Änderungen von Wortbedeutungen im Laufe der Zeit

Von: , Frage gestellt am Di, 15. Mär 2005

Guten Abend,

ich kann mich noch dunkel an den Deutsch-Unterricht erinnern, wo wir in einer Stunde gelernt haben, dass sich im Laufe der Jahrhunderte im Deutschen (vermutlich auch in anderen Sprachen?) die Bedeutung von einzelnen Wörtern mitunter sehr radikal verändert hat. Als Beispiel hängen geblieben ist mir der "Minister", der im Mittelalter ein einfacher Stallbursche gewesen sein soll und heutzutage ja ein hoher politischer Titel ist.

Nun wüsste ich gerne weitere Wörter, bei denen sich solche Änderungen zugetragen haben. Vielleicht gibt es ja bereits eine Webseite mit einer Sammlung solcher Begriffe (am besten mit Suchmaske, wo ich ein Wort zur Überprüfung eingeben kann), auch würd ich mich über euren Input freuen, wenn ich auch solche Wörter und ihre einstige Bedeutung kennt?

Freundliche Grüße


Jerry

10 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 52 Minuten 0 hilfreich
    Re: Änderungen von Wortbedeutungen im Laufe der Ze

    Als Beispiel hängen geblieben ist mir
    der "Minister", der im Mittelalter ein einfacher Stallbursche
    gewesen sein soll und heutzutage ja ein hoher politischer
    Titel ist.
    Besonders schün, weil der "Minister" ja ursprünglich der Kleinere ist, im Gegensatz zum "Magister", dem Größeren.

    Spontan fällt mir der Begriff "Milennium" ein, der früher für ein "tausendjähriges Reich" stand, bzw. für eine Endzeitutopie, aber der seit 1999 nur noch für die Jahrtausendwende benutzt wurde.

    Ach, es gibt Legionen von Begriffen, die sich im Lauf der Zeit geändert haben.

    Bernhard

  2. Antwort von nach 59 Minuten 0 hilfreich
    Re: Änderungen von Wortbedeutungen im Laufe der Ze

    Hi, ich kann mich noch dunkel an den Deutsch-Unterricht erinnern,
    wo wir in einer Stunde gelernt haben, dass sich im Laufe der
    Jahrhunderte im Deutschen (vermutlich auch in anderen
    Sprachen?) die Bedeutung von einzelnen Wörtern mitunter sehr
    radikal verändert hat. Als Beispiel hängen geblieben ist mir
    der "Minister", der im Mittelalter ein einfacher Stallbursche
    gewesen sein soll und heutzutage ja ein hoher politischer
    Titel ist.
    Bist Du sicher, daß Du das nicht mit dem Marschall verwechselst?
    Minister kommt aus dem lateinischen und heisst schlicht "Diener".

    http://de.wikipedia.org/wiki/Minister
    http://de.wikipedia.org/wiki/Marschall Nun wüsste ich gerne weitere Wörter, bei denen sich solche
    Änderungen zugetragen haben. Vielleicht gibt es ja bereits
    eine Webseite mit einer Sammlung solcher Begriffe (am besten
    mit Suchmaske, wo ich ein Wort zur Überprüfung eingeben kann),
    auch würd ich mich über euren Input freuen, wenn ich auch
    solche Wörter und ihre einstige Bedeutung kennt?
    http://de.wikipedia.org/wiki/ ist gar nicht verkehrt für solch ein Anliegen. Bei vielen Artikeln ist der Wandel der Bedeutung gut erklärt.

    Ein paar Beispiele:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Truchsess
    http://de.wikipedia.org/wiki/Sommelier / http://de.wikipedia.org/wiki/Mundschenk

    Generell findest Du da interessante Infos meistens bei militärischen Dienstgraden, Berufsbezeichnungen oder anderen Titeln.

    Gruß,

    Malte.

  3. Antwort von nach einer Stunde 1 hilfreich
    Re: Änderungen von Wortbedeutungen im Laufe der Ze

    Hallo, PanteherX! Als Beispiel hängen geblieben ist mir der "Minister", der im Mittelalter ein einfacher Stallbursche gewesen sein soll und heutzutage ja ein hoher politischer Titel ist.
    Da hast du wohl was nur halbrichtig in Erinnerung. Der lateinische "minister" war nie ein Stallknecht, sondern ein subalterner Beamter, die "Ministerialen" waren Hofbeamte, sogenannter Amtsadel, hatten aber nichts im Stall zu tun.

    Du meinst vielleicht den "marescalc", den Pferdeknecht, bei dem man heute an den Mist umtreibenden Knecht denkt.
    Der mittelalterlichen "Mareschalk (Marschall)" war aber auch ein Hofbeamter, der für der Fuhrpark zuständig war.

    Selbst der "kneht" war ein zu Pferd kämpfender Soldat, sonst auch "Ritter" genannt. Den Knecht findest du noch im englischen "knight", der im Altenglischen wohl wie das deutsche "Knecht" ausgesprochen wurde.

    Auch die "Magd" hatte als "maget" (= junge Frau) eine bessere Stellung als die auf dem traditionellen Bauernhof.
    Als "Maid" ist sie eine adlige unverheiratete junge Frau in romantischen Ritterromanen, als "Mädchen" eine kleine, junge Frau, gefirmelt kaum und noch ein Stück weit von der Mannbarkeit fern.

    Das "wîp" ist als "Weib" heute kaum noch nennbar, war aber damals der "Ehrenname" für weibliche Wesen, wie Walther von der Vogelweide feststellt, die "frowe" ist als "Frau" zur Anrede für jedes auf der Straße antreffbares weibliche Wesen geworden. Damals war es die "Herrin" (aus fron* = Herr und der Femininendung -we); das "Fräulein" "frowelin" - Gretchen lehnt diese Anrede als braves Bürgermädchen ab - war aristokratisch, dann war sie eine Unverheiratete und heute kaum noch in Cafés anzutreffen.

    * In Fronvogt, Frondienst und Fronleichnam noch greifbar.

    Das wären die, die mir so aus dem Kopf einfallen. Man könnte sicher noch mehr finden.

    Gruß Fritz

    • Antwort von nach 20 Stunden 0 hilfreich
      it.: maniscalco

      Du meinst vielleicht den "marescalc", den Pferdeknecht, bei dem man heute an den Mist umtreibenden Knecht denkt.
      Der mittelalterlichen "Mareschalk (Marschall)" war aber auch
      ein Hofbeamter, der für der Fuhrpark zuständig war.
      Hab ichs btw schon erwähnt? Auch heute im Italienischen gibt es noch den "maniscalco", den Hufschmied.

      Viele Grüße, Joachim.

  4. Antwort von nach 2 Stunden 2 hilfreich
    Re: Änderungen von Wortbedeutungen im Laufe der Ze

    Hallo, Jerry, Nun wüsste ich gerne weitere Wörter, bei denen sich solche
    Änderungen zugetragen haben. Vielleicht gibt es ja bereits
    eine Webseite mit einer Sammlung solcher Begriffe (am besten
    mit Suchmaske, wo ich ein Wort zur Überprüfung eingeben kann),
    http://www.linse.uni-essen.de/kuntermund_loewenmaul/...

    zwar ohne Suchmaske, aber doch mit einigen interessanten Beispielen (hier - unten - aufgelistet: http://www.linse.uni-essen.de/kuntermund_loewenmaul/...)
    und Erläuterungen.


    Gruß
    Kreszenz

  5. Antwort von nach 16 Stunden 0 hilfreich
    fast alle Wörter ändern ihre Bedeutung ...

    ...kann man etwas übertrieben formulieren. Sprache ist etwas Lebendiges und wandelt sich ständig. In jedem ethymologischen Wörterbuch findest du unzählige Beispiele (eine Nichte war früher eine Enkelin, eine Locke war mal ein "Laubbüschel", Humor war allgemein "Laune, Stimmung" ....)
    Gruß!
    Christian

  6. Antwort von nach 18 Stunden 0 hilfreich
    Re: Änderungen von Wortbedeutungen im Laufe der Ze

    Hallo Jerry,

    mit so was beschäftigt sich ein ganzes Teilgebiet der Sprachwissenschaften, die sog. Ethymologie.
    Es gibt eine ganze Reihe ethymologischer Wörterbücher, die bekanntesten dürften sein

    Kluge Ethymologisches Wörterbuch

    Pfeiffer Ethymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache

    und bedingt

    Das Grimmsche Wörterbuch der Deutschen Sprache.

    Gandalf

    • Antwort von nach 21 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Anmerkung zur Erleichterung der Suche

      Hallo, mit so was beschäftigt sich ein ganzes Teilgebiet der
      Sprachwissenschaften, die sog. Ethymologie.
      ... die sich stets ohne ‚h’ schreibt: Etymologie, gebildet aus griech. ήτυμος (étymos = wahrhaft, wirklich) und λόγος (lógos = Wort, Rede).

      Noch ein Wort, dessen „alte“ Bedeutung heute ungebräuchlich ist:

      • Witz (früher: Klugheit, Findigkeit; heute: Talent, sich geistreich zu äußern)

      Gruß
      Christopher

  7. Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
    Re: Änderungen von Wortbedeutungen im Laufe der Ze


    Nun wüsste ich gerne weitere Wörter, bei denen sich solche
    Änderungen zugetragen haben.
    Hallole,
    mich fasziniert das Wort "Pissen". Heute ist es ein Wort, das man lieber nicht gebraucht. Bei Luther war das offensichtlich noch anders:
    " .... und ich werde von Jerobeam bestimmt wegtilgen, wer gegen die Wände pisst ..." 1 Könige 14,10.

    Heute steht dort "... wer gegen die Wand uriniert ..." Ich finde, unsere Sprache hat hier verloren. Ich kenne nämlich kein anderes deutsche Wort, das den Kern der Sache trifft. "Wasser lassen" trifft es M.E. nicht und "pieseln" oä. ist doch wohl Kindersprache.

    Schöne Grüße
    Ul



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