Hallo Christoph,
das Zusammenfassen morphologisch gleichlautender Satzteile ist eine Stilfigur und unter dem Namen (syntaktisches) Zeugma bekannt.
Ein bekanntes Beispiel ist der Titel von Friedrich Schillers Antrittsvorlesung:
"Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?"
Auch diese Konstruktion "geht eigentlich nicht", denn im ersten Teilsatz steht Universalgesch. im Nominativ, im zweiten ist es das Akkusativobjekt.
Da das Wort Universalgeschichte im Nom. und im Akk. aber gleich lautet (die gleiche Endung hat), ist diese Zusammenfassung hier möglich, bewirkt aber, dass der Leser darüber stolpern wird. Man sollte solche Fügungen verwenden, um Komik oder Interesse zu erzeugen, gleichzeitig aber unfreiwillige Komik vermeiden.
http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/...
http://de.wikipedia.org/wiki/Zeugma
Mein
Kollege hat mir beim Korrekturlesen diesen Satz angestrichen,
mit der Begründung, "wird aufgelöst" und "wird ergeben" seien
zwei unterschiedliche Tempora und dürften nicht derart
zusammengefasst werden.
Mit der Begründung hat er Recht. Ob sie deswegen nicht zusammengefasst werden dürfen, steht auf einem anderen Blatt.
Ich finde allerdings, dass der Satz
"Die Gleichung wird ... aufgelöst und wird damit ... ergeben."
intuitiv falsch klingt.
Wenn du sicher gehen willst, versuche es zu umschreiben, oder formuliere z.B.
"Die Gleichung wird ... aufgelöst; sie wird damit ... ergeben."
Gibt es da eine verbindliche Regel? Dürfen syntaktisch
verschiedene, aber semantisch identische Wörter in einer
Junktion zusammengefasst werden?
Nun, semantisch die die Wörter hier nicht identisch (wird "bedeutet" einmal einen Vorgang in der Vergangenheit, das andere Mal in der Zukunft), sondern morphologisch (sie haben die gleiche Wortform).
Es ist schon ein bewusster Regelverstoß, der da begangen wird, aber es gibt schon Präzendenzfälle dafür in der Sprache.
Grüße
Wolfgang