Callgirlminister

Von: , Frage gestellt am So, 12. Mär 2006

Hallo,

während der Stern vom "Sexskandal-Minister Profumo" und dem 19-jährigen "Model" bzw. "Partygirl" Christine Keeler spricht
http://www.stern.de/politik/historie/:Gro%DFbritanni...
hat der Spiegel einen
CALLGIRL-MINISTER samt "Mannequin Christine Keeler

und einem weiteren Callgirl

namens Mandy Rice-Davies" zu bieten.
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,405288,00.html
Was wären nun die korrekten und diskriminierungsfreien Berufsbezeichnungen,

fragt sich
J.
mit gebotenem Ernst.
http://de.wikipedia.org/wiki/Profumo-Aff%C3%A4re
http://images.google.de/images?q=christine+keeler&hl...

11 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 6 Stunden 0 hilfreich
    Re: Callgirlminister

    Was wären nun die korrekten und diskriminierungsfreien
    Berufsbezeichnungen,





    Wieso diskriminierungsfrei?



    Ein Callgirl ist nun mal ein Callgirl. Willst Du sie Nutte nennen?

    Und ein Minister, der sich damit einläßt, muß sich auch so nennen lassen, wie man ihn nennt.

    mfgConrad

  2. Antwort von nach 11 Stunden 1 hilfreich
    Re: Callgirlminister

    Hallo, Jakob,
    du darfst nicht vergessen, in welcher Zeit dieser Fall spielte. In den frühen 60er Jahren war man nun einmal in Sachen Sexualität zurückhaltend (um es freundlich auszudrücken). Die Nitribitt-Affäre - allerdings ohne politisch Auswirkungen - war kurz vorher in Deutschland ein ähnlicher Skandal. Und auch die Aufregung um Hildegard Knef (Die Sünderin) oder Ulla Jacobsson (Sie tanzte nur einen Sommer) sind kennzeichnend für diese Aera.

    Und da war die Bezeichnungen "Partygirl" oder selbst "Mannequin" bereits stark negativ besetzt. Das waren Frauen, die sich mit Männern zeigten, mit denen sie weder verlobt noch verheiratet waren. Selbst wenn diese Damen reine Begleiterinnen gewesen wären, so "etwas" tat man damals nicht.

    Da war "Partygirl" noch die neutralste Bezeichnung. Die Worte "Hure" oder "Nutte" waren im Vokabular nicht vorhanden. Dieser ganze Bereich war für respektable Bürger nicht vorhanden, unaussprechlich und schon gar nicht zu "beschreiben".

    Nicht zuletzt diese Doppelmoral (man tat es zwar heimlich, sprach aber nicht darüber und wenn, dann nur in verächtlichem, entrüstetem und verurteilendem Ton) führte u.a. zu der Entstehung einer Jugend- und Protestkultur, die einfach so nicht mehr leben wollte. Immerhin dauerte es ja dann noch etliche Jahre, bis sich der aufgestaute Frust Ende der 60er entlud.

    Um den Bogen zu den Bezeichnungen zu kriegen: Es gab keine angemessene und "anständige" Benennung dafür. Rosemarie Nitribitt, Christine Keeler, Mandy Rice-Davies und andere "Halbweltdamen" waren so fern des anständigen Bürgertums, dass es dafür einfach (noch) keine druckfähige Beschreibung dafür gab.

    Grüße
    Eckard




    • Antwort von nach 11 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Callgirlminister

      Servus, Eckard:-)

      Ich erinnere mich dunkel, in meiner Kindheit manchmal den Ausdruck
      "Lebedamen" gehört zu haben.

      Oder war das was anderes?

      Lieben Gruß aus dem Bunker, jenny

      • Antwort von nach 12 Stunden 1 hilfreich
        Re^3: Callgirlminister

        Hi Jenny, Ich erinnere mich dunkel, in meiner Kindheit manchmal den
        Ausdruck
        "Lebedamen" gehört zu haben.

        Oder war das was anderes?
        nein - das war der übliche Begriff, wenn man den Begriff 'Prostituierte' vermeiden wollte, ohne 'Gossensprache' zu benutzen - die Presse war sehr viel zurückhaltender als heute; ein Begriff wie 'Hure' oder gar 'Nutte' fand sich allenfalls in Heftchen wieder, die unter dem Ladentisch gehandelt wurden.

        Der Begriff 'Lebedame' hat allerdings die Konnotation eines gehobenen Preisstandards - bezeichnete also das, was heute unter 'Edelnutte' verstanden wird. Der 'Lebemann' hingegen ging keinerlei Tätigkeit (auch keiner dienstgewerblichen) zur Erzielung eines Einkommens nach - das wäre wiederum ein Gigolo (oder noch altmodischer 'Eintänzer') gewesen. Beide Bezeichnungen meinen natürlich ursprünglich einen mietbaren Tanzpartner - wobei man in einem solchen Beruf eben auch häufig die Möglichkeit eines Nebenverdienstes nutzte ...

        Der Lebemann hingegen führte lediglich einen (durchaus auch sexuell) ausschweifenden Lebenswandel. Wobei der Begriff natürlich das 'Gschmäckle' moralischer Missbilligung hatte.

        Freundliche Grüße,
        Ralf

        • Antwort von nach 12 Stunden 0 hilfreich
          Re^4: Callgirlminister

          Servus, Fritz, servus, Ralf:-)

          Nun müsst ihr ein wengerl streiten, ihr Zwei:-))

          War nun eine Lebedame "nur" eine sehr lebendige Dame oder schon eine Edelprostituierte - und wenn sie letzteres war, dann war sie vermutlich genau das, was Jakob in seiner Eingangsfrage gemeint hat und John Profumo ein "Lebedamenminister"??

          @Fritz: Ende nie heute:-((

          Dennoch lieben Gruß aus dem Bunker, jenny

          • Antwort von nach 14 Stunden 1 hilfreich
            Lebedamen

            Nun müsst ihr ein wengerl streiten, ihr Zwei:-))
            Nun, es braucht keinen Streit. Ich bin sicher, dass man, als man das Wort "Lebedame" prägte, es wirklich nur ein Pendant zu Lebemann war.
            Eine solche Dame hatte Geld genug und es nicht nörtig sich für ihre Liebesbezeigungen bezahlen zu lassen.

            Im Gegenteil, sie wird sich ihre Eintänzer und Gigoli und Papagalli schon selber ausgesucht und entsprechend honoriert haben.
            Ich denke da an Madam Houpflé.

            Das man solches Verhalten bei einer Frau weniger akzepieren kann als bei einem Mann, lässt sie moralisch natürlich ganz schlecht aussehen.

            Es waren dann die prüden Zeiten, die den Ausdruck dann auch auf Edeldirnen münzten.

            Guckt man bei http://wortschatz.uni-leipzig.de/ wird man nur in den Kindlerartikeln die ursprüngliche Bedeutung finden oder etwa dies:

            Colette, die mondäne Lebedame und Schriftstellerin, stammt aus tiefster burgundischer Provinz und notierte über ihre Heimat: "Ich gehöre dem Land, das ich verlassen habe. (Quelle: DIE WELT 2000)

            Ansonsten ist in der Tat fast nur von Nitribitt und Brühne die Rede.

            Aber wie sagte schon Nietzsche:
            "Auch das Konkubinat ist korrumpiert worden - durch die Ehe."

            Gruß Fritz

            • Antwort von nach 17 Stunden 0 hilfreich
              Re: Lebedamen

              Fritz hat schon recht. Grundsätzlich handelte es sich - wenn der Begriff 'Lebedame' auf eine Dame, die 'sich aushalten ließ', angewandt wurde - um einen Euphemismus, ähnlich wie beim Gigolo als männlichem Gegenstück. Das Anrüchig-Unmoralische wird da eher angedeutet als ausgesprochen. Im täglichen Sprachgebrauch allerdings war der Begriff in seiner euphemistischen Bedeutung bald geläufiger als in seiner ursprünglichen, wie auch Fritz' kleine quantitative Recherche gezeigt hat.

              Die 'Lebedame' wurde so im 20. Jahrhundert zur Nachfolgerin der 'Kurtisane', die mit der Belle Époque unterging. Der literarische Archetypus der Lebedame ist Wedekinds 'Lulu'.

              Freundliche Grüße,
              Ralf

            • Antwort von nach 19 Stunden 1 hilfreich
              Kameliendame <> Lulu

              Die 'Lebedame' wurde so im 20. Jahrhundert zur Nachfolgerin der 'Kurtisane', die mit der Belle Époque unterging. Der literarische Archetypus der Lebedame ist Wedekinds 'Lulu'.
              Verzeih, Ralf, dass ich schon wieder etwas anderer Meinung bin.

              DIE Kurtisane war doch wohl die "Kameliendame" von Dumas!
              Lulu erscheint mir eher als männermordende femme fatale.

              Gruß Fritz

      • Antwort von nach 12 Stunden 1 hilfreich
        Lebedamen

        Guten Tag, Jenny,

        du lebst also auch noch, bist also auch eine der "Lebedamen".
        ;-) Oder war das was anderes?
        Ich denk schon; Lebedamen haben das Geld schon. Sie müssen sich dafür nicht mehr zurücklegen. Woher sie das Geld haben, darf man dabei nicht immer fragen. (s. u.)

        Dazu:

        Le|be|da|me, die [geb. nach Lebemann] (abwertend): elegante, reiche Frau, die im Luxus lebt u. dem sinnlichen Genuss ergeben ist.

        © Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001
        aus dem Bunker
        Musst roboten? Wie lange?

        Gruß in den Bunker
        Fritz

        Dass ichs nicht zu erzählen vergess:

        A: Woher haben denn die Schmidkys das viele Geld?
        B: Nun, er soll früher gut verdient und sich was zurückgelegt haben.
        C: Ich habe gehört, dass sie sich früher was zurückgelegt und dabei gut verdient hat.



Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!