Re^3: Zusatzfrage Prozessorientierung
Hallo Frank
In ISO 9000:2000 ist "Prozess" definiert als "Satz von in
Wechselbeziehung stehenden Tätigkeiten, der Eingaben in
Ergebnisse umwandelt". Unter diese Definition passt sicherlich
auch das Kaffeekochen in der Büro-Kaffee-Küche.
Das mit dem Kaffee wäre zweifelsfrei eine Überlegung wert, der
gehört schon längst qualitätsgemanaged.
Weil ich den Tom da in eine Aussage hineingeritten habe, fühle
ich ein wenig die Verpflichtung, da Ordnung zu schaffen:
Das Problem, das viele mit der totalen Prozessorientierung
haben (und das ich offen gestanden auch noch nicht vollständig
gelöst habe), ist der Widerspruch zwischen Prozessorientierung
und Abteilungsdenken. So besitzen die meisten Unternehmen eine
EDV-Abteilung, die sicherlich eine Vielzahl von Prozessen
handelt.
Es ist nicht um das Abteilungsdenken gegangen (Wir haben sowas
nicht mal, nur einen Administrator, dem diese Regelungen eher
Wurst sind, solange wir sein System nicht durcheinander
bringen), sondern um die schlichten Vereinbarungen "Wie legen
die einzelnen Abteilungen Daten ab, so dass sie einerseits von
allen Projektmitarbeitern leicht gefunden werden, und
andererseits nicht verlorengehen? Wie wird das dann archiviert
etc." (Ich arbeite in einem Planungs- und Beratungsunternehmen,
der Computer ist unser wichtigstes Werkzeug, und wir haben eine
reichhaltige Regelsammlung, wo was wie von wem und unter welchem
Namen zu speichern ist. Anmerkung: Wir haben uns einen
Standard für das Projektmanagement einfallen lassen, also einen
Prozess, mit dem wir alle unterschiedlichen, stets
auftragsbezogenen Kundenanforderungen unter einen Hut
bringen).
Ich stehe da vor der Wahl, rund 70 EDV-Subprozesse zu
definieren, oder einfach zu sagen: in der Abteilung
(Architektur, Planung, Bauaufsicht, behördlicher Einreichungen,
Rechtberatung, Beratung zum Thema Integrierte Managementsysteme,
Arbeitssicherheit, Software) gelten diese Regeln und Schluss.
Jeder hat da seine, zum Teil vom Gesetzgeber vorgeschriebenen
Ideen, wie sowas gehen muss. Die Anforderungen niederschreiben,
gut. Aber wie den/die Prozess/e sauber definieren und überwachen
(bitte Herr QM, bei den Elektroplanern hat schon wieder der
Maier ein Verhandlungsprotokoll nicht unter dem vereinbarten
Namen abgespeichert! Bitte Herr QM, der Huber hat schon wieder
eine Outlookpräsentation nur in seinem Projektordner
gespeichert, und nicht wie vereinbart auch im Verzeichnis
Präsentationen. Letzteres kann ich nicht mal mehr überwachen, da
müsste ich alle Projektverzeichnisse (ca. 2000 pro Jahr) darauf
untersuchen, ob nicht was dabei ist, das eventuell als
Allgemeingut nützlich wäre),
Regeln vorschreiben, ohne gleich einen "Prozess" zu unterstellen
ist daher für mich sinnvoll.
oder, um extrem zu werden: wir haben Regelungen festgelegt, was
passieren muss, wenn jemand in Urlaub geht (Stellvertreter, in
die wichtigen Projekte eingewiesen, Notfalltelefonnummern
hinterlassen etc.)
Muss ich da wirklich einen Urlaubsprozess definieren, eventuell
noch messen, wie gut das funktionniert (Also den Mitarbeiter
stichprobenartig anrufen und schauen, ob sich wer meldet)??
Tschuldigung, wenn das jetzt wirklich verdammt lang war, aber
ich steh mitten in der Auditabwehrschlacht, und die Argumente
wurden den ganzen Tag durchgekaut.
gruß
föhn-x