Mich interessiert, wie das Steuersystem der 1. Raketeten ganz ohne Computer funktioneiert haben? Wie hat die V1 u. V2 ihr Ziel gefunden?
Kann mir jemand helfen?
Hallo Ben,
besonders der 2. link liefert umfangreiche Detailangaben zu beiden Modellen:
http://members.nbci.com/Raumfahrt/peenemuende/peenem…
http://www.unsere-luftwaffe.de/archiv/motoren/v_1.htm
Gruss
Eve*
Mich interessiert, wie das Steuersystem der 1. Raketeten ganz
ohne Computer funktioneiert haben? Wie hat die V1 u. V2 ihr
Ziel gefunden?
Kann mir jemand helfen?
Hallo Ben!
Beide Raketen waren reine Terrorwaffen, ohne militärischen Nutzen.
Die V1 wurde auf einer Abschußrampe liegend ausgerichtet, wie über Kimme und Korn. Die Flugentfernung war festgelegt durch den Treibstoff, also baute man die Rampen in entsprechender Entfernung auf. Beschossen wurden immer großflächige Ziele, wie z.B. große Städte. War der Treibstoff zu Ende segelten sie ab nach unten.
Unterwegs wurden die meisten abgeschossen von brit. Jagdfliegern, weil sie so langsam waren.
Die V2 war kreiselgesteuert, das heißt man konnte die Richtung exakt eingeben. Die Entfernung wurde auch hier über den Treibstoff festgelegt.
Die V2 war eine echte Terrorwaffe, die man nicht sah, wenn sie ankam, nur hörte. Brachte aber auch keinerlei milit. Nutzen.
Beide Waffen erhöhten den Abwehrwillen der brit. Bevölkerung, erreichten also genau das Gegenteil von der beabsichtigten Wirkung.
Gruß Werner
Mich interessiert, wie das Steuersystem der 1. Raketeten ganz
ohne Computer funktioneiert haben? Wie hat die V1 u. V2 ihr
Ziel gefunden?
Kann mir jemand helfen?
Die V1 besaß ein Steuergerät, das auf einem Kreiselkompaß und einem barometrischen Höhenmesser beruhte. Das Gerät hielt die fliegende V1 genau auf dem Kurs, den sie beim Start vorgegeben erhalten hatte. Z.B.: Ein Windstoß von rechts läßt die V1 nach links auswandern; der Kreiselkompaß „registriert“ das und öffnet ein Preßluftventil. Die Preßluft strömt durch Leitungen zum Seitenruder und legt dieses nach rechts; die V1 geht wieder auf Kurs.
Einen Sensor, der „bemerkte“, daß sich die Bombe am Ziel befand, gab es nicht. Die V1 flog „nach Abstandszünder“, und zwar Abstand vom Startplatz. War die vorgegebenen Entfernung abgeflogen, schalteten sich die Triebwerke ab, und die Bombe stürzte ins Ziel - oder auch daneben.
Die V2 hatte praktisch gar keine Steuerung. Sie wurde gestartet; nach ca. 60 Sekunden war Brennschluß, und dann flog das Projektil auf einer ballistischen Bahn weiter.
Computer, Steuerung der Projektile durch Funk u. dgl. hätte die Möglichkeiten der Abwehr verbessert. Die V1 wurde am 13.6.1944 erstmals eingesetzt; sie flog ca. 650 km/h Marschgeschwindigkeit. Die modernsten Jagdflugzeuge mit Kolbenmotor (Hawker „Tempest“ und „Spitfire“ Version 14) waren gerade noch 20-30 km/h schneller, aber sie mußten sich in der Luft befinden, wenn die V1 kamen. Die Fliegerabwehrartillerie war weit billiger und wirkungsvoller; nach einem weiträumigen Stellungswechsel am 13.7.1944 erzielte sie rd. 50% Abschüsse, ab August 1944 vernichtete sie 85% der anfliegenden V1. Gegen die V2, die am 8.9.1944 eingesetzt wurden, gab es keine Abwehr. Man versuchte, die V2 irgendwie elektronisch zu beeinflussen; es gelang nicht. So half nur die Bombardierung der Fabriken und Abschußrampen - und der Widerstand der KZ-Häftlinge, die die V2 bauen mußten; über ein Drittel der V2 versagte dank Sabotage bei der Herstellung.
- Django -
Beide Raketen waren reine Terrorwaffen, ohne militärischen Nutzen.
Stimmt und stimmt nicht. Auch Terror ist militärischer Nutzen. Die Terrorwirkung der V1 war bemerkenswerterweise größer als die der V2. Die V2 schlug ohne Vorwarnung irgendwo ein. Wer es knallen hörte, der hatte überlebt, und wer den Knall nicht mehr hörte, der hatte auch keine Probleme mehr …
Von den psychologischen Effekten der V1 zeugen folgende Schilderungen:
Der Anblick einer fliegenden V1 war unvergeßlich. Sie waren schnell, und ihr kleiner Umriß, wie ein Schatten, ließ sie noch schneller wirken. Was die Menschen am meisten beängstigte, war die furchterregende Art, wie diese Roboter (wie man damals sagte) unbeirrt von den Jagdflugzeugen und dem donnernden Sperrfeuer der Fliegerabwehrkanonen schnurgerade ihre Bahn zogen. Sie waren so unpersönlich wie eine Landplage, und es war, als ob die Stadt [London] von giftigen Rieseninsekten überfallen worden war.
In den Häuserzeilen der Londoner City konnte niemand weit sehen. Die V1 kamen in 900m Höhe geflogen. Der erste warnende Hinweis war das tiefe, pochende Brummen der Staustrahltriebwerke. Die Menschen blickten nach oben, versuchten die Flugrichtung zu erkennen und hofften, die Bomben mögen weiterfliegen. Sobald das Triebwerk plötzlich aussetzte, hastete alles in den Schutz irgendwelcher Hauseingänge oder warf sich flach auf die Erde. Dann gab es ein Atemanhalten, das eine Ewigkeit zu dauern schien. Einer berstenden Detonation folgte das tiefe Grollen einstürzender Häuser. Dann Stille, Qualm stieg empor, und es ertönten die Klingeln der Feuerwehren und Rettungswagen und das entfernte tiefe Brummen der nächsten Bombe …"
Eindrucksvoll, nicht wahr?
Unterwegs wurden die V1 meisten abgeschossen von brit. Jagdfliegern, weil sie so langsam waren.
Leider nein. Nur die 616. Jagdfliegerstaffel, die über das erste britische Düsenflugzeug verfügte (Gloster „Meteor“), war eindeutig schneller als die V1; sie schoß 13 V1 ab.
- Django -
Beide Raketen waren reine Terrorwaffen, ohne militärischen Nutzen.
Stimmt und stimmt nicht. Auch Terror ist militärischer Nutzen.
Die Terrorwirkung der V1 war bemerkenswerterweise größer als
die der V2. Die V2 schlug ohne Vorwarnung irgendwo ein. Wer es
knallen hörte, der hatte überlebt, und wer den Knall nicht
mehr hörte, der hatte auch keine Probleme mehr …Von den psychologischen Effekten der V1 zeugen folgende
Schilderungen:Der Anblick einer fliegenden V1 war unvergeßlich. Sie waren schnell, und ihr kleiner Umriß, wie ein Schatten, ließ sie noch schneller wirken. Was die Menschen am meisten beängstigte, war die furchterregende Art, wie diese Roboter (wie man damals sagte) unbeirrt von den Jagdflugzeugen und dem donnernden Sperrfeuer der Fliegerabwehrkanonen schnurgerade ihre Bahn zogen. Sie waren so unpersönlich wie eine Landplage, und es war, als ob die Stadt [London] von giftigen Rieseninsekten überfallen worden war.
In den Häuserzeilen der Londoner City konnte niemand weit sehen. Die V1 kamen in 900m Höhe geflogen. Der erste warnende Hinweis war das tiefe, pochende Brummen der Staustrahltriebwerke. Die Menschen blickten nach oben, versuchten die Flugrichtung zu erkennen und hofften, die Bomben mögen weiterfliegen. Sobald das Triebwerk plötzlich aussetzte, hastete alles in den Schutz irgendwelcher Hauseingänge oder warf sich flach auf die Erde. Dann gab es ein Atemanhalten, das eine Ewigkeit zu dauern schien. Einer berstenden Detonation folgte das tiefe Grollen einstürzender Häuser. Dann Stille, Qualm stieg empor, und es ertönten die Klingeln der Feuerwehren und Rettungswagen und das entfernte tiefe Brummen der nächsten Bombe …"Eindrucksvoll, nicht wahr?
Unterwegs wurden die V1 meisten abgeschossen von brit. Jagdfliegern, weil sie so langsam waren.
Leider nein. Nur die 616. Jagdfliegerstaffel, die über das
erste britische Düsenflugzeug verfügte (Gloster „Meteor“), war
eindeutig schneller als die V1; sie schoß 13 V1 ab.
hallo noch eine frage, ich dachte das deutsche reich hätte die ersten düsen getriebenen flugzeuge besessen.stimmt das also auch nicht?
Düsengetriebene Flugzeuge im zweiten Weltkrieg
Noch eine frage, ich dachte das deutsche reich hätte die
ersten düsengetriebenen flugzeuge besessen.
Stimmt. Die Entwicklungsarbeiten an "Düsen"flugzeugen begannen unabhängig voneinander im Jahre 1936 in Großbritannien und Deutschland. Am 27.8.1939 flog das erste "düsen"getriebene Flugzeug (Typ Heinkel 178) mit Gasturbinenantrieb. Zugleich wurde ein Raketenflugzeug entwickelt (Me 163). Unterschied: Ein „Düsen“(Gasturbinen)flugzeug entnimmt den Sauerstoff der Luft, während ein Raketenflugzeug einen Oxydator mit sich führt.
Die Me 163a (angetrieben mit einer kreuzgefährlichen Kombination aus Methanol und 80prozentigem Wasserstoffperoxid) taugte nicht viel, aber aus der He 178 wurde das Jagdflugzeug Me 262 entwickelt (Erstflug 7/1942, Serienproduktion ab 6/1943, Einsatzreife 5/1944), mit dem die Nazis ALLEN alliierten Jagdflugzeugen weit voraus waren. Die britische Gloster „Meteor“ (Erstflug 3/1943; Einsatzreife 7/1944) hatte zwar ein stärkeres Triebwerk als die Me 262, aber die Flugzeugzelle war nicht besonders. Die Amerikaner und die Sowjetunion brachten keinen Düsenjäger mehr zum Einsatz.
Ich wüßte übrigens nicht, daß im zweiten Weltkrieg jemals zwei Düsenjäger gegeneinander gekämpft hätten. Propellergetriebene Jäger hatten gegen die Me 262 nur ein Chance, wenn sie diese beim Starten oder Landen erwischten. Einziger Gegner der Düsenjäger blieben die viermotorigen Bomberflugzeuge, die (besonders die amerikanischen B 17) einerseits eine Menge Treffer wegstecken konnten und andererseits über eine starke Kanonen- und Maschinengewehrbewaffnung verfügten. Am 10.4.1945 griffen 62 Düsenjäger Me 262 über Mitteldeutschland einen dicht geschlossen fliegenden Bomberpulk an und wurden von dessen Abwehrfeuer voll erfaßt. Bei 10 abgeschossenen Bombern gingen 32 Me 262 verloren - das war das Ende.
- Django -
super vielen dank.!!!
KLASSE hier gibts ja echt noch experten:wink:
ciao
sven.
Hallo Django!!
Von den psychologischen Effekten der V1 zeugen folgende
Schilderungen:Der Anblick einer fliegenden V1 war unvergeßlich. Sie waren schnell, und ihr kleiner Umriß, wie ein Schatten, ließ sie noch schneller wirken. Was die Menschen am meisten beängstigte, war die furchterregende Art, wie diese Roboter (wie man damals sagte) unbeirrt von den Jagdflugzeugen und dem donnernden Sperrfeuer der Fliegerabwehrkanonen schnurgerade ihre Bahn zogen. Sie waren so unpersönlich wie eine Landplage, und es war, als ob die Stadt [London] von giftigen Rieseninsekten überfallen worden war.
In den Häuserzeilen der Londoner City konnte niemand weit sehen. Die V1 kamen in 900m Höhe geflogen. Der erste warnende Hinweis war das tiefe, pochende Brummen der Staustrahltriebwerke. Die Menschen blickten nach oben, versuchten die Flugrichtung zu erkennen und hofften, die Bomben mögen weiterfliegen. Sobald das Triebwerk plötzlich aussetzte, hastete alles in den Schutz irgendwelcher Hauseingänge oder warf sich flach auf die Erde. Dann gab es ein Atemanhalten, das eine Ewigkeit zu dauern schien. Einer berstenden Detonation folgte das tiefe Grollen einstürzender Häuser. Dann Stille, Qualm stieg empor, und es ertönten die Klingeln der Feuerwehren und Rettungswagen und das entfernte tiefe Brummen der nächsten Bombe …"Eindrucksvoll, nicht wahr?
In der Tat.
Wo hast Du denn das her? Kannst Du mir mal die Quelle
nennen? Ist wirklich gut geschildert.
Danke!!
Tschöh mit öh!!
MFP
Quelle …
Eindrucksvoll, nicht wahr?
In der Tat. Wo hast Du denn das her? Kannst Du mir mal die Quelle nennen? Ist wirklich gut geschildert.
ist die deutsche Ausgabe (1996) des britischen Werkes „The Secret War“ (dt.: „Streng geheim“. Wissenschaft und Technik im zweiten Weltkrieg.). Dort gibt es ein Kapitel „Vergeltungswaffen“, und darin wiederum stehen Beschreibungen, wie die V1 wirkten. Interessant übrigens: Die Existenz der V2 war den Briten eher bekannt, als sie etwas über die V1 erfuhren.
- Django -
Hi Django!!
ist die deutsche Ausgabe (1996) des britischen Werkes „The
Secret War“ (dt.: „Streng geheim“. Wissenschaft und Technik im
zweiten Weltkrieg.). Dort gibt es ein Kapitel
„Vergeltungswaffen“, und darin wiederum stehen Beschreibungen,
wie die V1 wirkten. Interessant übrigens: Die Existenz der V2
war den Briten eher bekannt, als sie etwas über die V1
erfuhren.
- Django -
Hmm, ich hab mal bei amazon und bol geguckt. Zu dem Titel gibts
viele Treffer. Kannst Du mir mal den Autor verraten??
Danke!!
Tschöh mit öh!!
MFP
Brian Johnson, Copyright 1978 (oT)
.
Einziger Gegner der Düsenjäger blieben die viermotorigen
Bomberflugzeuge, die (besonders die amerikanischen B 17) einerseits eine Menge Treffer wegstecken konnten und andererseits über eine starke
Kanonen- und Maschinengewehrbewaffnung verfügten. Am 10.4.1945 griffen 62 Düsenjäger Me 262 über Mitteldeutschland einen dicht geschlossen
fliegenden Bomberpulk an und wurden von dessen Abwehrfeuer voll erfaßt. Bei 10 abgeschossenen Bombern gingen 32 Me 262 verloren - das war das
Ende.
wo hast du den diesen text her ??
es scheint mir doch sehr unrealistisch … die B17 hatten ein paar 12.7mm MG (in alle Richtungen verteilt) aber keine Kanonen … die Me262 hatte vier 4 30mm Kanonen mit Sprengmunition - alle Flugzeuge konnten davon nur wenige Treffer einstecken bevor irgendwas auseinander brach bzw. sie irgendwann wegen diverser Splitterschäden runtergehen mussten. (es gab auch eine 5cm Bewaffnung für die Me262 - ich finde nur keine Infos dazu…außer ein paar Bilder)
Den Bomberangriff den du geschildert hast - war da vielleicht Jagd(flieger)schutz dabei ??
STK
Ergänzungen
Hallo Django!
Ich möchte hier nur Deine sehr guten und ausführlichen Ausführungen ergänzen:
Die V1 besaß ein Steuergerät, das auf einem Kreiselkompaß und
einem barometrischen Höhenmesser beruhte. Das Gerät hielt die
fliegende V1 genau auf dem Kurs, den sie beim Start vorgegeben
erhalten hatte. Z.B.: Ein Windstoß von rechts läßt die V1 nach
links auswandern; der Kreiselkompaß „registriert“ das und
öffnet ein Preßluftventil. Die Preßluft strömt durch Leitungen
zum Seitenruder und legt dieses nach rechts; die V1 geht
wieder auf Kurs.
Dieses Steuergerät war sogar so ausgelegt, daß es noch nach dem Start Richtungsänderungen bis zu 60 Grad nach jeder Seite durchführen konnte, so daß gewissermaßen ein „Winkelschuß“ möglich war.
Allerdings war dies einsatzmäßig überflüssig und auch technisch ein Überforderung. Dies konnte im ungünstigsten Fall sogar zu „Kreisläufern“ führen.
Einen Sensor, der „bemerkte“, daß sich die Bombe am Ziel
befand, gab es nicht. Die V1 flog „nach Abstandszünder“, und
zwar Abstand vom Startplatz. War die vorgegebenen Entfernung
abgeflogen, schalteten sich die Triebwerke ab, und die Bombe
stürzte ins Ziel - oder auch daneben.
Die Entfernungsmessung für die Flugstrecke zum Ziel erfolgte durch ein Zählgerät, das mit einem Propeller im Kopf des Flugkörpers lief. Aus der Umlaufzahl des kleinen Propellers ergab sich die zurückgelegte Flugstrecke.
Nach Eitritt der eingestellten Entfernung löste das Entfernungsmeßgerät das Abwinkeln des Höhenruders, die Drosselung der Brennstoffzuführung und das Absprengen der Tragflächenstummel entlang der vorher eingebauten Sprengleisten aus. Dadurch kippte der bloße Rumpf mit dem Übergewicht der Sprenglast nach vorn und stürzte unter einem gegebenen Winkel parabelförmig zur Erde bis zum Detonationsaufschlag.
Die V2 hatte praktisch gar keine Steuerung. Sie wurde
gestartet; nach ca. 60 Sekunden war Brennschluß, und dann flog
das Projektil auf einer ballistischen Bahn weiter.
Nicht ganz!
Die SS-Batterie 500 verwendete – allerdings als einzige Einheit – eine Leitstrahlnachführung für die V2. Diese bewirkte eine geringere Seitenabweichung und somit auch eine höhere Trefferwahrscheinlichkeit.
Eingesetzt wurde dieses Verfahren u.a. beim einzigen taktischen Einsatz der V2 – dem Beschuß der Brücke von Remagen. Am 17.03.45 wurden 10 V2 verschossen, von denen aber nur ein Treffer mit 1km Abweichung am nächsten lag.
Das Verfahren wurde aufgrund der Störanfälligkeit durch die Gegnerseite nur wenig verwendet.
Gruß
Tom
Groehler, Geschichte des Luftkriegs, S. 445
wo hast du denn diesen text her ??
Olaf Groehler, Geschichte des Luftkriegs, 1982, S. 445
die B17 hatten ein paar 12.7mm MG (in alle Richtungen verteilt)
Die B17, Erstflug 1935, besaß ursprünglich 13 MG, die tatsächlich „in alle Richtungen“ angeordnet waren;
aber keine Kanonen
nur die Ausgangsversion nicht; ab 1943 wurde klar, daß die MG nicht reichen und zerspringende Munition verwendet werden muß. Den Typ der Kanonen kann ich leider nicht angeben.
Die B24, Erstflug 1939, hatte von Anfang an Kanonen. Sie war allerdings nicht so stabil gebaut wie die B17, sondern mehr auf Reichweite als auf Standfestigkeit entwickelt.
Den Bomberangriff den du geschildert hast - war da vielleicht Jagd(flieger)schutz dabei ??
Aber natürlich. Nur richtete er nichts aus. Ich kenne kein Beispiel dafür, daß ein Jagdflugzeug mit Kolbenmotor eine Me 262 abgeschossen hätte - außer beim Starten oder Landen. ALLE Abschüsse angreifender Me 262 gehen auf Bordwaffen der Bombenflugzeuge zurück.
- Django -
Hallo Werner!
Beide Raketen waren reine Terrorwaffen, ohne militärischen
Nutzen.
Ich denke „ohne militärischen Nutzen“ kann man so nicht stehen lassen. Schließlich war es zum Zeitpunkt des Einsatzes der V1 und V2 schon länger gängige Praxis Städte ohne Unterscheidung von militärischen oder zivilen Zielen mit Bombenteppichen in Schutt und Asche zu legen – von beiden Seiten praktiziert.
Der Grund für den Beschuß großflächiger Ziele lag in der Zielabweichung der V1:
Statt der geforderten 2% Breitenstreuung bei einer Reichweite von 250km erreichte sie 6%, d.h. plus/minus 15km. Für Ballungsräume kein Problem, für den Feldeinsatz aber untragbar.
Angaben zur Längenstreuung gibt es leider nicht, aber sie war so groß, daß schon von der technischen Seite aus kein Unterschied zwischen militärischen und zivilen Zielobjekten gemacht werden konnte.
Ähnliches gilt auch für die V2.
Deutscherseits gab es auch genug Vorschläge zum Einsatz der Waffen gegen die Invasionskräfte der Alliierten (Häfen, Landeköpfe usw.), wofür ihre „Zielgenauigkeit“ auch gereicht hätte.
Und schließlich darf man eines nicht vergessen:
Besonders die V1 hat beträchtliche Gegnerkräfte gebunden. Alleine nach der Feuereröffnung Anfang Juni 44 wurden die Anflugwege der V1 durch 11(!) Jagdgeschwader kontrolliert, 2.800 leichte und schwere Flakgeschütze und 2.000 Sperrballone verlegten den Weg der V1 – und zu diesem Zeitpunkt waren die Kämpfe in der Normandie gerade erst am Beginn!
Je nach Wetterlage mußten die Jagdflieger in Alarmbereitschaft stehen oder als Patrouille über der französisch-belgischen Küste täglich zwischen 120 und 550 Einsätze fliegen.
Als Ende Juli 44 das Abwehrsystem grundlegend verbessert wurde, mußten alleine für die Verlegung von 1.576 schweren Flakgeschützen zur englischen Südküste 30.000t Material bewegt werden.
Hinzu kam auch die (Wieder-)Aufnahme der Bombenangriffe auf V1-Basen (auch bei der V2) und auf Fertiungs- und Forschungseinrichtungen (ebenso bei der V2) trotz des Bedarf dieser Mittel für die Kämpfe an der Invasionsfront.
D.h. die V1 sorgte nicht nur für Angst und Unruhe, Störungen und Verluste an Material und Menschenleben, sondern sie hat auch erhebliche Luftabwehr- und Luftstreitkräfte gebunden. Nach dem Krieg wurde berechnet, daß die Deutschen im ganzen rund 150 Mio. Reichsmark aufgewendet haben, die britische Seite hingeben aber 570 Mio. Reichsmark an Verlusten und Abwehr aufwenden mußte!
Die V1 wurde auf einer Abschußrampe liegend ausgerichtet, wie
über Kimme und Korn. Die Flugentfernung war festgelegt durch
den Treibstoff, also baute man die Rampen in entsprechender
Entfernung auf. Beschossen wurden immer großflächige Ziele,
wie z.B. große Städte. War der Treibstoff zu Ende segelten
sie ab nach unten.
Wie schon von Django angegeben unrichtig.
Weder wurde die V1 über „Kimme und Korn“ verschossen (s. Bemerkungen zum Steuergerät von mir an anderer Stelle), noch erfolgte die Entfernungsmessung über den Treibstoff, sondern durch einen Zählpropeller an der Spitze der V1
Unterwegs wurden die meisten abgeschossen von brit.
Jagdfliegern, weil sie so langsam waren.
Wie schon von Django ausgeführt hatten es die Jagdflieger nicht einfach die V1 einzuholen gerade aufgrund ihrer Geschwindigkeit – nur die neuesten Muster der Typen Tempest, Spitfire, Mosquito oder sogar Meteor (am 4.08.44 erstmals 2 Abschüsse) hatten eine Chance!
Der Anteil der Flak an den Abschüssen hatte einen stetig steigenden Anteil, da immer mehr Granaten mit Abstandszünder (nach dem Echo-Prinzip) eingesetzt werden konnten, die entscheidend bessere Ergebnisse erzielten.
Von den zwischen 15. Juni und 1. Sept. 44 beim Angriff auf London eingesetzten 8.564 V1 schossen Jagdflieger 24%, Flak 17% und Sperrballone 4% (insgesamt ca. 3.600) ab.
Gruß
Tom
Infos zu Me262 mit 5cm
Hallo Stefan!
(es gab auch eine 5cm Bewaffnung für die Me262 - ich finde nur
keine Infos dazu…außer ein paar Bilder)
Ich habe hier ein paar Infos für Dich zu mit 5cm-Kanonen bewaffneten Me 262:
Mit 5cm-Kanonen wurden nur Prototypen gebaut, wobei zwei verschiedene Kanonen zum Einbau kamen.
Me 262A-1a (Werk-Nr. 130083, Prototyp V083) mit der 5cm-Rheinmetall BK5:
Die Geschwindigkeit reduzierte sich auf 845 km/h durch den Einbau. Auf eine Schußkamera im Bug mußte verzichtet werden und das Bugrad mußte für den flachen Einzug unter der Waffe modifiziert werden. Auf die Handhabung soll diese Bewaffnung anscheinend keine Auswirkung gehabt haben (obwohl die Maschine beim Schuß deutlich gierte).
Zwei weitere Me 262A-1a sollen für Bodenversuche ebenfalls mit dieser Waffe ausgerüstet worden sein.
Me 262A-1a/U4 „Pulkzerstörer“ mit 5cm-Rheinmetall-Mauser Hochgeschwindigkeitsgeschütz MK 214A:
Nach Studien mit der 5,5cm MK114 wurde diese zugunsten der genannten MK 214A (5,0cm) fallen gelassen.
Zwei Me 262A-1a wurden umgebaut (Werk-Nr. 111899 und 170083).
Mit der Waffe konnten 1,5kg schwere Projektile über 1.000 Meter abgefeuert werden bei einer Kadenz von 150 Schuß/min.
Im Gegensatz zum Einbau der BK5 wurde wieder eine Schußkamera eingebaut (ansonsten war der Einbau sehr ähnlich). Das neu installierte Rückschlagsystem soll so effektiv gewesen sein, daß der Pilot das Abfeuern kaum wahrnahm.
Im März und April 1945 wurden noch einige Tests durchgeführt, u.a. der Beschuß eines Bodenzieles.
Werk-Nr. 170083 wurde von den Amerikanern erbeutet (zuerst „Wilma Jeanne“, dann „Happy Hunter II“ genannt). Bei Überführungsflug nach Cherbourg zur Einschiffung in die USA verunglückte die Maschine am 11.Juni 1945 beim Start im französischen Melun und ging verloren.
Gruß
Tom
Ergänzungen
Stimmt. Die Entwicklungsarbeiten an "Düsen"flugzeugen begannen
unabhängig voneinander im Jahre 1936 in Großbritannien und
Deutschland. Am 27.8.1939 flog das erste "düsen"getriebene
Flugzeug (Typ Heinkel 178) mit Gasturbinenantrieb. Zugleich
wurde ein Raketenflugzeug entwickelt (Me 163).
Vorher flog allerdings auch noch das erste Raketenflugzeug der Welt:
Die Heinkel He 176! (Erstflug am 20.06.39)
Die Me 163a (angetrieben mit einer kreuzgefährlichen
Kombination aus Methanol und 80prozentigem Wasserstoffperoxid)
taugte nicht viel, aber aus der He 178 wurde das Jagdflugzeug
Me 262 entwickelt
Die Me 262 stellt eine eigene Entwicklung von Messerschmitt dar! Die Erkenntnisse, die mit der He 178 gewonnen wurden, wurden von Heinkel schließlich für den ersten geflogenen Düsenjäger der Welt verwendet: Die Heinkel He 280 (Erstflug am 2.04.41)
Messerschmitt und Heinkel legten die Entwürfe für ihre Me 262 bzw. He 280 bereits am 7.Juni 1939 dem Reichsluftfahrtministerium vor (nach Aufträgen für Entwürfe an beide Unternehmen). Die Me 262 ging als Siegerin hervor, aber auch der He 280 wurde weitere Unterstützung zugesichert.
Die britische Gloster „Meteor“ (Erstflug 3/1943; Einsatzreife :7/1944) hatte
zwar ein stärkeres Triebwerk als die Me 262, aber die
Flugzeugzelle war nicht besonders. Die Amerikaner und die
Sowjetunion brachten keinen Düsenjäger mehr zum Einsatz.
Ergänzend sollte man vielleicht noch die Gloster E.28/39 nennen, die als erster britischer Jet am 15.Mai 1941 flog. Sie hatte eine ähnliche Funktion, wie deutscherseits die He 178 (obwohl sie eigentlich auf die möglichen Anforderungen an einen Jäger konstruiert wurde).
Außerdem flog am 20.Sept. 1943 auch der erste Prototyp des Düsenjägers de Havilland Vampire (der erst 1946 zur RAF kommen sollte – Maschinen dieses Musters wurde noch lange in der Schweiz eingesetzt).
Der Vollständigkeit halber noch die Amerikaner:
Hier flog als erstes die Bell P-59 Airacomet am 1.Okt. 1942 (die Amerikaner hatte für dieses Muster entscheidende Unterstützung durch die Briten erhalten). Obwohl als Jäger konzipiert, wurde das Muster für den Einsatz als zu schwach angesehen (Höchstgeschwindigkeit 658 km/h). Daher folgte als zweiter US-Jet die Lockheed P-80 Shooting Star, die am 8.Januar 1944 das erste Mal flog (sie sollte später in Korea umfassend eingesetzt werden).
Ich wüßte übrigens nicht, daß im zweiten Weltkrieg jemals zwei
Düsenjäger gegeneinander gekämpft hätten.
Dies sollte auch erst im Korea-Krieg der Fall sein (wenn ich mich recht erinnere schoß eine P-80 eine Mig-15 ab).
Kurz vor Kriegsende wurde eine britische Staffel (die schon genannte 616.Squadron) mit Meteor nach Belgien verlegt, in der Hoffnung, daß es zu einer Gefechtsberührung mit der Me 262 kommt, was aber nicht mehr der Fall war.
Zwei amerikanische P-80 erreichten noch den italienischen Kriegsschauplatz unmittelbar vor der deutschen Kapitulation und wurden daher nicht mehr eingesetzt.
Gruß
Tom
Hallo Django!
Olaf Groehler, Geschichte des Luftkriegs, 1982, S. 445
Steht in diesem Buch zufällig von was für Einheiten diese Me 262 stammten?
Ich habe zu dieser Begebenheit folgende Angaben gefunden:
Am 10.04.45 wurden 55 Einsätze (ohne Angabe der Einheiten) geflogen (die Höchstzahl innerhalb eines Tages), dabei konnten bei einem Eigenverlust von 27 Me 262 nur 10 US-Bomber abgeschossen werden.
Wodurch die Verluste eintraten konnte ich (noch) nicht herausfinden, allerdings habe ich folgende allgemeine Angaben zu Me 262-Abschüssen durch die (West-)Alliierten gefunden:
USAAF: fast 100
RAF: 30
schwere Bomber: 10(!)
Diese Zahlen lassen darauf schließen, daß am 10.04.45 ein größerer Teil der Verluste auf Jäger zurückzuführen war. Da zu dieser Zeit die Flugplätze der Me 262 so gut wie ständig angegriffen und überwacht wurden, liegt diese Vermutung wohl nahe.
die B17 hatten ein paar 12.7mm MG (in alle Richtungen verteilt)
Die B17, Erstflug 1935, besaß ursprünglich 13 MG, die
tatsächlich „in alle Richtungen“ angeordnet waren;aber keine Kanonen
nur die Ausgangsversion nicht; ab 1943 wurde klar, daß die MG
nicht reichen und zerspringende Munition verwendet werden muß.
Den Typ der Kanonen kann ich leider nicht angeben.
Bei der B-17 wurde insbesondere bei den ab Mitte des Krieges produzierten Ausführungen nur das 12,7mm MG (immer des gleichen Typs) eingesetzt!
Eine Version mit Kanonen (also mind. 2,0cm) gab es nie.
Einzig wurden anfangs 7,7mm MG’s verwendet, die in den späteren Versionen durch 12,7mm MG’s ersetzt wurden.
Die B24, Erstflug 1939, hatte von Anfang an Kanonen. Sie war
allerdings nicht so stabil gebaut wie die B17, sondern mehr
auf Reichweite als auf Standfestigkeit entwickelt.
Auch hier wurde nur das 12,7mm MG verwendet (zumindest bei den Hauptausführungen, die ab Mitte des Krieges produziert wurden). Einzig Anzahl und Verteilung der MG’s war einem Wandel unterworfen mit Fortschreiten der Produktion.
Der einzige schwere Bomber der Alliierten mit 2,0cm Kanone war die über Japan eingesetzte B-29 mit einer Kanone solchen Kalibers im Heckstand.
Im übrigen war die B-24 nicht unbedingt anfälliger als die B-17. Darüber gehen die Meinungen in der Literatur auseinander. Die Auslegung der B-24 war um einiges moderner als die der B-17 und in ihrer Konzeption wandlungsfähiger, was für die Qualität des Entwurfes spricht. Schließlich wurde sie auch in einer größeren Stückzahl als irgendein anderer schwerer Bomber gebaut (18.313 Stk.).
Die B-24 stand über ihre ganze Dienstzeit als schwerer Bomber in Europa immer im Schatten der B-17, obwohl sie eigentlich ab 1944 einen größeren (zahlenmäßigen) Anteil an den Kämpfen hatte. Typisch für diese Entwicklung ist der letzte Großangriff der 8.USAAF auf Berlin am 18.März 1945. Von den eingesetzten 1.221 Bombern waren zwar ca. 300 B-17, die restlichen ca. 900 Bomber waren aber vom Typ B-24.
Übrigens: Bei diesem Angriff setzten Me 262 (37 im Einsatz) das erste Mal R4M-Luft-Luft-Raketen ein und schossen bei 2 eigenen Verlusten 12 Bomber und 2 Jäger ab (US-Berichte sollen allerdings nur von 8 Bombern sprechen).
Die B-17 blieb eben als Sinnbild für den Bombenkrieg über Deutschland in den Köpfen der Leute – ähnlich wie die Spitfire für die Luftschlacht um England (trotz des ebenso bedeutenden Beitrages der Hurricane).
Aber natürlich. Nur richtete er nichts aus. Ich kenne kein
Beispiel dafür, daß ein Jagdflugzeug mit Kolbenmotor eine Me
262 abgeschossen hätte - außer beim Starten oder Landen. ALLE
Abschüsse angreifender Me 262 gehen auf Bordwaffen der
Bombenflugzeuge zurück.
Ich habe allerdings auch schon gelesen, daß es in wenigen Fällen P-51 gelang die Me 262 im Flug zu erwischen – und zwar durch eine überraschende Attacke aus dem Sturzflug heraus, wenn die Me 262 nur in Reisegeschwindigkeit geflogen wurde. In diesem Fall hatte die Me 262 wohl auch wieder das Problem schnell zu beschleunigen. Außerdem beachte die oben angegebenen Me 262-Abschußzahlen durch schwere Bomber!
Gruß
Tom
Vielen Dank für die Ausführungen!
Gruss
Ben