Die Zeit Friedrichs des Großen
Auf die vielen Fragen müßte man ganze Romane als Antwort schreiben. Zumal die Verhältnisse nicht in allen Armeen gleich waren.
Als Quelle sei (z.B.) auf die 14bändige (in blaues Leder gebundene) Ausgabe der Werke Friedrichs des Großen verwiesen, die vor 1914 erschienen ist.
Fangen wir mal an: Der Ausdruck „Kavallerie“ wurde damals nur als Bezeichnung der Kürassiere gebraucht. Nach dem Krieg 1740/41, in dem sich die Minderwertigkeit der damaligen preußischen Reiterei gezeigt hatte, exerzierte Friedrich der Große (Reglement von 1744) seine Kürassiere darauf ein, in dicht geschlossener Formation („Stiefelfühlung“), nur mit dem Degen und ohne zu schießen Attacke zu reiten, und zwar im äußersten Galopp („Karriere“). Die Wirkung ließ nicht auf sich warten; die Siege von Roßbach (5.11.1757) und Zorndorf (25.8.1758) waren im wesentlichen den Kürassieren des Generalleutnants Seidlitz zu verdanken.
Dragoner waren eigentlich berittene Gewehrschützen, aber mir ist nicht bekannt, daß unter Friedrich dem Großen jemals Dragoner mit dem Gewehr gekämpft hätten. Sie wurden wie Kürassiere eingesetzt; bei Hohenfriedberg, 4.6.1745, hat das Dragonerregiment Ansbach-Bayreuth die schlachtentscheidende Attacke geritten.
Husaren (mit Säbel und Pistole bewaffnet) dienten als Aufklärer, zur Marschsicherung etc., sollten aber auch Attacke reiten. Friedrich Wilhelm der Erste hatte 1730 die erste Husareneinheit aufgestellt; zum Schluß, 1786, waren sie die zahlenmäßig stärkste Reitertruppe. Es gab eine Menge Sonderregeln; z.B. durften Husarenofiziere (zumindest in jungen Jahren) nicht heiraten (sie sollten ihr Glück mit dem Säbel machen und nicht mit der Sch…).
Im Jahre 1744 hatte Friedrich der Große auch einmal ein Ulanen-Regiment (Lanzenreiter also) formiert, aber gleich wieder aufgelöst.
Die Congreveschen Raketen erscheinen erst ca. 1800.
Es gab Bataillonsartillerie, das waren Dreipfünder; sie begleitete die Infanterie beim Angriff. Die normale Feldartillerie bestand aus Sechs- und Zwölfpfündern. Die Vierundzwanzigpfünder dienten zur Belagerung und dazu, feindliche Batterien zum Schweigen zu bringen.
Im Reglement von 1758 ordnete Friedrich der Große zwei wichtige Dinge an: Erstens stellte er „Reitende Artillerie“ mit Sechspfündern auf, bei welcher die Kanoniere beritten waren; der Sieg im Gefecht bei Burkersdorf (22.7.1762) ist der Reitenden Artillerie zu verdanken. Zweitens befahl er, daß die Kanonen bei feindlichen Angriffen statt des damals üblichen Kartätschenfeuers bis zuletzt Kugeln schießen sollten. Kartätschen wirken nur auf 200-300m Entfernung, während die in Brusthöhe abgefeuerten Kugeln durch alle Treffen schlugen und den Angriffsgeist sehr abkühlten, wenn die Köpfe und Arme der Getroffenen herumflogen.
Wirkung der Artillerie auf Reiter (dann mache ich erstmal Schluß): Wegen ihrer Flughöhe trafen Kanonenkugeln häufig die Beine der Reiter, und sie zerfleischten in entsetzlicher Weise die Pferde. Prominentestes Opfer wären Ende Mai 1813 beinahe Napoleon geworden. Eine preußische Sechspfünderkugel fuhr dem zu Pferde sitzende Napoleon von vorne zwischen den Beinen durch (zerfetzte also sein Pferd der Länge nach), zerschmetterte einem General beide Beine (er überlebte die Amputation), wurde von einem Baum abgefälscht und riß dem Feldmarschall Duroc den Unterleib auf (was tödlich war).
Django