Umgang mit Sprache

Von: , Frage gestellt am Di, 9. Dez 2003

Liebe Deutsche-Sprache-User,
nachdem das Thema hier immer wieder als "Untertitel""-beiträge" oder soll ich sagen "Under-threads" (?) diskutiert wird: Wer was im Netz wie auch immer schreibt, ist mir ziemlich egal. Und das sage ich, obwohl das nicht stimmt. Denn ich bin ein Mensch, dem die Schriftsprache, genauer: die geschriebene Sprache (denn ersteres klingt auch schon wieder verwässert) sehr wichtig ist, weil sie für mich ein besonderes Ausdrucksmittel darstellt, das sich in seiner höchsten Form Literatur nennt - also Sprache ist für mich auch Kunst. Der Umgang mit Sprache scheint im Allgemeinen Vielen nicht mehr von Bedeutung zu sein. Mir schon. Von der Chat-Sprache mag ich ja schon gar nicht reden, das ist eine eigene Welt. Die Anfragen hier in den Bretter strotzen nur von Fehlern - sowohl grammatikalisch als auch orthographisch und eben besonders: sprachlich... nunja.
Nur: Was offensichtlich mehr und mehr in Vergessenheit gerät, ist, dass egal ob Groß- oder Kleinschreibung, das Setzen von Kommata und anderen Satzzeichen, das (Be-)Nutzen von Fremdwörtern etc. in einem Text, einer Anfrage, einem "Thread" schon eine Aussage für sich ist (von den Höflichkeitsregeln wie Anrede und Schlussformel mal abgesehen....), d.h. dass Sprache nicht mehr im Sinne von "Formulieren" benutzt wird - und das betrifft besonders dieses Brett, das sich "Deutsche Sprache" nennt. Das finde ich schade, weil Sprache ein Geschenk der Götter ist (das meine ich völlig unreligiös)...
Und jetzt warte ich auf alle Lehrer, die mir sagen, wie viele Rechtschreib- oder sonstige Fehler ich hier mit diesem Beitrag gemacht habe... :-))
Mir geht es darum: Was bedeutet Euch der eigene Umgang mit (Schrift-)Sprache?
Mir viel.
Anja

32 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 6 Stunden 2 hilfreich
    Re: Umgang mit Sprache

    Hallo, Anja, nachdem das Thema hier immer wieder als
    "Untertitel""-beiträge" oder soll ich sagen "Under-threads"
    (?) diskutiert wird: Wer was im Netz wie auch immer schreibt,
    ist mir ziemlich egal.
    Richtiger müsste es wohl heißen: Den meisten Zeitgenossen, die im Netz 'was auch immer' schreiben, ist es ziemlich egal, wie sie es schreiben - das ist zumindest der Eindruck, den ich insbesondere dann gewinne, wenn ich mich in einem beliebigen der sog. Meinungsforen umtue, alldieweil das funktionelle Analphabetentum gerade dort sehr fröhliche Urständ' zu feiern scheint (ja, das ist polemisch gemeint - aber es ist eben nicht nur polemisch gemeint). Und das sage ich, obwohl das nicht
    stimmt. Denn ich bin ein Mensch, dem die Schriftsprache,
    genauer: die geschriebene Sprache (denn ersteres klingt auch
    schon wieder verwässert) sehr wichtig ist, weil sie für mich
    ein besonderes Ausdrucksmittel darstellt, das sich in seiner
    höchsten Form Literatur nennt - also Sprache ist für mich auch
    Kunst. Der Umgang mit Sprache scheint im Allgemeinen Vielen
    nicht mehr von Bedeutung zu sein.
    Ich weiß manchmal nicht, was mich mehr entsetzt: die blanke Unkenntnis grundlegender Konventionen, die in den Beiträgen von Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller ihren Niederschlag findet - oder die Schludrigkeit, mit der ausgerechnet jene Damen und Herren zu Werke gehen, die's ... nein - ich schreibe jetzt nicht 'die's besser wissen müssten', sondern schreibe lieber 'die dafür bezahlt werden, dass sie's doch eigentlich besser wissen sollten'. Will sagen: Herrn und Frau Deutschmichel kann ich eine gewisse Nachlässigkeit im Umgang mit Fragen der Orthographie und Zeichensetzung noch nachsehen - schlimm aber finde ich Möchtegern-Journalisten, die nicht nur zu faul dazu sind, öfter mal zum 'Duden' zu greifen, sondern dazu offensichtlich noch nicht einmal eine Notwendigkeit sehen: 'Psychatrie' (las ich kürzlich wiederholt in der Online-Ausgabe der 'Rheinische Post', die ohnehin eine sehr ergiebige Fundgrube für sprachliche Nachlässigkeiten aller Art ist), 'Triologie', 'Endgeld' - das alles ist Unfug, den ich ohnehin schon nicht gern lese; aber jemandem, der fürs Schreiben bezahlt wird, sollte sich dabei doch eigentlich die Feder krümmen. Mir schon. Von der
    Chat-Sprache mag ich ja schon gar nicht reden, das ist eine
    eigene Welt. Die Anfragen hier in den Bretter strotzen nur von
    Fehlern - sowohl grammatikalisch als auch orthographisch und
    eben besonders: sprachlich... nunja.
    So sehr ich das Internet auch schätzen mag, leistet es doch, so mein Eindruck, der Sprachschluderei ganz immens Vorschub: Das Schleifen der Flexionsendungen von Wörtern im Akkusativ ist sicherlich nur eines der Phänomene, die in diesen Tagen stark auf dem Vormarsch ('Ich habe ein Hund', 'Ich bastele ein Strohstern') sind. Generell gewinne ich den Eindruck, dass die Schriftsprache in weiten Teilen der Bevölkerung bereits zu einer Art besseren 'Lautschrift' verkommen ist (oder war das schon immer so - und ich nehme das dank des 'Massenopublikationsmittels' Internet nur deutlicher wahr ... ?) Früher durfte man in solchen Fällen noch anmerken, ein Beitrag sei einem gar zu umgangssprichlich abgefasst - heute jedoch wird der Sinn einer solchen Anmerkung oft nicht einmal mehr verstanden; m.a.W.: Sätze der Art 'Ja hallo ich dachte mir ich schreibe heute mal euch einen Bericht über was ich neulich in Kino gesehen hab ein Film den fand ich toll und zwar der neue Disny' werden zuweilen mit der größten Selbstverständlichkeit als gute Praxis, zumindest aber als vollkommen akzeptabler 'Standard' erachtet (von Schreibenden - und oft genug auch vom Lesenden). Nur: Was offensichtlich mehr und mehr in Vergessenheit gerät,
    ist, dass egal ob Groß- oder Kleinschreibung, das Setzen von
    Kommata und anderen Satzzeichen, das (Be-)Nutzen von
    Fremdwörtern etc. in einem Text, einer Anfrage, einem "Thread"
    schon eine Aussage für sich ist (von den Höflichkeitsregeln
    wie Anrede und Schlussformel mal abgesehen....), d.h. dass
    Sprache nicht mehr im Sinne von "Formulieren" benutzt wird -
    Das setzte ein gewisses Maß an Kunstfertigkeit voraus (noch so ein 'Favorit' von mir: 'im Vorraus' - da gilt auch keine 'Rechtschreibreform' als Ausrede) und vor allem auch an Sorgfalt. Das wiederum setzte natürlich voraus, dass wer sich Zeit nähme - und sich Zeit für das Abfassen einer vermittels des 'schnellen' Mediums Internet zu transportierenden Botschaft zu nehmen (sei es per Mail, Posting oder Chat-Zeile) scheint für viele Zeitgenossen eine contradictio in adiecto zu sein.

    Nicht zuletzt zeugt ein offensichtlich gut durchdachter und vernünftig strukturierter Text, bei dessen Abfassung zudem die grundsätzlichen Regeln von Rechtschreibung und Zeichensetzung beherzigt wurden, in meinen Augen auch immer davon, dass der Autor seinem Leser mit dem gebührenden Respekt begegnet - wer mit der gebührenden Sorgfalt zu Werke geht, dessen Text bietet dann auch zwischen den Zeilen noch etwas zu lesen: 'Hallo, geschätzter und hoffentlich geneigter Leser - ich danke dir dafür, dass du dir Zeit für meinen Text nimmst; und auf dass ich nicht zuviel deiner gewiss kostbaren Zeit beanspruche, habe ich mir Mühe gegeben, dir den Umgang mit meinem Text so einfach wie möglich zu machen.' und das betrifft besonders dieses Brett, das sich "Deutsche
    Sprache" nennt. Das finde ich schade, weil Sprache ein
    Geschenk der Götter ist (das meine ich völlig unreligiös)...
    Und jetzt warte ich auf alle Lehrer, die mir sagen, wie viele
    Rechtschreib- oder sonstige Fehler ich hier mit diesem Beitrag
    gemacht habe... :-))
    Mir geht es darum: Was bedeutet Euch der eigene Umgang mit
    (Schrift-)Sprache?
    Eine ganze Menge - und zwar gleichermaßen in meiner Eigenschaft als Rezipient wie auch als Produzent schriftsprachlicher Texte. M.a.W.: Ich bin so gut wie nie ohne Buch und/oder Zeitschrift anzutreffen - und bei amazon (nicht nur '.de') bin ich Dauerkunde. Und Schreiben - ja, auch das gehört für mich zum Leben einfach dazu, und ich tue es oft und gern.


    Mir viel.
    Anja
    Beste Grüße sendet
    Frank 'Language was my first love' S.

    • Antwort von nach 7 Stunden 0 hilfreich
      die Rheinische Post

      Hallo Frank, in der Online-Ausgabe der 'Rheinische Post', die ohnehin eine
      sehr ergiebige Fundgrube für sprachliche Nachlässigkeiten
      leider fehlt mir für eine ausführliche Antwort auf den Ursprungsartikel im Augenblick die Zeit, daher greife ich ich nur die vorstehende Aussage auf, ergänze das um "nicht nur die Onlineausgabe" und verweise abschließend auf einen Artikel vom 19.11.:
      http://home.arcor.de/berger.chris/rp.jpg

      Gruß,
      Christian

      • Antwort von nach 9 Stunden 0 hilfreich
        Was liegt auf der Treppe und lügt? Die RP!

        Hallo, Christian, leider fehlt mir für eine ausführliche Antwort auf den
        Ursprungsartikel im Augenblick die Zeit, daher greife ich ich
        nur die vorstehende Aussage auf, ergänze das um "nicht nur die
        Onlineausgabe"
        wohl wahr, wohl wahr! und verweise abschließend auf einen Artikel vom
        19.11.:
        http://home.arcor.de/berger.chris/rp.jpg
        In der Tat ein schönes Beispiel für die schnöde Missachtung, die das Gut Sprache bei den meisten der Damen und Herren bei der RP erfährt. Ganz abgesehen von solchen 'knapp-vorbei-ist-auch-daneben'-Tippfehlern, die einer Tageszeitung, die auf sich hält, zumindest nicht in dem hier vorliegenden Ausmaß unterlaufen sollten, erfreue ich mich in unregelmäßigen Abständen (ich les' das Blatt nur dann, wenn ich kein Geld dafür bezahlen muss) immer wieder auch an den kalauernden, selbstverliebt wirkenden und oft genug schlicht rätselhaften Schlagzeilen der RP. Und an Langtexten, in denen einem immer und immer wieder unbeholfene wirkende Syntax mit falschen Bezügen ('Angefüllt mit Wein, überreiche ich Ihnen diesen Pokal' nenne ich das immer) und manch anderer Patzer begegnet, der davon zeugt, dass ein gutes Gefühl für den Umgang mit Sprache bei der RP seit mindestens 10-15 Jahren schon nicht mehr zu den Einstellungsvoraussetzungen zu gehören scheint.

        Mit besten Grüßen,
        Frank_S

        • Antwort von nach 13 Stunden 0 hilfreich
          Sparmaßnahmen

          Hallo Christian, hallo Frank,

          solche Stilblüten kommen unter anderem auch daher, weil die Herausgeber der Zeitungen immer mehr die Korrektoren einsparen.

          Mein Schwiegervater hat als ein solcher gearbeitet und immer wieder von Klamotten erzählt, die ihm aus den Redaktionen frisch auf den Tisch geliefert wurden. Von Lustig bis lausig.

          Gandalf

  2. Antwort von nach 7 Stunden 0 hilfreich
    Mittel zum Zweck.

    Hi,

    für mich ist Sprache Mittel zum Zweck.
    Mein Anspruch ist stets gut verstanden zu werden.
    Dabei versuche ich mich jeweils nach den Bedürfnissen und Ansprüchen meiner Adressaten zu richten.
    Folglich setze ich mich auch gerne über Rechtschreibregeln hinweg, was mir aber noch kein Adressat angekreidet hat.
    Das scharfe S habe ich bei mir bereits erfolgreich ausgerottet, und über den Sinn von Umlauten denke ich schon länger nach.
    Gruss,

    • Antwort von nach 14 Stunden 0 hilfreich
      Re: Mittel zum Zweck.

      Hi Das scharfe S habe ich bei mir bereits erfolgreich
      ausgerottet, und über den Sinn von Umlauten denke ich schon
      länger nach.
      Haha, "erfolgreich", der war nich schlecht... :)))
      Sag mir bitte Bescheid, wenn du auch die anderen 'sinnlosen' Buchstaben, wie das v, j, ä, q, z, x und das y (wahlweise natürlich auch Dehnungs-e und -h), ausgerottet hast, okay?
      Über die Umlaute musst du dir nicht den Kopf zermartern. Es gibt einfach zu viele gute Gründe, die für die lieben kleinen Pünktchen sprechen.

      - André

        • Antwort von nach 19 Stunden 2 hilfreich
          Re: Was mich wirklich stört. mwt

          Das hätte ich eigentlich dich fragen müssen.

          Naja, also du sagtest, dass du das ß verbannt hast - und was bringt das? Ist die deutsche Sprache dadurch einfacher geworden? Nein. Eher noch zweideutiger (siehe "Er trinkt Bier in Maßen/Massen.", es gibt noch mehr Beispiele dieser Art, mir fällt aber nur dies eine ein).
          Und was meintest du mit dem Sinn der Umlaute? Es ist doch wohl mehr als eindeutig, dass Umlaute sinnvoll in der deutschen Sprache sind. Zugegeben, ein "ä" wird oft genau wie's "e" gesprochen, aber was ist mit "ö" und "ü"? Außerdem, wie schrübest du den Konjunktiv von "sehen" oder den Plural von "Buch" ohne Umlaute?

          Deswegen auch mein Einwurf von den anderen 'sinnlosen' Buchstaben. "V" brauch'mer nich, mer ham ja "w" und "f"; "qu" geht als "kw" durch, "x" als "ks" und "z" als "ts"... im Prinzip könnten wir ja alles auf nur ein Dutzend Konsonanten reduzieren. Sprachen funktionieren jedoch nicht so.

          Und um die Ausgangsfrage wieder aufzunehmen (und sie meinen Kommentar bitte nicht als bösartig oder abschätzig an): Was stört dich denn an äöüß?
          - André

          P.S.: Kleiner Hinweis in eigener Sache: Ich bin zwar nicht wirklich stolz, ein Deutscher zu sein (ich bin's halt einfach), ABER ich bin stolz darauf, die einzige Sprache der Welt zu sprechen, die den Buchstaben ß enthält (und eine von 2 Sprachen, die Substantive großschreibt).

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            Stolz aufs 'ß'!?

            Hallo, André, P.S.: Kleiner Hinweis in eigener Sache: Ich bin zwar
            nicht wirklich stolz, ein Deutscher zu sein (ich bin's halt
            einfach), ABER ich bin stolz darauf, die einzige Sprache der
            Welt zu sprechen, die den Buchstaben ß enthält
            Oha, lass' das man besser nicht den deutschsprachigen Teil der Schweiz hören - daselbst kommen die Leut' offensichtlich ganz wunderbar ohne das 'ß' aus. (und
            eine von 2 Sprachen, die Substantive großschreibt)
            .
            Stolz darauf? Warum?

            Mit besten Grüßen,
            Frank_S



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