Anker

Von: , Frage gestellt am Mo, 11. Dez 2000

Hallo Freunde,
vorhin fiel mir bei der Beantwortung eines Artikels die Ähnlichkeit zwischen dem Wort "Anker" und "Ankh" (dem ägyptischen Henkelkreuz) auf. Da die Form auch ungefähr stimmt, könnte man vermuten, daß es da einen Zusammenhang gibt. Wer weiß mehr?

Ciao
Uwe

15 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 3 Stunden 3 hilfreich
    Re: Anker

    Sehr geehrter Herr Rill,

    so leicht geht das mit der Etymologie nicht. Man nennt das Volksetymologie, was Sie da versuchen. Nach dem Motto: Der Bodensee heißt Bodensee, weil ich nicht den Boden seh. ;-)
    Schon die alten Lateiner kannten den Scherz: Lucus a non lucere.
    Lucus bedeutet Hain, Wäldchen, lucere meint leuchten, hell sein.
    Der lateinische Satz meint also ungefähr: Das Wäldchen heißt so, weil es darin n i c h t hell ist. ;-)) Wenn man sich die Freiheit nimmt und lucus mit Waldlichtung überträgt, wird das Wortspiel noch deutlicher

    Nun aber zum Anker. Das Wort stammt vom griechischen "ankyra" und ist übers lateinische "ancora" ins Deutsche gekommen.

    Ein Zusammenhang zwischen "Ankh" und Anker ist schon allein deshalb kaum anzunehmen, da man nicht genau weiß, welchen Lautwert das Henkelkreuz im Ägyptischen hatte. Daher auch die unterschiedlichen Schreib- und Sprechformen von "Tut-Anch-Amun" in den verschiedenen Sprachen und bei verschiedenen Autoren.

    Mit besten Grüßen
    Fritz Ruppricht

    • Antwort von nach 6 Stunden hilfreich
      Vielen Dank...(o.T.)

      o.T. = ohne Text ;)

      • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
        moment, altindisch

        das geht mir alles ein bisschen schnell.

        ich habe zwar gerade nur den ety-duden hier, aber auch er weiss, dass griechisch agkyra auf altindisch ankusa-h "haken" zurückgeführt wird, und zwar im sinn von "krumm, gebogen". das kann mit ankh durchaus zusammenhängen.

        nun ist also vieles möglich: altindisches lehnwort im altägyptischen? altägyptisches lehnwort im altindischen? seit wann ist "ankh" nachweisbar? gabs handels/schiffsverbindungen nach indien? oder könnten beide sprachen den begriff aus einer weiteren haben, etwa aus dem zweistromland?

        nicht dass ich es GANZ ernst meine. aber ich lese nun mal gerne gegenargumente ;-)

        dietmar

        • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
          Re: moment, altindisch

          Lieber Herr Barz,

          wenn der ety-Duden eine altindische Wortentsprechung nennt, heißt das nicht, dass das Wort von dort abgeleitet ist, sondern nur, dass es auch in dieser indoeuropäischen Sprache ein ähnliches Wort gibt, mit mehr oder weniger ähnlicher Bedeutung. Hierbei geht es um sprachliche Entsprechungen.

          Man muss da aber auch die Sache selbst mit in Betracht ziehen. Nun waren meinen Kenntnissen zufolge die Griechen die ersten, die das Gerät "Anker" benutzten. Sie haben die Sache vermutlich erfunden und ihm den Namen gegeben. ankyra meint wörtlich: "Ding mit gekrümmten Enden". Von den Griechen übernahmen es die Römer und von denen haben es auch wir (also die in Europa lebenden Völker und Sprachen) übernommen.

          Vorher wurden schwere Steine zum Festhalten der Schiffe benutzt, was an den ahd. Wörtern: "senkil, senkila, senkilstein" abzulesen ist.

          Diese Weisheiten stammen aus dem dtv Etymologischen Wörterbuch des Deutschen, das dem ety-Duden weit überlegen ist.

          Mit besten Grüßen
          Fritz Ruppricht

          • Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
            segel statt anker


            Diese Weisheiten stammen aus dem dtv Etymologischen Wörterbuch
            des Deutschen, das dem ety-Duden weit überlegen ist.
            dem stimme ich unbedingt zu und erlaube mir, dazu ein textlein anzuhängen. ich habe den "pfeifer" nur leider nicht in meinem büro, wenn ich mich bei w-w-w entspanne, und konnte so nur allgemeine einwände gegen die anti-ankh-fraktion erheben :-)

            Fetzen oder Mantel?

            Pfeifer, Duden, Kluge: Sprachforscher streiten um die Herkunft des Wortes „Segel“

            Um die Geschichte des wortes „Segel“ streiten sich die Germanisten. „Gehört wahrscheinlich im Sinne von ,abgeschnittenes Tuchstück‘ zu der unter Säge behandelten Wortgruppe“, heißt es im Herkunftswörterbuch des Dudenverlages, dem „Etymologie-Duden“. Er verweist auf die verwandten altisländischen Wörter segi „Fleischstreifen“ und sœgr „losgerissenes Stück“. „Wenig befriedigend“ findet dies der Berliner Sprachwissenschaftler Wolfgang Pfeifer in seinem „Etymologischen Wörterbuch des Deutschen“. Ein Segel sei kein abgerissener Fetzen, sondern ein sorgfältig zusammengenähtes Stück Stoff.

            Tatsächlich machen die „abgeschnittenen Tücher“ wenig Sinn. Die ersten germanischen Segel, die dann auch ein eigenes Wort benötigten, waren sicher nicht so klein, dass dafür Stoff etwa aus großen Tüchern herausgeschnitten werden konnte. Selbst wenn das Segelzeug von Stoffbahnen abgetrennt wurde – das war auch für Kleidung der Fall, ohne dass sie deswegen einen ähnlichen Namen bekommen hätte. Die Eigenschaft des Segelstoffes, abgeschnitten zu sein, war wohl kaum bedeutungs- und wortstiftend.

            Nachweisbar ist Segel als segal im Althochdeutschen seit dem 8. Jahrhundert; segl ist kurze Zeit später im Altisländischen belegt. Das Wort könnte kurz nach der Zeitwende entstanden sein, denn der römische Geschichtsschreiber Tacitus erwähnt im Jahr 98, dass bei den Suionen in Schweden das Segel unbekannt sei. Plinius der Ältere, der seine Militärzeit um das Jahr 50 herum in Germanien abgeleistet hat, berichtet, dass Segel dort erst seit kurzem verfertigt würden.

            Beim römischen Einfluss setzt Sprachwissenschaftler Pfeifer für seine Alternative an: Vom lateinischen Wort sagum, „Mantel“, existiere die Verkleinerungsform sagulum, die wiederum ein umgangssprachliches segellum zulasse. Daraus wiederum könne „Segel“ entstanden sein. Vielleicht haben germanische Handwerker das Wort bei römischen Seefahrern aufgeschnappt. Zudem ist sagum, eigentlich die Bezeichnung für den Mantel der römischen Soldaten, selbst wiederum aus dem Germanischen übernommen. Im „Kleinen Pauly“, dem Lexikon der Antike, heißt es über sagum: „Das keltische Lehnwort bezeichnet ein Männergewand in Pelerinenform“, also rechteckig geschnitten, über den Kopf geworfen oder als Umhang getragen.

            Aber warum nennt der Duden den Pfeiferschen „Mantel“ nicht wenigstens als Alternative zum eigenen „abgeschnittenen Stoff“? Aus der Duden-Sprachberatung ist die knappe Antwort zu hören, Pfeifers Wörterbuch sei kein Referenzwerk; so sehe man das in Germanistenkreisen. Nein, das habe nichts damit zu tun, dass „der Pfeifer“ ein Ostprodukt ist, erstmals 1989 in der DDR erschienen, doppelt so ausführlich wie der Duden und mit mehr Nachweisen aus den slawischen Sprachen. Aber für Wortgeschichte gelten im Dudenverlag nur zwei Werke: der eigene Band und Friedrich Kluges „Etymologisches Wörterbuch“.
            Annett Auberle von der Duden-Redaktion – nicht von der Sprachberatung – erhebt hingegen sachliche Einwände. Gegen sagum spreche, dass sich eine Wortbedeutung „Segel“ im heimischen romanischen Sprachraum nicht fortentwickelt habe. Zudem sei der Übergang von der Betonung der ersten Silbe in sagum zur zweiten in segellum „etwas ungewöhnlich“. Außerdem werde ein Segel immer als ein Stück Stoff betrachtet; so bedeute das lateinische velum neben Segel auch Hülle oder Vorhang. Warum sollte plötzlich ein Kleidungsstück dem Segel den Namen geben?

            Diese Frage findet Pfeifer berechtigt, sieht aber keine bessere Erklärung als seine. Das lateinische segellum in germanischem Munde, vor allem von den seeanwohnenden nördlichen Germanen ausgesprochen, könne durchaus auf der ersten Silbe gedehnt werden. Konziliant beteuern aber beide Seiten den Forschungsbedarf. Derweil hat der Duden einen Verbündeten verloren. Die jüngste Auflage des „Kluge“ nennt das „abgeschnittene Tuch“ des Duden „denkbar“, doch „kaum mehr als eine Vermutung“. Pfeifers „Mantel“, immerhin, sei „ebenfalls gut zu begründen“.

            "mare" no. 20, Juni 2000

          • Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
            Re^2: moment, altindisch

            Hallo allerseits,
            wenn der ety-Duden eine altindische Wortentsprechung nennt,
            heißt das nicht, dass das Wort von dort abgeleitet ist,
            sondern nur, dass es auch in dieser indoeuropäischen Sprache
            ein ähnliches Wort gibt, mit mehr oder weniger ähnlicher
            Bedeutung. Hierbei geht es um sprachliche Entsprechungen.
            Das stimmt. Dazu würde ich sogar noch bemerken, daß die Tatsache, daß etwas im ety-Duden steht, nicht unbedingt bedeuten muß, daß dem tatsächlich so ist. Ich spreche da aus Erfahrung. Diese Weisheiten stammen aus dem dtv Etymologischen Wörterbuch
            des Deutschen, das dem ety-Duden weit überlegen ist.
            Unterstreiche ich unbedingt! Der Bertelsmann ist übrigens auch nicht besser als der Duden in dieser Hinsicht.

            Man könnte auch noch hinzufügen, daß der Pfeifer erwähnt, daß diese Begriffe auf der ie. Wurzel *ank-, *ang- beruht. Da das altägyptische bekanntermaßen keine indoeuropäische Sprache war, liegt eine in welche Richtung auch immer gelaufene Entlehnung näher als ein gemeinsamer Ursprung (wenn es denn nicht tatsächlich Zufall ist).

            Gruß, Kubi

  2. Antwort von nach 5 Stunden hilfreich
    Re: Anker

    Ankh wird in der westlichen Welt leider gerne als Henkelkreuz betitelt. Ich bin ein paar Jahre in Ägypten aufgewachsen. Dort ist es immer noch der Nilschlüssel, der Schlüssel zum Leben und zur Widerkehr allen Lebens, ein Zeichen der Fruchtbarkeit.

    Lieben Gruß, Faten

    • Antwort von nach 7 Stunden hilfreich
      Re^2: Anker

      Hallo Faten,
      ich habe einen kurzen Artikel über das Ankh in "Parawissenschaften allgemein/Re^3:Wiedergeburt/Reinkarnation" geschrieben. Du bist schon die zweite, die offenbar den Begriff des "Henkelkreuzes" nicht mag. Ist der irgendwie negativ belegt???

      Ciao
      Uwe

      • Antwort von nach 9 Stunden hilfreich
        Nilschlüssel

        Hi Uwe,

        ich kann nicht behaupten, daß ich mit Esoterik etc. auskenne, weshalb ich nicht weiß, welche Meinungen in den Kreisen kursieren.

        Wenn ich mein Unbehagen gegenüber dem Begriff Henkelkreuz für dieses spezielle zeichen begründen muß, dann kann ich nur sagen, daß mir der Nilschlüssel eben viel plausibler ist und der Symbolgehalt so einleuchtend. Außerdem assoziiere ich bei jedem Kreuz als Anhänger auch irgendwie die christliche Kirche. Nicht daß ich was gegen Christen habe oder das Ankh aussieht wie ein schlichtes christliches Kreuz. Aber ich muß eben daran denken und das behagt mir nicht, weil ja eine ganz andere Lebensphilosophie dahintersteckt - eben einer anderen Kultur.

        Ich weiß nicht, ob das jetzt alles ziemlich wirr für dich klingt :)

        Na ja, ich mag halt lieber den Nilschlüssel. Die Bedeutung ist mir eben viel näher am Leben und Sein als Henkelkreuz. Egal! :)

        Gruß, Faten



Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!