Indianer und Schmerz

Von: , Frage gestellt am Mi, 9. Aug 2006

Hallo,

jeder kennt die Redensart: "Ein Indianer kennt keinen Schmerz."
Wo liegt der Ursprung dieser Redensart? Ist es eine Aussage, die von Indianern
selbst stammt (so nach dem Motto: Ein Krieger darf keinen Schmerz, keien Schwäche
zeigen, sonst hat er gegen den Feind schon verloren) – oder ist es als eine
Beobachtung aus unserer Welt zu verstehen (hat vielleicht jemand wie Karl May
sowas mal geschrieben oder so ...)?

Wer weiß was?

Danke,
Bolo2L

14 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 8 Minuten 0 hilfreich
    Re: Indianer und Schmerz

    Hallo,

    ich habe den Eindruck, dass diese Redensart unter dem Einfluss der Karl-May Romane entstanden ist.

    Gruß,

    Myriam

    • Antwort von nach 35 Minuten 1 hilfreich
      Danke, aber ...

      ... mir geht es in diesem Falle wirklich um Wissen, nicht um den Eindruck, also
      um die eigentliche Quelle.

      Danke trotzdem

      Bolo2L

      • Antwort von nach 50 Minuten 2 hilfreich
        Re: Danke, aber ...

        ... mir geht es in diesem Falle wirklich um Wissen, nicht um
        den Eindruck, also
        um die eigentliche Quelle.
        Solange bis jemand vorbeikommt, der sie kennt, kann ich Dir ja mal den Ursprung meines Eindruckes erläutern:

        Die Redensart hat ja tatsächlich einen gewissen wahren Kern (Sonnentanzritual, wenn Dir das was sagt). Trotzdem gibt es keine Entsprechung dieser Redensart im Englischen. Wenn es also um echte Indianer ginge, sollte man annehmen, dass die Redensart aus dem englischen Sprachraum zu uns kam, das tat sie also wohl nicht. Das führt mich zu der Schlussfolgerung, dass die deutsche Redensart ihren Ursprung bei Karl May haben müsste.

        Gruß,

        Myriam

        • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
          Re^2: Danke, aber ...

          Hallo Myriam,

          das überzeugt mich wirklich. Diese bestechende Logik ist ja fast schon ein
          Beweis!

          Danke!
          Bolo2L

        • Antwort von nach 3 Stunden 2 hilfreich
          Re^2: Ergänzung

          Hallo, Wenn es
          also um echte Indianer ginge, sollte man annehmen, dass die
          Redensart aus dem englischen Sprachraum zu uns kam, das tat
          sie also wohl nicht.
          das trifft sicher zu, siehe auch z. B.

          <Erik Lee Christopherson (Indianer aus Kanada):>
          ...Interessant war, zu erfahren, daß es in Deutschland die Redewendung gibt »Ein Indianer kennt keinen Schmerz!« Das ist natürlich sehr schmeichelhaft, wenn man es genau bedenkt, aber natürlich nicht wahr. Vielleicht ist diese Vorstellung entstanden, weil Bilder über die Sonnentanzzeremonie verbreitet wurden. Bei dieser Zeremonie werden Haut und Muskeln durchbohrt, um die eigene Fähigkeit unter Beweis zu stellen, sich über die physische Realität zu erheben und auf einer spirituellen Ebene zu kommunizieren...
          http://www.ikg.rt.bw.schule.de/virkla/names/schuels/...

          und

          http://web.archive.org/web/20040316002334/http://use... Das führt mich zu der Schlussfolgerung,
          dass die deutsche Redensart ihren Ursprung bei Karl May haben
          müsste.
          Er hat auf jeden Fall erheblich zur Verbreitung dieses Stereotyps beigetragen:

          ...Ein Indianer wird von frühester Kindheit an in dem Ertragen körperlicher Schmerzen geübt. Er gelangt dadurch so weit, daß er die größten Qualen ertragen kann, ohne mit der Wimper zu zucken. Vielleicht sind die Nerven des Roten auch weniger empfindlich als diejenigen des Weißen. Wenn der Indianer gefangen wird und am Marterpfahle stirbt, so erträgt er die ihm zugefügten Schmerzen mit lächelndem Munde, singt mit lauter Stimme sein Todeslied und unterbricht dasselbe nur hie und da, um seine Peiniger zu schmähen und zu verlachen. Ein jammernder Mann am Marterpfahle ist bei den Roten eine Unmöglichkeit...
          [aus: "Der Schatz im Silbersee"]
          http://www.karl-may-werke.de/auf_tod_und_leben_m9075...

          Gruß
          Kreszenz

          • Antwort von nach 22 Stunden 0 hilfreich
            Re^3: Ergänzung 2

            Danke für diese tollen Ergänzungen.

            Zusätzlich möchte ich noch erwähnen, dass im Winnetou I, wo Old Shatterhand ja von den Apachen gefangen genommen wird, ziemlich sicher auch auf diese Sache mit dem "keine Reaktion auf Schmerz zeigen" eingegangen wird. Die genaue Stelle liegt mir leider nicht vor.

            Gruß,

            Myriam

      • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
        Re: Danke, aber ...

        Hallo Bolo. um die eigentliche Quelle.

        Band und Seitenzahl kann ich Dir auch nicht sagen. Aber fast alles Wissen, und das meiste davon ziemlich fundiert, das wir über die Indianervölker haben, wurde von Karl May in seinen Romanen verbreitet.
        Auch J.F.Cooper ist hier zu erwähnen.
        Und K.May beschreibt an verschiedenen Stellen die Rituale bei der Behandlung von gefangenen Feinden am Marterpfahl. Dazu gehörte die Marter (Folter), um dem Feind Wehklagen zu entlocken. Zu höchstem Ansehen brachte es ein gemarterter Feind, wenn er die schlimmsten Torturen über sich ergehen ließ, ohne einen Laut von sich zu geben oder eine Miene zu verziehen. Und das brachten, nach K. May, hauptsächlich nur Indianer selbst fertig.
        Und seit dem sagen Väter zu ihren spielenden Kindern, die hingefallen sind und laut weinend mit Tomahawk und Federschmuck dastehen:"Was bist denn Du für ein Indianer? Ein Indianer kennt keinen Schnerz, Hugh!!"
        Und das wirkt Wunder!!!
        Mit freundlichen Grüßen
        Alexander Berresheim

        • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
          Re^2: Danke, aber ...

          Danke, Alexander,

          die Szenerie erhellt sich mehr und mehr ... :-)

          Indianergruß
          Bolo

  2. Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
    Re: Indianer und Schmerz

    Hallo Bolo,

    ich erinnere mich, in einem einigermaßen seriösen Buch (dessen Titel ich aber vergesen habe) von einem Initiationsritus bei den Prärieindianern gelesen zu haben, der es in sich hatte.
    Angefangen von Schlafentzug über sich steigernde körperliche Schmerzen, die im Abhacken des letzten Kingergliedes des linken kleinen Fingers gipfelten.
    Der tiefere Sinn soll wohl darin gelegen haben, daß die Indianer Meister der Folter waren (Marterpfahl) und ein Krieger seine Ehre verlor, wenn er bei diesen Martern seinen Schmerz zeigte.

    Gandalf



Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!