Weisse Schimmel

Von: , Frage gestellt am Mo, 12. Mai 2003

Einen guten Abend,

heute in der Mittagspause tauchten die "weissen Schimmel" auf. Jeder wusste noch ein anderes Beispiel, aber keiner kannte den Fachausdruck für diese sprachlichen Doppelungen.
Wer kann uns helfen?

Für alle Antworten dankt
Frank

14 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Tautologie/Oxymoron

    Mh, ich verwechsel immer die zwei, aber ich glaube, Tautologie ist diese Verdoppelung (weißer Schimmel) und Oxymoron ist z.B. schwarzer Schimmel, also was gar nicht geht.

    Oder? :-)

    Cess

    • Antwort von nach einer Stunde 1 hilfreich
      Re: Tautologie/Oxymoron

      Hallo zusammen, Tautologie ist diese Verdoppelung (weißer Schimmel)
      Oxymoron ist z.B. schwarzer Schimmel, also was gar nicht geht.
      Oder? :-)
      so ist es fast. Das Standardbeispiel für das Oxymoron ist das "hölzerne Eisen", in dem sich zwei Gegensätze treffen. Es besteht aber ein Unterschied zwischen Pleonasmus und Tautologie (und insofern war die vorige Antwort ein bisschen richtiger):

      "Der Pleonasmus ist ein Verhältnis eines Bestimmungsworts zu seinem Subjekt nach der Seite seiner Bedeutung: Es wiederholt eine Bestimmung, welche bereits mit dem Subjekt notwendig ausgesagt ist, z.B. weißer Schimmel. - Dass ein Schimmel ein weißes Pferd ist, erklärt indes nicht, was ein Schimmel ist, sondern welcher Gegenstand damit benannt ist. Deshalb handelt es sich um einen Pleonasmus, nicht aber um eine Tautologie als das Verhältnis einer theoretischen Bestimmung zu ihrem Gegenstand, ihn durch sich selbst zu erklären." (Quelle: http://www.fhuisken.de/wiss2301.htm )

      Herzliche Grüße

      Thomas Miller

      • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
        Pleonasmus

        Interessant, danke - ich hatte das vorher noch nie gehört!

        Cess

      • Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
        Pleonasmus, Tautologie, Hendiadyoin

        Hallo, so ist es fast.
        <schnipp> Es
        besteht aber ein Unterschied zwischen Pleonasmus und
        Tautologie
        (und insofern war die vorige Antwort ein
        bisschen richtiger):
        Danke ;-)

        Ist nicht eine Tautologie streng genommen eine logisch wahre Aussage, also sowas wie "Frauen sind eben Frauen"?
        http://culturitalia.uibk.ac.at/hispanoteca/Lexikon%2...

        Ein weiterer Begriff in diesem Umfeld ist noch das Hendiadyoin. Auch das ist aber ein bisschen was anderes, nämlich die Verknüpfung zweier synonymer Begriffe zum Zweck der Verstärkung. z.B. "Hilfe und Beistand", "schön und herrlich" ...

        http://www.lateinservice.de/grammatik/inhalte/stil.htm

        Wolfgang

        • Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
          Re: Pleonasmus, Tautologie, Hendiadyoin

          Hallo Wolfgang, Ist nicht eine Tautologie streng genommen eine logisch wahre
          Aussage, also sowas wie "Frauen sind eben Frauen"?
          http://culturitalia.uibk.ac.at/hispanoteca/Lexikon%2...
          eine logisch wahre Aussage ist prinzipiell jeder echte Syllogismus. Die Aussage "Frauen sind eben Frauen" beinhaltet aber neben dem beschreibenden Teil einen zusätzlichen performativen Sinn, nämlich den Hinweis darauf, dass man gegen die Natur von Frauen nichts machen könne. Die Grundform der Tautologie ist der Satz "A=A" also die (logische) Identität. Ein weiterer Begriff in diesem Umfeld ist noch das
          Hendiadyoin. Auch das ist aber ein bisschen was
          anderes, nämlich die Verknüpfung zweier synonymer Begriffe zum
          Zweck der Verstärkung. z.B. "Hilfe und Beistand", "schön und
          herrlich" ...
          Genau, ein Hendiadyoin ist wie der obige Satz über Frauen eine verdeckte performative Aussage, die aber durchaus nicht tautologisch sein muss, wie deine Beispiele selbst zeigen: "Hilfe" und "Beistand" sind nicht ganz identisch, ebensowenig "schön" und "herrlich". Das aber wäre für die echte Tautologie Voraussetzung.

          Herzliche Grüße

          Thomas Miller

          • Antwort von nach 5 Stunden 2 hilfreich
            Re^2: Pleonasmus, Tautologie, Hendiadyoin

            Hallo ihrs,

            ohne etwas Neues zu sagen, gebe ich nur mal an, was im großen Duden zu diesen Begriffen gesagt wird. Ich habe nachgeschaut, weil ich mich in meiner Begrifflichkeit vergewissern wollte.

            Ple|o|nas|mus, der; -, ...men [spätlat. pleonasmos < griech. pleonasmós = Überfluss, Übermaß] (Rhet., Stilk.): Häufung sinngleicher od. sinnähnlicher Wörter, Ausdrücke (z. B. weißer Schimmel).

            Tau|to|lo|gie, die; -, -n [lat. tautologia < griech. tautología, eigtl. = das Dasselbesagen, zu: tautó, zusgez. aus: tò autó = dasselbe u. lógos, Logos] (Rhet., Stilk.): a) Fügung, die einen Sachverhalt doppelt wiedergibt (z. B. nackt und bloß); b) (seltener) Pleonasmus.

            Hen|di|a|dy|oin, das; -s, -, (seltener:) Hen|di|a|dys, das; -, - [mlat. hendiadyoin, hendiadys < griech. hèn dià dyoin = eins durch zwei] (Rhet.): 1. die Ausdruckskraft stärkende Verbindung zweier synonymer Substantive od. Verben (z. B. bitten und flehen). 2. besonders in der Antike beliebtes Ersetzen eines Attributs durch eine reihende Verbindung mit »und« (z. B. die Masse und die hohen Berge statt: die Masse der hohen Berge).

            Oxy|mo|ron, das; -s, ...ra [griech. oxýmoron, zu: morós = stumpf, träge; dumm, töricht] (Rhet., Stilk.): Zusammenstellung zweier sich widersprechender Begriffe in einem Kompositum od. in einer rhetorischen Figur (z. B. bittersüß; Eile mit Weile!).
            © Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001


            Vielleicht hilft das.
            Fritz

            • Antwort von nach 13 Stunden 0 hilfreich
              Re^3: Pleonasmus, Tautologie, Hendiadyoin

              Hallo Fritz,

              lobenswert wie immer (*)!

              Was mir auffällt:

              Die Tautologie wird z. T. mit dem Hendiadyoin (nackt und bloß) gleichgesetzt und z. T. auch mit dem Pleonasmus (in b). Das finde ich merkwürdig. Vielleicht hängt das mit der Aufgabenstellung dieses Lexikons zusammen? Welche Aufgabe stellt sich das Universalwörterbuch denn im Vorwort?

              Herzliche Grüße

              Thomas

            • Antwort von nach 15 Stunden 0 hilfreich
              Hilfe!!!

              Angesichts sovieler weiser Weisheit hoffe ich nun, eine Antwort zu finden auf die Frage, was ein "toter Leichnam" sei.
              Fand ich echt in einem historischen Buch, noilich.
              (Hinweis: "Leichnam" = `lihin hamo´ = des Körpers [bloße] Hülle.
              Also erst ein "toter Leichnam" ist ganz tot).
              Meines humpelnden Wissens gibt es (auch) keine identischen Begriffe.
              Also ist jede Zusammenstellung zweier Begriffe immer sowohl Überschneidung als auch Ergänzung.
              Hat mathematisch nichtleeren Durchschnitt. Und Vereinigung, die nicht Summe ist.
              Also: gibt es "pleonaß", "pleonasser", pleo ganz naß?
              Sowohl Öko- als auch Ergonomie empfehlen allerdings möglichst undurchschnittliche Präsentation.
              Mir ist aber eher narratief....

              Dies ist wiedermal ein sehr ernsthaft gemeinter Beitrag.
              Aber (auch wieder) mit Gelegenheit zur Ausrede: "der will ja gar nicht verstanden werden!"
              Brauch schaman auch nicht.
              Das Leben und die "Wahrheit" brauchen keinen Beifall.

              Dennoch herzvollen Grußes,
              Moinmoin, Manni



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