Operation Merkur?

Von: , Frage gestellt am Fr, 18. Mai 2001

Es geht um folgendes. Ich war letzte Woche in Kreta und habe mich ein bisschen mit der jüngeren Geschichte befassen "müssen". Das, weil wir an diesen Kriegsgräbern vorbeifuhren.

Ich kann nicht verstehen, weswegen (quasi aus strategischen Überlegungen) die Deutschen Kreta haben wollten - ich meine zu diesem Preis. Die hätten es ja einfach "aushungern" können, in dem Sinne, dass man es durch Belagerung zur Aufgabe hätte treiben können. Kreta ist/war schliesslich sehr weit von den aliierten Stützpunkten Ägypten und Malta entfernt, also militärisch schwer zu versorgen.

Klar, Krieg macht keinen Sinn. Aber in dieser "Schlacht" hatte es m.E. noch viel weniger Sinn.. Ich würde gerne wissen, ob jemand mir einen triftigen Grund sagen kann. War ziemlich beängstigend die Sache..

Gruss, ein Kretareisender

5 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: Operation Merkur?

    Hallo!

    Vergiß nicht, daß deutsche Truppen in Nordafrika standen und versorgt werden mußten.
    Mit Kreta in der Hand, hätten die Achsenmächte das Mittelmeer nach Osten, also Suez, sperren können.

  2. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Wozu diente die Landung der Nazis auf Kreta?

    Es geht um folgendes. Ich war letzte Woche in Kreta und habe mich ein bisschen mit der jüngeren Geschichte befassen "müssen". Das, weil wir an diesen Kriegsgräbern vorbeifuhren.

    Ich kann nicht verstehen, weswegen (quasi aus strategischen Überlegungen) die Deutschen Kreta haben wollten - ich meine zu diesem Preis. Die hätten es ja einfach "aushungern" können, in dem Sinne, dass man es durch Belagerung zur Aufgabe hätte treiben können. Kreta ist/war schliesslich sehr weit von den aliierten Stützpunkten Ägypten und Malta entfernt, also militärisch schwer zu versorgen.

    Klar, Krieg macht keinen Sinn. Aber in dieser "Schlacht" hatte es m.E. noch viel weniger Sinn.. Ich würde gerne wissen, ob jemand mir einen triftigen Grund sagen kann. War ziemlich beängstigend die Sache ... Gruss, ein Kretareisender
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    Die deutsche Luftlandung auf Kreta (Beginn 20.5.1941; Evakuierung der britischen Armee beendet 31.5.1941) fällt zeitlich zusammen mit dem Einsatz des deutschen Schlachtschiffs "Bismarck" im Atlantik (Auslaufen aus "Gotenhafen" [Gdynia in Polen] am 18.5.1941; "Bismarck" versenkt 27.5.1941) und fand weniger als einen Monat vor dem (damals schon lange beschlossenen) Beginn des Angriffs auf die Sowjetunion (22.6.1941) statt.

    Den unmittelbaren Anlaß für die Landung auf Kreta könnte der Umstand geboten haben, daß am 21.4.1941 die griechische Armee kapituliert hatte und die britische Flotte es schaffte, das britische Expeditionsheer vom Peloponnes nach Kreta zu evakuieren. Insgesamt riecht die Sache aber nach einem Täuschungsunternehmen. Ob der Angriff auf Kreta die Ablenkung vom Unternehmen "Bismarck" war oder umgekehrt oder beides der Ablenkung von den Angriffsabsichten gegen die Sowjetunion diente, weiß ich nicht.

    Die parallelen Kämpfe brachten für beide Parteien höchst kritische Momente (Vernichtung des britischen Schlachtkreuzers "Hood" durch die "Bismarck", 24.5.1941; Versenkung eines deutschen Geleitzugs mit Landungstruppen für Kreta durch ein britisches Kreuzergeschwader in der Nacht vom 21. auf den 22.5.1941). Am Ende "stand es 1:1" (die "Bismarck", von den Schlachtschiffen "König Georg der Fünfte" und "Rodney" zum Wrack geschossen, versenkte sich selbst; die Briten mußten Kreta räumen, verloren auch drei Kreuzer, brachten ihre Truppen aber ohne große Verluste nach Alexandria).

    Summa: Die einzige mir einleutende Erklärung für das Kreta-Unternehmen ist, daß es zur Ablenkung dienen sollte, entweder vom Einsatz der "Bismarck" oder vom 22.6.1941. Beide Ablenkungsversuche sind wirkungslos geblieben.

    - Django -

    • Antwort von nach 15 Stunden 0 hilfreich
      Re: Wozu diente die Landung der Nazis auf Kreta?

      Hallo !

      Einsatz des Luftlandegeschwaders LLG 1 im Rahmen des Unternehmens "Merkur" :

      Weisung 28 (Auszug) :

      1. Als Stützpunkt für die Luftkriegsführung gegen England im Ostmittelmeer ist die Besetzung der Insel Kreta vorzubereiten (Unternehmen Merkur).

      Hitler hatte sich, wie er Gen.Mj. Student am 21.4.1941 mitteilte, entschieden, Kreta durch Luftlandetruppen zu besetzen. Für ihn bildete die Wegnahme der Insel "einen guten Abschluß des Balkanfeldzuges".
      Kräfte des Heeres und der Luftwaffe waren ja ohnehin schon in Griechenland versammelt. Bereits am 25.4. unterzeichnete Hitler die Weisung 28 (Unternehmen Merkur.

      Die Einnahme von Kreta sollte ganz sicher kein Ablenkungsmanöver sein, sondern war dringend erforderlich, die deutsch/italienischen Truppen in Nordafrika besser versorgen zu können. Wäre Kreta weiter im Besitz der Engländer gewesen, wären die Truppen der Achsenmächte in eine noch schwierigere Lage gekommen. Sie wurden größtenteils mit Lastenseglern versorgt und das ging ideal von Kreta aus.
      Ein Ablenkungsmanöver ist ein Ablenkungsmanöver (MANÖVER) und endet nicht mit der Einnahme einer Insel von diesen Ausmaßen.
      Gruß Werner

      • Antwort von nach 31 Tagen 0 hilfreich
        Re^2: Lastensegler?

        Hallo Werner! Wäre Kreta weiter im Besitz der Engländer gewesen,
        wären die Truppen der Achsenmächte in eine noch schwierigere
        Lage gekommen. Sie wurden größtenteils mit Lastenseglern
        versorgt und das ging ideal von Kreta aus.
        Versorgung der Truppen in Afrika mit Lastenseglern?! Hast Du dazu genauere Angaben?
        V.a. schließt diese Äußerung ja fast den Seeweg und normale Lufttransporte aus! :-)

        Ich habe im Zusammenhang mit der (Luft-)Versorgung der Achsenstreitkräfte in Afrika bisher nur von Luftbrücken mit regulären Flugzeugen gelesen.
        Neben der bekannten Luftbrücke von Sizilien aus von Ende 1942 bis zum Ende im Mai 1943, habe ich vor kurzem von der Übersetzung der „Fallschirmjägerbrigade Ramcke“ per Transportflugzeugen von Kreta(!) aus nach Afrika zur Verstärkung der Alamein-Front gelesen (im August 1942).
        Möglich, daß auf diesem Weg auch Material übergesetzt wurde.

        Die Flugstrecke von Kreta aber auch von Sizilien aus nach Afrika mit Lastenseglern ist meines Erachtens zu weit. Außerdem bestand dazu keine unmittelbare Veranlassung.
        Ein Lastensegler hat beinahe immer ein One-Way-Ticket.
        Der Aufwand die Dinger in Afrika wieder flugfähig zu machen wäre sicherlich zu groß gewesen.

        Von auf Sizilien bzw. in Süditalien bereit stehenden Lastenseglern ist eigentlich immer nur in Zusammenhang mit dem nicht durchgeführten Luftlandeunternehmen gegen Malta die Rede.
        Von Lastenseglereinsätzen nach Afrika habe ich auch noch nie was gelesen – aber man soll ja nie „nie“ sagen. :-)

        Gruss

        Tom

  3. Antwort von nach 4 Tagen 0 hilfreich
    Re: Operation Merkur?

    Klar, Krieg macht keinen Sinn. Aber in dieser "Schlacht" hatte
    es m.E. noch viel weniger Sinn.. Ich würde gerne wissen, ob
    jemand mir einen triftigen Grund sagen kann. War ziemlich
    beängstigend die Sache..

    Gruss, ein Kretareisender
    Drei Hauptgründe:
    1. von Kreta aus hätte die Royal Air Force Angriffe gegen die Erdölgebiete von Ploiesti/Rumänien fliegen können (das einzige "echte" Erdölgebiet, auf das die deutsche Wehrmacht zurückgreifen konnte)

    2. der Nachschubweg für die italienischen und deutschen Truppen führte von Süditalien/Sizilien nach Tunesien/Libyen und konnte nur von Jägern auf Malta bedroht werden. Mit Kreta unter britischer Kontrolle wäre der Nachschub hochgradig gefährdet gewesen.

    3. Im Mittelmeer kämpfte die königlich-italienische Marine mit der Royal Navy um die Vorherrschaft. Die Briten besaßen zwei Hauptstützpunkte: Gibraltar und Alexandria/Ägypten. Um die britische Flotte im östlichen Mittelmeer effektiv bekämpfen zu können bzw. der italienischen Flotte Luftdeckung zu geben, mußte Kreta unter deutscher Kontrolle gehalten werden.

    Nachbemerkung: Die Kämpfe um Kreta waren für die deutschen Fallschirmjäger so verlustreich, daß die Führung der Wehrmacht nie wieder einen Luftlandeeinsatz versucht hat (zuvor u.a. Narvik/Norwegen und Eben Emael/Belgien). Spätere Einsätze der Fallschirmjäger waren rein erdgebunden.

    Grüße
    Siegfried

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