Hallo Voltaire
(...)Kann ein Verlauf, der wahrgenommen wird, scheinbar sein?
Er kann nicht, er muss! Wahrnehmung ist immer subjektiv.
Wenn etwas verhältnismäßig ist, so muss es
sich auf etwas absolutes beziehen, da sonst keine Relation zu
erkennen wäre.
Finde ich nicht, man kann auch zwei Menschen in Relation setzen und sagen, A ist dicker als B, ohne dass das Gewicht von A oder B ein Naturgesetz ist (der Gewichtszunahme mag uns bekannten Naturgesetzen zugrundeliegen, aber Natur"gesetze" können - wie Materie/Energie - in immer kleinere Einheiten unterteilt werden, bis man auf scheinbare Konstanten oder überwiegend funktionierende Formeln (Abweichungen = Meßfehler!) stößt.
Kann man einen „scheinbaren Zeitverlauf“ relativieren?
Scheinbare Beobachtungen sind noch leichter zu relativieren als tatsächliche (falls es die überhaupt gibt), da man ja nur seine Wahrnehmung bzw. deren Verarbeitung ändern muss.
Eine Neigung oder eine Ahnung würden mir nicht reichen. Dir?
Ahnungen würde ich nicht unterschätzen. Sie sind ja die Ergebnisse von unbewußt ablaufenden Denkvorgängen. In der Regel hat unsere Intuition recht, wenn wir denn mal auf sie hören. Aber bei unserem Zeitraum-"Problem" kommen wir eigentlich ohne aus.
Du musst doch irgendwo einen
Widerspruch innerhalb der modernen Physik gesehen haben!?
Keinen Widerspruch, eher eine Auslassung. Da wir uns zwangsläufig entlang einer Zeitlinie bewegen, gehen wir davon aus, dass außerhalb nicht Relevantes existiert. Aber genauso wie die Fahrt auf einer Einschienenbahn uns nicht zeigt, was sich außerhalb unseres Blickfeldes befindet, ist es bei der Zeit genauso. Auch wenn Harald Schmidt - wie gestern abend passiert - Witze über "neue" Erkenntnisse von Paralleluniversen macht :)
Es ist einfach eine Sache der Betrachtungsweise. Unsere Zeitvorstellung ist ungefähr so, dass wir uns die Zeit als riesigen Gallertblock vorstellen, durch den sich die Materie hindurchbewegt. Genauso könnte man das Bild aber umdrehen (es ist ja ohnehin ein Modell) und die Materie als Block sehen (was passender wäre, da wir ja der Materie drei Dimensionen zugestehen, der Zeit aber nicht), durch den sich die Zeit bewegt - das wäre auch energetisch sinnvoll. So oder so bedeutet das aber, dass alle möglichen Geschehnisse bereits in erstarrter Form vorhanden sind und nur durch die Zusammenkunft mit einem Zeit- oder Materiepunkt aktiviert werden. Wenn das zu esoterisch klingt, sind wir ja hier genau richtig :)
(...)Frage: Wie nennst du den zeitlichen Raum zwischen „TICK“ und
„TACK“? Was ist das denn anderes als ein linearer Zeitverlauf?
Da wir uns mit dem Pendel in die gleiche "Richtung" bewegen, sind sowohl seine als auch unsere Aktivitäten synchronisiert, also auch linear. Wenn diese Pendelbewegungen gefilmt würden, könnte man auf dem Film beliebige Manipulationen an diesem regelmäßigen Ablauf vornehmen (schneller pendeln, Sprünge etc.), ohne freilich das "wirkliche" Geschehen zu beeinflussen. Allerdings nehmen wir Ereignisse ja auch wie ein Kamera auf und können daher nicht sagen, unsere Wahrnahmung entspräche auch nur annähernd der Wirklichkeit. Unser Gehirn bringt allen Input in eine "vernünftige" Reihenfolge und ein ebensolches System.
Ich hoffe, meine Fragen fordern dich heraus. Noch mehr hoffe
ich, dass ich dich richtig verstanden habe, sonst schreiben
wir aneinander vorbei.
Verschwommene Grenzen erweitern den Horizont ;)
MfG
Tai