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Re: Undemokratische Armeen sind kampfstark
Stimmt. Wenn der Oberleutnant befürchten muß, daß der Rekrut
eines Tages sozial über ihm steht, dann lähmt dies letztlich
in kaum merkbarer Weise die Befehlsgebung.
In BERUFSarmeen tritt dieser Effekt aber nicht auf. Oder nur
in der Form, daß der Rekrut den Oberleutnant in der
militärischen Karriere überholt.
Das passiert regelmäßig immer wieder. Bei der Ausbildung von Kadetten durch Unteroffiziere. Er muß nicht befürchten, daß diese Kadetten ihn überholen, er weiß, daß sie ihn Überholen.
Geh mal auf die "Gorch Fock", dort werden Kadetten von Unteroffizieren geschliffen. Und während der ersten Monate ebenfalls in der Kaserne. Daß über allen, dann doch ein Offizier steht, ist logisch.
Von den WEHRPFLICHTarmeen kenne ich nur eine, bei welcher
dieser Effekt vermieden wurde: Die kaiserliche Armee 1871-1914
(im Krieg dann nicht mehr).
Auch hier wurden Kadetten, also Offiziersanwärter erstmal von Unteroffizieren ausgebildet.
a) Das Gehalt der OFFIZIERE bis einschließlich Oberleutnant
reichte zum "standesgemäßen" Leben nicht aus. Ehe nicht der
Hauptmannsrang erreicht war, brauchte der Offizier "Zulagen"
seiner Eltern. Folge davon war, daß nur Söhne wohlhabender
Väter Offiziere werden konnten - und diese hatten wegen ihres
Vermögens auch nach dem Abschied einen höheren sozialen Rang
als die Rekruten.
Das stimmt so nicht. Es gab Generale die nicht adelig und nicht von Geburt reich waren. Viele wurden erst später geadelt.
Auch diese hatten am Anfang Ausbilder, also Vorgesetzte aus dem Unteroffizierskorps.
Den höheren Rang später hatten d i e s e Leute durch ihre Abstammung aus dem Junkertum oder Adel, nicht weil sie einen höheren Dienstgrad bei der Armee bekleideten.
b) Die UNTEROFFIZIERE hatten den "Zivilversorgungsschein". Die
Offiziere konnten nach dem aktiven Dienst sehen, wo sie
blieben. Die Unterführer (Feldwebel, Sergeanten,
Wachtmeister), die ihre 12 Jahre abgedient hatten, hatten
einen Anspruch auf Übernahme in den unteren Beamtendienst und
gingen zur Polizei, zur Steuerverwaltung oder zu Post bzw.
Bahn (waren damals Staatsbetriebe). Sie waren also auch nach
Dienst sozial höher als die Rekruten.
Es gab auch Rekruten mit Abitur, die nachher studierten und im Zivilleben weit höhere Ränge bekleideten als die Unteroffiziere.
Nicht jeder Abiturient wollte unbedingt Offizier werden.
Selbst Friederich der Gr. hatte Generäle, die nicht adelig und nicht reich waren. Und er hatte Zivilisten, die an sehr hohen Positionen standen, weit höher, als mancher Junker und Adelige. Auch wenn Friederich diese Leute, die nicht adelig waren, nicht für vollwertig nahm.
Es gibt heute noch bei der Bundeswehr riesige Standesunterschiede. Nämlich Offiziere die zu einer Crew gehören und Offiziere, die sich durch Leistung in den Offzrang gearbeitet haben.
Z.B. bei der Marine nennt sich ein bestimmter Jahrgang Kadetten Crew 99. Das heißt, hier wurde eine Gruppe von Abiturienten zusammen ausgebildet. Dann gibt es noch die Seiteneinsteiger, nämlich Leute, die z.B. schon eine FH-oder TH-Ausbildung hinter sich haben, zur Marine gehen und dort Offz. werden. Zwischen diesen Crew-Mitgliedern und den Seiteneinsteigern steht aber eine unsichtbare Wand, die kaum zu überbrücken ist.
Werner
- Django -