5. Juli 1943, 4:30Uhr

Von: , Frage gestellt am Mo, 5. Jul 2004

Hallo,

Heute früh, vor 61 Jahren, begann die Apokalypse von Kursk.

Im Norden der Kursker Frontvorsprungs beginnt die 9. Armee
(Model) mit einer 80-min Artillerievorbereitung.

Im Süden,3 Stunden später, rollt Hoth's 4. Panzerarmee los.

Fortsetzung folgt.


Grüße

CMБ

11 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 25 Minuten 0 hilfreich
    Re: 5. Juli 1943, 4:30Uhr

    Fortsetzung folgt.
    Warum das ?
    Niemand wollte das wissen!!

    mfg Conrad

    • Antwort von nach 6 Stunden 2 hilfreich
      Re^2: 5. Juli 1943, 4:30Uhr

      Hallo Conrad, Fortsetzung folgt.
      Warum das ?
      Niemand wollte das wissen!!
      Sorry, das nächste mal frage ich vorher den
      "Forums-Führer" Conrad, ob er befindet,
      dass es jemanden interessiert. Versprochen.

      OK, da Du also fragst, nenne ich gleich die Daten.

      Die "Schlacht am Kursker Bogen" wurde hier
      bisher einmal richtig durchgekaut, allerdings
      gab es Diskussionen wegen der Quellen.

      Wie angedeutet begann heute früh vor 61 Jahren
      die grösste räumlich und zeitlich zusammenhängende
      "Schlacht" der bekannten Geschichte.

      Hier die mir bekannten Zahlen:

      [Sowjetische Seite]          Soldaten  Verluste | Panzer  Verluste
      . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . .
      Schlacht am Kursker Bogen:  1.910.361   177.847 | 5.128    1.614
      Orel-Offensive:             1.286.049   429.890 | 3.324    2.586
      Belgorod-Charkov-Offensive:   980.588   255.566 | 2.439    1.846
      . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . .
      Total:                     ~2.500.000   863.303 | 7.360    6.064
      [Deutsche Seite]             Soldaten  Verluste | Panzer  Verluste
      . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . .
      Schlacht am Kursker Bogen:    780.900    49.882 | 2.928    N/A
      Orel-Offensive:               475.000     N/A   |   825    N/A
      Belgorod-Charkov-Offensive:   330.000     N/A   |   530    N/A
      . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . .
      Total:                        940.900     N/A   | 3.253    N/A
      Quelle: Glantz/House "The Battle of Kursk", 
      University Press of Kansas 1999, 0-7006-0978-4


      Mit der Niederlage der Deutschen in dieser Schlacht war
      die Niederlage im 2. Weltkrieg endgültig und unwieder-
      ruflich besiegelt.

      Insofern ist das Datum auch bedeutend, da anders als am
      20. Juli 44 tatsächlich Dinge geschahen, die die Geschichte
      änderten.

      Was meinst Du dazu? Hast Du weitere Quellen zu den
      konkreten deutschen Verlusten, die zitierfähig sind?

      Grüße

      Euer CMБ

      • Antwort von nach 8 Stunden 2 hilfreich
        Re^3: 5. Juli 1943, 4:30Uhr

        Hallo Semjon,

        Wie angedeutet begann heute früh vor 61 Jahren
        die grösste räumlich und zeitlich zusammenhängende
        "Schlacht" der bekannten Geschichte.

        Hier die mir bekannten Zahlen:<PRE>[Sowjetische Seite]
        Soldaten Verluste | Panzer Verluste
        . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . .
        . . .
        Schlacht am Kursker Bogen: 1.910.361 177.847 | 5.128
        1.614
        Orel-Offensive: 1.286.049 429.890 | 3.324
        2.586
        Belgorod-Charkov-Offensive: 980.588 255.566 | 2.439
        1.846
        . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . .
        . . .
        Total: ~2.500.000 863.303 | 7.360
        6.064



        [Deutsche Seite] Soldaten Verluste | Panzer
        Verluste
        . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . .
        . . .
        Schlacht am Kursker Bogen: 780.900 49.882 | 2.928 N/A
        Orel-Offensive: 475.000 N/A | 825 N/A
        Belgorod-Charkov-Offensive: 330.000 N/A | 530 N/A
        . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . .
        . . .
        Total: 940.900 N/A | 3.253
        N/A


        Ich nehm mal nur die vergleichbaren Personalverlustzahlen heraus: 177.847 Sowjetarmee zu 49.882 Wehmacht und SS wohl; macht 3,5 zu 1. Da versteht man, auf was der Himmler seine Posener Durchhalterede abstellen konnte, als er seinen Grufs. und OGrufs. sagte, dass auf der anderen Seite bald der letzte kommen müßte. Allerdings hat er eingeräumt, dass er sich womöglich zuvor verzählt haben könnte, weil die Bolschewiken alles, selbst ihre Bevölkerungszahlen, so schrecklich geheim hielten. "Afghanen und andere Volkssplitter" hätte "der Russe" aufgeboten; "Chinesen hat er aber nicht gekriegt"; das letztere sollte wohl die gute Nachricht für die besorgten "Völkerkundler" sein.


        Mit der Niederlage der Deutschen in dieser Schlacht war
        die Niederlage im 2. Weltkrieg endgültig und unwieder-
        ruflich besiegelt.

        Insofern ist das Datum auch bedeutend, da anders als am
        20. Juli 44 tatsächlich Dinge geschahen, die die Geschichte
        änderten.
        Die Zahlen aus dem Osten sind natürlich wuchtig hoch drei verglichen mit dem geschehen im Westen. Und ich würde es Stalins seinerzeitiger Blutpumpe auch zugetraut haben, bei ausgebliebener Invasion noch ein paar Monate länger Volk ins Feuer zu werfen, zumal mit erreichen von Hitlers Ostverbündeten sich ja auch dort die Waffen zugunsten der SU drehten.

        Das Mit der "Hauptlast" ist ja alles völlig unbestritten, nur war eben der Westen ab dem 6.6.44 auf dem Kontinent präsent und es kannte keinen kontinentalen Alleinsieger mehr geben; keinen Stalin und (nur theoretisch) auch kenien Hitler mehr, sondern nur noch eine Siegerkoalition mit den Amis als unverbrauchtester und deshalb co-dominanter Macht. Blut schafft eben auch nur Tatsachen, aber keine Gerechtigkeit. Von noch größerem Gewicht als vergossenes Blut scheint geschontes Blut zu sein, und darin sich ja nun die Amerikaner Weltmeister. Also: In der Schonung des eigenen Blutes, meine ich.

        Eine weitere Ungerechtigkeit und eine Überraschung fielen noch für die USA ins Gewicht:

        1. Der Bombenkrieg; der hat zwar nicht die großdeutsche Stimmung vermiest, wohl aber die Rüstungsprioritäten des Dritten reiches zu Lasten der Bodenkampfunterstützungsfähigkeit der Luftwaffe und der Bodenkriegsführungskapazität überhaut (quasi unterirdisch) verzerrt. Jeder Abfangjäger für die Reichsluftgaue fehlte anteilig als Schlachtflugzeug (hauptsächlich eben) an der Ostfront und angeblich sollen 30% aller Artillerie- und Ari-Munitionskapazitäten in den Bombenkriegshimmel geschossen worden sein. Da wären Sowjetveteranen also mal zu fragen, ob sie mit 30 % mehr Feuerkraft bei den Faschisten auch fertig geworden wären. Kann ja sein, aber das wäre halt der indirekte Schützenhilfebeitrag des Bombenkrieges für Stalins Mannen gewesen.

        Auch die dramatische Fehleinschätzung von Göring, was die Transportkapazitäten für die Luftversorgung des Stalingrader Kessels angeht, stehen damit wohl in Zusammenhang. Interessant dabei ist, dass Himmler wie Hitler mehrfach geäußert haben, dass sie den Velust der Städte so tragisch nicht fänden, während andere trotzdem dafür gesorgt haben, dass auch um die Luftverteidigung gerungen wurde und nicht fast alles in den Bodenkrieg im Osten gesteckt wurde. Soweit zum wohl faktischen Nutzen des ansonsten ja nicht gerade kriegerethisch vorbildlichen Bombenkrieges

        Ferner wäre wohl noch von Bedeutung, dass sich US-Produkion und SU-Bedarf wirklich prima im Sinne von "Synergie" ergänzt haben sollen. Also die Amis konnten den Sowjets relativ "locker" das liefern, was sie zu einer hebelmäßigen Steigerung ihrer Wirkungsgrade auch dringend brauchten. Radfahrzeuge, Nachrichtenausrüstungen und Rindfleischkonserven, so dass die SU ihr knappes Getreide nicht auch noch an Schlachtvieh verfüttern mußte, so dass sie sich wohl fast komplett auf die Produktion von Kettenfahrzeugen koinzentrieren konnte und dringend benötigte Kommunikationsausrüstungen schneller, bzw. überhaupt bekam.

        All das sind Faktoren, die die Nazis nicht bedacht hatten. Die dachten halt, dass die Amis feige und die Russen Trottel seien und dachten aber nicht, dass womöglich daraus trotzdem etwas werden kann, bzw. dass das nicht so schlimm ist, wenn es nur "gut kombiniert" wird. Demgegenüber haben die Nazis mit den Japanern überhaupt nichts koordiniert, worüber ich mich in einem Beitrag über die "Siegesfrage" etwas weiter unter auf diesem Brett auslasse.

        Was ich gerne zeigen möchte ist, dass die Art wie Tatsachen entstehen nicht nur im Frieden schon ungerecht ist, sondern auch dann, wenn die Waffen sprechen. Klar konnten die Amerikaner relativ locker absahnen, aber sie haben den Schlamassel ja auch nicht angefangen. Hitler wollte seinen Überfall und gönnte ihn sich dann auch nachdem er zuvor alle Bedingungen eines Mehrfrontenkrieges geschaffen hatte, den es ja nun gerade auch nach seiner zuvorigen Bekundung unbedingt zu vermeiden galt. Stalin, bzw. die SU hatte sich bei den Polen so unbeliebt gemacht, bzw. gehalten, dass sie sich von ihm auch gegen Hitler nicht haben helfen lassen wollen, so dass in Europa keine brauchbare Antikriegsfront zustande kam. Umgekehrt wurden die Polen nur deswegen überfallen, weil sie sich nicht von Hitler gegen die SU haben einspannen lassen wollen. Hitler schlug also schon 1939 gegen jemanden los, den er lieber zum Verbündeten gehabt hätte und handelte sich damit auch eine westliche Kriegserklärung ein, obwohl er für einen Krieg gegen die SU doch auf westlichen Applaus gehofft hatte. Und nachdem er den erst mal nur halb gewonnen hatte, wurde er langsam ungeduldig und brach nachdem alle Bedingungen dafür verdorben waren, seine eigentliche Leitidee vom Zaum und überfiel die SU, die zwar keiner mochte, aber dank Hitlers Genialität sofort alle doch mitverteidigten. Die halbe Welt verhielt sich auf einmal „trotzkistisch“ und verteidigt die ungeliebte Sowjetunion, was wahrscheinlich die Sowjets selbst auch erheblich gewundert haben dürfte. Und der Fernostverbündete Japan zog anstatt gegen die SU zu Felde, den „schlafenden Riesen“ USA mit rein. Und am Ende sieht alles so aus, wie eine „jüdische Weltverschwörung“.

        Ich bin immer wieder darüber völlig platt, wie jemand, mit einem Weltbild in dem nichts stimmt, dafür sorgen kann, dass es von seiner Warte aus, kurzzeitig so aussehen kann, als wäre es so wie er dachte und zwar exakt so lange, bis alles wie nie zuvor in Scherben liegt. Die Produktion von Grauen ist relativ leicht zu verstehen, aber die Produktion eines Anscheins von Notwendigkeit, oder womöglich auch noch „Heil“ dabei, die ist doch eine Meisterleistung, über die man nur dann den Verstand nicht verlieren kann, wenn man keinen hat.

        Die ganze Streiterei darüber, ob nun die Deutschen das dämonischste Volk der Welt sind und die Russen das ewig heldenhaft leidende, und die nachgeordneten Vermutungen, ob nicht das alles irgendwer Verborgenes heimlich angezettelt hat, führen alle nicht weiter. Auch sehe ich nicht solche „urdeutschen“ Eigenschaften wie „Gründlichkeit“, oder „Vernichtungswillen“ am Werk, sondern eher einen naiven Trotz, der sich unter bestimmten Bedingungen eine Zeit lang gegen alle Tatsachen aufbäumen kann und der nach dem Motto: „Wir sind zwar auf dem Rückzug, aber die anderen haben bald keine Leute mehr“, bis fünf nach zwölf bei der Sache bleibt.

        Ich glaub, für heute reichts,

        Gruß
        Thomas

        P.S. Steht das „Б“ für was historisches, Brussilow, Bagramjan oder Birobidschan?

        • Antwort von nach 2 Tagen 1 hilfreich
          Re^4: 5. Juli 1943, 4:30Uhr

          Hi Thomas,

          sorry dass ich Deinen ausführlichen
          Beitrag erst jetzt beantworte. Die Zahlen aus dem Osten sind natürlich wuchtig hoch drei
          verglichen mit dem geschehen im Westen. Und ich würde es
          Stalins seinerzeitiger Blutpumpe auch zugetraut haben, bei
          ausgebliebener Invasion noch ein paar Monate länger Volk ins
          Feuer zu werfen, zumal mit erreichen von Hitlers
          Ostverbündeten sich ja auch dort die Waffen zugunsten der SU
          drehten.
          Das war ja auch ein Resultat der Schlacht, dass alle
          sahen, Deutschland wird verlieren. Das brachte die
          "Verbündeten" Deutschlands dazu, mit dem Westen
          Verhandlungen zu beginnen. Das war afaik auch der
          Anfang vom Ende Italiens als Bündnispartner. Das Mit der "Hauptlast" ist ja alles völlig unbestritten, nur
          war eben der Westen ab dem 6.6.44 auf dem Kontinent präsent
          und es kannte keinen kontinentalen Alleinsieger mehr geben;
          keinen Stalin und (nur theoretisch) auch kenien Hitler mehr,
          sondern nur noch eine Siegerkoalition mit den Amis als
          unverbrauchtester und deshalb co-dominanter Macht. Blut
          schafft eben auch nur Tatsachen, aber keine Gerechtigkeit. Von
          noch größerem Gewicht als vergossenes Blut scheint geschontes
          Blut zu sein, und darin sich ja nun die Amerikaner
          Weltmeister. Also: In der Schonung des eigenen Blutes, meine
          ich.
          Das ist sicher so. Selbst von der Hälfte der Truppen, die
          die Wehrmacht nur bei Zitadelle einsetzte, wäre jede Invasion
          im Westen pulverisiert worden.

          Schaut man sich die erste Gegenoffensive der Russen in
          die Operation Zitadelle hinen an, die Orel-Gegenoffensive
          (Schukow), dann haben die dort in nur wenigen Wochen 500.000
          Mann geopfert. Das ist schon krass. Eine weitere Ungerechtigkeit und eine Überraschung fielen noch
          für die USA ins Gewicht:
          1. Der Bombenkrieg; der hat zwar nicht die großdeutsche
          Stimmung vermiest, wohl aber die Rüstungsprioritäten des
          Dritten reiches zu Lasten der
          Bodenkampfunterstützungsfähigkeit der Luftwaffe und der
          Bodenkriegsführungskapazität überhaut (quasi unterirdisch)
          verzerrt. Jeder Abfangjäger für die Reichsluftgaue fehlte
          anteilig als Schlachtflugzeug (hauptsächlich eben) an der
          Ostfront und angeblich sollen 30% aller Artillerie- und
          Ari-Munitionskapazitäten in den Bombenkriegshimmel geschossen
          worden sein. Da wären Sowjetveteranen also mal zu fragen, ob
          sie mit 30 % mehr Feuerkraft bei den Faschisten auch fertig
          geworden wären.
          Afaik ist es noch viel "spannender". Im Südabschnitt von
          Zitadelle (Belgorod-Kursk-Achse) ist die 4.Panzer insbesondere
          mit dem 2.SS-Panzerkorps durch die zweite Linie der Russen
          gebrochen (10-11 Juli). Die Totenkopf ging teilweise schon
          über den Fluss Psel (letztes Hindernis vor Kursk).

          Der Stoss wurde von bekanntlich Hitler persönlich abgebrochen,
          da die Alliierten in Italien gelandet waren. Afaik protestierten
          Hoth und Manstein gegen den Abbruch, weil sie (noch) eine Chance
          für Erfolg sahen, wenn die (vorhandenen) Reserven nachgeführt
          werden. Kann ja sein, aber das wäre halt der indirekte
          Schützenhilfebeitrag des Bombenkrieges für Stalins Mannen
          gewesen.
          Der Bombenkrieg bewirkte etwas entscheidendes. Er kostete
          die Deutschen ab Frühsommer 43 die Luftherrschaft an der
          Ostfront. Etwa ab Kursk hatten die Russen die Luftherrschaft;
          die Deutschen konnten nur, iirc, nur lokal Luftüberlegenheit
          operativ herstellen. Das war schon ein enormer Beitrag.

          Der wesentliche Anteil, den die Amerikaner zum sowjetischen
          Sieg im Sommer 43 "lieferten", bestand in der Lieferung
          enormer Mengen von mittleren Lastkraftwagen und Treibstoff.
          Eine Schlacht von Millionen Soldaten wird in erster Linie
          zum Logistikproblem, die Deutschen haben auch die "Logistik-
          schlacht" verloren, was öfters dazu führte, dass keine
          Artillerie- oder Panzermunition, geschweige denn Treibstoff,
          mehr vorhanden war. Auch die dramatische Fehleinschätzung von Göring, was die
          Transportkapazitäten für die Luftversorgung des Stalingrader
          Kessels angeht, stehen damit wohl in Zusammenhang. Interessant
          dabei ist, dass Himmler wie Hitler mehrfach geäußert haben,
          dass sie den Velust der Städte so tragisch nicht fänden,
          "O-Ton Hitler: "bauen wir nach dem Endsieg wieder viel schöner
          und prachtvoller auf ..." während andere trotzdem dafür gesorgt haben, dass auch um die
          Luftverteidigung gerungen wurde und nicht fast alles in den
          Bodenkrieg im Osten gesteckt wurde. Soweit zum wohl faktischen
          Nutzen des ansonsten ja nicht gerade kriegerethisch
          vorbildlichen Bombenkrieges
          Es ist tatsächlich so. Deutsche Schlachtflieger und Jagdbomber
          konnten zu Kursk gerade mal die Hauptstrassen zu den sow.
          Bereitstellungsräumen abdecken. Gigantische Mengen an sowj.
          Kriegsgerät sind druch die weite Landschaft unbehelligt
          und oft unentdeckt an die Front gerollt. Ferner wäre wohl noch von Bedeutung, dass sich US-Produkion
          und SU-Bedarf wirklich prima im Sinne von "Synergie" ergänzt
          haben sollen. Also die Amis konnten den Sowjets relativ
          "locker" das liefern, was sie zu einer hebelmäßigen Steigerung
          ihrer Wirkungsgrade auch dringend brauchten. Radfahrzeuge,
          Nachrichtenausrüstungen und Rindfleischkonserven, so dass die
          SU ihr knappes Getreide nicht auch noch an Schlachtvieh
          verfüttern mußte, so dass sie sich wohl fast komplett auf die
          Produktion von Kettenfahrzeugen koinzentrieren konnte und
          dringend benötigte Kommunikationsausrüstungen schneller, bzw.
          überhaupt bekam.
          Das stimmt natürlich. Wobei, wie gesagt, für die konkrete
          Gefechtsführung "genügend mobile Transportmittel" das absolut
          Ausschlaggebende ist, imho. All das sind Faktoren, die die Nazis nicht bedacht hatten. Die
          dachten halt, dass die Amis feige und die Russen Trottel seien
          und dachten aber nicht, dass womöglich daraus trotzdem etwas
          werden kann, bzw. dass das nicht so schlimm ist, wenn es nur
          "gut kombiniert" wird.
          Im OKH dachte man sicher nicht, die Russen wären Trottel.
          Für das OKW kann das hinkommen ;-) Spätestens seit September
          1941 war klar, mit welchem Gegner man es zu tun haben könnte,
          wenn das sowjetische "Führungsproblem" gelöst ist. Und die
          Sowets haben es gelöst. Ab Mitte 43 machten die Sowjets
          schnelle Panzervorstöße und Einkesselungen, so wie sie
          es von den Deutschen gelernt hatten.

          Interessanterweise werden die Briten niemals als "feige"
          dargestellt, sondern als "harte arische Brüder". bei den
          Amerikanern ist das imho durchwachsen, vor allem, als man
          negroide und jüdische Gefangene mit US-Uniformen machte,
          wurden diese zwar in der Wochenschau vorgeführt,
          aber an eine Generalisierung "die Amerikaner sind feige"
          kann ich mnich nicht erinnern. Eher noch: "die Amerikaner
          sind ziemlich durchrasst". Was ich gerne zeigen möchte ist, dass die Art wie Tatsachen
          entstehen nicht nur im Frieden schon ungerecht ist, sondern
          auch dann, wenn die Waffen sprechen. Klar konnten die
          Amerikaner relativ locker absahnen, aber sie haben den
          Schlamassel ja auch nicht angefangen. Hitler wollte seinen
          Überfall und gönnte ihn sich dann auch nachdem er zuvor alle
          Bedingungen eines Mehrfrontenkrieges geschaffen hatte, den es
          ja nun gerade auch nach seiner zuvorigen Bekundung unbedingt
          zu vermeiden galt. Stalin, bzw. die SU hatte sich bei den
          Polen so unbeliebt gemacht, bzw. gehalten, dass sie sich von
          ihm auch gegen Hitler nicht haben helfen lassen wollen, so
          dass in Europa keine brauchbare Antikriegsfront zustande kam.
          Umgekehrt wurden die Polen nur deswegen überfallen, weil sie
          sich nicht von Hitler gegen die SU haben einspannen lassen
          wollen. Hitler schlug also schon 1939 gegen jemanden los, den
          er lieber zum Verbündeten gehabt hätte und handelte sich damit
          auch eine westliche Kriegserklärung ein, obwohl er für einen
          Krieg gegen die SU doch auf westlichen Applaus gehofft hatte.
          Ich dachte, er betrachtet "Polen" als ein seltsames
          "Kunstgebilde", das in der modernen Staatenwelt keinen
          Platz und keine Existenzberechtigung hätte. Darin - und
          nur darin - war er sich mit den Russen einig. Und nachdem er den erst mal nur halb gewonnen hatte, wurde er
          langsam ungeduldig und brach nachdem alle Bedingungen dafür
          verdorben waren, seine eigentliche Leitidee vom Zaum und
          überfiel die SU, die zwar keiner mochte, aber dank Hitlers
          Genialität sofort alle doch mitverteidigten.
          Dass Hitler die SU angreift, war aus seiner Sicht eine
          Notwendigkeit, weil England darauf beharrte, den Kriegszustand
          aufrechtzuerhalten. Ich denke, es ging um Ressourcen,
          die Hitler zu brauchen glaubte, um die (West-)Alliierten
          zu besiegen. Ausserdem glaubte er das Territorium für
          die grossdeutschen (Um-)Siedlungspläne zu benötigen. Die halbe Welt
          verhielt sich auf einmal „trotzkistisch“ und
          verteidigt die ungeliebte Sowjetunion, was wahrscheinlich die
          Sowjets selbst auch erheblich gewundert haben dürfte. Und der
          Fernostverbündete Japan zog anstatt gegen die SU zu Felde, den
          „schlafenden Riesen“ USA mit rein. Und am Ende
          sieht alles so aus, wie eine „jüdische
          Weltverschwörung“.
          Morgenthau ? ;-)
          (http://www.ustreas.gov/education/history/secretaries...) Ich bin immer wieder darüber völlig platt, wie jemand, mit
          einem Weltbild in dem nichts stimmt, dafür sorgen kann, dass
          es von seiner Warte aus, kurzzeitig so aussehen kann, als wäre
          es so wie er dachte und zwar exakt so lange, bis alles wie nie
          zuvor in Scherben liegt. Die Produktion von Grauen ist relativ
          leicht zu verstehen, aber die Produktion eines Anscheins von
          Notwendigkeit, oder womöglich auch noch „Heil“
          dabei, die ist doch eine Meisterleistung, über die man nur
          dann den Verstand nicht verlieren kann, wenn man keinen hat.
          Ich verstehe nicht ganz das Problem dabei ;-)
          Du musst Dich nur schlecht genug benehmen und
          sofort ist die ganze Welt gegen Dich. Siehe
          Israel ;-) Die ganze Streiterei darüber, ob nun die Deutschen das
          dämonischste Volk der Welt sind und die Russen das ewig
          heldenhaft leidende, und die nachgeordneten Vermutungen, ob
          nicht das alles irgendwer Verborgenes heimlich angezettelt
          hat, führen alle nicht weiter. Auch sehe ich nicht solche
          „urdeutschen“ Eigenschaften wie „Gründlichkeit“, oder
          „Vernichtungswillen“ am Werk, sondern eher einen
          naiven Trotz, der sich unter bestimmten Bedingungen eine Zeit
          lang gegen alle Tatsachen aufbäumen kann und der nach dem
          Motto: „Wir sind zwar auf dem Rückzug, aber die anderen
          haben bald keine Leute mehr“, bis fünf nach zwölf bei
          der Sache bleibt.
          Vielleicht sind/waren die Deutschen das "unfertigste" Volk
          Europas, daher keine ruhige Identität und daher die
          Vorliebe für Grimassen und Machtgebärden, die sie mit
          wahrer Stärke verwechseln. Wer weiss?


          Viele Grüße

          CMБ

          • Antwort von nach 8 Tagen 0 hilfreich
            Re^5: 5. Juli 1943, 4:30Uhr

            Kursk war zum Scheitern verurteilt weil der
            Verteidiger schon wusste wo und wann es losgehen wir.
            Kilometertiefe Verteidigungslinien und ein dem Angreifer
            zahlenmäßig ebenbürtiger Veteidiger...
            Der Durchbruch von einigen Einheiten in diese Linien war eine
            mehr als nur beeindruckende soldatische Leistung.
            SS Einheiten hatten maßgeblichen Anteil an diesem Erfolg
            da diese ausrüstungstechnisch bevorzugt waren und was nicht
            abzustreiten ist einen schier unerschöpflichen Kampfeswillen
            hatten ( Die Verluste sprechen für sich).
            Das soll jetzt keine Verherrlichung sein.
            Dies verleitete Hitler aber auch zu der falschen Annahme das
            seine Eliteverbände das Ruder herumreissen können, wo deren
            Erfolge zu einer Zeit da sich eine Niederlage deutlich abzeichnete
            nur durch hohen Blutzoll erkauft wurden. Deswegen wurde die SS
            auch immer an allen Brennpunkten eingesetzt.

            Kursk verheizte unnötig wichtige Truppen die wenn sie wie von
            Guderian vorgeschlagen in einer flexiblen Verteidigung mit
            seiner Finesse eingesetzt worden wären eine eventuell günstigere Situation für Deutschland hätte schaffen können und der Zivilbevölkerung viel Leid erspart hätte.
            Es gab ja auch Überlegungen der hohen denkenden Köpfe in der
            Wehrmacht die einen Frieden im Westen mit einer Front im Osten
            vorsahen.
            Wie die Allierten darauf reagiert hätten wird man wohl nie wissen -
            da diese das Nazi-Regime ja definitiv (und zu unserem Besten)
            beseitigen wollten.

  2. Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
    Re: 5. Juli 1943, 4:30Uhr

    Nett, aber was willst Du damit sagen???

    Wenn Du eine Rubrik im Brett machen willst...was geschah...
    Dann bitte mich fragen...

    Ansonsten bitte etwas aussagekräftigere Post's

    Gruss Mirko [MOD]

    • Antwort von nach 2 Tagen 1 hilfreich
      Re^2: 5. Juli 1943, 4:30Uhr

      Hi Mirko, Nett, aber was willst Du damit sagen???
      Wenn Du eine Rubrik im Brett machen willst...was geschah...
      Dann bitte mich fragen...
      Ansonsten bitte etwas aussagekräftigere Post's
      Ich dachte, die Experten wüssten schon Bescheid ;-)

      Die Operation "Zitadelle" war afaik
      1) (wie gesagt) die größte Schlacht der Weltgeschichte
      2) *das Ereignis*, welches nach Meinung *aller*
      signifikanten deutschen Generäle (Manstein, Guderian,
      Hoth, Heinrici ...) bereits damals die militärische
      Niederlage Deutschlands im zweiten Weltkrieg definitiv
      besiegelte.

      Damit war die Schlacht eines der bedeutendsten
      Ereignisse der Zeitgeschichte überhaupt. Und
      noch dazu das Größte. Und sie begann nun mal
      am 5. Juli. Der Tag, an dem ich auch darauf
      hingewiesen habe.

      Wenn einige Leute nicht im Bilde sind über die
      Bedeutung dieses Ereignisses, dann ist's doch
      gut, drauf hinzuweisen. Oder nicht?

      Ich zitiere ausserdem aus den "Richtlinien" für
      das Forum "Militärpolitik":

      Dieses Brett dient der Diskussion 
      und zur Beantwortung von Fragen 
      zu historischen militärischen Ereignissen 
      und allen weiteren Themen rund um Militärgeschichte


      Ich hoffe, dass ich Deine Fragen beantworten konnte ;-)

      Grüße

      ...

      • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: 5. Juli 1943, 4:30Uhr

        Dieses Brett dient der Diskussion
        und zur Beantwortung von Fragen
        zu historischen militärischen Ereignissen
        und allen weiteren Themen rund um Militärgeschichte


        Diskussion, aber nicht Vorlesungen selbsternannter Professoren!!



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