Trenne nie st .... hier: 'Wachstum'

Von: , Frage gestellt am Do, 9. Feb 2006

Hallo,

bei uns im Kollegenkreis ist eine Diskussion enormen Ausmaßes entbrannt. Es geht um das Wort WACHSTUM und wie man es gemäß der alten Rechtschreibung trennt. Laut Duden (wir haben leider keinen "alten") trennt man "Wachs-tum". Ist das die alte oder neue Regel? Denn wir haben ja alle in der Schule gelernt: Trenne nie st, denn es tut ihm weh!

Weiß jemand Rat??

Vielen Dank!!

Lynett

14 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 17 Minuten 4 hilfreich
    Re: Trenne nie st .... hier: 'Wachstum'

    Hallo Lynett,

    Das 'st' in Wachstum ist mitnichten ein Diphtong, sondern ein zufälliges Zusammentreffen dieser Buchstaben, das S gehört zu Wachs und das t zu Tum. Daher ist eine Trennbarkeit auch nach Altschreib zulässig.

    Gandalf

    • Antwort von nach 42 Minuten 2 hilfreich
      Re^2: Trenne nie st .... hier: 'Wachstum'

      Hallo, Gandalf und Lynett! Das 'st' in Wachstum ist mitnichten ein Diphtong, sondern ein
      zufälliges Zusammentreffen dieser Buchstaben, das S gehört zu
      Wachs und das t zu Tum. Daher ist eine Trennbarkeit auch nach
      Altschreib zulässig.
      Genau so ist es. Die alte Regelung trennte nach Sinneinheiten, also hier "wachs", der Wortstamm des Verbs "wachsen" + Suffix "-tum".

      Sie sinnorientierte Trennung machte vor allem bei Fremdwörtern Probleme. Der Pädagoge musste Päd-ago-ge getrennt werden, weil "Päd" vom Genitiv des griechischen Pais = Kind (Paid-os) herkommt.

      Nach der neuen Trennung wird nur nach Sprechsilben getrennt, also Pä-da-go-ge.

      Und die Regel: "Trenne nie st, ..." beruhte auf Setzerfaulheit und hatte nie eine wirklich logische oder bloß systematische Begründung.

      Gruß Fritz

      • Antwort von nach 2 Stunden 3 hilfreich
        Re^3: Trenne nie st .... hier: 'Wachstum'

        Hallo Und die Regel: "Trenne nie st, ..." beruhte auf Setzerfaulheit
        und hatte nie eine wirklich logische oder bloß systematische
        Begründung.
        doch Fritz, da das "st" (teilweise) eine Ligatur war(ist) und darum als eine Type gesetzt wurde (wird).

        Zugegebenermaßen ist dieser Sachverhalt in der Zeit von nur noch geschriebenen und nicht mehr gesetzten Werken nicht mehr erkennbar.

        Gerhard

        • Antwort von nach 5 Stunden 2 hilfreich
          Re^4: Trenne nie st .... hier: 'Wachstum'

          Hallo Und die Regel: "Trenne nie st, ..." beruhte auf Setzerfaulheit
          und hatte nie eine wirklich logische oder bloß systematische
          Begründung.
          doch Fritz, da das "st" (teilweise) eine Ligatur war(ist) und
          darum als eine Type gesetzt wurde (wird).
          Sag ich doch! Das ist ein mechanisch-technischer, kein grammatikalisch-orthographischer!

          Weil es die Ligatur auf der Setzmaschine gab, musste man auch handschriftlich "st" zusammenlassen.

          Gruß Fritz

          • Antwort von nach 7 Stunden 2 hilfreich
            Re^5: Trenne nie st .... hier: 'Wachstum'

            Hallo,

            ich wollte das Ganze nur nicht auf der "Setzerfaulheit" beruhen lassen. Die Setzer machten auch nichts anderes als die alten Handschriften zu kopieren und da war eben das st schon eine Ligatur.

            Gerhard

            • Antwort von nach 8 Stunden 2 hilfreich
              Faule Setzer?

              Hallo, ich wollte das Ganze nur nicht auf der "Setzerfaulheit" beruhen lassen. Die Setzer machten auch nichts anderes als die alten Handschriften zu kopieren und da war eben das st schon eine Ligatur.
              Schön, seien die Setzer also nicht faul, sondern gewaltige Künstler und geniale Ökonomen!

              Die Regel: Trenne nie "st" wurde erstmals im sogenannten "Setzerduden" aufgestellt. Und von da kam sie in die allgemeine Orthographie.
              Es wäre durchaus denkbar gewesen, dass in handschriftlichen Texten "s t" hätte bei der Trennung getrennt geschrieben werden können.

              Und auch die Setzer hätten das tun können; weil es aber die Ligaturdruckblöckchen gab, ließen sie das, denn andernfalls hätten sie zwei Lettern einfügen müssen; und so ging es mit einem.

              Und das erlaube ich mir Faulheit zu nennen. Vielleicht klingt "ökonomisches, energie- und zeitsparenden Arbeiten besser.

              Und auch die alten Schreiber waren enorm faul oder ökonomische Arbeiter, denn schon diese hatten eine Menge von Zeichen und Kürzeln und eben die Ligaturen, um sich Arbeit zu ersparen.

              Ich habe mir mein Studium z. T. als Hiwi verdient und dabei Massen von Handschriften gelesen, besser entziffert und abgeschrieben, um sie als lesbaren Text drucken zu können.

              Gruß Fritz

            • Antwort von nach 10 Stunden 2 hilfreich
              Re: Faule Setzer?

              Hallo Fritz Und auch die Setzer hätten das tun können; weil es aber die
              Ligaturdruckblöckchen gab, ließen sie das, denn andernfalls
              hätten sie zwei Lettern einfügen müssen; und so ging es mit
              einem.

              Und das erlaube ich mir Faulheit zu nennen. Vielleicht klingt
              "ökonomisches, energie- und zeitsparenden Arbeiten besser.
              Du kennst doch diese berühmten Setzkästen, die man heute bestenfalls
              noch als Regale für Nippes braucht. Es ist keineswegs enorm viel
              zeitsparender gewesen, wenn man eine Ligatur für z.B. fl oder fi
              herausgeklaubt hat, anstelle der zwei einzelnen Buchstaben. Hingegen
              hat es dem Schriftbild gut getan und im einen oder anderen Fall eine
              hässliche Trennung erspart.

              Das Selbstbewusstsein der "Schwarzkünstler" kommt nicht zuletzt
              daher, dass eben der Berufsstolz eine lausige Typographie nicht
              zulässt.

              Von einem "Setzerduden" habe ich noch nie gehört. Da kannst Du mich
              vielleicht noch aufklären.

              Um zum Ursprungsthema zurückzukehren: Kein Setzer hätte je
              Wachst-um getrennt.

              Gruss
              Heinz

      • Antwort von nach 7 Stunden 0 hilfreich
        Von wegen Setzerfaulheit

        Hallo Fritz Und die Regel: "Trenne nie st, ..." beruhte auf Setzerfaulheit
        und hatte nie eine wirklich logische oder bloß systematische
        Begründung.
        Zu Ligaturen meint Wikipedia:

        Ein weiterer Grund für die Entwicklung von Ligaturen sind
        technische Notwendigkeiten im Bleisatz. Hier wurden häufig verwendete
        Buchstabenkombinationen zu einem Buchstaben, also zu einem
        Schriftkegel zusammengefasst, um zu verhindern, daß weit über den
        Schriftkegel auskragende Buchstaben (z. B. f oder Q) bei häufigem
        Gebrauch abbrechen und so den Buchstaben unbrauchbar machten. Das
        Druckbild einiger Buchstaben wurden seinerzeit rechts über den Kegel
        stehend gegossen, um so Löcher im Textfluß zu vermeiden und den
        nachfolgenden Buchstaben näher an den Vorgänger-Buchstaben setzen zu
        können.


        Handsetzer hatten diesen Ausführungen zufolge also noch mehr Zeichen
        zu verarbeiten und folglich Mehrarbeit.
        Setzer, heute Typographen, sind keineswegs faul, auch wenn es solche
        Exemplare gibt. Setzer sind Ästheten und im besten Sinne
        "Korinthenkacker". Sie haben unsere Hochachtung verdient, wenn man
        ihnen Gelegenheit gibt, ihren Beruf seriös auszuüben.

        Du hattest nicht die Absicht, diesen Berufsstand zu verunglimpfen,
        gell?

        Gruss vom Heinz



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