Im Geschichtskurs 13.2 beschäftigt man sich meist mit dem 2. Weltkrieg und seinen Folgen.
Ich hätte ein paar Fragen zum 2. Weltkrieg, die ich einmal klar beantwortet haben will, weil auf keinen Fall Lügen aufsitzen möchte. Auf der anderen Seite haben wir gerade mit dem Historikerstreit angefangen, und ich halte eine Klärung der Fragen allein deshalb schon für wichtig.
Stimmt es, dass Hitler mit seinem Angriff auf die Sowjetunion einem Angriff von Seiten der Russen nur wenige Wochen zuvorkam?
Wie sah die Aussenpolitik der Russen um 1939 aus? Gab es eine Bedrohung?
Hat Polen Deutschland zu einem gewissen Masse vor Beginn des Krieges herausgefordert, weil es sich im allierten Bündnis sicher fühlte?
Während des 2. Weltkrieg kam es auf allen Seiten zu Angriffen auf die Zivilbevölkerung (Bomberdierungen von Städten, Vergewaltigungen im grossen Stil), mit welcher Argumentation sind solche Kriegsverbrechen (?) von Seiten der Allierten tragbar (Insbesondere der Atombombenabwurf?)?
Stimmt es, dass Hitler mit seinem Angriff auf die Sowjetunion einem Angriff von Seiten der Russen nur wenige Wochen zuvorkam?
Nein. Mal abgesehen von ideologischen Gründen: Die Rote Armee im Zustand von 1941 war angriffsunfähig.
Wie sah die Aussenpolitik der Russen um 1939 aus? Gab es eine Bedrohung?
Nein. Die Sowjetunion schwankte zwischen einem Bündnis „kollektiver Sicherheit“ mit England und Frankreich einerseits bzw. einem Abkommen mit Nazideutschland andererseits. Eine „Bedrohung“ ergab sich daraus für niemanden.
Hat Polen Deutschland zu einem gewissen Masse vor Beginn des Krieges herausgefordert, weil es sich im allierten Bündnis sicher fühlte?
Nein. Polen wußte ganz genau, daß es auf die Hilfe der Sowjetunion nicht zählen kann, solange (infolge Friedensvertrages von 1920) russische Gebiete in polnischer Hand waren. Also würde die Landmacht Deutschlands mit voller Wucht auf Polen fallen, um in dem Zweifrontenkrieg zunächst den schwächeren Gegner auszuschalten.
Während des 2. Weltkrieg kam es auf allen Seiten zu Angriffen auf die Zivilbevölkerung (Bombardierungen von Städten, Vergewaltigungen im grossen Stil), mit welcher Argumentation sind solche Kriegsverbrechen (?) von Seiten der Allierten tragbar (Insbesondere der Atombombenabwurf?)?
a) Die Naziluftwaffe bombardierte am 15. Mai 1940 die Innenstadt von Rotterdam, woraufhin die belgische Regierung kapitulierte.
Das Muster von Rotterdam führte dann britischerseits zu der bis etwa 1943 verfolgten Ansicht, man könne durch Angriffe auf Berlin Nazideutschland „aus dem Krieg bomben“.
b) Bis etwa 1943 war der Luftkrieg für die Briten die einzige Möglichkeit offensiven Vorgehens gegen Deutschland.
c) Zweimal gab es Planungen für einen Bombenangriff apokalyptischen Ausmaßes (Operation „Thunderclap“), und zwar im Juli 1944, als wegen der V1-Angriffe auf London eine Massenpanik drohte, und im Januar 1945, als Auschwitz dgl. von der Sowjetarmee befreit wurde.
Daß Vergewaltigungen als Kampfmittel geradezu befohlen wurden, wüßte ich nicht. Viele Kommandeure der Sowjetarmee haben sie geduldet, andere auch nicht, aber wenn ein Vorgesetzter einschritt, dann wohl nicht aus Humanitätsgründen, sondern weil die Disziplin gefährdet war. Daß Plündern und Vergewaltigen die Disziplin ruiniert, wußte schon Friedrich der Große, weshalb er wegen so etwas auch hart durchgegriffen hat.
a) Die Naziluftwaffe bombardierte am 15. Mai 1940 die
Innenstadt von Rotterdam, woraufhin die belgische Regierung
kapitulierte.
Die belgische Armee stellte den Kampf nicht wegen der irrtümlichen Bombardierung von Rotterdam, wo das Feuerwehrwesen nicht gerade besonders ausgebaut war, ein sondern weil die belgische Armee am Ende war. Die belgische Armee war für den „I. Weltkrieg“ zu diesem Zeitpunkt gut gerüstet. Belgien kapitulierte erst 13 Tage später am 28.05.1940. Zu diesem Zeitpunkt war Belgien schon zum grössten Teil durch deutsche Truppen besetzt.
Daß Vergewaltigungen als Kampfmittel geradezu befohlen wurden,
wüßte ich nicht. Viele Kommandeure der Sowjetarmee haben sie
geduldet, andere auch nicht, aber wenn ein Vorgesetzter
einschritt, dann wohl nicht aus Humanitätsgründen, sondern
weil die Disziplin gefährdet war.
Französische Truppen( marokkanische Einheiten) erhielten in Italien nach der Eroberung einer Stadt von dem General Juin einen zwei- dreitägigen Freibrief zum Plündern etc., um sie bei Laune(die Moral war durch schwere Verluste stark abgesunken) zu halten.
Gruss
Rainer
Daß Vergewaltigungen als Kampfmittel geradezu befohlen wurden,
wüßte ich nicht. Viele Kommandeure der Sowjetarmee haben sie
geduldet,…
Rein textlich betrachtet sind die Fragen meines Erachtens in Ordnung, da sie zur Klärung des Sachverhaltes dienen. Allerdings fällt mir im Zusammenhang mit der Einleitung der Fragen auf, daß den Fragen ein allgemeiner Grundtenor zugrundeliegen könnte, der zu einer „Begründung“ bzw. „Verteidigung“ deutscher Aktionen dienen könnte. Mein Vorredner hat die Fragen ja hervorragend beantwortet, so daß ich hoffe, daß viele möglicherweise fehlgeleiteter oder vorurteilsbehafteter Personen diese Fragen & Antworten lesen.
Zum Thema Vergewaltigung ist anzumerken, daß dies ja generell kein militärisches Mittel sein kann (weil es ja die feindlichen Soldaten nicht direkt betrifft) und eigentlich auch kein taktisches (da es die Moral der Gegner ja nicht schwächt, sondern eher „antreibt“). Es ist also wenn überhaupt ein politisches Mittel.
Im Fernsehen lief eine Dokumentation über die Eroberung Berlins (ich weiß nicht mehr in welchem Sender und wann), aber es wurde ein politisch unterstützter Dichter zitiert (weiß natürlich auch nicht mehr wer), der geschrieben haben soll, daß „der deutschen Frau der Rassenwahn ausgetrieben werden soll. Nehmt sie Euch, wo immer ihr sie habhaft werdet“. Ob dies dann auch an die sowjetischen Soldaten weitergegeben wurde, und ob dies auch befolgt wurde, weiß ich nicht. Vielleicht können Aussagen von Zeitzeugen oder Geburtenstatistiken Klarheit verschaffen, aber sowas liegt mir natürlich nicht vor. Insofern hätte ich mir vielleicht den Artikel sparen können… Naja, will halt auch mal was antworten als immer nur zu fragen…
Im Fernsehen lief eine Dokumentation über die Eroberung Berlins (ich weiß nicht mehr in welchem Sender und wann),
„Spiegel-TV“ bei VOX am Abend des 10.3.2001
es wurde ein politisch unterstützter Dichter zitiert (weiß natürlich auch nicht mehr wer), der geschrieben haben soll, daß „der deutschen Frau der Rassenwahn ausgetrieben werden soll.“
Es war ein Gedicht von Ilja Ehrenburg, den ich eher für einen Kritiker des Stalinismus halten würde. Und sogar er schrieb Anfang 1945 eben: „Brecht den Rassenstolz der deutschen Frau/nehmt sie euch in gerechter Revanche“.
Alexander Solschenizyn, der Schriftsteller, von dem der Ausdruck „Archipel GULAG“ stammt, war 1945 Major der Sowjetarmee. Er ist gegen Vergewaltigungen eingeschritten und wurde wegen „Mitleids mit dem Feind“ bestraft.
Stimmt es, dass Hitler mit seinem Angriff auf die
Sowjetunion einem Angriff von Seiten der Russen nur wenige
Wochen zuvorkam?
Also zu dieser Frage kann ich Django so nicht recht geben, es ist inzwischen nachgewiesen, dass die deutschen Anfangserfolge unteranderem dadurch zustande kamen, dass sich die russische Armee im Aufbau für einen Angriff auf Deutschland befand.
Ich wollte kurz anmerken, dass der nazifreundliche „Tenor“ nicht im Unterricht vertreten wurde.
Wenn man sich aber zum Beispiel Aussagen des Historikers Nolte durchliest, so schienen die Fragen schon gerechtfertigt. Allein um Noltes Theorie zu schwächen
Also zu dieser Frage kann ich Django so nicht recht geben, es
ist inzwischen nachgewiesen, dass die deutschen Anfangserfolge
unteranderem dadurch zustande kamen, dass sich die russische
Armee im Aufbau für einen Angriff auf Deutschland befand.
In welcher Form wurde das nachgewiesen? Gibt es Quellen von russischer Seite dazu?
In welcher Form wurde das nachgewiesen? Gibt es Quellen von
russischer Seite dazu?
Ich bin zur Zeit (noch ca. 2 Wochen) leider nicht zu Hause, aber sobald ich wieder da bin werde ich die Quellen raussuchen, meines Wissens nach sind da auch russische Quellen dabei.
Hat Polen Deutschland zu einem gewissen Masse vor Beginn des Krieges herausgefordert, weil es sich im allierten Bündnis sicher fühlte?
Nein. Polen wußte ganz genau, daß es auf die Hilfe der
Sowjetunion nicht zählen kann, solange (infolge
Friedensvertrages von 1920) russische Gebiete in polnischer
Hand waren. Also würde die Landmacht Deutschlands mit voller
Wucht auf Polen fallen, um in dem Zweifrontenkrieg zunächst
den schwächeren Gegner auszuschalten.
Django -
Polen fühlte sich sicher im Allierten-Bündnis mit England und Frankreich; konnte sich dadurch auch einiges erlauben. Die Sowjetunion war ja durch den Hitler-Stalin-Pakt kein Verbündeter mehr. Unmittelbar nach Kriegsausbruch mit Polen kam schließlich sofort die Kriegserklärung von England.
-Schnolli-