Was sind Unkosten?

Von: , Frage gestellt am Do, 5. Jun 2003

Hallo Ihr!

Ich diskutiere gerade mit meinem Kollegen über den Begriff "Unkosten". Man verwendet das Wort ja öfter mal bei "Sich in Unkosten stürzen" oder "Unkostenbeitrag". Aber was bedeutet es eigentlich? Gibt es nicht eigentlich nur "Kosten"?

Könnt Ihr uns weiterhelfen?

Danke und viele Grüße,
Lena

7 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 23 Minuten 0 hilfreich
    Re: Was sind Unkosten?

    Hi Lena,

    die Vorsilbe Un- ist in alter Zeit nicht nur zur Verneinung, sondern manchmal auch zur Steigerung eingesetzt worden. So ist mir aus dem Allgäu das Untrumm als Bezeichnung für einen besonders unförmigen Laib, manchmal auch Leib, bekannt (für Preissn: Das [nicht der] Trumm ist der Singular von Trümmer). Aus der Ecke werden wohl auch die Unkosten kommen, obwohl es kaufmännisch gesehen nur Kosten geben kann.

    Gruß Ralf

    • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Was sind Unkosten?

      Hallo Ralf,

      Unmengen wären auch ein Beispiel.

      Gruß Mucke [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

      • Antwort von nach 13 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: Was sind Unkosten?

        Hallo,

        angesichts des Wolkenbruchs in der letzten Nacht, ist wohl auch Unwetter ein gutes Beispiel dafür.

        Gibt es eigentlich wo eine Übersicht, was Vorsilben bedeuten können?

        Viele Grüße
        Susanne

        • Antwort von nach 19 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: Was sind Unkosten?

          Hallo Susanne,

          weiß ich leider nicht.

          Aber ich habe noch einen interessanten Bericht in der taz gefunden:

          Sind Unkosten das Gegenteil von Kosten? (17. 5.)


          Das Gegenteil von Kosten sind Erlöse. "Unkosten" ist ein wirtschaftswissenschaftliches Unwort, das von Laien in diesem Fach, die jedoch vor allem in den öffentlichen Verwaltungen das Sagen haben, geprägt wurde. Anhänger der Vollkostenrechnung sprechen von "Gemeinkosten", Fans der Deckungsbeitagsrechnung nennen das "Fixkosten".

          Es sind Kostenbestandteile, die nicht direkt mit der Leistungserstellung (Produktion, Dienstleitung) im Zusammenhang stehen. Sie steigen und sinken nicht ohne weiteres, wenn der Output - und damit die Erlöse - wachsen oder schrumpfen. Diejenigen, die von "Unkosten" sprechen, suggerieren, dass es sich um unvermeidliche Belastungen handele, für die man also keine Verantwortung habe.

          Das ist jedoch falsch. Auch die Fixkoten bedürfen eines kristischen Hinterfragens. Sie entscheiden gerade bei kleinen Unternehmen und Betrieben mit über die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Existenz.

          Georg Doery, Diplom-Betrebswirt (FH),
          Heimbach


          Definitiv ja. Einerseits. Andererseits umschreibt dies etwas, was es nicht gibt. Weil "Unkosten" kein Wort ist, sondern höchstens ein Unwort: Unkosten gibt es so wenig wie Uneinnahmen. Denn Kosten sind landläufig gesprochen Ausgaben, das Gegenteil sind Einnahmen, die Beziehung zueinander macht den Saldo aus.

          Unkosten sind definitiv keine Kosten, was aber noch nicht bedeutet, dass es Einnahmen sind. Wer von Unkosten spricht, versucht vermutlich, die Besonderheit der finanziellen Belastung (nicht nur Auslagen, nein: Unkosten seinen angefallen) auszudrücken, was zu besonderen Belastungen, wenn nicht Kollateralschäden an der Sprache führt. Uwe Schmitter


          Im Gegenteil, manchmal wird Un- im Sinne von sehr viel(e) verwendet: Unsummen, unzählige

          Uwe Tünnermann, Lemgo


          Natürlich nicht. Leider hört man aber immer wieder von halbwissenden Sprachpuristen, das Wort "Unkosten" sei falsch oder gar unsinnig. Ein Blick in den Duden zeigt, dass die Vorsilbe "un-" einen Begriff nicht nur verneinen und dadurch in sein Gegenteil verkehren kann (zum Beispiel unwichtig, ungesagt, Unkenntnis), sondern auch das Abweichen von einer Idealvorstellung im Sinne von übel, schlecht, miss- bedeuten kann (Unfall, Unzeit, Unkraut, Unmensch). Das Präfix kann auch die Bedeutung des Grundwortes verstärken (Unmengen) und dadurch eine an sich schon negative Bedeutung noch steigern (Ungewitter). Unkosten sind demnach besonders unangenehme Kosten. Bertram Wende


          Das Präfix "un-" beschreibt nicht unbedingt das Gegenteil einer Eigenschaft oder eines Substantivs, es ist zunächst nur die Verneinung des zweiten Wortteils. Unkosten sind Kosten, die erstattet werden, aber nach der Erstattung keine mehr sind. Kosten müssen selbst getragen werden.

          Jürgen D. Müller, Hannover


          Das ist eine Sache des Sprachgefühls, die unter Umständen viele Kosten verursacht. In den Untiefen deutscher Vorsilben sollten wir uns einfach über die Unlogik freuen - und nicht bezahlen. was dann kommt, wissen wir.

          Gruß Mucke [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

          • Antwort von nach 19 Tagen 0 hilfreich
            Re^5: Was sind Unkosten?

            Hallo, Hallo Susanne,
            weiß ich leider nicht.
            Schade, genau das hätte mich interessiert ;). Kann ja sein, dass es noch mehr Vorsilben gibt, die zwei Bedeutungen haben, deren man gar nicht so bewusst ist. Daher gilt mein Aufruf weiterhin. Aber ich habe noch einen interessanten Bericht in der taz
            gefunden:

            Sind Unkosten das Gegenteil von Kosten? (17. 5.)


            Das Gegenteil von Kosten sind Erlöse. "Unkosten" ist ein
            wirtschaftswissenschaftliches Unwort, das von Laien in diesem
            Fach, die jedoch vor allem in den öffentlichen Verwaltungen
            das Sagen haben, geprägt wurde. Anhänger der
            Vollkostenrechnung sprechen von "Gemeinkosten", Fans der
            Deckungsbeitagsrechnung nennen das "Fixkosten".

            Es sind Kostenbestandteile, die nicht direkt mit der
            Leistungserstellung (Produktion, Dienstleitung) im
            Zusammenhang stehen. Sie steigen und sinken nicht ohne
            weiteres, wenn der Output - und damit die Erlöse - wachsen
            oder schrumpfen. Diejenigen, die von "Unkosten" sprechen,
            suggerieren, dass es sich um unvermeidliche Belastungen
            handele, für die man also keine Verantwortung habe.

            Das ist jedoch falsch. Auch die Fixkoten bedürfen eines
            kristischen Hinterfragens. Sie entscheiden gerade bei kleinen
            Unternehmen und Betrieben mit über die Wettbewerbsfähigkeit
            und damit die Existenz.

            Georg Doery, Diplom-Betrebswirt (FH),
            Heimbach
            Ja, das sind die Lieblingsworte von Wirtschaftlern: "Unkosten gibts nicht, weil 'un = keine, nicht' und 'keine Kosten' bzw. 'Nicht-Kosten' = Erlöse sind." Sprachlich gesehen mag das auch stimmen, aber nur zur Hälfte, weil "un" eben auch steigernd sein kann und somit eine Bedeutungsebene, nämlich die unbequeme und gerade richtige, ausgeklammmert wird. Definitiv ja. Einerseits. Andererseits umschreibt dies etwas,
            was es nicht gibt. Weil "Unkosten" kein Wort ist, sondern
            höchstens ein Unwort: Unkosten gibt es so wenig wie
            Uneinnahmen. Denn Kosten sind landläufig gesprochen Ausgaben,
            das Gegenteil sind Einnahmen, die Beziehung zueinander macht
            den Saldo aus.

            Unkosten sind definitiv keine Kosten, was aber noch nicht
            bedeutet, dass es Einnahmen sind. Wer von Unkosten spricht,
            versucht vermutlich, die Besonderheit der finanziellen
            Belastung (nicht nur Auslagen, nein: Unkosten seinen
            angefallen) auszudrücken, was zu besonderen Belastungen, wenn
            nicht Kollateralschäden an der Sprache führt. Uwe Schmitter


            Im Gegenteil, manchmal wird Un- im Sinne von sehr viel(e)
            verwendet: Unsummen, unzählige
            Genauso sehe ich das auch... die Stelle mit dem Unwort fand ich witzig... denn ein Unwort wäre ja dann ein "Nicht-Wort"... damit müsste "un" eigentlich noch eine Bedeutung haben - oder eine Abkürzung sein, in diesem Fall für "unmögliches Wort", also eines, dass man moralisch, sittlich oder wie auch immer nicht verwenden sollte (und nicht, weil man es nicht könnte). Oh weia, es wird immer schwieriger in diesem Chaos... oder besser "Un-Chaos" ;) Uwe Tünnermann, Lemgo


            Natürlich nicht. Leider hört man aber immer wieder von
            halbwissenden Sprachpuristen, das Wort "Unkosten" sei falsch
            oder gar unsinnig. Ein Blick in den Duden zeigt, dass die
            Vorsilbe "un-" einen Begriff nicht nur verneinen und dadurch
            in sein Gegenteil verkehren kann (zum Beispiel unwichtig,
            ungesagt, Unkenntnis), sondern auch das Abweichen von einer
            Idealvorstellung im Sinne von übel, schlecht, miss- bedeuten
            kann (Unfall, Unzeit, Unkraut, Unmensch). Das Präfix kann auch
            die Bedeutung des Grundwortes verstärken (Unmengen) und
            dadurch eine an sich schon negative Bedeutung noch steigern
            (Ungewitter). Unkosten sind demnach besonders unangenehme
            Kosten. Bertram Wende
            Genau sowas will ich wissen... in meinem Duden finde ich aber leider nichts zu der Vorsilbe "un" und Google will mir entweder lateinische Vorsilben und deren Bedeutung andrehen - oder, was meiner Suche noch am nächsten kommt, die Bedeutung von Fremdwörter-Vorsilben (interessante Seite: http://www.medgesch.uni-hd.de/PDF/Pr%E4fixe.pdf). Aber vielleicht hat der Autor noch mehr auf Lager... aber leider nichts online, wie ich gerade per Google feststellen musste :( Das Präfix "un-" beschreibt nicht unbedingt das Gegenteil
            einer Eigenschaft oder eines Substantivs, es ist zunächst nur
            die Verneinung des zweiten Wortteils. Unkosten sind Kosten,
            die erstattet werden, aber nach der Erstattung keine mehr
            sind. Kosten müssen selbst getragen werden.

            Jürgen D. Müller, Hannover
            Auch eine Ansicht, aber das klingt mir eher nach "Unkostenbeitrag" und nicht nur nach "Unkosten" Das ist eine Sache des Sprachgefühls, die unter Umständen
            viele Kosten verursacht. In den Untiefen deutscher Vorsilben
            sollten wir uns einfach über die Unlogik freuen - und nicht
            bezahlen. was dann kommt, wissen wir.
            Das waren aber interessante Einblicke von verschiedenen Bereichen, wobei mir die von Bertram Wende am besten gefallen hat, nämlich fundiert und ausführlich, nicht nur definitorisch (z.B. J.D.Müller) oder einfach nur ablehned (Wirtschaftler).

            Viele Grüße
            Susanne

  2. Antwort von nach einer Stunde 1 hilfreich
    Re: Was sind Unkosten?

    Hallo Lena,

    als Controller stellt es mir bei dem Wort natürlich die Haare auf; mein Chef führt dann immer gerne an:

    Un-Kosten = Nicht-Kosten = Erträge.

    Allerdings gefällt mir eine Definition aus dem Deutschen Wörterbuch der Gebr. Grimm, die besagt, dass mit Unkosten eigentlich unnütze, schädliche, überflüssige Kosten gemeint waren.

    Gruß
    Feanor

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