die Lektüre eines Beitrages von Fritz in diesem Board hat mich
an ein "Problem" erinnert, das vielleicht nur ich habe. Fritz
schreibt dort:
Guten Abend, Verena! <= Man nennt das eine Anrede!
Ja, ist das so? Für mich ist "Guten Morgen/Abend usw." ein
Gruß, keine Anrede. Eine Anrede ist "Sehr geehrte/r..." oder
"Hallo...", meinetwegen auch neuestdeutsch "Hi...". Aber viele
Stadtverwaltungen und andere öffentliche Stellen sind in
letzter Zeit tatsächlich dazu übergegangen, die Grußformel als
Anrede zu verwenden. Mir ist das immer säuerlich aufgestoßen.
Anderen auch? Oder bin ich einfach nur zu alt?
Mir sind andere Anreden als "Sehr geehrte(r)" in förmlicher Korrespondenz bzw. "Liebe(r)" oder auch "Hallo" in weniger förmlichen Mitteilungen bislang weder in schriftlicher noch in E-Mail-Korrespondenz in nennenswertem Umfang untergekommen.
Dass das bei manchen Stadtverwaltungen anders ist, mag daran liegen, dass man sich bemüht, durch die formlose "Grußformel" der Korrespondenz ein wenig das "Hoheitliche" und Unnahbare zu nehmen und mehr Bürgernähe zu zeigen. (Wenn dann aber im Anschluß an die Grußformel der Sachbearbeiter in unbeholfenem Behördendeutsch vor sich hin stümpert, rettet auch die umgangssprachliche Anrede nichts mehr).
<= Man nennt das eine Anrede!
Unabhängig davon sollte man sich in seinen Äußerungen - jedenfalls dann, wenn man für sich in Anspruch nehmen will, im Besitz guter Umgangsformen zu sein - dieser Bemerkung, die hier leider immer wieder bei den verschiedensten Verfassern anzutreffen ist, enthalten. Seinen Gesprächspartner wegen einer Nichtigkeit derart oberlehrerhaft vor den Kopf zu stoßen, noch dazu öffentlich, ist eine Unhöflichkeit, die das Weglassen der Gruß- oder Schlußformel (sofern man dies überhaupt als fehlerhafte Umgangsform werten kann) um einiges übertrifft. Derlei Dinge hat man zu "übersehen". Ich räume allerdings ein, dass Zeitgenossen, die hinter der Gardine eifrig Parksünder notieren und auch sonst einen "ausgeprägten Ordnungssinn" ihr eigen nennen, das anders sehen mögen ...