Aussprache der Endungen -ig(e), -ich(e)

Von: , Frage gestellt am Di, 15. Mär 2005

Hallo,

ich stelle diese Frage hier, weil mir das Thema nicht oder nur bedingt mit Dialekten zu tun haben scheint:

"Man hört" ja für o.g. Endungen regelmäßig verschiedene Aussprachen, und mitunter sogar, daß die eine wie die andere und umgekehrt ausgesprochen wird.

Beispiele:

"schreckliche" als [ʃʀɛklɪçə] aber auch als [ʃʀɛklɪɡə]
"gütige" als [ɡyːti ̯ɡə] aber auch als [ɡyːti ̯çə] oder [ɡyːti ̯ʒə] oder [ɡyːti ̯ʃə]

Ich möchte jetzt von Euch wissen, ob das doch regional bestimmt ist, ob das eine Lautverschiebung ist - falls ja, gerne mit kurzem historischen Kontext - oder ob das einfach Leute sind, die ein bißchen komisch reden, womöglich jeweils sogar unsicher sind, welche Endung das Wort tatsächlich hat.

Außerdem erinnere ich mich dunkel, daß für "-ig" offiziellerseits sogar [-ɪç] bestimmt ist, womit [-ɪɡ] demenstprechend "falsch" (sofern es das bei Sprache gibt) wäre, ist das korrekt? Und wenn ja, warum?

Gruß,

Malte.

18 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 51 Minuten 1 hilfreich
    Re: Aussprache der Endungen -ig(e), -ich(e)

    Hallo, Malte, "Man hört" ja für o.g. Endungen regelmäßig verschiedene
    Aussprachen, und mitunter sogar, daß die eine wie die andere
    und umgekehrt ausgesprochen wird.
    da könnte FAQ:808 weiterhelfen.

    Gruß
    Kreszenz

    • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
      Re^2: Aussprache der Endungen -ig(e), -ich(e)

      Hallo, "Man hört" ja für o.g. Endungen regelmäßig verschiedene
      Aussprachen, und mitunter sogar, daß die eine wie die andere
      und umgekehrt ausgesprochen wird.
      da könnte FAQ:808 weiterhelfen.
      Tut sie leider nicht, da genau der Fall, den ich angeführt habe, nicht erwähnt wird. Von "der hässligen da vorne" zu sprechen, klingt in meinen Ohren seltsam, kommt aber so oft vor, daß es nicht nur ein vereinzelter Sprachfehler oder individueller "Stil" sein kann. Erstaunlicherweise klingt es für mich zwar seltsam, aber nicht unangenehm, was ich sonst bei "solchen Sachen" manchmal bemerke.

      Gruß,

      Malte.

    • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
      Re^2: Aussprache der Endung -ich(e)

      Hallo, http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv...
      Danke für die Links, besonders den letzten, zumindest in Bezug auf das -ig hilft mir das weiter, aber die für mich interessantere Frage nach dem -ich, welches zu "-ig" wird, wird leider nicht geklärt - wenn Du mir sagst, wo da mit Google was zu finden ist, geb ich Dir Sterne mir allen Accounts die ich hier habe ;-)

      In Kurzform: Deine Spitze trifft ins Leere...

      Gruß,

      Malte.

      • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Aussprache der Endung -ich(e)

        Hallo Malte, Danke für die Links, besonders den letzten, zumindest in Bezug
        auf das -ig hilft mir das weiter, aber die für mich
        interessantere Frage nach dem -ich, welches zu "-ig" wird,
        wird leider nicht geklärt - wenn Du mir sagst, wo da mit
        Google was zu finden ist, geb ich Dir Sterne mir allen
        Accounts die ich hier habe ;-)
        Warum Google, wenns doch w-w-w gibt?
        Ich kopiere dir mal den entsprechenden Passus von Fritz aus meinem ersten Link hier rein:

        Theodor Siebs, der in seinem Buch: Deutsche Bühnenaussprache Hochsprache (1. Auflage 1898), für die Aussprache das leistete, was Konrad Duden für die Rechtschreibung tat, legte fest:

        §21 ch (auf dem c müsste ein ´ stehen) und ch

        ....

        2) in der Endung -ig im Silbenschluss sowie vor Konsonanten, z. b. ewig, Königs, befriedigt, freudigste (ewich, Könichs usw.), ausgenommen vor der Endung -lich (z. B. königlich) und in dem Worte Königsreich, denn hier wird Verschlusslaut gesprochen: köniklich, könikraech"
        (S. 71f, 15. Auflage 1930)

        Siebs´ Regeln wirken bis heute nach, auch der Ausspracheduden (Bd. 6) gibt Siebs als Grundlage an.

        Nun waren Siebs und Duden "Nordlichter" und nahmen als selbstverständlich an, dass sie das richtigere Deutsch sprächen, während Bayern und Schwaben eigentlich doch nur plapperten und lallten - in dieser Zeit sprach der "Dämlack" in den zeitgenössischen Komödien schwäbisch!

        Durch diese Festlegung (-ig = ich) hat man gut die Hälfte der Deutschen zu "fehlerhaft" Sprechenden gestempelt.



        Also eine Festlegung. Anders ausgedrückt: reine Willkür. In Kurzform: Deine Spitze trifft ins Leere...
        Aber klar doch. Etwas anderes hätte ich niemals nicht erwartet.

        Ach ja, über Google findet man auch was:
        http://de.wikipedia.org/wiki/Bühnendeutsch

        So, und nun bin ich mal gespannt wie viele Accounts du hast ;-)

        Gruß
        Roland

        • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
          Re^4: Aussprache der Endung -ich(e)

          Hallo Malte, Danke für die Links, besonders den letzten, zumindest in Bezug
          auf das -ig hilft mir das weiter, aber die für mich
          interessantere Frage nach dem -ich, welches zu "-ig" wird,
          wird leider nicht geklärt - wenn Du mir sagst, wo da mit
          Google was zu finden ist, geb ich Dir Sterne mir allen
          Accounts die ich hier habe ;-)
          Warum Google, wenns doch w-w-w gibt?
          Ich kopiere dir mal den entsprechenden Passus von Fritz aus
          meinem ersten Link hier rein:
          Also eine Festlegung. Anders ausgedrückt: reine Willkür.
          Okay, okay, aber auch da geht's wieder nur um das "-ig" - ich red aber von dem "-ich", welches als "-ɪg" ausgesprochen wird - nicht umgekehrt!

          Wenn das "-ig" zu [-ɪç] wird, dann kann ich das nachvollziehen - da wird einfach schnell und unsauber gesprochen, von meinem Sprachgefühl her also reine Nachlässigkeit in der Lautbildung.

          Damit kann ich mir aber das "-ich" = [-ɪg] nicht erklären.
          Woran liegt's? Ist mein Sprachgefühl zu beschränkt?
          Hör ich nicht richtig hin? Ist das nur eine Marotte einiger weniger? So, und nun bin ich mal gespannt wie viele Accounts du hast
          ;-)
          Du wärst enttäuscht ;-)

          Gruß,

          Malte.

          • Antwort von nach 4 Stunden 1 hilfreich
            Re^5: Erklärungsversuch

            Hi Malte, Damit kann ich mir aber das "-ich" = [-ɪg] nicht erklären.
            als Schlamperei, d. h. unbewusste Abschleifung eines Lautes, ist das Phänomen, z. B. „friedlich“ als [fʀiːdlɪɡ] auszusprechen, meines Erachtens nicht zu erklären. Ich gehe eher von einem missglückten Aussprache-Verbesserungsversuch aus: Die Laute ʃ und ç und ɡ sind im Dialekt bekanntermaßen starker Vermischung unterworfen; aus „Kirche“ wird [kɛʀʃ], aus „Plage“ wird [blaːç], du kennst das ja. Und du kennst mit Sicherheit auch die provinziellen Zahnarztgattinnen, die sich von ihrer Bekanntschaft durch vermeintlich korrektes Deutsch, natürlich trotzdem unüberhörbar dialektal gefärbt, abheben wollen. Man geht also zunächst dazu über, alles so auszusprechen wie es geschrieben wird, ob richtig oder falsch. Da man natürlich nicht bei allen Wörtern weiß, wie es richtig lauten muss, fängt man an, alle Wörter, welche die Mitmenschen scheinbar fälschlich auf [-ɪç] aussprechen mit [-ɪɡ] zu beenden. Eine Unterscheidung, ob das [-ɪɡ] wenigstens der Schreibweise entspräche oder völlig aus der Luft gegriffen ist, findet da eher nicht statt. Ist ja auch egal. Klingt schick.

            Für mich ist das ein ähnliches Phänomen wie die Unsitte, auf einmal alle möglichen und unmöglichen Begriffe getrennt zu schreiben. Irgendwo hat man mal gelesen, dass das nach der neuen Rechtschreibung „so gehört“, weshalb man dies hinfort ohne Rücksicht auf Verluste praktiziert.

            Gruß
            Christopher

            PS: Warum schreibst du „gütige“ als [ɡyːti ̯çə] und nicht als [ɡyːtɪçə]?

            • Antwort von nach 8 Stunden 0 hilfreich
              Re^6: Erklärungsversuch

              Hi,

              endlich jemand, der mich versteht ;-) Ich gehe eher von einem missglückten
              Aussprache-Verbesserungsversuch aus
              Man geht also zunächst dazu über, alles so
              auszusprechen wie es geschrieben wird, ob richtig oder falsch.
              Ist ja auch egal. Klingt schick.
              Klingt plausibel. Damit wäre es also Deiner Meinung nach eher eine "illegitime Verhunzung" denn eine "legitime schleichende Änderung der Aussprache", sofern man diese Kategorien benutzen mag? PS: Warum schreibst du „gütige“ als [ɡyːti̯çə] und nicht als [ɡyːtɪçə]?
              Ich hab keine sonderliche Erfahrung mit dem IPA, aber nach der Lektüre von http://de.wikipedia.org/wiki/Internationales_Phoneti... schien mir das am ehesten zutreffend. Falsch?

              Gruß,

              Malte.

            • Antwort von nach 19 Stunden 0 hilfreich
              Re^7: Erklärungsversuch

              Hi Malte, Klingt plausibel. Damit wäre es also Deiner Meinung nach eher
              eine "illegitime Verhunzung" denn eine "legitime schleichende
              Änderung der Aussprache", sofern man diese Kategorien benutzen mag?
              meine ursprüngliche Differenzierung unterschied weniger zwischen legitim und illegitim als zwischen bewusst/plötzlich und unbewusst/allmählich. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand versehentlich für „hässlich“ [hɛslɪɡ] sagt. Da „hässlig“ aber mehr als 3000 Treffer bei Google zutage fördert, scheint auch die Schlamperei-Komponente eine nicht unerhebliche Rolle zu spielen. Den Gedankengang, dass die Aussprache [hɛslɪç] nicht aus der Schreibweise hervorgeht und man konsequenterweise alle [-ɪç]-Endungen zu [-ɪɡ] werden lässt, unterstelle ich in diesen Fällen als nicht vorhanden. Ich hab keine sonderliche Erfahrung mit dem IPA
              Kein Thema. i ̯ ist meines Wissens der i-Laut in „Union“ oder „Allianz“, ɪ das „normale“ i.

              BTW: Diese IPA-Symbole kann auch ich mit dem IE6 nicht darstellen. Firefox macht dagegen keine Mucken.

              Gruß
              Christopher



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