Verb 'weisen'

Von: , Frage gestellt am Sa, 30. Dez 2000

Wenn im Allgäu ein Kind geboren wurde, begeben sich die Frauen des Dorfes zu der jungen Mutter, bringen eine kleine Gabe mit und werden dafür bewirtet. Das Ganze nennt sich "zum Weisen gehen".

Woher kommt der Ausdruck? Sie weisen der jungen Mutter den Weg? Oder sie kommen wie die drei Weisen aus dem Morgenland? Muss es gar waisen heißen? Wer weiß was?

Andreas

4 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 10 Stunden hilfreich
    Re: Verb 'weisen' = schenken

    Servus, Andreas!
    Den Brauch gibt es auch bei uns im Land Salzburg und soviel mir bekannt ist, in ganz Österreich.
    Dieses Wort "weisen" hat seinen Ursprung im althochdeutschen Wort "wisod", das soviel bedeutet wie "Geschenk".
    Das "Weisat" bei der Geburt eines Kindes bestand früher aus "guten und stärkenden" Sachen: Milchbrotzopf, eine Suppenhenne, Eier, Butter, Zucker. Heute haben sich die Gaben geändert, oft sind es Geschenke für das Kind.
    Auch bei einer Hochzeit wird "geweist" (nicht gewiesen!), meistens nach dem Hochzeitsmahl, d.h. das Brautpaar erhält von allen Gästen Geschenke oder Bargeld.

    Glück und Gesundheit im neuen Jahrtausend! Helene [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re^2: Verb 'weisen' = schenken

      Ich bin aus Oberschwaben. Das ist der Teil Baden-Württembergs zwischen Ulm und Bodensee (grob gesagt). O'schwaben war bis ca. 1810 in viele kleine Herrschaften gegliedert, darunter besonders viele zu "Vorder-Österreich".

      Ich kenne das Wort "weisen" genau wie beschrieben.

      Einen Anstandsbesuch mit kleinen Geschenken bei Mutter und Neugeborenem machen. Wobei das Wort heute eigentlich veraltet ist, aber augenzwinkernd noch ab und zu gebraucht wird.

      Ludwig

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Re^3: Verb 'weisen' = schenken

        Ich bin aus Oberschwaben. Das ist der Teil Baden-Württembergs
        zwischen Ulm und Bodensee (grob gesagt). O'schwaben war bis
        ca. 1810 in viele kleine Herrschaften gegliedert, darunter
        besonders viele zu "Vorder-Österreich".

        Ich kenne das Wort "weisen" genau wie beschrieben.

        Einen Anstandsbesuch mit kleinen Geschenken bei Mutter und
        Neugeborenem machen. Wobei das Wort heute eigentlich veraltet
        ist, aber augenzwinkernd noch ab und zu gebraucht wird.
        Servus Kollege!
        Glück und Gesundheit im neuen Jahr!

        Bei uns ist nicht nur der Brauch, sondern auch das Wort nach wie vor lebendig: Bei Mutter und Kind machen wir nicht einen Besuch, sondern wir gehen "as (ins) Weisat", einem Hochzeitspaar machen wir nicht ein Geschenk, sondern wir "weisen ihm " etwas.
        Gruß Helene

  2. Antwort von nach einem Tag hilfreich
    Vielen Dank

    Das ist dann wohl die Antwort! Ganz vielen Dank an alle früheren und heutigen Österreicher.

    Andreas

Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!