Verben (Lehramt für Grundschule-->Prüfungsthema

Von: , Frage gestellt am Do, 1. Sep 2005

Hallo,

ich mache demnächst Examen und mein Schwerpunktthema in Deutsch lautet "Verben". Habe auch schon einige Bücher zur Sprachwissenschaft gelesen. Was mir allerdings Probleme bereitet, ist die Didaktik. Dazu habe ich weder im Internet noch in der Bibliothek was brauchbares gefunden. Vielleicht habe ich ja falsch gesucht?! Kann mir jemand vielleicht ein gutes Buch oder eine Seite im Internet empfehlen?
Wie bereite ich mich denn am besten für den didaktischen Teil vor? Bin momentan etwas ratlos und die nächste Sprechstunde meines Prüfers ist leider erst wieder in ein paar Wochen (wg. Semesterferien). Wäre daher super, wenn mir jemand helfen könnte.
Von Kommilitonen habe ich erfahren, dass beliebte Prüfungsfragen z.b. so lauten:

>>Was sagen Sie einem Kind (2. Klasse), das schreibt: "Gestern schwimmte (!) ich im See"?
Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um diesen Fehler in Zukunft zu vermeiden?<<

Ich habe mir natürlich auch schon Gedanken zu diesen Fragen gemacht.... allerdings fällt es mir schwer, kindgerecht und einleuchtend zu formulieren.
Bei welcher Art von Fehlern muss man versuchen, dem Kind Regeln zu erklären und wann sagt man ihm, dass etwas einfach "so ist"?

Vielen Dank schon im Voraus für eure Hilfe!!!!


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[MOD] Titel korrigiert.
Birgit

9 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 38 Minuten 1 hilfreich
    Re: Verben (Lehramt für Grunschule--> Prüfungst

    Hallo

    Den Hauptteil deiner Frage kann ich nicht beantworten.
    Aber was dieses Beispiel betrifft, dazu kann ich eine naive Antwort
    geben, die vielleicht trotzdem hilfreich ist. >>Was sagen Sie einem Kind (2. Klasse), das schreibt:
    "Gestern schwimmte (!) ich im See"?
    Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um diesen Fehler in Zukunft zu
    vermeiden?<<

    Ich habe mir natürlich auch schon Gedanken zu diesen Fragen
    gemacht.... allerdings fällt es mir schwer, kindgerecht und
    einleuchtend zu formulieren.
    Ich wuerde es so sagen:
    An dieser Stelle muss es "schwamm ich im See" heissen. Das ist so,
    weil dieses Verb (Verstaendnis dieses Begriffes beim Kind
    vorausgesetzt) zu einer Gruppe von Verben gehoert, die ihren Laut
    aendern, wenn man mit ihnen etwas Vergangenes ausdruecken moechte.
    Du kennst noch andere solcher Verben, z.B. ich fahre, aber ich fuhr
    oder ich sitze, aber ich sass. (Ich denke Analogien zu Bekanntem zu
    zeigen, ist am besten.) Bei welcher Art von Fehlern muss man versuchen, dem Kind
    Regeln zu erklären und wann sagt man ihm, dass etwas einfach
    "so ist"?
    Wenn du dem Kind eine Regel erklaerst, tust du auch nichts anderes,
    als ihm zu sagen, "das ist so". Nur, dass du mehr Worte benutzt.
    Die Regeln beschreiben ja wie etwas ist, sie erklaeren aber nichts
    und sie lassen sich auch nur selten begruenden, und wenn, dann nur
    mit unbegruendeten Begruendungen.
    M.a.W. "Es ist so" und das nennen einer Regel, ist dasselbe. Man muss
    einfach fuehlen und die Erfahrung haben, wie viel das Kind, das da
    vor dir sitzt, zu dem bestimmten Zeitpunkt begreifen kann. Aus einem
    Buch kannst du dieses Gefuehl nicht bekommen, denn es trifft
    hoechstens Aussagen ueber ein Durchschnittskind.
    Wenn du das Kind nicht zulaberst, sondern mit ihm echt interagierst,
    dann merkst du ja, ob deine Worte ein Begreifen zur Folge haben, oder
    ob das Kind dich nur mit grossen Augen anguckt.
    Ich hoffe, die Herren Professoren akzeptieren diese Herangehensweise
    und verzichten darauf, dass du fest daran glaubst und genau weisst,
    was Dr. Sowieso sich zu diesem Thema in einer theoretischen
    Abhandlung einfallen liess.

    Gruss, Tychi

  2. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: Verben (Lehramt für Grunschule--> Prüfungst

    Hi!

    Mit welchen Suchbegriffen hast du denn so gearbeitet bei deiner Recherche? Ich würd´s mal mit "Sprachdidaktik" probieren, darunter fällt an sich auch alles, was mit Grammatik zu tun hat. Allgemeine Didaktik-Bücher enthalten, gerade was Vermittlungsmethoden angeht, auch recht gute Hinweise.

    Ansonsten hier mal ein paar Literaturbeispiele (gegoogelt):

    Steinig, Wolfgang (2002): Sprachdidaktik Deutsch, Berlin,

    Schober, Otto (1998): Deutschunterricht für die Grundschule, Bad Heilbrunn

    Hinney, Gabriele/Menzel, Wolfgang: Didaktik des Rechtschreibens, in: Lange, Günter (Hg) (neuere Auflage!): Taschenbuch des Deutschunterrichts, Baltmannsweiler

    Gruß, Dine

    • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Verben (Lehramt für Grunschule--> Prüfung

      Hallo, ich würd´s mal mit "Sprachdidaktik"
      probieren
      hab ich schon gemacht, doch leider steht in diesen Büchern auch nur wenig zu Verben. Ich bräuchte da schon etwas ausführlicheres.
      Danke trotzdem!

  3. Antwort von nach 8 Stunden 0 hilfreich
    Re: Grundschule--> Prüfungsthema

    Hallo,
    >>Was sagen Sie einem Kind (2. Klasse), das schreibt:
    "Gestern schwimmte (!) ich im See"?
    Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um diesen Fehler in Zukunft zu
    vermeiden?<<
    Ich würde erwidern: "Ich schwamm vorgestern im See. Deswegen habe ich dich nicht gesehen! Wer schwamm mit dir?"
    Dann wird das Kind wahrscheinlich umso mehr gern schwimmen. Vielen Dank schon im Voraus für eure Hilfe!!!!
    Gern geschehn!

  4. Antwort von nach 9 Stunden 2 hilfreich
    Re: Verben (Lehramt für Grunschule--> Prüfungst

    Hallo,
    "Gestern schwimmte (!) ich im See"?
    Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um diesen Fehler in Zukunft zu
    vermeiden?<<
    Ein Kind der 2. Klasse, das diesen Fehler macht, hat entweder eine (kleine) sprachliche Störung oder kommt aus einem nicht-deutschsprachlichen Elternhaus. Das es starke und schwache Verben im Deutschen gibt, ist für ein Kind in der 2. Klasse als expliziertes Wissen viel zu hoch. Allerdings muss es schon den unbewussten "Grammatik-Generator", den jeder Mensch im Kopf hat, anders einstellen und (unbewusst!) lernen, dass das Präteritum eben nicht immer mit "te" gebildet wird.
    Dies geht in erster Linie durch viel üben/ trainieren/ viel wiederholen. Wenn man dem Kind starke Verben gehäuft anbietet und mit ihm trainiert, wird es - hoffentlich - seine unbewusste Präteritumbildungsregel im Kopf erweitern. Richtig "erklären" kann man das einem Kind in dem Alter aber noch gar nicht.
    Hoffentlich wissen das deine Prüfer!
    Gruß!
    Christian
    Ich habe mir natürlich auch schon Gedanken zu diesen Fragen
    gemacht.... allerdings fällt es mir schwer, kindgerecht und
    einleuchtend zu formulieren.
    Bei welcher Art von Fehlern muss man versuchen, dem Kind
    Regeln zu erklären und wann sagt man ihm, dass etwas einfach
    "so ist"?

    Vielen Dank schon im Voraus für eure Hilfe!!!!

    • Antwort von nach 9 Stunden 0 hilfreich
      Verben (Lehramt für GrunDschule--> Prüfungsthem

      Ups, habe gerade gesehen, dass bei Grundschule ein "d" fehlt.
      Jedenfalls wollte ich hier noch erwähnen, dass es viele Grundschüler gibt, die das Präteritum kaum beherrschen, da dieses in manchen Dialekten gar nicht existiert. So kennt das Kind als Vergangenheitsform nur das Perfekt, also in unserem Beispiel "geschwommen".
      Aber ich werde eure Tipps auf jeden Fall zu Rate ziehen, wenn mir in der Prüfung eine solche oder ähnliche Frage gestellt wird!
      Danke an alle. Ein Pünktchen gibts auch noch :-)

  5. Antwort von nach 9 Stunden 0 hilfreich
    Re: Verben (Lehramt für Grunschule--> Prüfungst

    Hallo Stupidentin, Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um diesen Fehler in Zukunft zu
    vermeiden?<<
    Muss man in solchen Fällen eigentlich Maßnahmen ergreifen?

    In der Sprachentwicklung eines Kindes ist es völlig normal, dass es anfangs unregelmäßige Wortbildungen korrekt wiedergibt und irgendwann - zeitlich begrenzt - zur Übergeneralisierung neigt, d.h. regelmäßige Strukturen auch auf unregelmäßige Wörter überträgt. Diese "U-förmige" Entwicklung ist in der kognitiven Linguistik bekannt und man weiß, dass sie normalerweise genauso von alleine verschwindet, wie sie gekommen ist.

    Normalerweise genügt die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Aussagen des Kindes. Eine Korrektur ist eigentlich gar nicht nötig und wahrscheinlich auch gar nicht möglich, da man nicht alle Formen sämtlicher starker Verben im Unterricht durchnehmen kann. Regeln dazu gibts eh kaum, sonst wären es ja keine unregelmäßigen Verben. Und wie gesagt, das "Problem" regelt sich normalerweise von allein.

    Ob das die erwartete Antwort auf die Prüfungsfrage ist, weiß ich natürlich nicht.

    Vielleicht kennst du das Buch von Steven Pinker "Wörtern und Regeln", welches sich nur mit unregelmäßigen Verben beschäftigt?
    Ist zwar kein Didaktikbuch, aber sehr lesenswert.

    Die Neue Zürcher Zeitung bemerkt dazu:

    Können wir aus der Struktur unserer Sprache ableiten, wie der menschliche Geist funktioniert? Was lässt sich daraus schliessen, dass wir «sie schwamm» und nicht «sie schwimmte» sagen?

    ISBN 3827402972 [Buch anschauen]

    Gruß
    Roland

    • Antwort von nach 21 Stunden 0 hilfreich
      Regeln fuer starke Verben

      Hallo Eine Korrektur ist eigentlich gar
      nicht nötig und wahrscheinlich auch gar nicht möglich, da man
      nicht alle Formen sämtlicher starker Verben im Unterricht
      durchnehmen kann. Regeln dazu gibts eh kaum, sonst wären es ja
      keine unregelmäßigen Verben.
      Doch, es gibt da schon eine Regelmaessigkeit, fuer das spezielle
      Beispiel: Verben verwandeln ein kurzes i in ein a:
      Ich schwimme->ich schwamm
      binde->band
      finde->fand
      singe->sang
      sinke->sank
      klinge->klang
      bin->war
      ging->bin gegangen
      rinne->rann

      Aber auch:
      hinke->hinkte
      blinke->blinkte
      mische->mischte
      schinde->schindete

      oder umgekehrt:

      fange->fing


      Gruss, Tychi

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Re: Regeln fuer starke Verben

        Hallo Tychi, Doch, es gibt da schon eine Regelmaessigkeit,
        ... bei der Bildung der Formen, da hast du natürlich Recht.
        Vielleicht habe ich mich nicht ganz richtig ausgedrückt. Verben verwandeln ein kurzes i in ein a:
        Ich schwimme->ich schwamm
        aber

        ich stimme -> ich stimmte (das Klavier)

        usw.

        Und zu allem "Überfluss" (sowohl schwach "te" als auch mit Ablaut von i nach u):

        ich bringe -> ich brachte

        Und es gibt halt keine gescheite Regel wann man welche Form anzuwenden hat.

        Und hat ein Kind erst einmal eine Regel entdeckt, so kann es eben sein, dass es diese Regel auch dann anwendet, wo sie gar nicht hingehört. Findet diese Übergeneralisierung auch später noch statt, so gibt es evtl. Nachahmer und dann wird aus buk backte, aus frug fragte und vielleicht irgendwann aus schwimm auch schwimmte. Aber wie gesagt, unter normalen Umständen gibt sich das bei Kindern mit der Zeit.

        Gruß
        Roland

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