätigung meiner Ansicht, daß der Belegschaft die Hintergründe für eine geplante Zertifizierung ganz, ganz klar gemacht werden. Dies geschieht leider aus Ziet und Geldmangel viel zu selten. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die die Dokumentation als Schikane und Arbeitsbehinderung verstehen und nur halbherzig bei der Sache sind. Das führt so ein System natürlich ad absurdum. Leider.
Es gibt noch viele Dinge, die ich zu diesem Thema sagen könte, hier waren erst einmal die vordringlichsten, wenn Du an mehr interessiert bist,mail mich einfach an.
Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig helfen.
Gruß
Jutta