ich bedanke mich

Von: , Frage gestellt am Do, 29. Mär 2007

GUten Tag, es gibt 2 Formulierungen, die ich häufig höre und äußerst unaufrichtig finde:

1.: ich bedanke mich
Das klingt ich-bezogen, nicht auf den Adressaten gerichtet. Man sagt auch "ich bekleckere mich, ich beömmel mich (mache mich (hämisch) lustig), ich bepisse mich (vor Lachen)". ALles keine schönen Zustände, die aber ähnlich formuliert werden mit dem reflexiven "mich".
Aufrichtiger formuliert klingt mMn "ich danke Ihnen" oder "ich danke für ..." oder auch einfach "ich danke". Das "ich danke Ihnen" gibt verbal etwas zurück an denjenigen, der einen Gefallen getan, etwas geschenkt etc. hat. "Ich bedanke mich" dreht sich im Kreis und bezieht denjenigen, dem man vielleicht danken will, nicht ein.

2. ich entschuldige mich
Das klingt ähnlich falsch. Ich kann um Entschuldigung bitten, wenn ich mich selber entschuldige, per internem Ablassbrief, hat es für die Gesprächssituation eigentlich keinen Wert. Warum muss man das dann noch äußern, wenn man sich ohnehin "selbst" entschuldigt - das könnte man auch nonverbal machen. Man denke sich dann intensiv "ich entschuldige mich" und braucht kein Wort drüber zu verlieren. Wenn man aber eines anderen Entschuldigung möchte, sollte man das auch sagen: "Bitte entschuldige ....."

Wie seht Ihr das?

dalga

11 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 36 Minuten 3 hilfreich
    Re: ich bedanke mich

    1.: ich bedanke mich
    Das klingt ich-bezogen, nicht auf den Adressaten gerichtet.
    Man sagt auch "ich bekleckere mich, ich beömmel mich (mache
    mich (hämisch) lustig), ich bepisse mich (vor Lachen)". ALles
    keine schönen Zustände, die aber ähnlich formuliert werden mit
    dem reflexiven "mich".
    Und "ich freue mich", "ich sehne mich"? Sind die etwa negativ? Außerdem ist "sich beömmeln" eindeutig etwas positives. Es sei denn, du hast etwas gegen herzhaftes Lachen. Mit 'hämisch' hat das Wort nichts zu tun, da es relativ konnotationsfrei ist. Aufrichtiger formuliert klingt mMn "ich danke Ihnen" oder "ich
    danke für ..." oder auch einfach "ich danke". Das "ich danke
    Ihnen" gibt verbal etwas zurück an denjenigen, der einen
    Gefallen getan, etwas geschenkt etc. hat. "Ich bedanke mich"
    dreht sich im Kreis und bezieht denjenigen, dem man vielleicht
    danken will, nicht ein.
    Auch da kann ich dir nicht zustimmen. Zwar sind deine hier genannten Formen gebräuchlicher und klingen für mich auch besser, aber "ich bedanke mich" wird durchaus nicht weniger aufrichtig benutzt. Das sagt man sogar sehr oft. "Ich bedanke mich!" (nach Telefonaten), "Ich bedanke mich für Ihrend Anruf!" (dito), "Ich bedanke mich recht herzlich!" (förmlich). Das sind recht fixe und förmliche Floskeln, und müssen nicht die wahren Intentionen des Sprechers darstellen, aber das trifft für "Vielen Dank!", "Dankeschön!" und "Ich danke Ihnen!" genauso zu.
    Und wenn man sich bedankt, dann ist der Adressat meistens aus dem Kontext erschließbar (erschließlich?), genau wie der Grund des Dankens. Er muss also nicht zwingend miterwähnt werden. 2. ich entschuldige mich
    Das klingt ähnlich falsch. Ich kann um Entschuldigung bitten,
    wenn ich mich selber entschuldige, per internem Ablassbrief,
    hat es für die Gesprächssituation eigentlich keinen Wert.
    Warum muss man das dann noch äußern, wenn man sich ohnehin
    "selbst" entschuldigt - das könnte man auch nonverbal machen.
    Man denke sich dann intensiv "ich entschuldige mich" und
    braucht kein Wort drüber zu verlieren. Wenn man aber eines
    anderen Entschuldigung möchte, sollte man das auch sagen:
    "Bitte entschuldige ....."
    Die feststehende Wendung ist "ich entschuldige mich bei dir/Ihnen für das-und-das", da auch hier im Normalfall klar ist, bei wem und meistens auch weswegen, können diese Argumente entfallen, zurück bleib "ich entschuldige mich". Für mich hört sich der Satz sehr aufrichtig (auf jeden Fall besser als ein einfaches "Entschuldigung!") und höflich an. Auch das ist eine fixe Redewendung und Floskel, die eigentlich nie mit Bedacht über ihre eigentliche, wörtliche Bedeutung verwendet wird – niemand denkt sich dabei, jemanden zu bitten, ihn von seiner Schuld zu befreien. Schuld ist man immer, wenn man Mist gebaut hat, wenn du also von der logischen Seite versuchst, die Floskel ad absurdum zu führen, ist der ganze Akt des sich Entschuldigens nichtig weil unmöglich. Um Vergebung zu bitten, wäre wörtlicher.
    Wenn du dich entschuldigst, zeigst du dadurch, dass du einen Fehler oder eine 'Missetat' einsiehst und bringst dein Wissen um die (übertrieben gesagt) "emotionalen Schaden" zum Ausdruck, den du bei der betreffenden Person anrichtest. Dadurch bittest du implizit schon um Vergebung.

    Grüße,
    - André

  2. Antwort von nach einer Stunde 4 hilfreich
    Re: ich bedanke mich

    Hallo, Dalga,

    André hat das wichtigste schon gesagt. Ich will nur noch den grammatischen Aspekt herausstreichen.

    "mich" ist ein Reflexivpronomen, mit dem man - unter anderem - ausdrückt, dass man persönlicher, inniger an einer Sache oder Handlung partizipiert.

    Ich danke Ihnen. Ich bedanke mich bei Ihnen.

    Das direkte Objekt im ersten Satz steht recht kahl da. Im zweiten Satz ist das Objekt durch die Beigaben sehr viel mehr betüttelt. Es mag sein, dass diese Betüttelung dir sauer aufstößt. Aber wenn sie nicht ironisch und afterkriecherisch gemeint ist, spricht doch sehr viel mehr Herzlichkeit daraus.

    Das geht auch mit dem Dativ.

    Ich kaufe ein Auto. Ich kaufe mir ein Auto.

    Merkst du den Unterschied? Im zweiten Satz wird deutlich, für wen, in wessen Interesse ich handle.

    Ich schaue den Film an. Ich schaue mir den Film an.

    Im ersten Fall eine Reportage, die für meine gesellschaftliche Lage von Belang ist. Im zweiten Fall einen Liebes/Aktion/Horror/Fantasyfilm, bei dem ich mich beömmle.

    Meiner Beobachtung nach, die ich aber statistisch nicht belegen kann, werden die Reflexivformen häufiger in Süddeutschland verwendet.

    Gruß Fritz

    • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: ich bedanke mich

      Hallo Fritz

      Weiter unten wurde mir bös übers Maul gefahren, weil ich "grammatisch" bzw. "ungrammatisch" anzweifelte; nun lese ich es auch bei dir.
      Da ich dich für eine Koryphäe der deutschen Sprache halte, möchte ich dich nun bitten, mir zu erklären, wo in meinem Wissen/Halbwissen der Fehlerteufel Einzug erhielt.
      Während des Unterrichtes meiner außerordentlich attraktiven Deutschlehrerin, lernte ich einzig und allein das Wort "grammatikalisch". Das ist nun ja schon ein Weilchen her.
      Wenn ich in den aktuellen Duden schaue, dann wird hier zwar "grammatisch" (selten für grammatikalisch) erwähnt, keinesfalls jedoch "ungrammatisch".
      Viele Wörter etablieren sich durch häufige Benutzung; dass diese vormals falsch waren, erweist sich oftmals als sekundär.
      Offen gesagt stehe ich vor einem Berg Vermutungen; klär mich doch bitte mal auf.

      Gruß,
      B. Ich will nur noch den grammatischen Aspekt herausstreichen.

      • Antwort von nach 3 Stunden 3 hilfreich
        Re^3: ich bedanke mich

        Dazu, bester Bernd, habe ich schon vor Jahr und Tag [FAQ:2357] verfasst.
        Gruß Fritz

        • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
          Schon wieder kein verlorener Tag

          Hallo nochmals Fritz Dazu, bester Bernd, habe ich schon vor Jahr und Tag
          [FAQ:2357] verfasst.
          Ich ahnte doch, wahr mir der Bestätigung gewiss, auf dich ist Verlass :)

          Gruß, Dank und *,
          Bernd.

  3. Antwort von nach 5 Stunden 2 hilfreich
    Entschuldigung

    Guten Tag dalga

    Zu meinem Erstaunen hat Fritz dargelegt, dass «ich bedanke mich» eher
    persönlicher wirke als «ich danke dir».
    Das muss ich bei mir noch einsinken lassen, denn ich habe es bisher
    so wie du empfunden.

    Wenn es jedoch um Entschuldigung geht, halte ich deine Auslegung für
    gerechtfertigt. Es ist doch wahrlich nicht dasselbe, ob man sich
    selbst erleichtert, oder ob einem jemand eine Last abnimmt – um ein
    «benachbartes» Bild für die Entschuld(ig)ung zu brauchen.

    Wenn ich bei jemand in Schuld stehe, dünkt es mich anmassend, mich
    einfach selbst aus diesem Schuldverhältnis befreien zu wollen, wenn
    ich genug davon habe. Darum ersuche ich den Betroffenen, mir die
    Schuld zu erlassen – und dafür passt eine Bitte besser als «ich
    entschuldige mich». Denn dies könnte allenfalls wie eine kühle
    Feststellung wirken ... c’est le ton qui fait la musique!

    Da nun aber nicht alle so pingelig in die Wörter und Worte
    hineinhören, würde ich «auf der anderen Seite des Schalters»
    niemals zögern, jedwede Entschuldigung anzunehmen, wenn jemand nur
    IRGEND eine Absicht zeigt, das in Schieflage geratene Verhältnis zu
    bereinigen!

    Vielen Leuten fällt es so schwer, um Verzeihung oder Nachsicht zu
    bitten – da halte ich es für fehl am Platz, auf Formalitäten
    herumreiten ...

    Grüße
    Rolf

  4. Antwort von nach 20 Stunden 0 hilfreich
    Re: ich bedanke mich

    Ich danke Euch für Eure aufschlussreichen Erörterungen!
    ;-)

    dalga



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