Schimpfwörter

Von: , Frage gestellt am Mi, 26. Okt 2005

Hallo,

wie habe die sich entwickelt? Also, alles was "unrein" ist, sagen wir mal Arschloch als Beispiel, da ist das soweit klar. Aber warum ist das Wort "Arsch" allein so beleidigend, kann ja auch erotisch gesehen die reinste Lust bedeuten, oder so? Nur, woher kommen ursprünglich die Schimpfwörter?

Gruß
André

8 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 2 hilfreich
    Re: Schimpfwörter

    Hallo, André,

    bei unreinen Sachen wie "Sau" und "Arschloch" ist es dir klar, warum nicht bei anderen negativen Erscheinung?

    Man schimpft über Sachen, die einem unangenehm, ärgerlich, verhasst sind, und sucht sich dafür deutliche Beispiele und Wörter, die dieses unangehme, ärgerliche, hassenwerte Gefühl ausdrücken können.

    Eine Person, die wir nicht umstimmen und manipulieren können, erinnert uns an einen störrischen Geißbock und schon haben wir den "sturen Bock".

    Dieses Prinzip kannst du selber an anderen Beispiel durchexerzieren.

    Dabei muss aber auch immer wieder darauf hingewiesen werden, dass diese Eigenschaften erst von Menschen auf die armen Viecher übertragen werden.

    Wenn man genau hinsieht, ist der Wolf nicht böse, sind Esel nicht dumm, Schweine nicht schmutzig und nicht einmal die Fische sind stumm.

    So viel nur zum Aufriss. Ich empfehle dir, mal in "Das große Schimpfwörterbuch" von Herbert Pfeiffer ISBN 3-8218-3444-7 [Buch anschauen] reinzuschauen. Und das Nachwort von Wilfried Seibicke zu lesen.

    Beste Grüße Fritz

    • Antwort von nach 11 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Schimpfwörter

      Dabei muss aber auch immer wieder darauf hingewiesen werden,
      dass diese Eigenschaften erst von Menschen auf die armen
      Viecher übertragen werden.

      Interessant ist hierbei der Vergleich mit anderen Ländern:

      In Deutschland bedeutet die Titulierung als Kuh, dass die Person als dumm angesehen wird, in Frankreich hingegen als hinterhältig.

      mfg
      Klaus

      • Antwort von nach 12 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Schimpfwörter

        Hi Klaus,

        stimmt, das ist wirklich sehr interessant.
        Ich denke da auch an "Hase" , im deutschen ein
        Feigling oder was Suesses.
        Im Afrikanischen ein ausgemachter Schlawiner,
        der durchaus bewundert wird. Davon kommt auch die
        amerikanische Figur des "Bra Rabbit" (and Bra Bear).
        Aber das geht jetzt schon weg von Sprache und in
        die Richtung Sagen, Legenden, Maerchen.

        Gruesse
        Elke

  2. Antwort von nach 12 Stunden 0 hilfreich
    Re: Schimpfwörter

    Hallo,

    ich denke, man versucht mit einem Schimpfwort jemand herabzuwürdigen, ihm zu
    zeigen, dass man ihn nicht achtet oder für minder bemittelt einstuft bzw. ihm
    schlechte Eigenschaften zuschreibt. Und die Schimpfwörter geben einen Vergleich
    dazu ab – aus der "unreinen" Ecke, aus dem Tierreich, oder einfach Benennungen
    die mangelnde Intelligenz oder Moral zum Ausdruck bringen.
    Gruß
    Bolo2L

    • Antwort von nach 12 Stunden 0 hilfreich
      Kategorien

      Hallo André und Bolo

      Mir scheint interessant, einfach mal auf die Kategorien zu
      schauen, aus denen wi uns beim Beschimpfen und
      Herabwürdigen bedienen.

      Nebst den erwähnten
      – mangelnde Intelligenz
      – mangelnde Moral
      fallen mir auf die Schnelle noch ein:
      – Begriffsstutzigkeit, Dummheit, Blödheit (Depp)
      – mangelnde Sozialkompetenz und Kooperation (Idiot)
      – unfeine Herkunft (Bastard, Hurensohn)
      – missliebige Sexualvorlieben (Wixer, Motherfucker)
      – Langsamkeit, Störrigkeit (Esel, Kamel, Lama, Schlafhaube)
      – übertriebener Fleiss (Streber)
      – übertriebene Anpassung (Arschkriecher, Petze)
      – Geschwätzigkeit

      Aber das ist wahrscheinlich alles im von Fritz empfohlenen Buch
      ausgiebig bearbeitet …

      Grüsse
      Rolf

      • Antwort von nach 15 Stunden 1 hilfreich
        Re: Kategorien nach Pfeiffer

        Aber das ist wahrscheinlich alles im von Fritz empfohlenen Buch ausgiebig bearbeitet …
        Ein Ausschnitt gefällig?
        Bitte!

        "Wie viele Schimpfwörter gibt es – und wofür?

        Das Wörterbuch, das Sie gerade in den Händen halten, führt als eigene Stichwörter rund 6000 Ausdrücke auf, mit denen man schimpfen und spotten kann, und es gibt gewiss noch einige mundartliche oder selbstgebastelte Schimpfwörterwendungen mehr. Es entstehen ja auch immer wieder neue Schimpfwörter – der Phantasie sind bei der Neubildung beschimpfender Bezeichnungen, Zusammensetzungen oder Redewendungen keine Grenzen gesetzt –, so daß keine Sammlung jemals vollständig sein wird. Im Grunde kann man mit fast jedem Substantiv schimpfen: "Du Krebs!" – "Du Fliege!" – "Du Sofa!" – "Du Bettkiste!", oder auch, je nach Wertvorstellung: "Du Beamter!" – "Du Lehrer!" – "Du Politiker!" – "Du Soldat!" – "Du Linker!" – "Du Grüner!"

        Aber auch wenn man diese Wörter zur Beschimpfung benutzt, sind sie keine Schimpfwörter im sprachwissenschaftlichen Sinne; denn für sich genommen drücken sie keine derartige Wertung aus, die entsteht erst in der Gesprächssituation.

        Es gibt da die hübsche Geschichte von einem Studenten in Bonn, der gewettet hat, er könne noch ausdauernder schimpfen als eine wegen ihrer Schimpfgewalt berüchtigte Marktfrau. (Marktfrauen gelten überall als besonders schimpfbegabt, so wie man Kutschern nachzusagen pflegt, daß sie besonders oft und gern fluchen.) Nachdem die beiden Kontrahenten ihren Vorrat an gewöhnlichen Schimpfwörtern aufgebraucht hatten, begann der Student: "Du Alpha, du Beta, du Gamma. ..!" und sagte so das ganze griechische Alphabet auf. Da musste die Marktfrau passen!

        Aus dem Inhalt der Schimpfreden ließe sich ein Katalog alles dessen zusammenstellen, was die Schimpfenden für verächtlich und verabscheuenswert halten.
        Das können körperliche Merkmale sein, geistige und moralische Defekte, barsches oder unsoziales Verhalten, Charaktereigenschaften wie Feigheit oder Hitzköpfigkeit, Verhaltensweisen wie Hochmut, Aufgeblasenheit oder geckenhaftes Auftreten, Unsauberkeit im wörtlichen und im übertragenen Sinne u.a.m. Insgesamt bilden sie einen negativen Tugendspiegel.

        Wie viele abwertende Bezeichnungen gibt es allein für die dumme, faule, träge, schwatzhafte, zänkische, geizige oder verschwenderische, flatterhafte, liederliche oder unordentliche, dicke oder dürre usw. Frau! Kann man von den Männern das Gleiche sagen? Es sieht so aus, als seien sie auch auf diesem Gebiet (noch) sprachbeherrschend."


        Gruß Fritz

        • Antwort von nach 19 Stunden 0 hilfreich
          Da fällt mir ein …

          … dass es auf der politischen Bühne in der Schweiz vor einigen Monaten
          aufkam, die Gegenpartei als «die Linken und Netten!» zu beschimpfen.

          Ach ja, und Ihr Deutschen habt Euch ja den «Gutmenschen» zur Brust
          genommen …

          amüsierte Grüsse
          Rolf

          • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
            Re: Da fallen mir noch ein …

            all die neuesten:

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            ach ihr wisst es doch eh! ;-)

            Fritz

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