Hi!
Ich bin zwar kein Historiker, melde mich aber dennoch zu Wort. 
Ich halte beide Aussagen („Der deutsche Soldat war besser als andere“ und „Der deutsche Soldat hat weniger/keine Kriegsverbrechen begangen“) für ziemliche Legenden.
Die deutschen Kriegserfolge in den Jahren 1939 bis 1941/42 beruhten größtenteils auf eine zum damaligen Zeitpunkt höchst neuartige Kriegführung. Motorisierte Kampfverbände sollten die feindlichen Linien durchbrechen und tief in das Hinterland vorstoßen. Dazu kam der Einsatz von Kampfflugzeuge, die auf taktische Schwerpunkte konzentriert wurden. Diese neue Taktik sorgte für die deutschen Erfolge in Polen, in Westeuropa und zu Beginn des Rußlandfeldzuges.
Dazu kam, daß die gegnerischen Truppen mit veraltetem Material kämpfen mußten (Polen), ihre Panzerkräfte als Unterstützungswaffe der Infanterie ansahen und sinnlos über die gesamte Frontlänge verstreuten (Frankreich), oder die Armee einer durchgreifenden Reorganisation unterworfen war, die den Kampfwert drastisch senkte (UdSSR).
Bezeichnenderweise gerieten deutsche Einheiten schon zu Beginn des Krieges wiederholt in größte Schwierigkeiten, wenn ihnen ein halbwegs gleichwertiger Gegner gegenüber stand.
Die deutsche 8.Armee drohte am 9.September 1939 von polnischen Einheiten bei der Schlacht an der Bzura überrannt zu werden. Der polnische Angriff konnte nur durch massiven Einsatz der Luftwaffe gestoppt werden.
In Norwegen hätten französische und britische Einheiten bei einer etwas entschlosseneren politischen Führung die Deutschen problemlos rausprügeln können (der ganze Norwegenfeldzug war für die deutsche Seite zwar ein Sieg, aber taktisch eine einzige Katastrophe).
In Frankreich geriet die Wehrmacht jedesmal in Probleme, wenn Franzosen und Briten einen Angriff nach deutscher Taktik durchführten.
Und der vermeintlich „sensationelle“ Vormarsch in Rußland beruhte auf zwei Punkten: einer höchst unflexiblen Verteidigungsstrategie des sowjetischen Oberkommandos (vor allem auf Stalins Befehl) sowie dem Fehlen erfahrener Offiziere bzw. der ständigen Einmischung der politischen Offiziere in die Befehlsausgabe (Stalin hat später die politischen Offiziere aus den Kampfeinheiten herausgezogen). Außerdem ist zu sagen, daß die deutschen Verluste vom Juni bis Dezember 1941 exorbitant hoch waren, dies aber bis heute nicht ins öffentliche Bewußtsein vorgedrungen ist. Man hört immer nur die riesigen Verlustzahlen der Roten Armee (die Wehrmacht hat vom 22.Juni bis Ende August 1941 über 400.000 Mann verloren - das ist „Stalingrad-Niveau“).
Von einer „überlegenen Tapferkeit“ des deutschen Soldaten sehe ich da nichts, allenfalls einen gewissen Vorsprung bei der Taktik.
Der zweite Punkt, der deutsche Soldat hätte weniger oder keine Kriegsverbrechen begangen, läßt sich kaum aufrecht erhalten. Die Wehrmacht war an Kriegsverbrechen genauso beteiligt wie die SS oder ander NS-Gruppierungen. Im Sommer 1941 gab es den „Reichenau“-Befehl, in dem GFM Reichenau seine Wehrmachtstruppen anweist, Hitlers „Weltanschauungskrieg“ zu unterstützen und das „Untermenschentum“ auszurotten - was dann ja auch fleißig gemacht wurde. Die Verbrechen der Wehrmacht begrenzten sich nicht nur auf die Ostfront oder auf die Gruppe der Juden. Die Wehrmacht hat auch an (ehemaligen) Verbündeten Verbrechen begangen, z.B. das Massaker an mehreren tausend unbewaffnetetn italienischen Soldaten auf Zakynthos. Und hier war es eindeutig die Wehrmacht und nicht etwa die SS.
Natürlich hat auch die Gegenseite Kriegsverbrechen begangen, die nicht geahndet wurden, weil sie siegreich waren. Das ist aber kein Grund, die Wehrmacht plötzlich hochzuhalten und zu heroisieren. Kriegsverbrechen können nicht gegeneinander aufgerechnet werden. Sie addieren sich.
Grüße
Heinrich