Hallo, Jakob,
du darfst nicht vergessen, in welcher Zeit dieser Fall spielte. In den frühen 60er Jahren war man nun einmal in Sachen Sexualität zurückhaltend (um es freundlich auszudrücken). Die Nitribitt-Affäre - allerdings ohne politisch Auswirkungen - war kurz vorher in Deutschland ein ähnlicher Skandal. Und auch die Aufregung um Hildegard Knef (Die Sünderin) oder Ulla Jacobsson (Sie tanzte nur einen Sommer) sind kennzeichnend für diese Aera.
Und da war die Bezeichnungen "Partygirl" oder selbst "Mannequin" bereits stark negativ besetzt. Das waren Frauen, die sich mit Männern zeigten, mit denen sie weder verlobt noch verheiratet waren. Selbst wenn diese Damen reine Begleiterinnen gewesen wären, so "etwas" tat man damals nicht.
Da war "Partygirl" noch die neutralste Bezeichnung. Die Worte "Hure" oder "Nutte" waren im Vokabular nicht vorhanden. Dieser ganze Bereich war für respektable Bürger nicht vorhanden, unaussprechlich und schon gar nicht zu "beschreiben".
Nicht zuletzt diese Doppelmoral (man tat es zwar heimlich, sprach aber nicht darüber und wenn, dann nur in verächtlichem, entrüstetem und verurteilendem Ton) führte u.a. zu der Entstehung einer Jugend- und Protestkultur, die einfach so nicht mehr leben wollte. Immerhin dauerte es ja dann noch etliche Jahre, bis sich der aufgestaute Frust Ende der 60er entlud.
Um den Bogen zu den Bezeichnungen zu kriegen: Es gab keine angemessene und "anständige" Benennung dafür. Rosemarie Nitribitt, Christine Keeler, Mandy Rice-Davies und andere "Halbweltdamen" waren so fern des anständigen Bürgertums, dass es dafür einfach (noch) keine druckfähige Beschreibung dafür gab.
Grüße
Eckard