Nahkampf 18. Jhdt.

Von: , Frage gestellt am Di, 22. Aug 2000

Hallo,
wieder mal eine Frage zum Militär des 18. Jhdts.
Die Frage basiert auf die Postings zum Thema "Bajonett".
Ich muß hier nochmals nachfragen, da ich inwischen auf der NEC ASPERA TERRENT-Seite (über www.kgl.de) die Beschreibung der Schlacht von Minden gelesen habe.
Hier sind, vereinfacht gesagt, einige Regimenter Infanterie durch verschiedene Linien Infanterie durchgebrochen und haben sich auch nicht von Reiter aufhalten lassen. Die Schlacht wurde quasi hierdurch entschieden. Anläßlich dieser Beschreibung nun folgende Frage:
Unter Bajonett wurde gepostet, daß ein Bajonettkampf sozusagen nicht bekannt ist und daß der Infanteriesäbel eigentlich nur Schmuckstück war. Da aber bei Minden Infanterie gegen Infanterie kämpfte, frage ich mich, wie denn ein Nahkampf in der Infanterie ausgesehen hat, ober ob er prinzipiell nicht stattgefunden hatte. Da beim Infantier-Angriff quasi beim Gehen/Laufen geladen werden mußte (was ja nicht so einfach ist) kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, daß Infantrie nur mit Schießen angeriffen hatte.

Wie immer bin ich neugierig auf die Antwort.

Viele Grüße,

Michael

2 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 8 Tagen hilfreich
    Re: Nahkampf 18. Jhdt.

    Anläßlich dieser Beschreibung nun folgende Frage:
    Unter Bajonett wurde gepostet, daß ein Bajonettkampf sozusagen
    nicht bekannt ist und daß der Infanteriesäbel eigentlich nur
    Schmuckstück war.
    Es gibt ganze Ausbildungshandbücher über das Bajonettfechten! Tatsächlich wurde mit der Muskete etc. auch mit aufgepflanztem Bajonett gekämpft! Der Säbel blieb auch nicht ungenutzt an der Siete, denke ich! Die Alternativwaffe ist der Gewehrkolben, den man weder aufpflanzen muß noch die irgendwo steckenbleibt.
    Da aber bei Minden Infanterie gegen Infanterie kämpfte, frage ich mich, wie denn ein Nahkampf in
    der Infanterie ausgesehen hat, ober ob er prinzipiell nicht
    stattgefunden hatte.
    Klar hat er! Was hätten die denn sonst tun sollen, wenn das Pulver feucht wurde, der Wind stark blies, das Pulver alle war...
    All dies beruht auf meiner Erfahrung als Reenactor, das heißt, wir stellen sowas wirklich nach.
    Da beim Infantier-Angriff quasi beim Gehen/Laufen geladen werden mußte (was ja nicht so einfach
    ist) kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, daß Infantrie
    nur mit Schießen angeriffen hatte.
    Laden beim Gehen ist schwierig. Beim Rennen ist es so gut wie unmöglich.
    Wie immer bin ich neugierig auf die Antwort.

    Alle weiteren Fragen gern willkommen! Viele Grüße,

    Michael
    Marc

  2. Antwort von nach 37 Tagen hilfreich
    Re: Nahkampf 18. Jhdt.

    Hab die Antwort zur Napoleonischen Zeit, also ab Ende 18. Jh.
    Der Säbel war nur Statussymbol bei Infanterieeinheiten; dafür spricht, das auch nur Caporale und Angehörige der Elite-Kompanien und der leichten Infanterie, nicht jedoch das Gros der Armee - die Füsuliere - über Säbel verfügten. Zudem ist ein Säbel zu kurz für den Infanterienahkampf. Dessen ungeachtet wurde der Säbel bei der Kavallerie natürlich als tötliche Waffe geführt.
    Laden im Laufen ist wenigstens im frnazösichen Reglement nicht vorgesehen. Im American Civil War solls dagegen üblich gewesen sein.
    Gewehkolben wurden 1813 entscheidend in den Landwehrschlachten von Katzbach, Beeren oder Hagelberg, als der Pöbel mit den Worten "Det flutscht besser" die Schädel von Rheinbündlern und Franzosen schlug und damit das schlechte Wetter wieder wettmachte, dass das Pulver nass werden ließ.
    Nicht zu vergessen ist das psychologische Element einer Schlacht, das auch Infanteristen in Angst versetzte, wenn eine Wand von gekreuzten Bajonetten auf sie losmarschierte. So konnte eine Einheit in die Flucht geschlagen werden, noch ehe der erste Soldat auf dem Bajonett eines anderen hing. Das oben angesprochene Bajonettfechten selbst hat sich erst nach der napoleonischen Zeit zu einer eigenständigen Kunst des Tötens entwickelt.
    Wenn man sich nun die Entwicklung des Nahkampfes anschaut, der im 30jährigen Krieg mit den Degengefechten nach den gemeinsamen Salven der Musketiere seinen Höhepunkt fand, kann man sagen, Nahkampf gab es zwar noch im 18. Jh., aber er hatte eine untergeordnete Stellung.

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