Re: Fanfaren: Rückzug, Sammeln, Angriff usw.
Hallo Karsten,
Die Geschichte des militärischen Signal-Wesens ist sehr lang und umfangreich so das ich hier Dir nur einen kurzen Überblick geben kann.
Schon im Altertum wurde mit verschiedenen Signalen gearbeitet, so das Befehle über eine grössere Entfernung und vor allem, allen verständlich übermittelt werden konnte. Die Römer hatten z.B. extra ausgebildete Soldaten die mit einem Hornartigen Instrument (Cornu) im Lager, auf dem Marsch oder in der Schlacht Befehle damit weitergaben.
Fahnen, Flaggen und Standarten dienten im Mittelalter und in den Landsknechtsheeren dazu Signale zu übermitteln, da die Signalmusik dort fast keine Rolle spielte...Später wurden die Flaggen etc. nur noch zu Identifikation einzelner Truppenteile verwendet. In den Heeren Friedrichs des Großen und anderen absolutistischen Heeren kamen kleinere Musikzüge hinzu die neben der Signalmusik auch Marschmusik spielten. Mit Pfeifen und Trommeln sorgten sie für den richtigen Marschtakt und es wurden auch Befehlsnotationen für Fife&Drums herausgegeben. In der Schlacht weren die Militärmusiker (mit ausnahme der Signalmusiker) als Sanitäter eingesetzt. In der Kavallerie bediente man sich aus leicht verständlichen Gründen eines Blechblasinstrumentes und Pauken. Die Bugle Calls sind extra für Kavallerie zugeschnittene akkustische Befehlssignale wie aufsitzen, absitzen, Galopp etc. allgemeine Befehle wurden oft als vereinfachte Infanteriesignale übernommen. In der Infanterie sah es z.B. im Zeitalter Napoleons so aus, das im lager der Hornist für die Signalgebung zuständig war. Sammeln, Appell, Ankündigung diverser Offiziere, Antreten, Alarm es gab sogar Signale für das Sammeln zum Baden. Bei der Marine wird traditional mit der sogenannten Bootsmannspfeife signal gegeben. Dies ist eine kurze metallene Pfeife mit einem Loch. Am bekanntesten ist wahrscheinlich das sogenannte Seitenpfeifen zum an- und von Bord gehen div. Offiziere. Für zeremonielle anlässe war auf grösseren schiffen eine militärkapelle der Marine-infanterie zuständig. Im Felde kam zu den Hornisten noch div. Trommler dazu, meist Jungs im Alter zwischen 8-14 die beim Angriff den Marschtakt trommelten. Später wurden diese Jungen aber in den hinteren Linien zurückgelassen. Die Artillerie hatte nur in Ausnahmefällen (z.B. berittene Artillerie) Hornisten, da aufgrund der Lautstärke man sowieso nix hörte und Befehle eher durch Handzeichen gegeben wurden. Heutzutage gehören Signale immer noch als traditionelles Zeremoniell in die diversen Armeen der Länder. Besonders in der Marine wird diese Tradition noch sehr wichtig genommen. Bekannt in Deutschland ist das Signal-Zeremoniell der Große Zapfenstreich der bei besonderen Anlässen wie Vereidigung eines Verteidigungsminister, oder Vereidigung von Rekruten begangen wird.
Ich hoffe Dir ein wenig geholfen zu haben und bei weiteren Fragen oder Musikbeispielen, noten etc. wende dich bitte mit e-mail an mich.
Gruß Mirko