Gruß und Anrede

Von: , Frage gestellt am Mi, 31. Aug 2005

Hallo allerseits,

die Lektüre eines Beitrages von Fritz in diesem Board hat mich an ein "Problem" erinnert, das vielleicht nur ich habe. Fritz schreibt dort:

Guten Abend, Verena! <= Man nennt das eine Anrede!

Ja, ist das so? Für mich ist "Guten Morgen/Abend usw." ein Gruß, keine Anrede. Eine Anrede ist "Sehr geehrte/r..." oder "Hallo...", meinetwegen auch neuestdeutsch "Hi...". Aber viele Stadtverwaltungen und andere öffentliche Stellen sind in letzter Zeit tatsächlich dazu übergegangen, die Grußformel als Anrede zu verwenden. Mir ist das immer säuerlich aufgestoßen. Anderen auch? Oder bin ich einfach nur zu alt?

Viele Grüße!
Bernd.

5 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 19 Minuten 5 hilfreich
    Re: Gruß und Anrede

    die Lektüre eines Beitrages von Fritz in diesem Board hat mich
    an ein "Problem" erinnert, das vielleicht nur ich habe. Fritz
    schreibt dort:

    Guten Abend, Verena! <= Man nennt das eine Anrede!

    Ja, ist das so? Für mich ist "Guten Morgen/Abend usw." ein
    Gruß, keine Anrede. Eine Anrede ist "Sehr geehrte/r..." oder
    "Hallo...", meinetwegen auch neuestdeutsch "Hi...". Aber viele
    Stadtverwaltungen und andere öffentliche Stellen sind in
    letzter Zeit tatsächlich dazu übergegangen, die Grußformel als
    Anrede zu verwenden. Mir ist das immer säuerlich aufgestoßen.
    Anderen auch? Oder bin ich einfach nur zu alt?
    Mir sind andere Anreden als "Sehr geehrte(r)" in förmlicher Korrespondenz bzw. "Liebe(r)" oder auch "Hallo" in weniger förmlichen Mitteilungen bislang weder in schriftlicher noch in E-Mail-Korrespondenz in nennenswertem Umfang untergekommen.

    Dass das bei manchen Stadtverwaltungen anders ist, mag daran liegen, dass man sich bemüht, durch die formlose "Grußformel" der Korrespondenz ein wenig das "Hoheitliche" und Unnahbare zu nehmen und mehr Bürgernähe zu zeigen. (Wenn dann aber im Anschluß an die Grußformel der Sachbearbeiter in unbeholfenem Behördendeutsch vor sich hin stümpert, rettet auch die umgangssprachliche Anrede nichts mehr). <= Man nennt das eine Anrede!
    Unabhängig davon sollte man sich in seinen Äußerungen - jedenfalls dann, wenn man für sich in Anspruch nehmen will, im Besitz guter Umgangsformen zu sein - dieser Bemerkung, die hier leider immer wieder bei den verschiedensten Verfassern anzutreffen ist, enthalten. Seinen Gesprächspartner wegen einer Nichtigkeit derart oberlehrerhaft vor den Kopf zu stoßen, noch dazu öffentlich, ist eine Unhöflichkeit, die das Weglassen der Gruß- oder Schlußformel (sofern man dies überhaupt als fehlerhafte Umgangsform werten kann) um einiges übertrifft. Derlei Dinge hat man zu "übersehen". Ich räume allerdings ein, dass Zeitgenossen, die hinter der Gardine eifrig Parksünder notieren und auch sonst einen "ausgeprägten Ordnungssinn" ihr eigen nennen, das anders sehen mögen ...

    • Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Gruß und Anrede

      <= Man nennt das eine Anrede!
      [...] Seinen Gesprächspartner wegen
      einer Nichtigkeit derart oberlehrerhaft vor den Kopf zu
      stoßen, noch dazu öffentlich, ist eine Unhöflichkeit, die das
      Weglassen der Gruß- oder Schlußformel (sofern man dies
      überhaupt als fehlerhafte Umgangsform werten kann) um einiges
      übertrifft.
      Sehe ich auch so, zumal es als Antwortender natürlich einfach ist, den Fragesteller anzusprechen, während der sich ja im Moment seines Postings an eine undefinierte Zielgruppe wendet.

  2. Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
    Re: Gruß und Anrede

    Hi,

    worin besteht denn für Dich der Unterschied zwischen Hallo/Hi und Guten Abend? Das eine ist lediglich die legere Form eines alten britischen Segenswunsches (Hallowed Art Thou), das andere eine andere Art des Wunsches. Wenn Du so willst, ist dadurch die Anrede bloß noch "Verena". Fritz drückt sich also nicht nur gewählt aus, er redet Verena auch persönlich an. Und weil beide Teile - Wunsch und Name - in einem Zuge vorkommen, ist das durchaus eine Anrede.

    Grüßle,

    Susanne

    • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Gruß und Anrede

      Hallo Susanne,

      vielen Dank, das ist überzeugend und verdeutlicht mir wiederum mein Problem. Das liegt wohl nicht zwischen "Gruß und Anrede", denn die können identisch sein. Es geht mehr um die schriftliche und die mündliche Form. Wenn ich jemanden schriftlich mit "Sehr geehrter..." tituliere, würde ich ihm ja auf der Straße auch mit "Guten Morgen/Abend..." begrüßen bzw. anreden. Mein Unbehagen richtet sich also gegen die Verwendung der (stärker situationsbezogenen) mündlichen Formel in der Schriftsprache. Ist aber wohl tatsächlich so, wie User "atn" geschrieben hat, nämlich:

      Dass das bei manchen Stadtverwaltungen anders ist, mag daran liegen, dass man sich bemüht, durch die formlose "Grußformel" der Korrespondenz ein wenig das "Hoheitliche" und Unnahbare zu nehmen und mehr Bürgernähe zu zeigen.

      Und ebenso richtig ist auch sein Nachsatz:

      (Wenn dann aber im Anschluß an die Grußformel der Sachbearbeiter in unbeholfenem Behördendeutsch vor sich hin stümpert, rettet auch die umgangssprachliche Anrede nichts mehr).

      Immerhin würde man umgekehrt nicht auf die Idee kommen, eine schriftliche Grußformel wie "sehr geehrte..." oder "liebe..." als mündliche Anrede oder mündlichen Gruß zu verwenden. Man kann das zwar in einen Satz einbetten, z. B.: "Da irrst du dich aber gewaltig, lieber...", aber ein "Guten Morgen" kann es nicht ersetzen.

      Grüße an alle!
      Bernd. [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  3. Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
    Re: Gruß und Anrede

    Eine Anrede ist "Sehr geehrte/r..." oder
    "Hallo...", meinetwegen auch neuestdeutsch "Hi...".
    ...wobei 'hallo' und 'hi' strenggenommen schon wieder zu den Grußformeln zählen.

    Messalina

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