der Freier

Von: , Frage gestellt am Mo, 22. Aug 2005

Hallo,

was ist ein Freier, der Freier ?

Lt. Etym.Wö.Bu. Pfeifer (1989, 1993), abgeleitet von "freien=heiraten
wollen" ein "Eheanwärter". Sonst nichts.

Der andere, heute öfter zu lesende (weniger zu hörende) Sinn: "Kunde
einer Dirne oder eines Strichjungen" steht als 2.Verwendung mit dem
Vermerk "verhüll." im Universal-Wö.Bu. Drosdowski (1983).

Verhüllend ist aber keine wirklich treffende Klassifikation.
Eher scheint mir das Wort "Freier" eine aus Sprachnot entstandene,
mit pseudoironischem Beiklang versehene Lösung dafür zu sein,
dass es eigentlich - noch immer, trotz aller Patriarchatskritik -
kein adäquates Wort für jene "Kunden" gibt (die ja auch sonst, obwohl
weit zahlreicher als die "Dirnen", meist anonym/namenlos bleiben).

Weiss jemand hier, seit wann Freier in diesem Sinn in Gebrauch ist ?
Kennt jemand dazu eine - feministische ? - Abhandlung ?

Gruss
Nescio

13 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
    Re: der Freier

    ein zusatz: das wort freier gibt es im israelischen slang. frajerim sind leute, die blöd sind und sich verarschen lassen. der konnex zu huren existiert zwar nicht, ist aber der ursprung. ein frajer ist der letzte trottel, der sich über den tisch ziehen läßt und über den man dann lacht. ich mag diese konnotation, da sie wenigstens der hure die position der starken gibt, die den mann ausnimmt (was in der realität wohl nicht so sein dürfte).

    gruß
    dataf0x

  2. Antwort von nach 2 Stunden 3 hilfreich
    Re: der Freier

    Hallo Nescio,

    interessante Frage.

    "Das Wort "Freier" ist im übrigen nicht (oder
    zumindest nicht direkt) mit "frei sein" in
    Verbindung zu bringen. Vielmehr kommt es von einem
    mittelniederdeutschen Wort "vrien" - heiraten,
    umwerben - durch Luther in die hochdeutsche
    Sprache. Es soll eine Spezialbildung aus einem
    allgemeineren Verb mit der Bedeutung "freundlich
    behandeln, umwerben" sein und hat in anderen
    Sprachen Entsprechungen wie " hold sein, beistehen,
    sorgen für" oder "eigen, lieb, freundlich" (Kluge).
    Der Freier, wie der Prostitutionskunde (auch so ein
    Euphemismus) heute heißt, ist nicht
    wiederzuerkennen. Im Gegenteil, die Vorurteile
    weisen den Freier als eher defizitären,
    schmuddeligen Mann aus, der sich einen Kick
    außerhalb seiner Beziehungen (so er denn welche
    hat) im Rotlichtmilieu sucht."
    http://www.beitraege-redaktion.de/archiv/editorial/
    heft58.htm

    "58 Auch die deutsche Gaunersprache kennt das Wort
    freier, doch bezeichnet es, im Unterschied zum
    Russischen, nicht nur den Nicht-Dieb, den Naivling,
    den Uneingeweihten (Freier-ursprünglich für Bauer),
    sondern laut Sigmund Wolfs Wörterbuch des
    Rotwelschen auch noch den «Aufgestocherten»,
    denjenigen, der zur Begaunerung, zum
    Bestohlenwerden ausgewählt wurde. Wegen dieses
    Bedeutungsunterschieds wollen wir im folgenden die
    russische Schreibform Frajer verwenden."
    http://www.utopie1.de/S/Solschenizyn/anmerk.htm

    Das Wort scheint auch von Krafft-Elbing und
    Hirschfeld verwendet worden zu sein, möglicherweise
    zuerst mit Bezug auf homosexuelle Prostitution.

    Grüße
    J.

    • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: der Freier

      sondern laut Sigmund Wolfs Wörterbuch des
      Rotwelschen auch noch den «Aufgestocherten»,
      denjenigen, der zur Begaunerung, zum
      Bestohlenwerden ausgewählt wurde.
      große klasse!! siehe meinen beitrag direkt unter deinem. damit hast du die erklärung geliefert, woher die "frajerim" = trotteln die man ausnimmt, kommen.

      gruß
      dataf0x

  3. Antwort von nach 2 Stunden 4 hilfreich
    Re: der Freier - leider etwas lang geworden

    Bei solchen Fragen, liebe(r) Nescio, Weiss jemand hier, seit wann Freier in diesem Sinn in Gebrauch
    ist ?
    hilft stets ein Blick in den Grimm (übrigens hier verlink!).

    Dort findet man:

    FREIER [Lfg. 4,1], m. procus, petitor, mnhstÀr, minner, nnl. vrijer, dän. frier, böhm. frejir, bei DIEFENBACH unter procus viele belege aus 15 jh., der werbende, bulende, nicht schon der bräutigam und heiratende, sowol mit dem gen. als praepositionen:

    weil französisch, wie man saget, ist, latein, dein hurenkind,
    wie dann, dasz um sie bei Deutschen so viel tolle freier sind? LOGAU 3, 83, 43,

    um sie, um die französische sprache, tochter der lateinischen; es wird ihr an stattlichen freiern nicht mangeln. 'ja wol, sie müssen sich sehr umb mich reiszen, wie um das saure bier'. WEISE erzn. 135;

    im anfang scheint es schön, wanns mädchen aufgeputzt,
    wie eine puppe vor des freiers augen stutzt. eine frau ein nothwendig übel s. 143;

    ein freier kam, man wies ihm Philippinen. GELLERT 1, 135;

    ein freier bat einst einen freund,
    ihm doch ein mädchen vorzuschlagen. 1, 206;

    verlangt dein kind ein freier. LESSING 1, 18;

    nu, einen freier hat er ihnen doch wol nicht gebracht? obgleich jetziger zeit die freier auch zu einer art von geldborgern geworden sind. 2, 391; ein so alter soldat und ein so hitziger freier! 7, 203; als ehemaliger verehrer der mutter, als jetziger freier der tochter. GÖTHE 31, 213;

    hast du nicht schon mutige freier?
    ich komme zur hochzeit, nicht wahr?
    doch Dorchen, ist dieses nicht heuer,
    so ists aufs künftige jahr. WEISZE kom. op. 1, 189; [4,108]
    des königs töchterlein war schön
    und auch schon flück geworden,
    drum lieszen itzt sich freier sehn
    von ost, süd, west und norden. BLUMAUER Aen. 3, 21;

    frau füchsin sind sie da?
    'ach ja, mein kätzchen ja'.
    es ist ein freier draus.
    'mein kind, wie sieht er aus?' Km. no 38;

    jetzo fand sie die freier, die üppigen, die an des hauses
    doppelter pfort ihr herz mit steineschieben erfreuten,
    hin auf häute der rinder gestreckt, die sie selber geschlachtet. Od. 1, 106.

    sprichwort: wo viel freier sind, da sind wenig nehmer. SIMROCK 2680; sie hat freier aber keinen nehmer. in der Wetterau nennt man die von der zimmerdecke niederhangenden spinnefäden, an welche sich staub ansetzt, freier. bedeuten sie spinnenden mädchen freier vor? [Abschnitt reduzieren]

    FREIERCHEN [Lfg. 4,1], n. nnl. vrijertje.

    FREIERDINGS [Lfg. 4,1], sponte, von freien stücken, wie allerdings, für freier dinge, aller dinge:

    ob dich nicht sonst ein argwohn treibt, mir dieses
    erbieten freierdings zu thun. LESSING 2, 282;

    so wären sie es werth, dasz man ihnen nachsagte, dasz sie, bei eigener einschauung der handschrift, sich freierdings der nemlichen oscitanz schuldig gemacht, die ich an Gottscheden bewundere. 10, 332.

    FREIEREI [Lfg. 4,1], f. procatio:

    der freierei wir gar gnug han,
    ein anders mals bleib wir zu haus. AYRER 348a;

    aber seine freierei ist nichts als politik. LESSING 7, 203; siehst du, das hast du von deinem plaudern. hätten wir nu nicht von unserer freierei (unserm liebeshandel) sprechen können? WEISZE kom. op. 3, 25; mich so auf die freierei zu führen! FR. MÜLLER 2, 174.

    FREIERIN [Lfg. 4,1], f. proca: pulerin, kupplerin, sponsirerin. voc. 1482 i 3a, also die selbst bulende und geworbene, wie die für andre werbende. nnl. vrijster.

    FREIERISCH [Lfg. 4,1], amatorius, bulerisch:

    wo die freierischen westen (westwinde)
    buhlen mit den schwanken ästen,
    und wehn einen hall darein,
    als es solten küsse sein. FLEMING 442.


    FREIERSCHAFFEN [Lfg. 4,1], libere creatus:

    dies that auch die natur, die hier mit starker hand
    den abscheu und die lust mit eurem thun verband.
    dadurch bewog sie euch, ihr feierschafnen seelen,
    das böse selbst zu fliehn, das gute selbst zu wählen. LICHTWER 169.

    FREIERSFÜSZE [Lfg. 4,1], pl. proci pedes: auf freiers füszen gehn, freiers gedanken haben;

    ein bettler gieng auf freiersfüszen. LESSING 1, 13;

    steht ihre erbschaft auf freiersfüszen? 2, 394; ein herlich sinnbild, Simsons nackter schädel, für einen der auf freiersfüszen geht wie ich. FR. MÜLLER 178.

    FREIERSGEDANKEN [Lfg. 4,1], pl., dän. friertanke.

    FREIERSMANN [Lfg. 4,1], m. nuptiarum conciliator, der einem die braut wirbt, brautwerber: ich will freiersmann sein. was krieg ich, wenn ich sie dir kupple? GÖTHE 11, 14; só war ich freiersmann, só bin ich jetzt gesandter. 20, 306;

    hatten die eltern die braut für ihren sohn sich ersehen,
    ward zuvörderst ein freund vom hause vertraulich gerufen.
    diesen sandte man dann als freiersmann zu den eltern
    der erkorenen braut, der dann in stattlichem putze
    sonntags etwa nach tische den würdigen bürger besuchte,
    freundliche worte mit ihm im allgemeinen zuvörderst
    wechselnd, und klug das gespräch zu lenken und wenden verstehend.
    endlich nach langem umschweif ward auch der tochter erwähnet
    rühmlich, und rühmlich des manns und des hauses, von dem man gesandt war.
    kluge leute merkten die absicht, der kluge gesandte
    merkte den willen gar bald und konnte sich weiter erklären.
    lehnte den antrag man ab, so war auch ein korb nicht verdrieszlich.
    aber gelang es denn auch, so war der freiersmann immer
    in dem hause der erste bei jedem häuslichen feste,
    denn es erinnerte sich durchs ganze leben das ehpaar,
    dasz die geschickte hand den ersten knoten geschlungen. GÖTHE 40, 301.


    Demzufolge ist der Freier schon vor dem 18. Jahrhundert, zumindest als "Kuppler", nicht der um eine Ehefrau sich Bewerbende, sondern einer, der ein sehr viel kurzfristigeres Interessa an einer Frau hat.
    Und es gibt auch die "Freierin".

    Und da scheint auch Platz zu sein für datafOxens Anmerkung.

    Kluge bietet dazu:

    freien
    wschwaches Verb "um eine Frau werben" erweiterter Standardwortschatz obsolet (12. Jh.)Stammwort.
    Ursprünglich nicht oberdeutsch, durch Luther allgemein eingeführt. Mhd. vrien, mndd. vrien, vrigen "heiraten, umwerben" ist eine Spezialisierung von g. *frijO- Vsw. "freundlich behandeln, umwerben", wohl unter dem Einfluß von as. frI "(Ehe)Frau". Das Verb auch in gt. frijon, anord. frjá, ae. frEogan, mndl. vrien "hold sein, lieben". Es ist grundsprachlichen Alters, vgl. ai. priyAyáte, akslav. prijati "hold sein, beistehen, sorgen (für)", ein Denominativ zu ig. *prijo- "eigen, lieb, freundlich" (s. frei). Zu beachten ist allerdings kymr. priodi "heiraten" (< kwrei-) falls ein Übergang von ig. *kwr- zu g. *fr- angesetzt werden kann. Umfassendere Zusammenhänge sucht Bomhard. - Ein Freier ist eigentlich ein "Brautwerber, Verlobter", heute fast nur noch als "Kunde einer Prostituierten". Zur alten Bedeutung noch auf Freiersfüßen gehen "sich mit dem Gedanken einer Hochzeit befassen". S. auch Freite.
    Scheller (1959), 89-101;
    Mezger, F. ZVS 79 (1964), 32-38 (etwas anders);
    Bomhard (1995), 47f. deutsch iz


    Meine älteren Dudenausgaben von vor 1945 geben diese Bedeutung nicht an, vielleicht aus Prüderie (?); Mackensen von 1983 hat sie.

    Den Befund des Nachkriegsduden hast du ja genannt. Heute heißt es da:

    Frei|er, der; -s, - [mniederd., mhd. (md.) vrier]: 1. (veraltend) jmd., der um ein Mädchen freit; Bewerber: der F. wurde abgewiesen. 2. (verhüll.) Kunde einer Dirne od. eines Strichjungen.

    © Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2004


    Es scheint also so, dass die Bedeutung Kunde einer Hure schon in frühneuhochdeutscher Zeit vorhabden war; heute gibt es nur noch diese.

    O tempora, o mores! ;-)

    Gruß Fritz

    • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: der Freier

      Hallo Fritz, ein Blick in den Grimm (übrigens hier verlink!).
      Dort findet man:
      [...]
      Erstmal vielen Dank für Hinweis und Kopiertes. Demzufolge ist der Freier schon vor dem 18. Jahrhundert,
      zumindest als "Kuppler", nicht der um eine Ehefrau sich
      Bewerbende, sondern einer, der ein sehr viel kurzfristigeres
      Interessa an einer Frau hat.
      Und es gibt auch die "Freierin".
      So wie ich's herauslese, mag die Dauer des Interesses an der Frau da
      kurz sein; aber die Art des Interesses war doch eine andere als die
      des Puffgängers.
      Auch war der Sinn des "Kuppelns" nicht der, der bis vor ein paar
      Jahren hierzulande noch unter Strafe stand. Meine älteren Dudenausgaben von vor 1945 geben diese Bedeutung
      nicht an, vielleicht aus Prüderie (?); Mackensen von 1983 hat
      sie.
      Den Befund des Nachkriegsduden hast du ja genannt. Heute heißt
      es da:
      Frei|er, der; -s, - [mniederd., mhd. (md.) vrier]:
      1. (veraltend) jmd., der um ein Mädchen freit; Bewerber: der
      F. wurde abgewiesen. 2. (verhüll.) Kunde einer Dirne od.
      eines Strichjungen
      .
      Deinen folgenden Schluss kann ich nicht mitvollziehen: Es scheint also so, dass die Bedeutung <I>Kunde einer Hure
      schon in frühneuhochdeutscher Zeit vorhabden war; heute gibt
      es nur noch diese.
      Oder habe ich in den langen Auszügen etwas überlesen oder nicht
      richtig verstanden ? (Dann nenn' mir bitte das Zitat unter den
      vielen, aus dem du das herausgelesen hast)

      Gruss
      Nescio

      • Antwort von nach 4 Stunden 2 hilfreich
        Re^3: der Freier

        Hallo, Nescio. So wie ich's herauslese, mag die Dauer des Interesses an der
        Frau da
        kurz sein; aber die Art des Interesses war doch eine andere
        als die
        des Puffgängers.
        Genauso habe ich es aber durchaus verstanden. Eine gewisse Prüderie machte es mir schwer, deutlicher zu werden. ;-) Auch war der Sinn des "Kuppelns" nicht der, der bis vor ein
        paar
        Jahren hierzulande noch unter Strafe stand.
        Das hast du Recht. Wir würden heute "Lude" oder Zuhälter sagen. Deinen folgenden Schluss kann ich nicht mitvollziehen: Es scheint also so, dass die Bedeutung Kunde einer Hure
        schon in frühneuhochdeutscher Zeit vorhanden war; heute gibt
        es nur noch diese.
        Oder habe ich in den langen Auszügen etwas überlesen oder
        nicht
        richtig verstanden ? (Dann nenn' mir bitte das Zitat unter den
        vielen, aus dem du das herausgelesen hast)
        Wohl am meisten aus dem:

        FREIERIN [Lfg. 4,1], f. proca: pulerin, kupplerin, sponsirerin. voc. 1482 i 3a, also die selbst bulende und geworbene, wie die für andre werbende. nnl. vrijster.

        FREIERISCH [Lfg. 4,1], amatorius, bulerisch:


        Freilich mit den Wissen, dass "buhlen" und "Buhle" früher ganz anständige Wörter für "lieben" und "geliebte/liebende Person" waren - so auch noch (sicher im Retro-Stil) bei Goethe = Der König in Thule" - , bei Fleming aber, der im frühen 17. Jhdt. lebte, bereits die pejorative Bedeutung vorhanden ist.

        Mehr wüsste ich im Moment nicht dazu zu sagen.

        Gruß Fritz

    • Antwort von nach 9 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: der Freier - leider etwas lang geworden

      Hallo allerseits! Demzufolge ist der Freier schon vor dem 18. Jahrhundert,
      zumindest als "Kuppler", nicht der um eine Ehefrau sich
      Bewerbende, sondern einer, der ein sehr viel kurzfristigeres
      Interessa an einer Frau hat.
      Den gelehrten Quellen hier soll nicht widersprochen werden, aber Volkes Mund handhabt es denn doch manchmal noch anders respektive Teile der Bevölkerung.
      Ich kann mich nämlich noch sehr gut erinnern, dass meine Großmutter selig, die damals Anfang 70 war, in den 80ern noch ohne jegliche Nebenbedeutung von "Freiern" gesprochen hat, wenn "Freunde", "Verlobte" & Co. gemeint waren.

      Grüße
      Christiane

      • Antwort von nach 10 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: der Freier

        Hallo, Ich kann mich nämlich noch sehr gut erinnern, dass meine
        Großmutter selig, die damals Anfang 70 war, in den 80ern noch
        ohne jegliche Nebenbedeutung von "Freiern" gesprochen hat,
        wenn "Freunde", "Verlobte" & Co. gemeint waren.
        Jetzt, wo du's sagst, kommen mir ähnliche Erinnerungen.
        Vielleicht war das nur regional gebräuchlich - im Revier eben.
        Die Frage bleibt, wann das derart belegte Wort seinen
        seltsamen Bedeutungswandel erfuhr und nun einen ganz anderen Typ Mann
        bezeichnet, für den es zuvor keinen Begriff gab -- und jetzt eben
        diesen, der mir, wie ich schon schrieb, etwas Verlegenes und
        Pseudoironisches mit sich schleppt.
        Bemerkenswert ist doch, dass es für die "Dirne" seit je fein
        abgestufte Bezeichnungen (von Hetäre bis Drecksnutte) gab, für deren
        "Kunden" (auch ein Verlegenheitsbegriff), eine weit grössere Gruppe,
        eigentlich keine (so wie diese selbst auch meist anonym/namenlos
        bleiben).
        Weil die Frage über das rein Sprachliche offenbar hinausgeht, habe
        ich mal ein Doppelposting gewagt (in "Frauen und Feminismus"). Mal
        seh'n, ob dort noch was Ergänzendes kommt.

        Gruss
        Nescio

      • Antwort von nach 10 Stunden 4 hilfreich
        Re^3: der Freier, Weiber, Dirnen und Knechte

        Ich kann mich nämlich noch sehr gut erinnern, dass meine
        Großmutter selig, die damals Anfang 70 war, in den 80ern noch
        ohne jegliche Nebenbedeutung von "Freiern" gesprochen hat,
        wenn "Freunde", "Verlobte" & Co. gemeint waren.
        Dem wird niemand widersprechen, liebe Christiane,

        in meiner eigenen Familie habe ich selber solche sprachlichen Atavismen erlebt. Meine Großmutter und meine Mutter haben sich nie als "Frauen" verstanden und bezeichnet, sondern als "Weiber". Und der Unterschied zwischen "Frau" und "Weib" war klar definiert: Ein Frau trug am Sonntag beim Kirchgang einen Hut, ein Weib ein Kopftuch.

        Ich habe erst als Student gelernt nicht mehr "Weiber" zu sagen.

        Und heute gibt es wieder welche, die sich selber so nennen: a la "Superweib, Vollweib, Prachtweib".

        Wollte meine Onkel mich besonders loben, so nannte er mich: einen rechten Knecht, und meine Schwester war dann: eine gute "Dearn", was als Dirne heute gar keinen lobenden Ton an sich hat.

        Gruß Fritz



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