Hi!
Habe gerade den Film „Luftschlacht um England“ im WDR gesehen
und kam da auf die Frage warum die Nazis nicht gleich nach
Dünkirchen eine Invasion in England gestartet haben (nicht das
ich mir das wünschte!!
)
Die Verlagerung von mehreren hunderttausend Mann von einer Seite des Ärmelkanals auf die andere verlangt eine enorme Logistik. Die Truppen müssen koordiniert zusammengezogen werden, da notwendige Kampfmaterial wie Panzer, Artillerie und Munition muß bereitstehen, dazu der gesamte Verwaltungsapparat von Führungsstellen über Lazarette bis hin zum Landtransport. Einfach so hopp-hopp über die Straße von Dover geht da nicht.
Ein paar historische Geschehnisse sind auch drin (die
versehentliche Bombardierung von London, da fällt mir gleich
eine weitere Frage ein, wurde Berlin tatsächlich nach dem 1.
Bombardement auf London gleich auch bombardiert??)
Dies ist historisch korrekt. Der versehentlichen Bombardierung Londons (es war den deutschen Bombern strikt untersagt, London anzugreifen; durch einen Navigationsfehler passierte es dennoch) folgte umgehend ein Luftangriff auf Berlin. Dies brachte die deutsche Führung so in Rage, daß sie einen Wechsel der Strategie befahlen: statt der Flugplätze wurden jetzt die Großstädte bombardiert - was die RAF schließlich rettete.
Ich habe meine eigene Theorie:
Hitler wollte GB wohl nicht als Feind (das ist ja auch belegt:
J. Ribbentrop der 2 Jahre in England lebte). Es scheint mir,
dass zuerst eine Eskalation verhindert werden sollte und
England ggfs. als Verbündeter, bzw. „Stillhalter in Europa“
gewonnen werden sollte! Könnte, nebenbei, auch R. Hess’
„Englandflug“ erklären, wobei die Nazi-Führung bereits mit
diesem Thema abgeschlossen hatte.
Hitler hat die Haltung Englands nie verstanden. Er selbst wollte eine Aufteilung der Welt in verschiedene Machtsphären (Deutschland den Osten Europas, Italien den Mittelmeerraum, Japan Ost- und Südostasien, Großbritannien die Überseekolonien). Daß die Briten sich wegen Polen in einen Krieg gegen Deutschland begeben, war für Hitler unverständlich. Das im Film gemachte Zitat Hitlers „England sei nicht der von der Vorsehung gegebene Feind Deutschlands“ ist historisch korrekt.
Der militärstrategische Plan zur Invasion Englands ist in sich schlüssig und korrekt. Die deutsche Marine konnte weder den Schutz der Landungsflotte garantieren noch die Royal Navy in einer direkten Auseinandersetzung besiegen (z.B. war fast die gesamte Zerstörerflotte der deutschen Marine bei der Landung in Norwegen zusammengeschossen worden). Daher würde die Luftwaffe die britischen Kriegsschiffe im Falle einer Landung angreifen müssen. Gleichzeitig würden die deutschen Truppen während des Übersetzens und der Anlandung unter das Feuer der Royal Air Force geraten. Schlußfolgerung: Für eine Landung ist die absolute Lufthoheit erforderlich (siehe auch alle alliierten amphibischen Landungen in Europa und im Pazifik). Für eine entsprechende Luftoperation war die Luftwaffe aber nicht ausgerichtet: die Jäger hatten entweder zu geringe Reichweite bzw. Flugdauer (Me109) oder waren den britischen Jägern im Luftkampf unterlegen (Me110); die Bomber waren zu schwach in der Defensive (Ju87) oder von ihrer Konstruktion her nicht auf strategisches Bombardement ausgerichtet (He111, Do17, Ju88). Es muß angezweifelt werden, ob die Luftwaffe überhaupt eine Chance hatte, die Luftherrschaft zu erringen. Selbst eine erfolgreiche Fortsetzung der massiven Angriffe auf britische Flugplätze - was bekanntlich zur schärfsten Krise der Royal Air Force führte - hätte wohl kaum ausgereicht, um eine Landung zu begünstigen.
Die deutschen Verluste waren enorm hoch. Die Luftwaffe verlor fast 2.300 Maschinen und über 4.500 Mann fliegendes Personal. Auf Seiten der RAF kämpften 2353 Briten und 574 Alliierte bei 544 Toten.
Grüße
Heinrich