Hallo, Anja,
nachdem das Thema hier immer wieder als
"Untertitel""-beiträge" oder soll ich sagen "Under-threads"
(?) diskutiert wird: Wer was im Netz wie auch immer schreibt,
ist mir ziemlich egal.
Richtiger müsste es wohl heißen: Den meisten Zeitgenossen, die im Netz 'was auch immer' schreiben, ist es ziemlich egal, wie sie es schreiben - das ist zumindest der Eindruck, den ich insbesondere dann gewinne, wenn ich mich in einem beliebigen der sog. Meinungsforen umtue, alldieweil das funktionelle Analphabetentum gerade dort sehr fröhliche Urständ' zu feiern scheint (ja, das ist polemisch gemeint - aber es ist eben nicht nur polemisch gemeint).
Und das sage ich, obwohl das nicht
stimmt. Denn ich bin ein Mensch, dem die Schriftsprache,
genauer: die geschriebene Sprache (denn ersteres klingt auch
schon wieder verwässert) sehr wichtig ist, weil sie für mich
ein besonderes Ausdrucksmittel darstellt, das sich in seiner
höchsten Form Literatur nennt - also Sprache ist für mich auch
Kunst. Der Umgang mit Sprache scheint im Allgemeinen Vielen
nicht mehr von Bedeutung zu sein.
Ich weiß manchmal nicht, was mich mehr entsetzt: die blanke Unkenntnis grundlegender Konventionen, die in den Beiträgen von Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller ihren Niederschlag findet - oder die Schludrigkeit, mit der ausgerechnet jene Damen und Herren zu Werke gehen, die's ... nein - ich schreibe jetzt nicht 'die's besser wissen müssten', sondern schreibe lieber 'die dafür bezahlt werden, dass sie's doch eigentlich besser wissen sollten'. Will sagen: Herrn und Frau Deutschmichel kann ich eine gewisse Nachlässigkeit im Umgang mit Fragen der Orthographie und Zeichensetzung noch nachsehen - schlimm aber finde ich Möchtegern-Journalisten, die nicht nur zu faul dazu sind, öfter mal zum 'Duden' zu greifen, sondern dazu offensichtlich noch nicht einmal eine Notwendigkeit sehen: 'Psychatrie' (las ich kürzlich wiederholt in der Online-Ausgabe der 'Rheinische Post', die ohnehin eine sehr ergiebige Fundgrube für sprachliche Nachlässigkeiten aller Art ist), 'Triologie', 'Endgeld' - das alles ist Unfug, den ich ohnehin schon nicht gern lese; aber jemandem, der fürs Schreiben bezahlt wird, sollte sich dabei doch eigentlich die Feder krümmen.
Mir schon. Von der
Chat-Sprache mag ich ja schon gar nicht reden, das ist eine
eigene Welt. Die Anfragen hier in den Bretter strotzen nur von
Fehlern - sowohl grammatikalisch als auch orthographisch und
eben besonders: sprachlich... nunja.
So sehr ich das Internet auch schätzen mag, leistet es doch, so mein Eindruck, der Sprachschluderei ganz immens Vorschub: Das Schleifen der Flexionsendungen von Wörtern im Akkusativ ist sicherlich nur eines der Phänomene, die in diesen Tagen stark auf dem Vormarsch ('Ich habe ein Hund', 'Ich bastele ein Strohstern') sind. Generell gewinne ich den Eindruck, dass die Schriftsprache in weiten Teilen der Bevölkerung bereits zu einer Art besseren 'Lautschrift' verkommen ist (oder war das schon immer so - und ich nehme das dank des 'Massenopublikationsmittels' Internet nur deutlicher wahr ... ?) Früher durfte man in solchen Fällen noch anmerken, ein Beitrag sei einem gar zu umgangssprichlich abgefasst - heute jedoch wird der Sinn einer solchen Anmerkung oft nicht einmal mehr verstanden; m.a.W.: Sätze der Art 'Ja hallo ich dachte mir ich schreibe heute mal euch einen Bericht über was ich neulich in Kino gesehen hab ein Film den fand ich toll und zwar der neue Disny' werden zuweilen mit der größten Selbstverständlichkeit als gute Praxis, zumindest aber als vollkommen akzeptabler 'Standard' erachtet (von Schreibenden - und oft genug auch vom Lesenden).
Nur: Was offensichtlich mehr und mehr in Vergessenheit gerät,
ist, dass egal ob Groß- oder Kleinschreibung, das Setzen von
Kommata und anderen Satzzeichen, das (Be-)Nutzen von
Fremdwörtern etc. in einem Text, einer Anfrage, einem "Thread"
schon eine Aussage für sich ist (von den Höflichkeitsregeln
wie Anrede und Schlussformel mal abgesehen....), d.h. dass
Sprache nicht mehr im Sinne von "Formulieren" benutzt wird -
Das setzte ein gewisses Maß an Kunstfertigkeit voraus (noch so ein 'Favorit' von mir: 'im Vorraus' - da gilt auch keine 'Rechtschreibreform' als Ausrede) und vor allem auch an Sorgfalt. Das wiederum setzte natürlich voraus, dass wer sich Zeit nähme - und sich Zeit für das Abfassen einer vermittels des 'schnellen' Mediums Internet zu transportierenden Botschaft zu nehmen (sei es per Mail, Posting oder Chat-Zeile) scheint für viele Zeitgenossen eine contradictio in adiecto zu sein.
Nicht zuletzt zeugt ein offensichtlich gut durchdachter und vernünftig strukturierter Text, bei dessen Abfassung zudem die grundsätzlichen Regeln von Rechtschreibung und Zeichensetzung beherzigt wurden, in meinen Augen auch immer davon, dass der Autor seinem Leser mit dem gebührenden Respekt begegnet - wer mit der gebührenden Sorgfalt zu Werke geht, dessen Text bietet dann auch zwischen den Zeilen noch etwas zu lesen: 'Hallo, geschätzter und hoffentlich geneigter Leser - ich danke dir dafür, dass du dir Zeit für meinen Text nimmst; und auf dass ich nicht zuviel deiner gewiss kostbaren Zeit beanspruche, habe ich mir Mühe gegeben, dir den Umgang mit meinem Text so einfach wie möglich zu machen.'
und das betrifft besonders dieses Brett, das sich "Deutsche
Sprache" nennt. Das finde ich schade, weil Sprache ein
Geschenk der Götter ist (das meine ich völlig unreligiös)...
Und jetzt warte ich auf alle Lehrer, die mir sagen, wie viele
Rechtschreib- oder sonstige Fehler ich hier mit diesem Beitrag
gemacht habe... :-))
Mir geht es darum: Was bedeutet Euch der eigene Umgang mit
(Schrift-)Sprache?
Eine ganze Menge - und zwar gleichermaßen in meiner Eigenschaft als Rezipient wie auch als Produzent schriftsprachlicher Texte. M.a.W.: Ich bin so gut wie nie ohne Buch und/oder Zeitschrift anzutreffen - und bei amazon (nicht nur '.de') bin ich Dauerkunde. Und Schreiben - ja, auch das gehört für mich zum Leben einfach dazu, und ich tue es oft und gern.
Mir viel.
Anja
Beste Grüße sendet
Frank 'Language was my first love' S.