Mittelhochdeutscher Genitiv

Von: , Frage gestellt am Fr, 19. Dez 2003

Hallo

Ich habe letztens in einem Originaltext dies gelesen (sinngemäss): "Er was guotes muotes", auf Neuhochdeutsch wäre das Adjektiv im Genitiv maskulin ja mit der Endung -en gebildet (guten Mutes).

1. Ist diese "angeglichenere" Form im Mittelhochdeutschen die Regel, oder haben wir hier ein Kuriosum vor uns? Wenn nein, wie/warum vollzog sich bei der 2. Lautverschiebung die Wandlung zu einer (eigentlich ja komplizierteren, unangeglicheneren) anderen Form?

2. Wie sieht es aus mit dem Genitiv feminin ? Heisst es dort "Das hûs der guoten frouwe"?

Besten Dank im Voraus und Gruss

Wiesel

1 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 18 Stunden 1 hilfreich
    starke und schwache Adjektivdeklination

    Hallo Wiesel, Ich habe letztens in einem Originaltext dies gelesen
    (sinngemäss): "Er was guotes muotes", auf
    Neuhochdeutsch wäre das Adjektiv im Genitiv maskulin ja mit
    der Endung -en gebildet (guten Mutes).
    Ich hätte intuitiv auch gouten muotes erwartet, aber ein Blick in die mhd. Grammatik (H. Paul) hat mich eines Besseren belehrt:
    Die Endung des Genitiv mask. in der starken Adjektivdeklination (ohne best. Artikel) lautet in der Tat -es.

    So auch z.B. bei Reinmar d.Ä.:
    "Wâ von solt ich schoene sîn und hôhes muotes als ein ander wîp?"
    http://home.t-online.de/home/Ruediger.Krueger/Reinma... 2. Wie sieht es aus mit dem Genitiv feminin ? Heisst es dort
    "Das hûs der guoten frouwe"?
    Das Beispiel ist schlecht gewählt, weil mit dem bestimmten Artikel die schwache Deklination zutrifft.
    In der starken Deklination heißt es "guoter frouwe".

    Grüße
    Wolfgang

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