Tod/tot

Von: , Frage gestellt am Mo, 12. Sep 2005

Liebes Forum,

gerade gestern hatte ich eine kleine Unterhaltung mit meinem Sohn (11) über die Schreibweise (d oder t) von töten, tot, der Tote, der Tod und z.B. todmüde bzw. totarbeiten. Alle meine Erklärungen (müde wie der Tod, arbeiten bis man tot ist) setzen das Wissen darum voraus, dass der Tod mit "d", tot und töten jedoch mit "t" geschrieben werden.

Gibt es eigentlich eine Erklärung für diesen Wechsel vom "d" zum "t"?

Gibt es noch andere Beispiele in der deutschen Sprache für solch einen Lautwechsel bei so eng verwandten Begriffen?

Vielen Dank für eure Mühen

FM

13 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 3 hilfreich
    Re: Tod/tot

    Lieber Fritz, Gibt es eigentlich eine Erklärung für diesen Wechsel vom "d"
    zum "t"?
    Ja.

    Tod ist ein von der alten Verbform * dau-ja = sterben

    der Stern vor dem Verb bedeutet hier, dass dieses Verb nur aus den Sprachentwicklungsregeln erschlossen, aber nicht belegt ist)

    abgeleitetes Verbalabstraktum, also ein Hauptwort oder Nomen (= der Sterber = der Sterbenmacher = der Todbringer), und dies wurde eben mit dem weichen "d" gebildet.

    tot ist auch von dem Verb abgeleitete, aber es ist das Partizip II (= gestorben), und das wird auch heute noch - bei den regelmäßigen Verben - mit "-t" gebildet.

    Beim Grimm findest du noch die Schreibung "todt" für das Adjektiv. Gibt es noch andere Beispiele in der deutschen Sprache für
    solch einen Lautwechsel bei so eng verwandten Begriffen?
    Z. B.
    schreiben => Schrift, kommen => -kunft, können => Kunst, gönnen => Gunst.

    Beiseite gesprochen: Kunst kommt von können, nicht von wollen; sonst hieße es Wunst. ;-)

    geben mit den Formen => er gibt, aber => ergiebig.

    Die fallen mir auf die Schnelle ein.

    Gruß Fritz

    • Antwort von nach 2 Stunden 2 hilfreich
      ot: bitte keine Stabreime verschludern


      Hallo Fritz, Beiseite gesprochen: Kunst kommt von können,
      "Kunst kommt von können, käme sie von wollen, würde sie Wulst heißen."
      (in dieser Form Max Liebermann zugeschrieben, bitte die Stabreime zu beachten, die wunderschönen ;)

      Gruß, Michl

      • Antwort von nach 3 Stunden 5 hilfreich
        Re: ot: bitte keine Stabreime verschludern

        Danke, Michl,

        für die Richtigstellung.
        Fritz

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: Tod/tot

      Hallo Fritz,

      vielen Dank für deine Antwort.

      Teil eins (warum hartes d und weiches t) leuchtet mir unmittelbar ein, es wird nur etwas schwierig werden, dies meinem Sohn so zu erklären, dass er nicht mitten in der Erklärung das Thema Richtung aktuelle Entwicklung in der Fußballbundesliga wechselt. :-)

      Teil zwei (können => Kunst) muss ich noch ein wenig sacken lassen. Wahrscheinlich hast du mit deinen Beispielen völlig Recht, ich hatte jedoch mehr an kleine konsonantische Veränderungen gedacht (g <-> k, b <-> p, d <-> t usw.), bei denen die Vokale bestehen bleiben. Dies macht ja u.a. das Begriffspaar Tod/tot so schwierig (für Schulkinder und manchen anderen).

      Viele Grüße

      Fritz

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: Wunst?

      Kunst kommt von können, nicht von wollen;
      sonst hieße es Wunst. ;-)
      Hallo,
      "Wunst" oder "Wulst" - wie heißt dieses Diktum von Karl Kraus genau?

      Gruß
      H.

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Re^3: Wunst?

        Moin, H., "Wunst" oder "Wulst" - wie heißt dieses Diktum von Karl Kraus genau?
        das wird sich ohne Gedrucktes nicht mehr klären lassen, im Internet regiert König cut&paste. Laut http://www.dogpile.com liegt Wunst ganz knapp vorn; eine ebenso knappe Mehrheit nennt allerdings Karl Valentin als Urheber. Klingt m.E plausibler, Karl Kraus war eher bissig.

        Gruß Ralf

        • Antwort von nach 2 Tagen 3 hilfreich
          Re^4: Wunst?

          Moin, H. und Ralf,

          mit der Angabe von Michl haben wir jetzt schon drei Kandidaten!

          Gruß Fritz

          • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
            Re^5: Wunst?

            Hi Fritz, mit der Angabe von Michl haben wir jetzt schon drei Kandidaten!
            wie wär's mit einer neuen Geschäftsidee: Wir recherchieren im Web und sortieren die Abschreiber aus. Gewissheit hätten wir dann immer noch nicht, aber das verraten wir niemandem.

            Gruß Ralf

            • Antwort von nach 2 Tagen 3 hilfreich
              Re^6: Wunst oder Wulst

              Hi, Ralf,

              ich habe bisher nur Belege für Liebermann und Valentin gefunden:

              Max Liebermann (1847-1835) sagte einmal: "Kunst kommt von Können, käme sie von wollen, so würde sie Wulst heißen".

              "Kunst kommt von können, nicht von wollen, sonst müsste es ja Wunst heißen." - Karl Valentin (1882-1948)


              Beide mehrmals ergoogelt mit der Eingabe: Kunst kommt von können nicht von wollen

              Bedenkt man die Lebensdaten, kann Liebermann nicht von Valentin abgekupfert haben. ;-)

              Damit wäre das Primat und die Variation geklärt, oder?

              Fritz



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