Ich lese gerade die Berichte über die Belagerung der Stadt Orleans durch die Engländer (Okt. 1428 bis Mai 1429) und über die Sprengung des Belagerungsrings durch die Franzosen unter Führung der Jeanne dArc („Jungfrau von Orleans“). In ALLEN Berichten erscheint als auffällige Persönlichkeit der Scharfschütze Jehan (oder Jean) aus der Ortschaft Montesiler in Lothringen, der ab März 1429 auf seiten der Verteidiger von Orleans kämpfte. Von ihm wird gemeldet,
daß er binnen weniger Tage mehr Engländer außer Gefecht setzte als die ganze Besatzung von Orleans in sieben Monaten;
daß er mit zwei Schüssen fünf Leute tötete, darunter einen Lord Grey;
daß er aus Verstecken wie unter einem Brückenpfeiler hervor schoß;
daß er Tricks wie den praktizierte, sich plötzlich zu Boden fallen und als verwundet oder tot in die Stadt tragen zu lassen, dann aber unbemerkt ins Gefecht zurückzukehren und den sorglosen Feind mit einer Kugel zu überraschen (gute Scharfschützentaktik)
daß er beim Durchbrechen des Belagerungsrings um Orleans am 6.5.1429 einen „hochgewachsenen starken“ Engländer, der als einziger noch ein Tor verteidigte und nicht zu überwinden war, aus großer Entfernung niederschoß.
Verdammt und zugenäht, mit welcher Waffe kämpfte „Meister Jean“? Es kann sich nicht um eine normale Handfeuerwaffe gehandelt haben, denn sonst hätte er nicht mehrere Personen mit einem Schuß treffen können. In den Quellen heißt die Waffe „culverin“, d.i. eine Kanone. Es wird aber nie ein Gehilfe des „Jean von Lothringen“ erwähnt, und hätte er (selbst wenn er so stark gewesen wäre, eine Kanone von seiner Schulter aus abzufeuern) mit diesem Ding unter einen Brückenpfeiler kriechen können? Wenn es so etwas wie eine Wallbüchse gewesen wäre, aus der er auf kurze Distanz mehrere unterkalibrige Kugeln auf einmal verschießen konnte - wie erlaubte diese Waffe Weitschüsse über Hunderte Meter, die auch noch treffen?
Ich habe schon unten am Brett „Film und Fernsehen“ etwas dazu gepostet (aber ohne die Details) mit der Frage, ob Jehan de Montesiler in dem 2000er Jeanne-dArc-Kinofilm auftaucht, und wie da seine Waffe dargestellt ist.
in der Tat gibt es in einem Film (ob es auch der ist, den Du meinst, weiß ich nicht, aber er lief so um Ostern oder Weihnachten in zwei Teilen im FreeTV) einen Scharfschützen, der eine besondere Rolle bei Orleans spielte.
Dessen Waffe war die Armbrust. Ob er möglicherweise wie Kevin Costner als Robin Hood mehrere Bolzen verschoß, oder diese einfach durch mehrere durchfuhren, weiß ich nicht. Auch den Namen habe ich nicht mehr im Kopf.
Solche Tricks wurden im Film auch nicht gezeigt. Seine besondere Rolle bei Orleons war es, einen brennenden Bolzen mit einer größeren Armbrustmaschine über die Mauern in das gelagerte Heu einer Vorburg zu schießen und es in Brand zu setzen. Der aufkommende Rauch soll die Engländer gezwungen haben, die Tore zu öffnen.
Ein Lord irgendwas kämpfte dann auf der Zugbrücke, wurde aber von mehreren Bolzen gleichzeitig getroffen. Die Armbrustschützen scheinen von diesem „Jean“ geführt worden zu sein.
in der Tat gibt es in einem Film (ob es auch der ist, den Du
meinst, weiß ich nicht, aber er lief so um Ostern oder
Weihnachten in zwei Teilen im FreeTV) einen Scharfschützen,
der eine besondere Rolle bei Orleans spielte.
Dessen Waffe war die Armbrust. Ob er möglicherweise wie Kevin
Costner als Robin Hood mehrere Bolzen verschoß, oder diese
einfach durch mehrere durchfuhren, weiß ich nicht. Auch den
Namen habe ich nicht mehr im Kopf.
Solche Tricks wurden im Film auch nicht gezeigt. Seine
besondere Rolle bei Orleans war es, einen brennenden Bolzen
mit einer größeren Armbrustmaschine über die Mauern in das
gelagerte Heu einer Vorburg zu schießen und es in Brand zu
setzen. Der aufkommende Rauch soll die Engländer gezwungen
haben, die Tore zu öffnen.
Ein Lord irgendwas kämpfte dann auf der Zugbrücke, wurde aber
von mehreren Bolzen gleichzeitig getroffen. Die
Armbrustschützen scheinen von diesem „Jean“ geführt worden zu
sein.
Das war „Meister Jean“. Die Filmemacher umgingen also das Waffenproblem. Der „echte“ Jehan de Montesiler war Feuerschütze, wie gesagt.
Vielen Dank!
Wie findet man nur solche Seiten? Ich bin anscheinend nicht der einzige, dem die Wunderwaffe des „Meisters Jean“ im Kopfe herumgeht (*beruhigt*).
Die Phantasiezeichnung des Jehan de Montesiler als jugendlichen Helden ist wundervoll - aber ein Schild wird nie erwähnt. Außerdem dreht sich auf dieser Website die Erörterung über die Waffe nur darum, ob diese schon ein Luntenschloß hatte. Das setze ich voraus. Dann braucht es aber noch irgendwas, mit dem Meister Jean den kolossalen Rückstoß einer zweizölligen Waffe auffangen konnte (Schäftung der Waffe mit Kolben), sowie irgendeine Zielvorrichtung.
Alles Dinger, die eigentlich so richtig erst 100 Jahre später auftreten …
Und wenn Meister Jean wirklich so jugendlich gewesen ist und tatsächlich so gut ausgesehen hat wie auf der Phantasiezeichung - das wäre doch ein gutes Sujet für den 25+xten Jeanne-dArc-Film, indem sich die von hunderten hochkarätigen Adligen umgebene Eiserne Jungfrau in den einzigen bemerkenswerten Bürgerlichen rundrum verliebt, der noch dazu fähig ist, jeden adligen „Mitbewerber“ auf dreihundert Schritt Entfernung aus dem Sattel zu pusten … (*grins*). Begegnet sind sich Jeanne dArc und Maitre Jehan de Montesiler bestimmt.
Auch hallo.
Die Reenactors von Armatus wollen auch nicht säumen, Ihren Teil beizutragen.
Also, unsere Leute des 15. Jht. führen und schießen sogenannte „Handguns“, die direkten Ahnen der Luntenschloßmuskete.
Falls ein Büchsenmacher eine besonders gute Arbeit herstellen konnte, kann diese durchaus in der Lage gewesen sein, relativ treffsicher auf 100 Meter gewesen zu sein.
Das Kaliber sollte etwa 2 cm betragen haben. Das hatten viele der damaligen Waffen, die ohne Haken, Schild oder Dreibock geschossen wurden.
Das Teffen mehrerer Leute durch einen Schuß kann mehrere Gründe haben. Zum einen mag der gute Jean eine Ladung „Schrot“ ähnlich Rehposten verschossen haben. Zum anderen mag er keine Munition mehr gehabt haben und lud statt dessen einen Stein. Das war gängige Praxis, und oftmals fragmentierten die Steine beim Abschuß oder Flug.
Zu dritten neigten Geschichtsschreiber schon immer dazu, Leuten, die sie hervorheben wollten, außerordentliche Fähigkeiten zuzuschreiben. Mag sein, Jean hat via Querschläger zwei gefällt…ein Wunder! Also…ähhh, fünf!
Zum letzten lassen sich auch recht heftige Waffen mittels Schwarzpulver noch schießen, wo eine Ladung mit modernem Schwarzpulver oder gar Nitro knochenbrecherisch wäre.
Liebe Grüße,
Marcus,
IG Armatus
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