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Sicherheit in öff. Verkehrsmitteln



Hallo,
hier ein lesenswerter Artikel über einen Vorfall in einem Berliner Bus und die Einstellung der Verkehrsbetriebe dazu.

http://www.morgenpost.de/content/2007...

Zu dem Thema wurde weiter unten schon diskutiert. Ich hatte mal einen Fall im Bus, wo ich mit Glück einen Taschendiebstahl einer "Sinti und Roma"Gruppe durch lautes "Polizei, Polizei!" schreien vereiteln konnte. Den Fahrer, der nicht weit weg war, hat das aber nicht weiter interessiert. Die beklaute Oma konnte immerhin wieder ihre Geldscheine aufklauben, die der Schweinehund vor Schreck fallengelassen hatte. Nächste Haltestelle ist der Trupp jedenfalls unbehelligt ausgestiegen.
Zugegebenerweise hatte ich mich aber auch nicht getraut viel mehr Alarm, als w.o. beschrieben zu machen, um mir nicht evtl. eines der in Südländern angeblich "zur Kultur gehörenden" mitgeführten Messer einzufangen.
Habt Ihr ähnliche Einzelerlebnisse gehabt?Wenn sich nicht der Fahrer sofort um Alarmierung von Ordnungskräften kümmert, wer dann? Bisher hab ich meinem Kind immer gesagt, sie soll zur Sicherheit vorne beim Fahrer in der Nähe sitzen. Nur, mischt der sich möglicherweise gar nicht in einen Konflikt ein ?

Gruß
rakete
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Re: Sicherheit in öff. Verkehrsmitteln


hallo rakete,

wie ich aus den zeitungen
erfahren habe:

die polizei rät,sich nicht
einzumischen.

lieber beobachten,die polizei
rufen und sich als zeuge zur
verfügung stellen.

wird man belästigt,andere direkt
ansprechen und um hilfe bitten.

man sollte sich auch über den
notfallparagraphen informieren.

keine selbstjustiz verüben,da der
staat ein gewaltmonopol besitzt.

außerdem sollte man noch folgendes
beachten:

- man kann mit den worten:
nazi,faschist und rassist beschimpft
werden.

- man kann auch später zuhause an der
wohnungstür oder über das telefon
angesprochen ( sprache egal ) werden.

mfg

kunde3

???...owT


...

Nicht überall so....../Fehlende Courage....


Hallo,

das ist nicht überall so....es hängt davon ab,welche
a)Technische Ausstattung die Verkehrsbetriebe haben
b)wo der Bus fährt


zu a)
Im Idealfall kann der Fahrer über einen versteckten Schalter einen Notruf an die Leitstelle auslösen,worauf hin sich diese akustisch und per Video in den Bus einschalten kann.Gleichzeitig wird die aktuelle Fahrzeugposition eingeblendet.
Im schlechtesten Fall muss der Fahrer die Leitstelle anfunken,was natürlich von jedem in seiner Nähe mitgehört werden kann.

zu b)
Die Tageszeit und die Fahrtroute des Busses haben natürlich ebenfalls
entscheidenden Einfluss auf die Hilfsmöglichkeiten.
So kann es Nachts und am WE in einer Großstadt in bestimmten Stadtteilen schon bis zu 25 Minuten dauern,bevor Polizei vor Ort ist.



ALLGEMEIN:
Es bleibt allerdings festzuhalten,das es allgemein an "Zivilcourage" mangelt.....
Würden die Leute mehr davon zeigen,so hätten einzelne "Chaoten" keine
Chance.....getreu dem alten Jadgmotto "Viele Hunde sind des Hasen Tod".....

Re: Nicht überall so....../Fehlende Courage....


Hallo,
Es bleibt allerdings festzuhalten,das es allgemein an "Zivilcourage"
mangelt.....
Würden die Leute mehr davon zeigen,so hätten einzelne "Chaoten" keine
Chance.....getreu dem alten Jadgmotto "Viele Hunde sind des
Hasen Tod".....
Das Problem ist doch, wer ist der Erste, der sich traut? Doch hierzu eine url:
http://www.aktion-tu-was.de/
und dort unter "Wie kann ich helfen?"
Grüße
Heinrich

Zivilcourage und Gruppen


Das Problem ist doch, wer ist der Erste, der sich traut? Doch
hierzu eine url:
http://www.aktion-tu-was.de/
und dort unter "Wie kann ich helfen?"
Ein weiteres Phänomen ist die geteilte Verantwortung.
Je mehr Personen einer Situation beiwohnen- zb. in einem Bus,
desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die (eigene) Verantwortung zum Eingreifen auf die jeweils anderen "Beteiligten" verschoben wird, da sie subjektiv zur Lösung besser geeignet scheinen.
Deshalb ist es gerade in solchen Situationen ja so wichtig, Menschen direkt anzusprechen und um Hilfe zu bitten.

siehe auch
http://www.friedenspaedagogik.de/them...

'Bystander-Intervention'


Huhu!


Eine kleine Anmerkung zu:Die letzte Aufzählung auf der Seite beschreibt die sog. "Bystander-Intervention" (von Latane, B. & Darley, J., 1970). Es handelt sich dabei um ein sehr gut erforschtes Modell, welches die Unterschiedlichen Schritte in dem Entscheidungsprozess zur Hilfeleistung untersucht & beschreibt.

Was Juristen ja ganz gerne mal tun, ist viel reden & dabei keine Ahnung haben (Himmel, der Mann ist Professor!).

Jedenfalls ist das Modell meiner Ansicht nach falsch beschrieben worden. Da dieses Thema mir in dieser Diskussion hier wesentlich erscheint, vielleicht eine Zusammenfassung:

Der Bystander-Entscheidungsprozess

In Schritt 1 & 2, bei der Entscheidung, ob man Hilfe leistet, muss das Ereignis bemerkt und als Notfall interpretiert werden. Die Interpretation einer Szene als Notfall ist bedroht von der "pluralistischen Ignoranz", d.h. je mehr Zuschauer, desto einfacher fällt es, die Entscheidung abzulehnen: es sind zu viele Menschen da, die nicht einem Notfall angemessen handeln.

In Schritt 3 muss die Verantwortung übernommen werden. Diese Entscheidung ist bedroht von der "Verantwortungsdiffusion". Es fällt leichter, persönliche Verantwortung wahrzunehmen, wenn weniger andere Menschen da sind, die ebenfalls die Verantwortung übernehmen könnten.

In Schritt 4 (und das ist der größte Patzer bei dem o.g. Artikel) hat man sich zur Hilfeleistung entschlossen. Es muss jetzt die Form der Hilfeleistung gewählt werden, und diese Form muss in der Anwendung möglich sein! Es ist durchaus möglich, dass jemand gerne helfen möchte, aber mangels Know-How das nicht kann! Hat jemand z.B. keine Ahnung von "Erster Hilfe", so kann er für einen stark blutenden Menschen in einer Schocksituation eventuell gar nichts tun (und ich fürchte, es gibt tatsächlich Menschen, die dann nicht wissen, was zu tun ist).

In Schritt 5 schließlich muss die Entscheidung zur Hilfe umgesetzt werden. Hierbei wird noch einmal abgewägt, ob eine eigene Gefahr sich ergibt. Sind die Kosten zu hoch, wird der Hilfeleistungsprozess abgebrochen.

Persönlich halte ich es für ein sehr elegantes Modell - und auch einfach und gut nachvollziehbar. Warum das für einen Juristen zu hoch ist - aber lassen wir das... ;)

Lieben Gruß
Patrick

oT


Der Artikel aus dem das ganze stammt, erklärt/begründet wie ich mich dunkel erinnere, die Differenzen zum Bystander.
Es ist also nicht zu "hoch" sondern Absicht- sonst würde sich da sicher auch direkt auf das Bystander bezogen.
Und Schwind ist nur die Quelle, nicht der Autor-

letztenendes halbwegs wumpe, für die Diskussion reichts.

frosch
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Re: oT


Hallo Frosch,

also wenn die Darstellung der Seite richtig ist, dann ist es schon ein Zitat des Professors.

Und es soll auch der Bystander-Prozess beschrieben werden. Aber wie Du schon sagtest - eigentlich auch egal.

Absichtliches Nicht-Helfen?

Ich glaube, die Menschen können in manchen SItuationen nicht anders als Nicht zu helfen. Und es gibt eben sehr robuste Prozesse, nach denen wir scheinbar funktionieren.

Interessant in dem Zusammenhang ist z.B. das Experiment von Darley & Latane (1968):

Die Versuchspersonen waren als Teilnehmer einer Diskussionssitzung über Fernsprechanlage eingeladen. Es gab ein vermeintliches "Opfer", ebenfalls an der Diskussion beteiligt. Und es gab 3 Versuchsbedingungen, in denen entweder kein weiterer Teilnehmer, ein weiterer Teilnehmer oder drei weitere Teilnehmer an der Diskussion beteiligt waren.

Das Opfer fing nach einiger Zeit an, um Hilfe zu schreien und zu stöhnen, bis es schließlich verstummte und keine Laute mehr von sich gab.

Gemessen wurde die Zeit, die die Probanden benötigten, um Hilfe zu organisieren.

In der Bedingung, in der kein weiterer Teilnehmer außer Versuchsperson (VP) und Opfer da waren, organisierten 85% der Versuchspersonen innerhalb einer Minute Hilfe, und nach 2,5 Minuten hatten alle 100 Prozent der VP dieser Versuchsbedingung Hilfe organisiert.

Dachten die VP, es gäbe noch einen weiteren Zeugen, dann hatten nach 1 Minute nur 62% der VP Hilfe organisiert, und nach 6 Minuten waren es 82%.

In der Bedingung mit drei weiteren Zeugen haben nach 1 Minute lediglich 31% der VP Hilfe geleistet, und nach 6 Minuten gerade mal 62%.

Wenn wir alleine sind, dann helfen wir also eher oder leichter, als wenn noch andere Menschen da sind.

Auswege aus der Ohnmacht

Wenn also die äußeren Umstände unser Verhalten modulieren, dann kann es wohl kaum "Absicht" sein dass man nicht hilft. Und damit sich das ändert, muss man Aufklärungsarbeit leisten.

So gibt es z.B. bei Coats (1998) Hinweise, dass die Aufklärung über den "Bystander-Effekt" schon ausreicht, um unsere Interventionsmöglichkeiten zu erhöhen.

Beaman et al (1978) haben dies versucht auszutesten: tatsächlich konnte die Hilfsbereitschaft unter Studierenden, die eine Vorlesung zum "Bystander-Effekt" gehört hatten im Vergleich zu Studierenden, die statt dessen eine andere Vorlesung besuchten, gesteigert werden, als diese Wochen später mit einer Notfallsituation konfrontiert worden sind (25% Helfer zu 43% Helfer).

Also Aufklärung hilft und tut Not - nur, um den Kreis zu schließen, sollte diese eben auch inhaltlich richtig sein... ;)

Lieben Gruß
Patrick

Soziologen sind schlechte Ordnungshüter


Hallo,
ich vermute für meinen Teil, dass Darley & Latane, Coats und Beaman schreiend weglaufen, wenn hinter ihrer schulter jemand "Buuh!" macht.
Die Herrschaften werden öffentliche Verkehrsmittel nur von ihrem Bentley aus betrachtet haben.
Die Lösung wird doch vielweniger bei der Betrachtung unter "laborbedingungen" zu suchen sein, als vielmehr bei der Vermittlung von richtigen Werten. Wenn im Vorkriegseuropa ein Lümmel nicht für eine alte Dame den Sitz frei gemacht hat und vielleicht noch die Beine auf den Sitz gepackt hatte, hatte er sicher unter dem Beifall aller Fahrgäste eine schallende Ohrfeige erhalten und der Rechtsfrieden wurde ruckzuck wieder hergestellt. Das Naziunwesen pervertierte und missbrauchte diesen natürlichen Ordnungssinn des Bürgers für ihre Verbrechen.Aus Gründen der Scham über ihre Kolonialverbrechen haben sich viele andere Europäer, diesem Trend wohl leider angeschlossen und die Reststaaten schließlich auch.Das "Einstehen für die Gemeinschaft" wird jetzt eher als faschistische Untugend aus der Richtung "Opfersinn, Kadavergehorsam" gesehen. Egoismus und eine Art von "Feigheit" scheint als neuer Wert zu gelten.Ich nehme mich da leider nicht aus. Will man das umkehren, hilft kein Soziologengesabbel. Man muss wohl bei der Erziehung (Elternhaus und Schule) ansetzen. Da die andere, eigene Probleme haben, kann man sich das wohl abschminken und man wird auf beherzte Einzelaktionen von hilfreichen Mitbürgern angewiesen bleiben.
Gruß
rakete

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