Schuss in den Ofen

Von: , Frage gestellt am Di, 30. Nov 2004

Hi.

Woher kommt diese Redewendung?

☼ Markuss ☼

14 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: Schuss in den Ofen

    Hi.

    Woher kommt diese Redewendung?

    ☼ Markuss ☼
    Moin, moin Markuss,

    dazu fällt mir folgende Geschichte ein:

    Einem Pfarrer wurde immer das Brennholz geklaut (offenbar war seine Gemeinde der Meinung, Geben sei seliger denn Nehmen, selbst wenn der Geber nichts davon waußte), und um endlich festzustellen, wer der Übeltäter war, hate er einige Holzstücke augehöhlt und mit Schwarzpulver gefüllt.
    Der, dem der Ofen um die Ohren flog, war der Dieb.

    Irgendwie nicht ganz christlich, abr verständlich, erheiternd und effizient.

    Gruß - Rolf

    • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
      Re^2: Schuss in den Ofen

      Also lieber Rolf,
      das hört sich lustig an, würde dann aber "Schuss aus dem Ofen heißen";-).
      Dat kann so nicht stimmen.
      MfG.Rüdiger Bergner.

      • Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Schuss in den Ofen

        Also lieber Rolf,
        das hört sich lustig an, würde dann aber "Schuss aus dem Ofen
        heißen";-).
        Dat kann so nicht stimmen.
        MfG.Rüdiger Bergner.
        Das hab ich ja auch nie behauptet, lieber Rüdiger ich habe nur geschrieben, daß mir dazu eine Geschichte einfällt.

        Macht aber nix - denn morgen werde ich Zwiebelkuchen im vorgeheizten Backofen backen! Gruß - Rolf

    • Antwort von nach einer Stunde 2 hilfreich
      Re^2: Schuss in den Ofen

      Nette Geschichte, Rolf,

      aber zur Erklärung vermutlich ... ;-)

      Also hier mein Versuch.

      Der Schuss in den (kalten) Ofen

      Diese Redewendung gehört meines Erachtens zu den gelungenen Kompilationen unter den Redewendungen, wie etwa die ironische Bildung: Das schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht.
      Ohne es wirklich beweisen zu können, vermute ich, dass bei dieser Kombination folgende Redewendungen verbunden wurden.

      Einen Schuß in den Himmel tun: etwas Unnützes und Unsinniges tun besteht bei dieser Redensart ein Zusammenhang mit dem noch heute in einigen Gegenden üblichen Wetterschießen, das das Unwetter vertreiben soll. Fremde, die diesen Brauch nicht kennen, verurteilen ihn und machen ihn als wertlos verächtlich. Ähnlich: Es ist ein Schuß in die Luft: es ist ein ziel- und planloses Vorgehen, es bleibt wirkungslos. Vergleiche französisch 'C'est un coup tiré en l'air'.

      Der Schuß geht daneben: etwas schlägt fehl. Ein Schlager der Gegenwart nutzt die Wendung im Refrain mehrfach als bloße Feststellung und schließlich als Spott:
      Im Leben, im Leben
      geht mancher Schuß daneben.
      [Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten: Schuß, S. 4. Digitale Bibliothek Band 42: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, S. 5724 (vgl. Röhrich-LdspR Bd. 4, S. 1419) (c) Verlag Herder]


      Und dazu kommen noch diese.

      In einen kalten Ofen blasen: unnützes Zeug treiben, etwas an der falschen Stelle versuchen, sich erfolglos bemühen, auch: Kinder mit einer frigiden, unfruchtbaren Frau zeugen wollen.

      Das ist ein kalter Backofen: das ist eine unnütze Sache.


      Und vielleicht auch noch diese.

      Gegen den Backofen gähnen (jappen): gegen einen Überlegenen, gegen etwas Unmögliches ankämpfen; aussichtslosen Widerstand leisten. Die nur niederdeutsch verbreitete Redensart vergleicht die Öffnung des Backofens mit einem Mund: So weit ein Mensch auch seinen Mund aufsperrt, das Loch des Backofens ist auf jeden Fall größer. Der drastische Vergleich ist auch wiederholt in der Malerei bildlich dargestellt worden und auch literarisch schon früh bezeugt. Bei Freidank (um 1230) steht der Spruch (126, 19):
      Es dunket mich ein tumber sîn,
      swer went den oven übergîn
      [Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten: Backofen, S. 1. Digitale Bibliothek Band 42: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, S. 473 (vgl. Röhrich-LdspR Bd. 1, S. 129) (c) Verlag Herder]


      Leuchtet das eventuell ein?

      Gruß Fritz

      Dir, bester Markuss, täte der Röhrich im Schrank sicher auch gut! ;-)
      Denn die Axt im Wald erspart den Weihnachtsbaum! ;-)
      Will sagen:
      Denn der Röhrich im Haus erspart ...

      • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Schuss in den Ofen

        Hi Fritz, Diese Redewendung gehört meines Erachtens zu den gelungenen
        Kompilationen unter den Redewendungen, wie etwa die ironische
        Bildung: Das schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht.
        Oh, ich liebe diese Kompilationen! Eine, von der nur noch wenige Leute wissen, dass es sich um eine solche handelt, und die auch im Duden ihren Platz gefunden hat, ist "nichtsdestotrotz", eine Mischung aus "nichtsdestoweniger" und "trotzdem".

        Als Versprecher kommen so Dinger ja immer wieder in die Umlaufbahn. Neulich sagte der Sohn eines Freundes: "Das geht ja hier zu wie in einem Bienenschlag!" *g*

        Liebe Grüße
        Burkhard

      • Antwort von nach 21 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Schuss in den Ofen

        Hi Fritzi. Dir, bester Markuss, täte der Röhrich im Schrank sicher auch
        gut! ;-)
        Denn die Axt im Wald erspart den Weihnachtsbaum! ;-)
        Will sagen:
        Denn der Röhrich im Haus erspart ...
        Das Kuriose ist, dass ich den Röhrich besitze, ihn aber zur Zeit ausgeliehen habe. Vielleicht sollte ich mir zu Weihnachten wünschen, dass er wieder bei mir im Regal steht... ;-)

        Danke für die Erklärungen!

        ☼ Markuss ☼

  2. Antwort von nach 2 Stunden 1 hilfreich
    Schieß mal Brot in den kalten Ofen ein..

    das ist ein Schuß in den (kalten) Ofen.

    LG, Karin

    • Antwort von nach 12 Stunden 0 hilfreich
      Re: Schieß mal Brot in den kalten Ofen ein..

      das ist ein Schuß in den (kalten) Ofen.
      Gut, Karin, dass du auch noch auf die verschiedenen Gebrauchsmöglichkeiten von "schießen, einschießen" hinweist.

      Nicht nur die Bäcker, auch die Drucker und die Weber haben das getan und selbst bei Wöchnerinnen gibt es das - habe ich mir sagen lassen. ;-)

      Gruß Fritz

  3. Antwort von nach 8 Stunden 0 hilfreich
    Re: Schuss in den Ofen

    Hi.

    Woher kommt diese Redewendung?

    ☼ Markuss ☼
    Stell dir die Sache einfach mal bildlich vor:

    Ein alter Backofen, holzgeheizt. Dazu eine alte Büchse, mit Bleirundkugel.
    Wenn du mit einer solchen Büchse in den Ofen schiesst, wird viel Asche hochfliegen, es werden Funken fliegen und es wird rauchen.

    Kurz danach sind die Funken verglüht, die Asche hat sich gesetzt, der Rauch hat sich verzogen.
    Das Feuer im Ofen brennt ruhig weiter, der Ofen ist nicht beschädigt, da das Mauerwerk stärker ist als die Bleikugel.
    Also, alles in allem, viel Lärm, Aufregung, Brimborium um nichts.

    Anschaulich genug um die Herkunft zu erklären?

    Gruß
    Volker



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