Re^3: Polnisch-Sowjetische Freundschaft?
Hallo Cranmer,
Das von dir zitierte "DHM" drückt sich in anderen Teilen noch
viel klarer aus:
Hättest Du den ganzen Absatz zitiert, wäre die Aussage etwas
anders.
"Zutiefst verstimmt zeigten sich die Westalliierten über die
Weigerung der Sowjets, den Aufständischen Hilfe zu leisten
oder die britischen Versorgungsflugzeuge auf sowjetischen
Flughäfen landen zu lassen."
Welche "polnischen" Flugplätze sollen das gewesen sein?
Ich erinnre mich an Konews Schwierigkeiten bei der
Weichsel-Oder-Operation, genügend Luftunterstützung
zu bekommen, weil die wenigen brauchbaren polnischen
Flugplätze nur bei trockenem Wetter nutzbar waren
und generell vollkommen überlastet waren.
Und das in einer Situation, wo die Deutschen südlich
Warschau die schwere Heeres-Panzer-Abteilung 501 auf
den Sandomierz-Brückenkopf loslassen. Da hatten
die Fronten wirklich andere Probleme als die
Unterstützung von "Aufständischen", von denen
sie offensichtlich ausgetrickst werden sollten.
Zumal Model nördlich von Warschau die Totenkopf und
die Viking exakt in den Angriffstreifen
mehrerer sowj. Korps legte. In Sydnor "Soldiers of Destruction"
liest sich das so (ISBN 0-691-00853-1 [Buch anschauen]):
"Model personally ordered the Fourth SS Panzer Corps
into this blocking position to meet what he anticipated
correctly would be a major renewal of the Soviet thrust
to cross the Vistula and envelop Warsaw from the north
and west.
When the Soviet attacks began on August 14th, the
SS divisions were well prepared. For seven straight days
SSTK and SS Wiking repulsed a combined enemy force of
fifteen Rifle divisions and two armored brigades
who tried to crush the SS Panzer corps and clear the
Wolomin sector.
After pausing to regroup on August 21, the Russians
resumed their pounding of the Fourth SS Panzer corps
on August 25 - the heaviest blows falling on SSTK.
On August 26, the collective weight od eight Rifle
divisions, a Motorized Rifle brigade, and ubiquitous
swarms of Russian fighter planes blasted the totenkopf
divisions from its positions east of Wolomin.
For the next two weeks the enormous Soviet force
literally bulldozed the SS Panzercorps slowly west
towards Warsaw and the Vistula.
On September 11, a locally successful counterattack by SSTK
drove the Russian spearheads out of the northeastern Warsaw
suburb of Praga - a defensive stronghold the dazed
and gaunt Totenkopf grenadiers then managed to hold until
the Russian offensive temporarily spent itself on September 21."
Und ausserdem: was würdest Du von Stalin erwarten, wenn
a) ... eine Truppe Nationalpolen, die sich als Feind der Sowjets
outet (wenn auch mit gutem Grund), einen Aufstand beginnt,
um die besetzung Warschaus durch die Sowjets zu verhindern,
b) ... diese Truppe es nicht für nötig hält, vor Beginn des
Aufstands auch nur irgend eine Vereinbarung mit Stalin oder
den Frontkommandeuren anzustreben
c) ... diese Truppe nach möglicher Eigen-Befreiung Warschaus
die Sowjets vor vollendete Tatsachen gestellt hätte und
damit Stalins Einfluss mit dem Gewicht der Westmächte
(insb. Churchill) dort beschränkt hätte,
d) ... nach Scheitern dieses offensichtlichen "Tricks" (von
so etwas war bei den Vereinbarungen der Alliierten nie
die Rede) das Geschrei gross wird und nun sofort die
"Schuld" aus Stalin umgelegt wird, der aus strategischen
und taktischen Gesichtspunkten eine Stadtschlacht um
Warschau nie anstrebte (vgl. mit Operation Oberschlesien).
Ich meine, man kann zu den Sowjets und zu Stalin stehen, wie
man will. Aber aufgrund der genannten Randbedingungen erscheint
es heute mir aus der Distanz sehr voreilig, eine solche
Deutung wie die Deinige zu präferieren.
aber sie hätten es
eben auch nicht befreien können.
Das wäre zu beweisen. BTW halte ich persönlich eh für Gerücht
und Fortsetzung der russischen Propaganda.
Ich halte es gar nicht. ich versuche, die
Fakten abzuwägen.
;-)
Grüße
CMБ