Ungeklärt: Entscheidung Hitlers für Rußlandfeldzug

Von: , Frage gestellt am Di, 23. Jan 2001

Wer weiß, warum Hitler sich gegen die Erwartung seines Generalstabes nach dem Blitzkriegsieg über Frankreich während der Beratung mit seinen Generälen in Belgien spontan dazu entschlossen hatte, zuerst Rußland statt England anzugreifen? Das war doch ein so offensichtlicher Fehler, daß man von "Schicksalsentscheidung" sprechen muß. Hätte Deutschland zuerst England erobert, hätten die Amerikaner keine Chance mehr gehabt, in der Festung Europa zu landen!

Gruß,
Philip

8 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 3 Stunden 1 hilfreich
    Re: Ungeklärt: Entscheidung Hitlers für Rußlandfel

    Hallo Philipp,

    wenn ich das Buch eines Historikes (über das Unternehmen Barbarossa) noch finde, zitiere ich dir noch einmal ein paar Zeilen daraus, aber ich meine mich entsinnen zu können,
    dass Hitler eh nur halbherzig die Operation Seelöwe in Angriff genommen hat, er hätte viel lieber Frieden mit den Engländer geschlossen, und sich direkt auf Russland gestürzt, von wegen Kampf den Bolschewisten, Lebensraum im Osten etc...
    Diese halbherzige Einstellung lässt sich schon daraus ableiten, dass er das englische Expeditionskorps aus Dünkirchen entkommen liess (er hatte Rommels 7. PzDiv gestoppt, angeblich aus Angst um die Flanke und weil er Göring glaubte, die Luftwaffe könnte das britische Korps im Alleingang erledigen)...
    Ausserdem liess er die Luftwaffe London und einige andere Städte bombardieren, bei denen sich die Luftwaffe aufrieb, anstatt die Luftwaffe die Invasion effektiv vorbereiten zu lassen, sprich die Royal Air Force zu schwächen bzw. auszuschalten.
    Das Ergebnis ist bekannt...

    Ausserdem ging gegen Ende des Jahres 1941 noch etwas anderes durch Hitlers Kopf, eine merkwürdige Rechnung, durch die er hoffte, England doch noch kriegen zu können. Wenn Russland ausfiele, hätten die japaner den Rücken frei, und würden somit die Amerikaner binden, die somit auch für den europäischen Schauplatz wegfallen würden... dadurch wäre England isoliert gewesen!

    wie gesagt, ich muss das nochmal nachlesen, ist schon ne Weile her, dass ich mich mit WKII beschäftigt habe.

    Hoffe, etwas klärendes beigesteuert zu haben

    Gruss
    Kai [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 10 Stunden 1 hilfreich
      Einschätzung des Generalstabes?

      dass Hitler eh nur halbherzig die Operation Seelöwe in Angriff
      genommen hat, er hätte viel lieber Frieden mit den Engländer
      geschlossen,
      Stimmt! Winston Churchill war es, der schon 1936 Hitler zum Krieg zwingen wollte, unter allen Umständen! Hitlers Angriffslust wird oft verzerrt dargestellt. Er hätte "evtl." erst 1945, auf dem Höhepunkt der Rüstung, losgeschlagen. und sich direkt auf Russland gestürzt, von wegen
      Kampf den Bolschewisten, Lebensraum im Osten etc...
      Diese halbherzige Einstellung lässt sich schon daraus
      ableiten, dass er das englische Expeditionskorps aus
      Dünkirchen entkommen liess (er hatte Rommels 7. PzDiv
      gestoppt, angeblich aus Angst um die Flanke und weil er Göring
      glaubte, die Luftwaffe könnte das britische Korps im
      Alleingang erledigen)...
      Einige Ungeklärtheiten... Ausserdem ging gegen Ende des Jahres 1941 noch etwas anderes
      durch Hitlers Kopf, eine merkwürdige Rechnung, durch die er
      hoffte, England doch noch kriegen zu können. Wenn Russland
      ausfiele, hätten die japaner den Rücken frei, und würden somit
      die Amerikaner binden, die somit auch für den europäischen
      Schauplatz wegfallen würden... dadurch wäre England isoliert
      gewesen!
      Das hätte bedeutet, das Pferd von hinten aufzuziehen. Nicht gerade naheliegend. Hoffe, etwas klärendes beigesteuert zu haben
      Ja, danke! Aber es wäre interessant, noch ein paar Hinweise auf die Einstellung seines Generalstabes zu finden. Waren die Generäle wirklich so "schockiert" von Hitlers Entscheidung? Ich habe gelesen, daß man ihm nur deshalb nicht offen widersprechen konnte, weil er bislang ja so erfolgreich gewesen war. Er mußte es schließlich wissen!

      Gruß,
      Philip

      • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
        Re: Einschätzung des Generalstabes?

        Ja, danke! Aber es wäre interessant, noch ein paar Hinweise
        auf die Einstellung seines Generalstabes zu finden. Waren die
        Generäle wirklich so "schockiert" von Hitlers Entscheidung?
        Ich habe gelesen, daß man ihm nur deshalb nicht offen
        widersprechen konnte, weil er bislang ja so erfolgreich
        gewesen war. Er mußte es schließlich wissen!
        Natürlich waren die Generäle schockiert, es bedeutete ja einen Zweifrontenkrieg, die Lektionen hatte man ja bereits im WKI gelernt! Ausserdem waren die Engländer im Sommer 1940 wirklich geschwächt, die Erfolgschancen einer Invasion würden nur schlechter werden können, wenn man England erstmal Zeit und die Gelegenheit gab, das gerade gerettete Expeditionskorps wieder aufzustellen und auszurüsten!
        Aber wie du schon sagtest, der Anfangserfolg sprach für Hitler. Ausserdem waren vor allem Jodl und Keitel seeeehr loyal, und räumten alle Zweifler und Bedenken beiseite, nach dem Motto " Der Führer weiss was er tut..."
        Einige potentielle "Unruhestifter" in der Generalität wurden "gekauft", in dem sie Hitler einfach beförderte, bzw. mit einem Marschallstab "ausstattete".

        Ein Beispiel ist für mich der OB West gewesen, GFM v.Rundstedt, der beileibe kein glühender Anhänger Hitlers war, aber er war loyal... er konnte dem Mann, der ihn mit so viel Macht ausstattete und dem er die soldatische Treue geschworen hat, einfach nicht widersprechen.

        Hitler verlieh allerdings nach der Kapitulation der 6.Armee in Stalingrad nie wieder einen Marschallstab, nach dem der frisch gebackene GFM Paulus es doch "wagte" zu kapitulieren, und sich ihm zu widersetzen...

        Und um den Generälen den letzten Wind aus den Segeln, setzte er sich selbst als Oberbefehlshaber im OKW und OKH ein, und ging sogar soweit, TAKTISCHE details für Schlachten festzulegen!
        Die Generalität war nach der Niederlage vor Moskau im Winter 41 nur noch ein Marionttenverein... von einigen wenigen Ausnahmen mal abgesehen, aber die bezahlten zum grossen Teil mit dem Leben für ihre "Insubordination"...

        Dazu kam, dass sich die Wehrmacht mit Beginn des Russlandfeldzugs auch in einer Wettbewerb mit der Waffen-SS befand, deren Generäle von Himmler handverlesen waren, und loyal bis aufs Blut waren... Der Einfluss und die Wichtigkeit der Generäte der Wehrmacht schmolz immer mehr dahin!

        Jetzt habe ich wieder sehr weit ausgeholt, hoffe aber noch ein bisschen mehr Licht auf das Ganze geworfen zu haben.

        Gruss
        Kai

        • Antwort von nach 6 Tagen hilfreich
          GFM

          Hallo! Hitler verlieh allerdings nach der Kapitulation der 6.Armee in
          Stalingrad nie wieder einen Marschallstab, nach dem der frisch
          gebackene GFM Paulus es doch "wagte" zu kapitulieren, und sich
          ihm zu widersetzen.
          Als letzter deutscher General wurde noch im April 1945 Ferdinand Schörner in den Rang eines Generalfeldmarschalls erhoben. Wer sollte denn diese Beförderung vorgenommen haben?

          Christian

      • Antwort von nach 29 Tagen hilfreich
        Reform der Sowjetarmee

        Hauptansatz für die Entscheidung zum Angriff der Sowjetunion, war die in der Zeit volzogene Restrukturiereung der Sowjetarmee. Die Sowjetarmee sollte im Jahre 1944 komplet umstrukturiert sein. Somit kam der Angriff zur richtigen Zeit (auf den falschen Fuss). Bedenkt nur solche Szenen im Juli 1941 als gegen anrollende deutsche Panzer, die berittene russische Kavalerie versuchte, wiederstand zu leisten. In den 30er Jahren entsprach der Standart der Bewaffnung dem der deutschen vor dem 1setn Weltkrieg.

        Ciao

        Sebastian

  2. Antwort von nach 7 Tagen 1 hilfreich
    Re: Ungeklärt: Entscheidung Hitlers für Rußlandfel

    Hallo Philip, Wer weiß, warum Hitler sich gegen die Erwartung seines
    Generalstabes nach dem Blitzkriegsieg über Frankreich während
    der Beratung mit seinen Generälen in Belgien spontan dazu
    entschlossen hatte, zuerst Rußland statt England anzugreifen?
    Die Engländer hatten ja schon länger versucht, Stalin davon zu überzeugen, dass Hitler einen Angriff auf Rußland plant. Man kann also davon ausgehen, dass Stalin vorsichtshalber begann Truppen zur Verteidigung an der Westgrenze zusammenzuziehen, sobald Hitler an der Westfront in Frankreich Entspannung hatte. Es gibt nun die Version, dass Hitler dies als mögliches Anzeichen gedeutet haben könnte, dass Stalin tatsächlich Deutschland angreifen wollte (Es gab ja auch laufend Beratungen zwischen England und Russland) und Stalin somit zuvorkommen wollte. Aber auch wenn Hitler das selbst nicht gedacht hat, hätte er zumindest dies seinen Generälen so verkaufen können, um Barbarossa zu rechtfertigen.

    Gruss
    Marion

    • Antwort von nach 18 Tagen hilfreich
      Re^2: Ungeklärt: Entscheidung Hitlers für Rußlandf

      Hallo,

      an dieser Stelle muß ich einflechten, daß hohe russische Offiziere jetzt nach dem kalten Krieg zugegeben haben, daß die sofort nach dem 22.06.1941 in deutsche Hände gefallenen Unmengen an Material (und Soldaten) nicht für einen Verteidigungskrieg geplant waren. Die neuesten Fabriken Rußlands lagen weit vor Moskau und nicht hinter dem Ural, wie ab 1942. Für einen Verteidigungskrieg wäre dies die falsche Taktik, zumal bekannt war, wie gut die Luftwaffe zu diesem Zeitpunkt (1993-41) noch war. (Im Buch "der Tag M" nachzulesen)

      mfg

      Ludwig [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

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