Wozu diente die Landung der Nazis auf Kreta?
Es geht um folgendes. Ich war letzte Woche in Kreta und habe mich ein bisschen mit der jüngeren Geschichte befassen „müssen“. Das, weil wir an diesen Kriegsgräbern vorbeifuhren.
Ich kann nicht verstehen, weswegen (quasi aus strategischen Überlegungen) die Deutschen Kreta haben wollten - ich meine zu diesem Preis. Die hätten es ja einfach „aushungern“ können, in dem Sinne, dass man es durch Belagerung zur Aufgabe hätte treiben können. Kreta ist/war schliesslich sehr weit von den aliierten Stützpunkten Ägypten und Malta entfernt, also militärisch schwer zu versorgen.
Klar, Krieg macht keinen Sinn. Aber in dieser „Schlacht“ hatte es m.E. noch viel weniger Sinn… Ich würde gerne wissen, ob jemand mir einen triftigen Grund sagen kann. War ziemlich beängstigend die Sache … Gruss, ein Kretareisender
Die deutsche Luftlandung auf Kreta (Beginn 20.5.1941; Evakuierung der britischen Armee beendet 31.5.1941) fällt zeitlich zusammen mit dem Einsatz des deutschen Schlachtschiffs „Bismarck“ im Atlantik (Auslaufen aus „Gotenhafen“ [Gdynia in Polen] am 18.5.1941; „Bismarck“ versenkt 27.5.1941) und fand weniger als einen Monat vor dem (damals schon lange beschlossenen) Beginn des Angriffs auf die Sowjetunion (22.6.1941) statt.
Den unmittelbaren Anlaß für die Landung auf Kreta könnte der Umstand geboten haben, daß am 21.4.1941 die griechische Armee kapituliert hatte und die britische Flotte es schaffte, das britische Expeditionsheer vom Peloponnes nach Kreta zu evakuieren. Insgesamt riecht die Sache aber nach einem Täuschungsunternehmen. Ob der Angriff auf Kreta die Ablenkung vom Unternehmen „Bismarck“ war oder umgekehrt oder beides der Ablenkung von den Angriffsabsichten gegen die Sowjetunion diente, weiß ich nicht.
Die parallelen Kämpfe brachten für beide Parteien höchst kritische Momente (Vernichtung des britischen Schlachtkreuzers „Hood“ durch die „Bismarck“, 24.5.1941; Versenkung eines deutschen Geleitzugs mit Landungstruppen für Kreta durch ein britisches Kreuzergeschwader in der Nacht vom 21. auf den 22.5.1941). Am Ende „stand es 1:1“ (die „Bismarck“, von den Schlachtschiffen „König Georg der Fünfte“ und „Rodney“ zum Wrack geschossen, versenkte sich selbst; die Briten mußten Kreta räumen, verloren auch drei Kreuzer, brachten ihre Truppen aber ohne große Verluste nach Alexandria).
Summa: Die einzige mir einleutende Erklärung für das Kreta-Unternehmen ist, daß es zur Ablenkung dienen sollte, entweder vom Einsatz der „Bismarck“ oder vom 22.6.1941. Beide Ablenkungsversuche sind wirkungslos geblieben.