es braucht?

Von: , Frage gestellt am Fr, 30. Mai 2003

hallo sprachgewaltige,

urplötzlich ersetzt die halbe (medien)nation "man braucht, ich du, er, sie braucht usw." durch "es braucht". das erzeugt doch gehörig überlkeit bei mir.
darum frag ich: wer hat das zu verantworten?
schlamperei oder ein exotischer dialekt?
*gaaanzvorsichtigzurgroßenuschirüberschielundkopfeinzieh*


fragt sich und bedankt sich schon mal im vornherein:

strubbel
#:o)

13 Antworten zu dieser Frage

      • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
        Wirklich?

        Hallo,

        wir haben Schweizer Freunde. Die sagen statt "es gibt" immer "es hat" bzw. statt "man benötigt" immer "es braucht". Handelt es sich möglicherweise um einen Unterdialekt oder so etwas (die Leute kommen von der Alm, also nicht direkt aus Zürich)?

        Herzliche Grüße

        Thomas Miller

        • Antwort von nach 6 Stunden 1 hilfreich
          In dubio pro reo.......!

          Hallo Thomas

          Bei unseren zahllosen Dialekten ist eine endgültige Aussage unmöglich. Deshalb kannst du uns nicht für die erwähnte Sprachverluderung verantwortlich machen – auch Chauvis müssen sterben! :-)

          Ich sage z.B. "s'hät" (es hat) "hät's no?" (hat es noch?) meine Frau hingegen "s'git" (es gibt) "git's no? (gibt es noch?)
          Weitere Varianten: "häsch es?" (hast du es?) "gisch es?" (gibst du es?)
          Plural:"heimers?" "hemmers?" "hämmers?" (haben wir es?)
          "Benötigen" ist ausschliesslich im Schriftverkehr gebräuchlich. Mündlich: "er häts nötig" (er hat es nötig) "i has nüd nötig" (ich habe es nötig)
          "heimers, hämmers, hemmers nötig?" haben wir es nötig?
          „I bruch es“ (ich brauche es) und „nötig ha“ (Ich benötige es) werden je nach Kontext gebraucht, aber auch wieder verschieden in den Dialekten. Beide Varianten können sogar die gleiche Aussage beinhalten, erlauben aber trotzdem eine weitere Differenzierung......M.E. ist es ein hoffnungsloses Unterfangen, als Fremdsprache(sic!)einen Schweizerdialekt mit allen Finessen erlernen zu wollen.

          Das erklärt weshalb am Schweizerischen Idiotikon schon fast ein Jahrhundert gearbeitet wird und von den ursprünglich geplanten 20 Bänden in der Zwischenzeit trotzdem erst 13 dicke Wälzer erschienen sind. Diese werden immer noch nachgeführt - ein Werk ohne Ende. Ein Problem für die Herausgeber ist die immer mehr überhand nehmende Dialektvermischung. Noch problematischer ist die Jugendsprache. Diese wird zunehmend durch Immigrantenkinder beeinflusst. (Yugo-Sprache!)
          Auch mein heimatlicher Dialekt hat im Zürcher Exil schwer gelitten und trotzdem behaupten meine Verwandten im Heimatkanton, dass ich nach einer halben Stunde wieder "normal" rede. Unbewusst.
          Ich behaupte, dass über unsere Dialektvielfalt niemand den Gesamtüberblick hat. Meist sind es Lehrer und heimatverbundene Germanisten, die die Dialekte und den Sprachschatz ihrer Heimatregion aufzeichnen und aufzeichneten.

          Gruss
          Mäni

          • Antwort von nach 8 Stunden 0 hilfreich
            Re: In dubio pro reo.......!

            Hallo,

            schönen Dank für die ausführliche Beschreibung. Mir scheint es allerdings doch so, dass die Wendung einem schweizerischen Dialekt entstammt. Denn anderswo habe ich die Wendung nicht gehört.

            Herzliche Grüße

            Thomas Miller
            *der eigentlich vor drei Tagen schon in der Schweiz sein wollte*

            • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
              aufgepaßt

              "Schweizerisch" schreibt man groß!

            • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
              Re: aufgepaßt

              Hallo Hollergschwandtner!

              Vielleicht in aller Welt bei schweizerischen Markenartikeln, aber bestimmt nicht im Wörterbuch!

              Gruß
              Wolfgang Zimmermann

  1. Antwort von nach 26 Minuten 0 hilfreich
    Re: es braucht?

    Die Wendung ist älter. In einem Reprint ( Originalausgabe 1901 ) lese ich sie auch.

    Auch die von mir so beliebten Worte wie "mannigfach, obschon" usw ... :-)

    HM [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  2. Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
    Re: es braucht?

    hallo sprachgewaltige,

    urplötzlich ersetzt die halbe (medien)nation "man braucht, ich
    du, er, sie braucht usw." durch "es braucht". das erzeugt doch
    gehörig überlkeit bei mir.
    darum frag ich: wer hat das zu verantworten?
    schlamperei oder ein exotischer dialekt?
    Hallo Strubbel.
    Ich bin zwar kein Sprachgewaltiger, sondern kann nur mit dem dienen was man halt so kennt.
    Die Wendung ist mir nicht neu, habe sie aber in letzter Zeit selten gehört, ausgenommen von Schweizern.
    Im Zusammenhang mit 'man braucht', was beinhaltet daß Personen gemeint sind, sagte man 'es braucht' wenn abstrakt z.B. eine Situation etwas erforderlich machte. Beispiel: "Es braucht jetzt vor allen Dingen Ruhe und Besonnenheit". Oder: "Jetzt braucht es tatkräftige Leute".
    Ist meiner Meinung nach Deutsch und grammatikalich richtig.
    Mit freundlichen Grüßen
    Alexander Berresheim



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