ich bin seit längerem auf der Suche nach der Antwort auf die
Frage: „Wie heißt die Kavallerie-Einheit, zu deren Uniform
Ohrringe gehörten“.
Als Hinweise habe ich bekommen:
Truppe wurde zur Aufklärung eingesetzt
wurde 1812 vernichtet an der Beresina geschlagen
danach nicht mehr aufgestellt
Uniform hat verschnürte Uniformjacke in ungarischer
Tradition
Daraus schließe ich:
a) es müßten Husaren gewesen sein
b) es werden wohl Franzosen gewesen sein
Allerdings komme ich an diesem Punkt nicht weiter. :
Kann mir jemand helfen ? :Viele Grüße, :Michael
Husaren können es nicht gewesen sein, obwohl diese eine Uniform in „ungarischer Tradition“ trugen, denn die gesuchte Truppe soll nach 1812 nicht mehr existiert haben, während es Husaren noch das ganze 19. Jh. hindurch gegeben hat.
Ulanen übrigens auch nicht. Ulanen = ungepanzerte Lanzenreiter gab es bei den Preußen und im Kaiserreich.
Daß Franzosen jemals Ohrringe trugen, wäre mir neu. Die Ohrringe sind eigentlich mehr Bestandteil von Matrosen"uniformen" (verbreiteter Aberglaube: Ein Ohrring aus Blei ist gut gegen die Gicht).
Ich tippe eher auf eine polnische leichte Reiterei. Nach 1807 hatte Napoleon ein „Groherzogtum Warschau“ als Bestandteil seines Imperiums gebildet, aus dem er Truppen aushob. Ich könnte mir vorstellen, daß diese „polnische“ Heereseinheit 1812 zugrunde ging und dann nicht wieder gebildet wurde, weil es dann eben über 100 Jahre lang keinen polnischen Staat gab. Ob diese Reiter von 1807-12 aber Ohrringe hatten?
Aufpassen übrigens: „Hussars“ sind bei den Polen SCHWERE gepanzerte Reiter.
Nachtrag
Unter den Schriften des Militärgeschichtlichen Instituts der DDR erschien 1978 ein Buch „Uniformen europäischer Armeen“, worin so ziemlich alles aufgeführt ist, was von 1648 bis 1918 … (einschließlich Neapel, Norwegen, Dänemark, Portugal).
S. 138 bringt die Uniform der „1. Garde-Chevauleger-Lanciers“ mit der Anmerkung: „Das Regiment wurde 1807 errichtet und bestand ausschließlich aus Polen. Der Uniformstil war in jeder Hinsicht polnisch.“
Weil die Uniformgeschichte UNIFORMEN und keine uniformierten Menschen abbildet, kann ich nicht sagen, ob ein Ohrring zu dieser Montur gehörte. Wenn meine obenstehenden Überlegungen richtig sind, dann kann aber die gesuchte Truppe nur dieses Regiment „leichter Garde-Lanzenreiter“ gewesen sein.
Herzlichen Dank erstmal meinem militärhistorischen Mentor.
Ich frage mich, woher nimmst Du denn Dein ganzes Wissen…
(Aber diese Frage soll hier ja nicht diskutiert werden).
Nun zu den Informationen:
Husaren können es nicht gewesen sein … denn die gesuchte
Truppe soll nach 1812 nicht mehr existiert haben, während es
Husaren noch das ganze 19. Jh. hindurch gegeben hat.
-> So ist der Hinweis wohl auch nicht gemeint. Ich denke, es geht darum, daß es das x.Regiment war - und eben dieses x.Regiment hinterher nicht mehr aufgestellt wurde.
(War wohl damals öfters so, falls die Fahne verloren ging, aber auch das ist nicht der Punkt)
Daß Franzosen jemals Ohrringe trugen, wäre mir neu.
-> Könnten auch mit den Franzosen verbündeten oder sagen wir besser auf französischer Seite kämpfende Truppen gewesen sein.
Ich tippe eher auf eine polnische leichte Reiterei. Nach 1807
hatte Napoleon ein „Groherzogtum Warschau“ als Bestandteil
seines Imperiums gebildet, aus dem er Truppen aushob. Ich
könnte mir vorstellen, daß diese „polnische“ Heereseinheit
1812 zugrunde ging und dann nicht wieder gebildet wurde, weil
es dann eben über 100 Jahre lang keinen polnischen Staat gab.
Ob diese Reiter von 1807-12 aber Ohrringe hatten?
-> Tja, wie könnte ich dies herausfinden ?
Aufpassen übrigens: „Hussars“ sind bei den Polen SCHWERE
gepanzerte Reiter.
-> Heieiei, jetzt wirds aber richtig kompliziert
Allgemein: Weitere Infos/Hinweise oder gar Lösungen ???
Es könnten ungarische Panduren gewesen sein.
Ein ganz wilder Haufen, der für Österreich Südeuropa und Bayern in Angst und Schrecken versetzte.
Einer ihrer Führer war der Cousin des deutschen Freiherrn von der Trenck.
Gruß Werner
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Ohrringe - was sagt das schon?
Ohrringe gehörten in der französsichen Armee Seit den Revolutionskriegen zu den Dingen, die ohne Reglement als Mode getragen wurden. Der Brauch kann von vielen Verbündeten übernommen worden sein.
Ungarn sinds nicht, da das österreichische (ungarische) Hilfskorps unter Schwarzenberg die Katastrophe an der Beresina nicht mitmachte, sondern südlicher stand.
Die polnischen Gardelanciers sinds auch nicht, da sie an der Beresina nicht vernichtet wurden, sondern noch die Feldzüge bis 1815 genießen durften. Zudem trugen sie einen Ulanenrock und keinen Dolman mit Verschnürungen.
Denkbar ist, dass es sich um ein Husarenregiment des Großherzogtums Warschau handeln soll, das wegen Einrücken der Russen und zu ihnen übergelaufenenen Preußen (Tauroggen) nicht mehr reorganisiert werden konnte, stattdessen wurden alle Kavallerie-Reserven den cadres französischer Regimenter zugeführt. Vielleicht auch Weichsel-Legion?
Die polnischen Gardelanciers sinds auch nicht, da sie an der
Beresina nicht vernichtet wurden, sondern noch die Feldzüge
bis 1815 genießen durften.
…
Denkbar ist, dass es sich um ein Husarenregiment des
Großherzogtums Warschau handeln soll, das wegen Einrücken der
Russen und zu ihnen übergelaufenenen Preußen (Tauroggen) nicht
mehr reorganisiert werden konnte
Dann vielleicht mal noch anders gefragt, um auf die Lösung zu kommen:
a) Welche Kavallerie-Einheiten waren an der Schlacht an der Beresina beteiligt, und
b) Welche davon wurden komplett vernichtet und
c) Welche hiervon trugen einen Dolman ?
Hallo Michael,
um deine Frage genau beantworten zu können, muss man/ich wissen, ob du eine bestimmte Epoche im Auge hast.
Die Mode, Ohrringe zu tragen war im 18./Beginn 19.Jhdt. vor allem bei der französichen Armee weitverbreitet. Nicht nur Husaren trugen diese, sondern fast alle Mannschaftsdienstgrade bei Infanterie, Kavallerie und Artillerie.
Grund dafür war, dass diese überwiegend goldenen Ohrringe der „Notgroschen“ der Soldaten war. Man darf nicht vergessen, dass unmittelbar vor einem Gefecht, wenn dieses geplant war und demnach vorher noch Zeit bestand, die Tornister und die unnötige Ausrüstung abgelegt wurden, um die Soldaten zu entlasten. Somit bestand die Gefahr, dass Geld verloren ging bzw. gestohlen wurde.
Schließlich war es möglich, dass man nicht so schnell wieder an den Ort kam, wo die Sachen lagen. Also nahm man das Wertvollste mit - am Ohr. Der modische Effekt wurde dabei natürlich in Kauf genommen.
Salut, TOM
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Was gibts noch für Anhaltspunkte?
Die Anhaltspunkte genügen eigentlich nicht. Folgende Probleme:
„An der Beresina vernichtet“ bedeutet vielmehr, im Russlandrückzug vernichtet und dann nicht mehr aufgestellt. Es ist unwahrscheinlich, dass an der Beresina noch ein Kavallerieregiment den Gegner komplett empfangen hat und dann vernichtet wurde. Einzig einige Rudimente können noch kampffähig gewesen sein.
Aufklärung - das bedeutet, es war leichte Kavallerie, als auf französischer Seite Lanciers, chevaux-legers, Husaren oder chasseurs au cheval
Dolman - das würde bedeuten, es handelt sich um Husaren, leichte Kavallerie
Nicht wieder aufgestellt: polnisch bzw. Herzogtum Warschau
Zum Einwurf, polnische Husaren wären Schwere Kavallerie: Das stimmt jedenfalls für die polnische Kavallerie mit ihren Flügelhelmen und Rückenflügeln, trifft jedoch nicht für die napoleonische Zeit zu. Hier waren polnische Husaren wie die meisten anderen nach der ungarischen Mode mit Tschako, Dolman und Pelz ausgerüstet, wurden ebenfalls als leichte Kavallerie eingesetzt.
Es gab zwei polnische Husarenregimenter im Rußlandfeldzug, die Kavallerieregimenter des Großherzogtums Warschau, Korps Poniatowski, und zwar Nr. 10 und Nr. 13
Bitte schick mehr Informationen, denn zuviel ist damit nicht zu gewinnen…