Wettrüsten im Kalten Krieg

Von: , Frage gestellt am Do, 23. Dez 2010

Hallo!

Ich kenne Gegenüberstellungen von den Truppenstärken der Nato und des Warschauer Pakts - aber eigentlich nur als Momentaufnahmen. Gibt es so etwas auch als Zeittafel im Netz? So dass man chronologisch verfolgen kann, wie sich die Kräfteverhältnisse im Laufe der Zeit verschoben haben.

Mich würde sowohl die quantitativen Verhältnisse (Mann unter Waffen, Zahl der Atombomben, Flugzeuge, Schiffe, ...) interessieren, als auch die technischen Neuerungen: Ab wann verfügte der Westen bzw. der Osten über Atom-U-Boote, Interkontinentalraketen, Überschallbomber, ... ?)

Wäre super, wenn da einer eine schöne Übersicht kennen und verlinken würde!

Dann noch eine andere Frage dazu: Wie sehr wurde das militärische Potenzial des Ostens im Westen überbewertet? Und war die Ursache dieser Überbewertung eher ein Irrtum oder eher Propaganda?

Vielen Dank schonmal - und ein schönes Fest des Friedens!
Michael

8 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 9 Stunden 0 hilfreich
    Re: Nur ein Asekt

    Hallo,
    wieso siehst du nur die Möglichkeit, dass das militärische Potential des WP überbewertet wurde?
    Es könnte doch auch unterbewertet worden sein.
    Da die SU immer mal wieder mit überraschenden Fähigkeiten aufwartete (1. Seegestützte Raketen, Abschüsse von U2, Mobile A-Raketenwaffen, 1. Radargesteuerte Nahbereichsverteidigung gegen Raketen usw.) stelle ich es auch in Zweifel, dass es eine Generelle überbewertung gab.
    Ich erinnere mich noch gut wie erstaunt die Offiziere des Westens nach der "Übernahme" der NVA waren wie hoch die Verfügbarkeit der Truppen war, und wie aggressiv die Einsatzdoktrinen waren.

    Gruß
    Werner

    • Antwort von nach 10 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Nur ein Asekt

      Ich möchte mich an dieser Stelle Werner anschließen.
      Die zum Warschauer Pakt gehörenden Staaten hatten in der Tat größeren Einfluss, als es die Westmächte vielleicht zunächst vermutet hatten.
      Anfangs überwog die NATO gegenüber dem Warschauer Pakt, der ja seit seiner Gründung 1952 so eine Art Gegenpol zu den Westmächten darstellen sollte. Um eine dauerhafte Überlegenheit, insbesondere bezogen auf Militär, zu gewährleisten, kam es zu enormen gegenseitigen Spionageakten (=kalter Krieg) und einem daraus resultierenden Wettrüsten. Allerdings, je weiter wir uns chronologisch dem Zerfall des OStblocks nähern, rüsteten die Russen weiterhin enorm auf, was zu einer Pattsituation führte.
      Deshalb, womöglich weil die Westmächte das enorme Potential ihrer Gegner erkannten, entsendeten sie 1979 ein Friedensangebot an die UdSSR, welches abgelehnt wurde.

      Ich meine daher auch, dass man eher von "unterschätzen reden kann".

      vielleicht meintest du ja die 60-er Jahre, in denen die NATO wirklich militärisch gesehen deutlich überwog und ihre Spionageakte oder andere militärische Operationen mit der angeblich "enormen Macht" ihrer Feinde bei sich daheim rechtfertigten.


      Gruß
      General Shirak

      • Antwort von nach 11 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Nur ein Asekt

        Hallo, Allerdings, je weiter wir uns chronologisch dem Zerfall des
        OStblocks nähern, rüsteten die Russen weiterhin enorm auf, was
        zu einer Pattsituation führte.
        Hier würde ich nun wieder nicht mitgehen wollen. Schon wenn wir den "Anfang" betrachten, so rüstete der Westen nach den 2. WK zunächst viel stärker ab als die UdSSR. Zu Beginn des Kalten Krieges bestand also m.E. kein nachholbedarf des Ostens, eher umgekehrt.
        Es war letztlich immer ein Wechselspiel. Glaubte eine Seite irgendwo unterlegen zu sein, wurde versucht etweder dies Wettzumachen oder dafür auf anderem Gebiet einen Ausgleich zu schaffen. Ein Ringen um Dominanz, dass letztlich in einem andauernden Patt endete, denn auch in den 60ern waren die Westmächte m. E. nicht klar überlegen.
        Eine eindeutige chronologische Verschiebung kann ich darum auch nicht erkennen.

        Deine oben zitierte Aussage kann um den von dir genannten Zeitpunkt (1979) noch zugetroffen haben, aber wenn wir uns dann weiter dem Zerfall des Osblocks nähern, wurde dieser schließlich "zutodegerüstet". Er konnte das Patt aufgrund der Beschränkungen seiner Volkswirtschaften nicht mehr halten.

        Auch wenn die reinen Zahlen auf beiden Seiten irreführend sein können, so muss man doch feststellen, dass gegen Ende schon die Materialerhaltung auf Seiten des WP kaum noch gwährleistet war.
        Wie ich bereits erzählte waren westdeutsche Offiziere sehr beeindruckt, von der andauernden hohen Präsenz der Truppen und der unbedingten Orientierung auf schnellen Einsatz (dass z. B. Panzer ständig ihre Munition an Bord hatten).
        Auf der anderen Seite wurde aber von Soldaten der NVA auch berichtet, dass für diese scheinbar so kampfbereiten, ständig aufmunitionierten Panzer Ersatzteile oft fehlten und bei Alarmübungen ein nicht geringer Teil der Fahrzeuge von anderen aus der Kaserne geschleppt werden musste, womit sich die Schlagkraft doch deutlich relativierte.

        Gruß
        Werner

  2. Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
    Re: Wettrüsten im Kalten Krieg

    Hallo! Dann noch eine andere Frage dazu: Wie sehr wurde das
    militärische Potenzial des Ostens im Westen überbewertet? Und
    war die Ursache dieser Überbewertung eher ein Irrtum oder eher
    Propaganda?
    ehrlich kann ich solche Fragestellung nicht ganz verstehen.

    Wenn die Amerikaner die Russen hätten überfallen wollen, dann wäre dazu
    unmittelbar nach dem 2.WK die beste Chance gewesen.
    Natürlich war das nicht möglich, weil infolge der eben abgelaufenen
    Partnerschaft politischer Nonsense.

    Mit der Entwicklung der Kernwaffen in der SU 1949 und besonders der
    Wasserstoffbomben (1952-USA, 1953-SU) war aber die Patt-Situation
    bis zum Ende des Ostblockes auf Grund der Abschreckungspotentiale
    dauerhaft gegeben.
    Mit der Entwicklung erster Interkontinentalraketen zum Ende der 1950er
    Jahre war dieser Zustand nochmal stark fundiert worden.

    Niemand hätte einen größeren Konflikt anfangen können, ohne früher oder
    später Kernwaffeneinsatz von der einen oder anderen Seite zu provozieren.
    Insofern waren punktuelle Unterschiede bei der Stärke von allen
    konventionellen Waffensystem IMHO nicht mehr relevant.
    Ich denke, das war auch den größten kalten Kriegern klar.

    Ansonsten ist stark anzunehmen, dass sich jeder bewaffnete Konflikt
    zwischen den System hauptsächlich in Europa und dort hauptsächlich
    auf deutschem Boden abgespielt hätte.
    Hier hatte aber der Ostblock mit den starken Panzerverbänden der SU sicher
    einen gewissen Heimvorteil gegenüber des AMIs. Die Bundeswehr als solche
    wäre wahrscheinlich recht schnell überrannt worden,
    aber was dann ........ siehe oben.
    Eine Sieger hätte es wohl so oder so nicht gegeben.
    Gruß Uwi

    • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
      Re^2: Wettrüsten im Kalten Krieg

      Die Bundeswehr
      als solche
      wäre wahrscheinlich recht schnell überrannt worden,
      aber was dann ........
      ich glaube, gorbatschow war der letzte(eigentlich sogar der erste), der sich diese frage wie ein philosoph beantwórtet hat.

      die 40 jahre vorher und auch heute im westen pickt man sich die negativen seiten des gegners heraus, schlachtet diese medial aus und verkauft sie im wahrsten sinne des wortes als größte bedrohung der welt.

    • Antwort von nach 4 Tagen 0 hilfreich
      Re^2: Wettrüsten im Kalten Krieg

      Hallo!

      Okay, dann muss ich wohl ein wenig präzisieren:

      Im Westen wurde die Notwendigkeit der atomaren Abschreckungen stets mit einer angeblichen konventionellen Übermacht der UdSSR (+ Verbündete) begründet. Nach der Wende (1985ff) stellte sich jedoch heraus, dass die rein zahlenmäßige Überlegenheit aufgrund technischer und logistischer Schwierigkeiten kaum zum Tragen gekommen wäre.

      Meine Frage war nun (etwas präziser) formuliert: Inwiefern waren den militärischen Entscheidungsträgern diese Schwierigkeiten bekannt und inwiefern wurden sie aus Propagandazwecken verschwiegen? Vielleicht täusche ich mich auch und diese Schwierigkeiten traten tatsächlich erst im letzten Jahrzehnt des kalten Krieges auf...

      Gruß, Michael

      • Antwort von nach 5 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: Wettrüsten im Kalten Krieg

        Hallo,
        vorab, was ich hier schreibe, stellt auch nur meine persönl. Meinung dar. Im Westen wurde die Notwendigkeit der atomaren Abschreckungen
        stets mit einer angeblichen konventionellen Übermacht der
        UdSSR (+ Verbündete) begründet.
        Naja, ich denke dass es ziehmlich egal war, welche Partei auf welchem
        konvetionellen Gebiet überlegen oder unterlegen war.

        Was die Kernwaffen (genauso wie den Rest der ABC-Waffen angeht),
        so stand keiner Seite die Option offen, da irgend etwas einfach
        auszulassen, weil man der Gegenseite nicht vertrauen konnte und wollte.

        Mit der Möglichkeit, stärkere Waffen herzustellen, werden diese mit
        Sicherheit auch geschaffen. Das war ja schon der Grund für die
        extremen Anstrengungen noch während des 2.WK.
        Dadurch standen auch beide Seiten immer wieder unter dem Zwang nachzuziehen.

        Dass man diese Aufrüstung propagandistisch begründet, ist IMHO normal
        und nebensächlich.
        Natürlich hat jede Seite behauptet, dies diene nur der Friedenssicherung.
        Das absurde daran ist, dass diese Ansicht wahrscheinlich sogar richtig war. Nach der Wende (1985ff) stellte sich jedoch heraus, dass die rein
        zahlenmäßige Überlegenheit aufgrund technischer und logistischer
        Schwierigkeiten kaum zum Tragen gekommen wäre.
        Wie schon geschrieben, man wird die Geister die man einmal rief
        nicht mehr einfach so los. Auf beiden Seiten war ein dermaßen hohes
        Abschreckungspotential vorhanden, dass jegliche Überlegungen in
        diese Richtung obsolet waren.

        Ob und wie man in einem rein konventionellen Krieg vorangekommen wäre,
        das will ich ehrlich nicht bewerten. Meine Frage war nun (etwas präziser) formuliert: Inwiefern
        waren den militärischen Entscheidungsträgern diese
        Schwierigkeiten bekannt und inwiefern wurden sie aus
        Propagandazwecken verschwiegen?
        Ich denke, dass dies sowieso nicht eindeutig festzustellen ist.
        Da gab es sicher sehr unterschiedliche Ansichten und zum Glück
        hat sich immer wieder herausgestellt, dass jegliches Aggression von
        einer Seite sich zum Supergau ausweiten wird. Vielleicht täusche ich mich
        auch und diese Schwierigkeiten traten tatsächlich erst im
        letzten Jahrzehnt des kalten Krieges auf...
        Da gab es eher schon einige Schritte rückwärts zu einer Vernunft,
        die nicht mehr nur auf Überlegenheit basierte.
        Gruß Uwi

  3. Antwort von nach 10 Tagen 0 hilfreich
    Re: Wettrüsten im Kalten Krieg

    Dann noch eine andere Frage dazu: Wie sehr wurde das
    militärische Potenzial des Ostens im Westen überbewertet? Und
    war die Ursache dieser Überbewertung eher ein Irrtum oder eher
    Propaganda?
    Natürlich war die militärische Stärke der Sowjetunion kein Zuckerschlecken, aber sie wurde im Westen stärker geschätzt als sie war. Die Sowjets hatten zwar gute Panzer etc., aber nur wenige davon. Der Großteil der Ausrüstung in der Armee war total veraltet oder sogar unbrauchbar und die Sowjetunion tat sich schwer mit der Modernisierung aufzuholen, weil man einfach nicht die wirtschaftlichen Mittel wie die USA besaß.
    Allerdings war die Überschätzung keineswegs ein Irrtum oder Propaganda des Westens, sondern ist viel mehr auf die Trickkiste der Sowjetunion zurückzuführen, die diese angewendet hat um den ideologischen Gegnern vorzugaukeln man wäre sehr stark und man lässt lieber die Hände von der SU.

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