Re^2: komm an meine 'Grüne Seite' kommt woher
Hallo !
ich wage es mal wieder, obgleich es hier von "Experten" nur so
wimmelt :
Komm an meine "Grüne Seite" bedeutet: Komm zu mir, ich bin
unschuldig, unverbraucht, frisch und kann mit dir von vorn
beginnen.
Mit ängstlichem Gruß, Max
Kein Wagnis, lieber Max, du hast den richtigen Punkt aufgegriffen und genannt. Warum aber hast du den Röhrich nicht zu Rate gezogen?
Dort findet sich noch mehr und jetzt auch für Me too:
Grüne Seite
Im 20. Jahrhundert kam der Ausdruck 'Grünzeug' als Parallelbildung zu 'Junges Gemüse' auf, womit junge, unerfahrene Leute bezeichnet werden; die Redensart ist auch in Luxemburg geläufig: 'esou grengt Gemeis'. 'Frisch', 'unbearbeitet' meint auch das 'grün' in den Zusammensetzungen: 'Grüner Baum', 'grüner Hering' ('So jung und frisch wie grüne Heringe'), 'Grüner Speck', 'Grüne Häute'.
Grün in der ausgesprochen positiven Bedeutung von 'günstig', 'gewogen' findet sich in der Redensart von der Grünen Seite (die Herzseite); ursprünglich ist wohl die 'frische, lebendige Seite' gemeint, die der Sitz der grünenden Lebenskraft ist, dann auch die 'günstigste, liebenswürdigste Seite' eines Menschen.
Jedoch sei auch an die Farbensymbolik in der Kleidertracht des 15. Jahrhunderts erinnert sowie an die Blumensprache des Mittelalters, in der grün ausdrücklich den Anfang einer Liebe meint und in einer letzten Steigerung als Symbolfarbe für die Liebe selbst gilt; so heißt es in der 'Jagd' von Hadamar von Laber (1335-40):
Gruen anefanges meine
heile wünschet dem anefange,
so daz sich lieb vereine
mit lieb und daz es lieblich were lange.
Populär geworden ist die Redensart durch das schwäbische Volkslied aus Friedrich Silchers Volksliedern 1836 »Mädle ruck, ruck, ruck an meine grüne Seite« (E.B. II, 348); als frühester Beleg darf gelten »kum grad zu mir, mins Cordelin, sitz an die grüene siten min« (Manuel Weinspiel [1548], 470). Die Redensart ist auch im Niederländischen bekannt als 'iemands groene zijde', im Französischen sagt man bestimmter 's'asseoir du côté du coeur de quelqu'un'.
In der gleichen Bedeutung 'günstig', 'gewogen', 'wohlgesinnt', jedoch in der Regel nur verneinend, steht grün in der Redensart jemandem nicht grün sein: ihm nicht gewogen sein; niederländisch 'niet groen zijn op iets'. Der älteste Beleg findet sich im mittelhochdeutschen Passional (675, 74), in dem es von der heiligen Katharina heißt:
sus gienc die edele gotes dirn
sô hin uf den palas,
da die samenunge was
gegen ir vil ungrune.
[Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten: grün, S. 4. Digitale Bibliothek Band 42: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, S. 2356 (vgl. Röhrich-LdspR Bd. 2, S. 589) (c) Verlag Herder]
Gruß Fritz