Karabiner und militärische Schäftung

Von: , Frage gestellt am So, 19. Jun 2005

Hallole,

ich habe eine recht spezielle Frage, zu dre ich etwas weiter ausholen muß:
Als Karabiner werden üblicherweise kurze Gewehre, ehemals für die Reiterei, definiert. Oft findet man daher eine eine Eingrenzung auf "kurze Militärgewehre". Beispiele sind das K98k, das im wesentlichen ein verkürztes Gewehr 98 ist, oder das US 0.30 M1 Carbine, das mehr oder minder aus dem Garand M1 entwickelt wurde.
Demgegenüber versteht die "breite Masse" unter Karabiner Militärgewehre schlechthin. Betrachtet man sich das genauer, so ist zumindest ab ca. 1900 der letztlich einzige immer vorhandene Unterschied vom "echten" Militärgewehr zu einem zivilen (Jagd- oder Sport-) Gewehr der Handschutz, also die Abdeckung des Laufs nach oben vor dem Visier. Das gilt funktional auch für das Gewehr 88, das zwar keinen Handschutz hatte aber einen Laufmantel, der den Schützen vor dem heißgeschossenen Lauf schützen sollte. Das ist auch einsichtig, denn der zivile Schütze - erst recht der Jäger - schießt nicht in einem fort Magazin üder Magazin leer, kommt also faktisch nie in die Situation des heigeschossenen Laufs. Zunächst würde man meinen, daß auch die lange Schäftung dazugehört, denn als "Pararadebeipsiel" für "das" Militärgewehr bis 1945 schlechthin trägt wohl jeder das Bild des K98k (überdies ein Karabiner) mit sich herum - ein langgeschäfteter Karabiner mit Handschutz und Kammerstengel zum Repetieren. Überlegt man sich den Grund für die nicht nur vorteilhafte lange Schäftung, so gelangt man recht schnell zum Ladestock bei den Vorderladern und zum Reinigungsstock bei den Hinterladern. Man kann auch eine Erklärung finden, warum die "jüngeren" zivilen Gewehre (=Hinterlader) meist einen kurzen Schaft haben: Sie brauchen keinen Reinigungsstock, denn der Jäger oder Sportschütze ist nicht im Feld sondern nach dem Schießen immer zuhause pp, wo er mit den dort vorhandenen Materialien den Lauf in Ruhe reinigen kann. Dagegen spricht nicht, daß es im zivilen Bereich auch Stutzen gibt, bei denen der Schaft mehr oder weniger weit bis zur Mündung reicht, die aber weder Handschutz noch Reinigungsstock besitzen (da fragt man sich natürlich nach dem Grund für den langen Schaft).

Für mich klingen diese Erklärungen einleuchtend, aber ich bin in Waffengeschichte kaum bewandert; vielleicht gibt es bessere/andere Erklärungen.
Auf jeden Fall: So weit, so klar. Aber wenn man etwas weiter schaut stellt man fest, daß die ersten halbautomatischen Gewehre (Karabiner) zwar einen Handschutz besassen - etwa der 0.30 M1 Carbine oder das deutsche SG43, die sich insofern sehr ähneln, als bei beiden Vorderschaft und Handschutz gemeinsam deutlich vor der Mündung enden und imd Vorderschaft kein Reinigungsstock eingezogen ist - obwohl der "Grund" für den Reinigungsstock ("Leben" im Felde) doch auch bei diesen gegeben ist.

Ich würde also gerne wissen, warum militärische Gewehre einen langen Schaft haben und warum er bei den "modernenen" Militärgewehren kürzer ist und diese keinen Reinigungsstock mehr haben.

Beste Grüße

Dr. Michael König

14 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
    Re: Karabiner und militärische Schäftung

    Hallo,

    die Karabinerform übernahm die Form des langen Gewehres einfach aus taktischen Erwägungen.
    Lange Gewehre setzten den Schwerpunkt weiter nach vorne, es wurde schwieriger, mit aufgepflanztem Bajonett zu schießen. Für die infanterie rückte es immer öfter in greifbare Nähe, aufgesessen zu kämpfen oder zumindest verlegt zu werden. Karabiner ist da praktischer.
    In der ganz modernen Kriegsführung trifft man es wieder. Das M16 A3 ist in der Truppe verbreitet, Sonderkommandos verwenden denoch lieber den M4 Carbine, da er einfach führiger ist. Häuserkampf etc. sind gute Gründe für eine flinke Waffe.

    Grüße

    • Antwort von nach 6 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Karabiner und militärische Schäftung

      die Karabinerform übernahm die Form des langen Gewehres
      einfach aus taktischen Erwägungen. ... Karabiner ist da praktischer.
      O.k., leuchtet ein. Aber meine Frage is ja eine ganz andere ....

      Beste Grüße

      Dr. Michael König

      • Antwort von nach 4 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: Karabiner und militärische Schäftung

        Dann bitte noch einmal genau die Frage......

        • Antwort von nach 8 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: Karabiner und militärische Schäftung

          Dann bitte noch einmal genau die Frage......
          -)): Zitat:
          "Ich würde also gerne wissen, warum militärische Gewehre einen langen Schaft haben und warum er bei den "modernenen" Militärgewehren kürzer ist und diese keinen Reinigungsstock mehr haben."

          Beste Grüße

          Dr. Michael König

          • Antwort von nach 8 Tagen 0 hilfreich
            Re^5: Karabiner und militärische Schäftung

            Hallo,

            ich dachte, das hätten wir irgendwie festgestellt.
            Längerer Schaft schützt den Lauf und optimiert die Nahkampfbrauchbarkeit.
            Moderne Gewehre haben das nicht mehr, da der Nahkampf mit dem Gewehr zum ersten aus der Mode gekommen ist, was zum 2. mit der Patrone zu tun hat und mit der Tatsache, daß alle modernen Waffen Schnellfeuer oder Dauerfeuer schießen können sowie über Magazine mit hoher Kapazität gespeist werden.
            Der Putzstock geriet ins Abseits, da er einfach nicht mehr gebraucht wurde, an der waffe im Weg war und deshalb platzsparenden Dingen wie zerlegbaren Stöcken oder Ketten weichen mußte.

            Liebe Grüße,

            Marcus

  2. Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
    Re: Karabiner und militärische Schäftung

    Hallo.

    Bei halbautomatischen Gewehren ist unter dem Lauf in aller Regel ein Gaskolben, der das Gas aufnimmt, das zum selbständigen Nachladen gebraucht wird. Daher paßt kein Reinigungsstock mehr unter den Lauf.

    Die Stutzenform bei zivilen Gewehren ist nur Verzierung. Vielleicht fassen manche Schützen den Schaft beim Schießen auch unter der Mündung an, Stutzen sind normalerweise nicht so lang.


    Ostlandreiter

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: Karabiner und militärische Schäftung

      Moin,

      bei AK, M4 etc. sitzt das Gasdruckrohr über dem Lauf:)
      Putzstöcke würden da schon passen. Man nimmt nur einfach keine mehr, weil sich das Putzen mit Bürste und Kette ähnlich Kaminkehrer durchgesetzt hat. Ist einfach am Mann zu tragen.
      Die Amis haben noch den Putzstock von Otis. Der läßt sich aber auseinanderschrauben und relativ bequem in einer Tasche stauen.

      Grüße [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Re^3: Karabiner und militärische Schäftung

        Putzstöcke würden da schon passen. Man nimmt nur einfach keine
        mehr, weil sich das Putzen mit Bürste und Kette ähnlich
        Kaminkehrer durchgesetzt hat. Ist einfach am Mann zu tragen.
        Die Amis haben noch den Putzstock von Otis. Der läßt sich aber
        auseinanderschrauben und relativ bequem in einer Tasche
        stauen.
        Weiß jemand, wie das beim .30 M1 Carbine und dem SG43 war?

        Beste Grüße

        Dr. Michael König



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