Doolittle-Raid und B-29-Angriffe
Hallo Bedlam!
Stand hier nicht auch schon ein Antwortartikel von Django?!
Zuerst mal einen gewünschten Link:
http://www.marksindex.com/aviation/aviation.html
Eine gute Seite zur jap. Militärfliegerei im 2.WK (Armee und Marine!) – und v.a. eine recht große und ausführliche Link-Seite!
Hier noch einmal ein paar Daten zum „Doolittle Raid“ auf Tokio (so hieß der Kommandeur der Einheit – kommt auch im Film vor).
Hier kurz der Ablauf des „Raids“ und seine Folgen:
Am 18.04.42 sollen 16 B-25 Bomber vom Deck des Flugzeugträgers Hornet zum Angriff auf Tokio starten. Die Maschinen sollen aufgrund ihrer begrenzten Reichweite nach dem Angriff nach China weiterfliegen (allerdings bezweifle ich, dass die Maschinen überhaupt auf der Hornet hätten landen können – ich habe schon Fotos von ihrer Verladung per Kran auf die Hornet gesehen!).
Um 3.00 Uhr morgens des 18.04.42 entdeckt das Radar des Trägers Enterprise (zusammen mit der Hornet und den Begleitschiffen bildet sie die Task Force 16 – TF 16 – sie gibt also der Hornet den nötigen Begleitschutz) zwei japanische Kriegsschiffe.
Um 7.38 Uhr wird bei starkem Regen plötzlich ein japanisches Patrouillenboot entdeckt, daß sich kaum eine Meile entfernt befindet.
Der oberste Kommandeur der TF 16, Admiral Halsey, läßt sofort den Kreuzer Nashville das japanische Boot angreifen (dieses sinkt erst nach einer halben Stunde und dem Einsatz von 938 Granaten!!!).
Die Hornet bekommt von ihm den Befehl, die B-25 zu starten. Lt.Col. Doolittle hebt um 8.20 Uhr als erster von der Hornet ab, die anderen Maschinen starten in einem Abstand von 3-5 Minuten. Die letzte Maschine steigt um 9.20 Uhr auf! Tokio ist zu diesem Zeitpunkt 662 Seemeilen entfernt.
Um 10.20 Uhr erhält die japanische Luftsicherung die Meldung, daß ein am Morgen entsandter Aufklärer ein unbekanntes zweimotoriges Flugzeug auf Gegenkurs gesichtet hat. Da aber bekannt ist, daß die Amerikaner auf ihren Trägern keine zweimotorigen Flugzeuge haben, wird kein Alarm gegeben.
Vizeadmiral Yamagata, Befehlshaber der 26.Luftflotte, erscheint die Nachricht aber etwas ungewöhnlich. Um 10.30 Uhr, nachdem vom im verdächtigen Abschnitt patrouillierenden Flugboot keine Meldung kommt, läßt er drei weitere Aufklärer starten. Ohne Ergebnisse abzuwarten läßt er außerdem einen Verband von 25 Torpedoflugzeugen begleitet von 24 Jagdflugzeugen starten.
Da über Japan sonniges Wetter herrscht, zwischen den japanischen Stützpunkten und der TF 16 aber eine Wolkenfront besteht, ist Flughöhe und Sichtweite auf ein Minimum reduziert. TF 16 verschwindet daher aus dem Sichtwinkel der Japaner.
In Tokio beginnen um 9.00 Uhr morgens bereits seit Tagen angesagte Luftschutzübungen.
Die B-25 fliegen getrennt in einer langen unterbrochenen Reihe. Die Flughöhe wird so niedrig wie möglich gehalten, um vom Radar nicht entdeckt zu werden. Ein Teil der Maschinen überfliegt die Insel Honsiu nördlich von Tokio, um von der Landseite her anzugreifen. Der Rest greift direkt von der Tokio-Bucht aus an.
Doolittle wirft um 12.30 (Ortszeit) als erster seine Bomben auf Tokio ab und fliegt, ohne eine Gegenreaktion, direkt an den japanischen Maschinen vorbei, die rings um Tokio ihre Flugübungen im Rahmen der Luftschutzübung abhalten.
Die letzte Besatzung muß sich dagegen der Angriffe von 16 Jägern erwehren und wird von Splittern der inzwischen einsetzenden Flak getroffen. Aber keine der B-25 wird abgeschossen. Im Gegenteil: Einige Besatzungen melden später den Abschuß einiger japanischer Jäger.
Nach dem Angriff umfliegen alle B-25 den am weitesten nach Süden vorgeschobenen Zipfel Japans und nehmen Kurs auf das chinesische Festland.
Drei der 16 B-25 bombardieren in der Zwischenzeit Ziele in Yokokama und den in der Nähe gelegenen Marinestützpunkt Jokosuka. Zwei weitere Maschinen greifen Ziele in Nagoya und Kobe an.
Der anschließende Flug nach China erfolgt ohne Störungen bei günstigem Rückenwind. Da die dortigen Flugplätze nicht auf die Ankunft der B-25 vorbereitet wurden unterbleiben aber die Signale der chinesischen Funkstation. Außerdem hat auch Doolittle später betont, daß aufgrund der Wetterverhältnisse über China eine Landung kaum möglich gewesen wäre.
Die Maschinen erreichen die Küste einzeln bei Dämmerung oder Nacht. Aufgrund der fehlenden Signale fliegen die Besatzungen soweit wie möglich ins Landesinnere und springen nach Verbrauch des letzten Treibstoffes mit dem Fallschirm ab, um möglichst nicht über japanisch besetztem Gebiet zu landen. Nur eine Maschine kann notlanden, drei weitere müssen in Küstennähe notwassern. Die Flugdauer der einzelnen Besatzungen schwankt dabei zwischen 10 und 15,5 Stunden.
Ein Teil der Besatzungen meldet sich sofort bei chinesischen Behörden. Besatzungen, die bei den Japanern abspringen mußten, werden von chin. Partisanen durch die schwach besetzte Frontlinie geführt. Nur die Besatzung Nr.16 und drei der Nr.6 (ins Wasser gestürzt und gerettet) geraten in japanische Gefangenschaft. Besatzung Nr.8 fliegt in das näher liegende Gebiet der UdSSR (aufgrund eines defekten Vergasers) und kann dort auf einem Feldflugplatz nahe Wladiwostok landen. Die Besatzung wird interniert.
Besonders tragisch: Die in Gefangenschaft geratenen 8 Besatzungsmitglieder werden als „Kriegsverbrecher“ (seltsame japanische Logik!) zum Tod verurteilt. Drei von ihnen werden daraufhin enthauptet (ich hätte ja wetten können, dass dies im Film zumindest einem der beiden Hauptakteure blüht – das hätte aber wohl der properen Aufmachung des Films geschadet – lt. Aussage des Regisseurs in einem Interview soll der Film ja ein Popcorn-Film sein!). Ein weiterer Gefangener stirbt im Kriegsgefangenenlager.
Laut Angaben japanischer Quellen sind durch den Angriff 12 Tode und über 100 Verwundete zu beklagen. Außerdem wurden 50 Gebäude zerstört und weitere 50 beschädigt.
Wichtiger sind aber sicherlich – im Film zu Genüge ausgekostet – die moralischen Effekte des Angriffs. Gerade die amerikanische Bevölkerung glaubt jetzt wieder an die eigene militärische Stärke.
Für die Japaner bedeutet der Angriff eine Erschütterung ihres Glaubens an ihre Unbesiegbarkeit. Trotz der relativ geringen Verluste durch den Angriff kommt es zu einigen folgenschweren Konsequenzen des japanischen Oberkommandos.
Die nun folgende Verstärkung der Luftverteidigung der japanischen Mutterinseln geht auf Kosten der zum Fronteinsatz zur Verfügung stehenden Mittel.
Der aber wohl wichtigste Punkt: Admiral Yamamoto vermutet, dass die Bomber von Stützpunkten auf den Midway-Inseln kamen und beschließt, diese Inseln schnellstens zu besetzen – die Folgen können wohl als bekannt voraus gesetzt werden.
Ergänzend hier noch (wie ich glaube z.T. von Django mal gemacht) einige Angaben zu späteren Luftangriffen auf Japan bzw. Tokio:
Im Rahmen der Operation „Matterhorn“ wird in China ein strategischer Bomberverband mit B-29 „Superfortress“ aufgestellt – die 20.US Army Air Force (20. USAAF). Ab 5.06.44 werden die ersten Einsätze geflogen.
In der Nacht vom 15./16.06.44 starten 67 B-29 von Tschöngtu (China) aus zum ersten Angriff auf die japanischen Mutterinseln. Ziel sind die Stahlwerke von Jawata auf der Insel Kiuschu. Entfernung zum Ziel: 2.480 km! – jede Maschine kann nur vier 227kg-Bomben befördern!
Am 7.07.44 wird der erste Tagesangriff auf Kiushu geflogen (18 B-29 bombardieren verschiedene Luftstützpunkte).
Tokio bleibt allerdings für diesen Verband außer Reichweite.
Am 12.10.44 trifft die erste B-29 auf Saipan/Guam (Marianen) ein. Dort soll die 21.USAAF mit B-29 aufgebaut werden. Dadurch ist nun das gesamte japanische Mutterland in Reichweite der B-29.
Als Folge stellt die 20.USAAF ihre Operationen von China aus am 30.03.45 ein. Die Einheiten gehen z.T. auf die Marianen (bei 49 Missionen wurden 3.058 Einzeleinsätze geflogen und 11.477t Bomben abgeworfen – die Erfolge waren allerdings begrenzt).
Am 1.11.44 erscheint zum erstem Mal seit dem „Doolittle-Raid“ wieder eine Maschine über Tokio (eine F-13 – ein zum Fotoaufklärer umgerüsteter B-29-Bomber – von Saipan kommend).
Am 24.11.44 greift die 21.USAAF zum ersten Mal mit 111 B-29 die Insel Hondo und dort die Nakajima-Werke bei Tokio an (nur 24 B-29 können ihre Bomben dort aufgrund schlechter Sicht abwerfen). Nur eine B-29 geht durch Rammstoß eines japanischen Jägers verloren.
In der Nacht vom 29./30.11.44 starten 35 B-29 zum ersten Nachtangriff auf Tokio von Saipan aus.
Am 25.02.45 erfolgt der bis dahin schwerste Angriff auf Tokio: Mehr als 170 B-29 werfen 1.667t Bomben ab, verursachen enorme Verluste unter der Zivilbevölkerung und vernichten 28.000 Gebäude.
In der Nacht vom 9./10.03.45 erfolgt der schwerste Angriff auf Tokio. 279 (andere Quellen: 334) B-29 werfen je ca. 8t Napalmbomben auf die Stadt ab. 14 B-29 gehen verloren. Aufklärungsfotos vom 10. und 11.03.45 zeigen, daß 25qkm (andere Quelle: 48qkm) des Stadtgebietes völlig ausgebrannt sind. Nach japanischen Angaben wurden ein Viertel aller Häuser (267.171 Häuser) zerstört. 1.008.000 Menschen sind obdachlos. Offiziell wird die Zahl der Toten mit 83.793 angegeben. Dazu kommen noch 40.918 Verletzte.
Dieser Angriff ist der erste einer Reihe von neuen Angriffen, die vom neuen Kommandeur des B-29-Verbandes der 21.USAAF – Major General Curtis E. LeMay; er hat nach dem Krieg u.a. die Berliner Luftbrücke organisiert - eingeführt werden. Dabei werden Nachtangriffe mit Brandbomben aus Höhen zwischen 1.520m und 2.440m ausgeführt. Die Folgen für die meist aus Holz gebauten Häuser in den japanischen Städten sind verheerend. Es wird ein Feuersturm angefacht, wie man es in Europa nur von den Angriffen auf Hamburg und Dresden kennt.
Innerhalb von drei Wochen werden auf Tokio, Osaka, Kobe und Nagoya 9.365t Brandbomben von 1.595 B-29 abgeworfen. Insgesamt werden 82qkm(!) bebaute Fläche in Schutt und Asche gelegt. Die Angriffe werden erst eingestellt, als der gesamte Vorrat an Brandbomben verbraucht ist!
In der Nacht vom 23./24.05.45 werfen 550 B-29 über Tokio 750.000 Phosphorbrandbomben ab. In der Nacht vom 25./26.05.45 erscheinen erneut ca. 500 B-29 über Tokio. Nach diesem Angriff ist die bebaute Fläche der Stadt zur Hälfte zerstört.
Am 02.07.45 lösen ca. 600 B-29 4.000t Brandbomben über verschiedenen japanischen Städten aus. Die zunehmend in Angst und Schrecken versetzte Bevölkerung verläßt die Städte wodurch die Rüstungsproduktion fast zum Erliegen kommt. Radio Tokio kündigt die Evakuierung von 6 Mio. Einwohnern Tokios an. Nur 200.000 Menschen sollen in Tokio bleiben.
Am 2.08.45 werfen ca. 800 B-29 6.000t Phosphorbrandbomben über vier japanischen Städten ab. Ca. 80.000 Menschen kommen ums Leben.
Insgesamt sind bei der seit 8 Monaten dauernden Bomberoffensive ca. 260.000 Menschen getötet worden. Die ca. 150.000 direkten Toten durch die beiden Atombomben sollten diesen erst noch folgen!
Aufgrund der Bombardierungen wendet sich die japanische Regierung an den russischen Botschafter mit der Bitte, Waffenstillstandsverhandlungen mit den Amerikanern zu vermitteln (dies geschieht schon ab dem 12.07.45!).
Inwiefern die Atombomben noch nötig waren? Das sei dahingestellt. Vielleicht treffen es die Worte von US-Admiral Leahy nach dem Abwurf der letzten Bombe auf Nagasaki: „Der Einsatz dieser barbarischen Waffe bei Hiroshima und Nagasaki war für unseren Krieg gegen Japan keine konkrete Hilfe. Die Japaner waren bereits durch unsere wirksame Seeblockade und die erfolgreichen Angriffe mit konventionellen Bomben besiegt und zur Kapitulation bereit … Die Naturwissenschaftler und auch andere wollten diese Waffe erproben wegen der riesigen Summen, die man in dieses Projekt bereits gesteckt hatte, es waren immerhin etwa 2 Mrd. Dollar … „
So – ich hoffe etwas geholfen zu haben. 
Ein schönes Wochenende noch.
Gruß
Tom