V1 und V2

Von: , Frage gestellt am Sa, 23. Dez 2000

Mich interessiert, wie das Steuersystem der 1. Raketeten ganz ohne Computer funktioneiert haben? Wie hat die V1 u. V2 ihr Ziel gefunden?
Kann mir jemand helfen?

24 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 6 Stunden hilfreich
    Re: V1 und V2

    Mich interessiert, wie das Steuersystem der 1. Raketeten ganz
    ohne Computer funktioneiert haben? Wie hat die V1 u. V2 ihr
    Ziel gefunden?
    Kann mir jemand helfen?
    Hallo Ben!

    Beide Raketen waren reine Terrorwaffen, ohne militärischen Nutzen.
    Die V1 wurde auf einer Abschußrampe liegend ausgerichtet, wie über Kimme und Korn. Die Flugentfernung war festgelegt durch den Treibstoff, also baute man die Rampen in entsprechender Entfernung auf. Beschossen wurden immer großflächige Ziele, wie z.B. große Städte. War der Treibstoff zu Ende segelten sie ab nach unten.
    Unterwegs wurden die meisten abgeschossen von brit. Jagdfliegern, weil sie so langsam waren.

    Die V2 war kreiselgesteuert, das heißt man konnte die Richtung exakt eingeben. Die Entfernung wurde auch hier über den Treibstoff festgelegt.
    Die V2 war eine echte Terrorwaffe, die man nicht sah, wenn sie ankam, nur hörte. Brachte aber auch keinerlei milit. Nutzen.

    Beide Waffen erhöhten den Abwehrwillen der brit. Bevölkerung, erreichten also genau das Gegenteil von der beabsichtigten Wirkung.

    Gruß Werner

    • Antwort von nach 7 Stunden hilfreich
      Re^2: V1 und V2

      Beide Raketen waren reine Terrorwaffen, ohne militärischen Nutzen.
      Stimmt und stimmt nicht. Auch Terror ist militärischer Nutzen. Die Terrorwirkung der V1 war bemerkenswerterweise größer als die der V2. Die V2 schlug ohne Vorwarnung irgendwo ein. Wer es knallen hörte, der hatte überlebt, und wer den Knall nicht mehr hörte, der hatte auch keine Probleme mehr ...

      Von den psychologischen Effekten der V1 zeugen folgende Schilderungen: Der Anblick einer fliegenden V1 war unvergeßlich. Sie waren schnell, und ihr kleiner Umriß, wie ein Schatten, ließ sie noch schneller wirken. Was die Menschen am meisten beängstigte, war die furchterregende Art, wie diese Roboter (wie man damals sagte) unbeirrt von den Jagdflugzeugen und dem donnernden Sperrfeuer der Fliegerabwehrkanonen schnurgerade ihre Bahn zogen. Sie waren so unpersönlich wie eine Landplage, und es war, als ob die Stadt [London] von giftigen Rieseninsekten überfallen worden war.
      In den Häuserzeilen der Londoner City konnte niemand weit sehen. Die V1 kamen in 900m Höhe geflogen. Der erste warnende Hinweis war das tiefe, pochende Brummen der Staustrahltriebwerke. Die Menschen blickten nach oben, versuchten die Flugrichtung zu erkennen und hofften, die Bomben mögen weiterfliegen. Sobald das Triebwerk plötzlich aussetzte, hastete alles in den Schutz irgendwelcher Hauseingänge oder warf sich flach auf die Erde. Dann gab es ein Atemanhalten, das eine Ewigkeit zu dauern schien. Einer berstenden Detonation folgte das tiefe Grollen einstürzender Häuser. Dann Stille, Qualm stieg empor, und es ertönten die Klingeln der Feuerwehren und Rettungswagen und das entfernte tiefe Brummen der nächsten Bombe ..."
      Eindrucksvoll, nicht wahr? Unterwegs wurden die V1 meisten abgeschossen von brit. Jagdfliegern, weil sie so langsam waren.
      Leider nein. Nur die 616. Jagdfliegerstaffel, die über das erste britische Düsenflugzeug verfügte (Gloster "Meteor"), war eindeutig schneller als die V1; sie schoß 13 V1 ab.

      - Django -

      • Antwort von nach 9 Stunden hilfreich
        Re^3: V1 und V2

        Beide Raketen waren reine Terrorwaffen, ohne militärischen Nutzen.
        Stimmt und stimmt nicht. Auch Terror ist militärischer Nutzen.
        Die Terrorwirkung der V1 war bemerkenswerterweise größer als
        die der V2. Die V2 schlug ohne Vorwarnung irgendwo ein. Wer es
        knallen hörte, der hatte überlebt, und wer den Knall nicht
        mehr hörte, der hatte auch keine Probleme mehr ...

        Von den psychologischen Effekten der V1 zeugen folgende
        Schilderungen: Der Anblick einer fliegenden V1 war unvergeßlich. Sie waren schnell, und ihr kleiner Umriß, wie ein Schatten, ließ sie noch schneller wirken. Was die Menschen am meisten beängstigte, war die furchterregende Art, wie diese Roboter (wie man damals sagte) unbeirrt von den Jagdflugzeugen und dem donnernden Sperrfeuer der Fliegerabwehrkanonen schnurgerade ihre Bahn zogen. Sie waren so unpersönlich wie eine Landplage, und es war, als ob die Stadt [London] von giftigen Rieseninsekten überfallen worden war.
        In den Häuserzeilen der Londoner City konnte niemand weit sehen. Die V1 kamen in 900m Höhe geflogen. Der erste warnende Hinweis war das tiefe, pochende Brummen der Staustrahltriebwerke. Die Menschen blickten nach oben, versuchten die Flugrichtung zu erkennen und hofften, die Bomben mögen weiterfliegen. Sobald das Triebwerk plötzlich aussetzte, hastete alles in den Schutz irgendwelcher Hauseingänge oder warf sich flach auf die Erde. Dann gab es ein Atemanhalten, das eine Ewigkeit zu dauern schien. Einer berstenden Detonation folgte das tiefe Grollen einstürzender Häuser. Dann Stille, Qualm stieg empor, und es ertönten die Klingeln der Feuerwehren und Rettungswagen und das entfernte tiefe Brummen der nächsten Bombe ..."
        Eindrucksvoll, nicht wahr? Unterwegs wurden die V1 meisten abgeschossen von brit. Jagdfliegern, weil sie so langsam waren.
        Leider nein. Nur die 616. Jagdfliegerstaffel, die über das
        erste britische Düsenflugzeug verfügte (Gloster "Meteor"), war
        eindeutig schneller als die V1; sie schoß 13 V1 ab.

        hallo noch eine frage, ich dachte das deutsche reich hätte die ersten düsen getriebenen flugzeuge besessen.stimmt das also auch nicht?

        • Antwort von nach 11 Stunden 2 hilfreich
          Düsengetriebene Flugzeuge im zweiten Weltkrieg

          Noch eine frage, ich dachte das deutsche reich hätte die
          ersten düsengetriebenen flugzeuge besessen.
          -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

          Stimmt. Die Entwicklungsarbeiten an "Düsen"flugzeugen begannen unabhängig voneinander im Jahre 1936 in Großbritannien und Deutschland. Am 27.8.1939 flog das erste "düsen"getriebene Flugzeug (Typ Heinkel 178) mit Gasturbinenantrieb. Zugleich wurde ein Raketenflugzeug entwickelt (Me 163). Unterschied: Ein "Düsen"(Gasturbinen)flugzeug entnimmt den Sauerstoff der Luft, während ein Raketenflugzeug einen Oxydator mit sich führt.

          Die Me 163a (angetrieben mit einer kreuzgefährlichen Kombination aus Methanol und 80prozentigem Wasserstoffperoxid) taugte nicht viel, aber aus der He 178 wurde das Jagdflugzeug Me 262 entwickelt (Erstflug 7/1942, Serienproduktion ab 6/1943, Einsatzreife 5/1944), mit dem die Nazis ALLEN alliierten Jagdflugzeugen weit voraus waren. Die britische Gloster "Meteor" (Erstflug 3/1943; Einsatzreife 7/1944) hatte zwar ein stärkeres Triebwerk als die Me 262, aber die Flugzeugzelle war nicht besonders. Die Amerikaner und die Sowjetunion brachten keinen Düsenjäger mehr zum Einsatz.

          Ich wüßte übrigens nicht, daß im zweiten Weltkrieg jemals zwei Düsenjäger gegeneinander gekämpft hätten. Propellergetriebene Jäger hatten gegen die Me 262 nur ein Chance, wenn sie diese beim Starten oder Landen erwischten. Einziger Gegner der Düsenjäger blieben die viermotorigen Bomberflugzeuge, die (besonders die amerikanischen B 17) einerseits eine Menge Treffer wegstecken konnten und andererseits über eine starke Kanonen- und Maschinengewehrbewaffnung verfügten. Am 10.4.1945 griffen 62 Düsenjäger Me 262 über Mitteldeutschland einen dicht geschlossen fliegenden Bomberpulk an und wurden von dessen Abwehrfeuer voll erfaßt. Bei 10 abgeschossenen Bombern gingen 32 Me 262 verloren - das war das Ende.

          - Django -

          • Antwort von nach 11 Stunden hilfreich
            super vielen dank.!!!

            KLASSE hier gibts ja echt noch experten;)
            ciao
            sven.

          • Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
            Re: Düsengetriebene Flugzeuge im zweiten Weltkrieg

            Einziger Gegner der Düsenjäger blieben die viermotorigen
            Bomberflugzeuge, die (besonders die amerikanischen B 17) einerseits eine Menge Treffer wegstecken konnten und andererseits über eine starke
            Kanonen- und Maschinengewehrbewaffnung verfügten. Am 10.4.1945 griffen 62 Düsenjäger Me 262 über Mitteldeutschland einen dicht geschlossen
            fliegenden Bomberpulk an und wurden von dessen Abwehrfeuer voll erfaßt. Bei 10 abgeschossenen Bombern gingen 32 Me 262 verloren - das war das
            Ende.


            wo hast du den diesen text her ??
            es scheint mir doch sehr unrealistisch .. die B17 hatten ein paar 12.7mm MG (in alle Richtungen verteilt) aber keine Kanonen .. die Me262 hatte vier 4 30mm Kanonen mit Sprengmunition - alle Flugzeuge konnten davon nur wenige Treffer einstecken bevor irgendwas auseinander brach bzw. sie irgendwann wegen diverser Splitterschäden runtergehen mussten. (es gab auch eine 5cm Bewaffnung für die Me262 - ich finde nur keine Infos dazu...außer ein paar Bilder)
            Den Bomberangriff den du geschildert hast - war da vielleicht Jagd(flieger)schutz dabei ??


            <gruss>
            STK

            • Antwort von nach 4 Tagen hilfreich
              Groehler, Geschichte des Luftkriegs, S. 445

              wo hast du denn diesen text her ??
              Olaf Groehler, Geschichte des Luftkriegs, 1982, S. 445 die B17 hatten ein paar 12.7mm MG (in alle Richtungen verteilt)
              Die B17, Erstflug 1935, besaß ursprünglich 13 MG, die tatsächlich "in alle Richtungen" angeordnet waren; aber keine Kanonen
              nur die Ausgangsversion nicht; ab 1943 wurde klar, daß die MG nicht reichen und zerspringende Munition verwendet werden muß. Den Typ der Kanonen kann ich leider nicht angeben.
              Die B24, Erstflug 1939, hatte von Anfang an Kanonen. Sie war allerdings nicht so stabil gebaut wie die B17, sondern mehr auf Reichweite als auf Standfestigkeit entwickelt. Den Bomberangriff den du geschildert hast - war da vielleicht Jagd(flieger)schutz dabei ??
              Aber natürlich. Nur richtete er nichts aus. Ich kenne kein Beispiel dafür, daß ein Jagdflugzeug mit Kolbenmotor eine Me 262 abgeschossen hätte - außer beim Starten oder Landen. ALLE Abschüsse angreifender Me 262 gehen auf Bordwaffen der Bombenflugzeuge zurück.

              - Django -

            • Antwort von nach 6 Tagen hilfreich
              Re: Groehler, Geschichte des Luftkriegs, S. 445

              Hallo Django! Olaf Groehler, Geschichte des Luftkriegs, 1982, S. 445
              Steht in diesem Buch zufällig von was für Einheiten diese Me 262 stammten?
              Ich habe zu dieser Begebenheit folgende Angaben gefunden:
              Am 10.04.45 wurden 55 Einsätze (ohne Angabe der Einheiten) geflogen (die Höchstzahl innerhalb eines Tages), dabei konnten bei einem Eigenverlust von 27 Me 262 nur 10 US-Bomber abgeschossen werden.
              Wodurch die Verluste eintraten konnte ich (noch) nicht herausfinden, allerdings habe ich folgende allgemeine Angaben zu Me 262-Abschüssen durch die (West-)Alliierten gefunden:
              USAAF: fast 100
              RAF: 30
              schwere Bomber: 10(!)
              Diese Zahlen lassen darauf schließen, daß am 10.04.45 ein größerer Teil der Verluste auf Jäger zurückzuführen war. Da zu dieser Zeit die Flugplätze der Me 262 so gut wie ständig angegriffen und überwacht wurden, liegt diese Vermutung wohl nahe. die B17 hatten ein paar 12.7mm MG (in alle Richtungen verteilt)
              Die B17, Erstflug 1935, besaß ursprünglich 13 MG, die
              tatsächlich "in alle Richtungen" angeordnet waren; aber keine Kanonen
              nur die Ausgangsversion nicht; ab 1943 wurde klar, daß die MG
              nicht reichen und zerspringende Munition verwendet werden muß.
              Den Typ der Kanonen kann ich leider nicht angeben.
              Bei der B-17 wurde insbesondere bei den ab Mitte des Krieges produzierten Ausführungen nur das 12,7mm MG (immer des gleichen Typs) eingesetzt!
              Eine Version mit Kanonen (also mind. 2,0cm) gab es nie.
              Einzig wurden anfangs 7,7mm MG’s verwendet, die in den späteren Versionen durch 12,7mm MG’s ersetzt wurden. Die B24, Erstflug 1939, hatte von Anfang an Kanonen. Sie war
              allerdings nicht so stabil gebaut wie die B17, sondern mehr
              auf Reichweite als auf Standfestigkeit entwickelt.
              Auch hier wurde nur das 12,7mm MG verwendet (zumindest bei den Hauptausführungen, die ab Mitte des Krieges produziert wurden). Einzig Anzahl und Verteilung der MG’s war einem Wandel unterworfen mit Fortschreiten der Produktion.
              Der einzige schwere Bomber der Alliierten mit 2,0cm Kanone war die über Japan eingesetzte B-29 mit einer Kanone solchen Kalibers im Heckstand.

              Im übrigen war die B-24 nicht unbedingt anfälliger als die B-17. Darüber gehen die Meinungen in der Literatur auseinander. Die Auslegung der B-24 war um einiges moderner als die der B-17 und in ihrer Konzeption wandlungsfähiger, was für die Qualität des Entwurfes spricht. Schließlich wurde sie auch in einer größeren Stückzahl als irgendein anderer schwerer Bomber gebaut (18.313 Stk.).
              Die B-24 stand über ihre ganze Dienstzeit als schwerer Bomber in Europa immer im Schatten der B-17, obwohl sie eigentlich ab 1944 einen größeren (zahlenmäßigen) Anteil an den Kämpfen hatte. Typisch für diese Entwicklung ist der letzte Großangriff der 8.USAAF auf Berlin am 18.März 1945. Von den eingesetzten 1.221 Bombern waren zwar ca. 300 B-17, die restlichen ca. 900 Bomber waren aber vom Typ B-24.
              Übrigens: Bei diesem Angriff setzten Me 262 (37 im Einsatz) das erste Mal R4M-Luft-Luft-Raketen ein und schossen bei 2 eigenen Verlusten 12 Bomber und 2 Jäger ab (US-Berichte sollen allerdings nur von 8 Bombern sprechen).
              Die B-17 blieb eben als Sinnbild für den Bombenkrieg über Deutschland in den Köpfen der Leute – ähnlich wie die Spitfire für die Luftschlacht um England (trotz des ebenso bedeutenden Beitrages der Hurricane). Aber natürlich. Nur richtete er nichts aus. Ich kenne kein
              Beispiel dafür, daß ein Jagdflugzeug mit Kolbenmotor eine Me
              262 abgeschossen hätte - außer beim Starten oder Landen. ALLE
              Abschüsse angreifender Me 262 gehen auf Bordwaffen der
              Bombenflugzeuge zurück.
              Ich habe allerdings auch schon gelesen, daß es in wenigen Fällen P-51 gelang die Me 262 im Flug zu erwischen – und zwar durch eine überraschende Attacke aus dem Sturzflug heraus, wenn die Me 262 nur in Reisegeschwindigkeit geflogen wurde. In diesem Fall hatte die Me 262 wohl auch wieder das Problem schnell zu beschleunigen. Außerdem beachte die oben angegebenen Me 262-Abschußzahlen durch schwere Bomber!

              Gruß

              Tom



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