Pflegebedürftigkeit: Vater Alkoholiker - sehr lang

Guten Abend!

Vermutlich bekommst Du im Brett Sucht und Prävention eher sachkundigen Rat als an dieser Stelle.

Ich kam in der eigenen Familie und später in der Familie einer Freundin mit Alkoholismus in Berührung und kenne den Zwiespalt von Belastung bis Ekel auf der einen Seite, aber andererseits auch das Gefühl der Verpflichtung, helfen zu müssen. Ich weiß leider, was es heißt, in die Wohnung einer bis zur Bewußtlosigkeit betrunkenen Alkoholikerin zu kommen, die schwer gestürzt ist, alles voller Blut und vollgekotzt. Ich habe die Erfahrung gemacht, wie völlig sinnlos es ist, so einen Menschen gegen seine Überzeugung zum Arzt, später zu einem Facharzt für Gemütskrankheiten zu schleppen.

Ergebnis meiner bitteren Erfahrungen:

So richtig die Verpflichtung gegenüber dem Vater ist, so falsch ist sie gegenüber einem Alkoholiker, der die Problematik seiner Situation nicht erkennen will. Mit einem trockenen Alkoholiker läßt sich Leben gestalten. Um trocken zu werden, muß es der Alkoholiker selbst wollen. Solange ein Alkoholiker nicht alles dafür tut, die Finger vom Alk zu lassen, mußt Du ihn fallen lassen - egal wie tief. Das mußt Du ihm deutlich sagen und dann auch konsequent handeln. Die Alternative ist nämlich sicher: Du und die Menschen Deiner Umgebung halten die Belastung nicht aus und kommen psychisch unter die Räder.

Ich weiß, wie hart und geradezu unmenschlich es klingt: Deine Hilfe muß sich darin erschöpfen, Deinem Vater mit aller Deutlichkeit vor Augen zu halten, daß das Ende der Fahnenstange erreicht ist und Du den Kontakt abbrechen wirst. Es liegt dann ausschließlich an Deinem Vater, Einsicht zu zeigen, nicht mehr trinken zu wollen und sich in professionelle Hilfe zu begeben. Auch dort wird man ihm nur helfen wollen, wenn Dein Vater aktiv mitarbeitet und sich helfen lassen will.

Mit Deinen gut gemeinten Ideen, ihm eine Wohnung in Deiner Nähe zu besorgen, schaffst Du Dir selbst vorhersehbar eine untragbare Lebenssituation und verschlimmerst letztlich die Lage Deines Vaters. Ein Alkoholoker, dem die Befriedigung seiner Sucht gelassen wird und der in der Bewältigung des Lebens immer noch Hilfe und Anteilnahme erfährt, wird überhaupt keinen Anlaß sehen, die Finger vom Alk zu lassen. Solche Menschen reißen sich selbst und ihre unmittelbare Umgebung in den Ruin. Dein Vater, ist er erst einmal in Deiner Nähe, wird Dich völlig zutexten, wird jammern, wie schlecht es ihm geht, wird Dir ein schlechtes Gewissen einreden und selbst nicht die geringste Rücksicht darauf nehmen, ob Dein Sohn, Deine Existenz und alles drumherum vor die Hunde gehen.

Du darfst Dich darauf nicht einlassen!

Gruß
Wolfgang

Hi,
ich kann Wolfgang nur voll und ganz zustimmen. Aber um deine Frage konkret zu beantworten: Niemand kann dich zwingen, deinen Vater bei dir aufzunehmen. Es könnte allerdings sein, dass er in ein Pflegeheim kommt, wenn er nicht mehr allein wohnen kann, und dann könntest du zum Unterhalt herangezogen werden. Ob und wieviel du zahlen müsstest, lässt sich allgemein aber nicht sagen, das hängt immer vom Einzelfall ab.

Gruß
Nelly

Hi,

Vermutlich bekommst Du im Brett Sucht und Prävention eher
sachkundigen Rat als an dieser Stelle.

Das möchte ich Dir auch empfehlen… vor allem, weil es so klingt, dass Du schon in die Falle der Co-Abhängigkeit getreten bist.
Du triffst mich im „Sucht und Präventions“-Brett sicher wieder…
Kopf hoch, es gibt Lösungen,
Anja

Mit zwei solche Fälle ärgern wir uns gerade auch herum.
Hier sind allerdings beide Elternteile betroffen und
unabhängig von einander in zwei verchiedenen Fachkliniken
untergebracht.
Wir werden das Bereungsverfahren einleiten und
entsprechende Vorschläge unterbreiten, dass die
Kinder nicht „betroffen“ werden.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]