Re: Kettenhemdringe - wie wurden die geschlossen?
Hallo Carlos
bei Wiki hast Du Dich ja schon schlau gemacht.
Also ein paar Worte zum Herstellen von Kettenhemden:
Entweder man nahm recht kohlenstoffarmes Eisen, wie es damals in den Rennöfen erzeugt wurde. Aus den Zainen (Znainen) zog man es zu Drähten aus und längte den Draht aus. Das Zwischenweichglühen geschah in Tongefäßen im Schmiedefeuer, damit das Eisen keinen Kohlenstoff aufnahm. Wenn die Endstärke erreicht war gab es einen Trick: Man wickelte den weichgeglühten Draht auf eine Stange, Windung an Windung. Wenn der Draht alle war, oder der Stab zu Ende, trennte man mit einem scharfen Meissel die Spirale der Länge nach. Ergebnis waren viele Ringe mit dem gleichen Durchmesser, die etwas offen waren und aus denen man einen Teil des "Hemdes" zusammendröseln konnte. Die Enden der Drahtringe hat man beim Biegen etwas überlappen lassen.
Wenn man dieses waschlappengroßen Teil wieder ins Schmiedefeuer legte, wurde das Eisen etwas aufgekohlt und vom Schmelzpunkt her niedriger, zusätzlich nach dem Abkühlen auch härter. Es wurde zu Stahl! Dieses aufgekohlte Eisen konnte man auf dem Amboss "feuerschweissen". Dazu gab es schon spezielle Obergesenke. Ich könnte mir vorstellen, dass die Ambosse gewärmt wurden.
Eine zweite Art war, ein Stück Blech aus dem Zain zu schmieden und die Einzelringe auszustanzen. Wie das dann allerdings durch Nieten weitergehen sollte???? Ich kann mir nur vorstellen, dass die Stanzringe mit Drahtringen verbunden wurden. Der Materialverlust war höher!
ich glaube nicht, dass die Kenntnisse des Hartlötens von Eisen zur Zeit der Römer rein empirisch schon bekannt waren.
Geeignete Flussmittel kannte man zwar schon für Gold (Chrysokoll) und Silber, auch mit Kupfer konnte man das schon, da man aber nicht wusste, was da an Chemie im Hintergrund abläuft, konnte man nur nach Versuch und Irrtum vorgehen. Jemand, der ein Verfahrensgeheimnis hatte, der wird es gehütet haben, denn davon lebte er.
Gruß vom Klugscheißer,
dessen Hobby Wissenschafts- und Montanindustriegeschichte ist und der als Industriekulturführer im Saarland arbeitet.