Hallo Christian,
danke für die gute Beschreibung von LaTeX. Ich möchte dennoch auf ein
paar Punkte eingehen.
Um mit Latex zu arbeiten ist ein relativ hoher Lernaufwand
erforderlich. Man muß wissen, wie die Befehle sind, da führt
kein Weg drum herum, und an Befehlen gibt es Unmengen.
Das ist richtig. Der Umstieg von anderen Textverarbeitungen,
insbesondere von Word, ist aufgrund der komplett anderen
Vorgehensweise mit Aufwand verbunden.
LaTeX bietet in der Tat eine recht umfangreiche Markupsprache. Man
braucht aber „für den Hausgebrauch“ nur einen geringen Teil und der
ist auch nicht wirklich schwer zu verstehen, wenn man denn Englisch
kann. So kostet einen die Erzeugung eines Inhaltsverzeichnisses keine
weiteren Gedanken, sobald man den Befehl \tableofcontents
eingegeben hat. Auch die anderen Verzeichnisse sind einfach erzeugt:
\listoffigures für das Abbildungsverzeichnis,
\listoftables – na ratet mal, wofür. Und ein neues Kapitel
mit \chapter{Überschrift} anzufangen, dürfte auch nicht sonderlich
schwer fallen. So geht es dann weiter.
Etwas komplizierter ist das Einbinden von Grafiken in Latex,
welches nur bestimmte Formate unterstützt und diese auch nur
einer »reinen« Form. eps ist normalerweise das Dateiformat der
Wahl, aber eps-Dateien, welche z.B. in Photoshop erstellt
wurden, werden nicht unterstützt.
Das ist so auch nicht richtig. EPS (Encapsulated Postscript) ist ein
offen dokumentierter Standard von Adobe. LaTeX erwartet
standardkonformes EPS. Gerade Windows-Anwendungen nehmen es da aber
nicht so genau, das führt zu Schwierigkeiten. Wenn man aber den
Export über den Ausdruck wählt, also in eine Datei druckt, und den
original Adobe Postscript Druckertreiber nimmt, dann kann man sich
darauf verlassen. Wenn das nicht möglich ist, dann kann man mit
eps2eps die Fehler bereinigen lassen. Dieser Befehl lässt sich
wunderbar auf ganze Unterverzeichnisse anwenden, der Aufwand ist also
gering.
jpg wird genommen, aber nur ordentlich eingebunden wenn die
Informationen zur bounding box vorhanden sind.
Das gilt für alle Grafikformate. JPEG als Bitmapformat ist ohnehin
nicht erste Wahl für die Verarbeitung in Texten, da es sich nur
schlecht skalieren lässt. D.h. man muss die Bilder in sehr hoher
Auflösung einbinden (Minimum ist 300 dpi, professionell eher 1200),
was zu geradezu riesigen Dateien führt.
Da sich aber alle Grafikformate ineinander umwandeln lassen, ist die
Einbindung von EPS bzw. PDF/jpg (nutzt man pdflatex) keine harte
Einschränkung. Ich möchte in dem Zusammenhang nochmal auf das auch
für andere Zwecke sehr mächtige frei erhältliche ImageMagick Paket
hinweisen:
http://www.imagemagick.org/script/index.php
Hier sind Konvertierungsschritte oftmals
erforderlich (eps2eps etc.), welche die Bilder in das
gewünschte Format bringen. Dadurch werden natürlich auch
gewisse Automatismen unmöglich gemacht.
Gerade hier sind Automatismen besonders leicht möglich, da der eine
zur Konvertierung benötigte Schritt sich sehr leicht in Skripte
einbinden lässt.
Die übelsten Probleme treten dann auf, wenn man mit dem
vorgegebenen Layout nicht zufrieden ist. »Mal eben« einen
anderen Font ausprobieren? Nicht mit Latex.
Das ist auch nur bedingt richtig. Es gibt eine sehr große Menge an
fertigen Fontpaketen, die man mit einer einzigen Befehlszeile
einbinden kann. Die „mathpazo“ bzw. „mathptmx“ Pakete seien hier
nochmal explizit erwähnt, man kann sich unter
http://dante.ctan.org/CTAN/fonts/
einen ersten Überblick verschaffen.
Das selbstkonvertieren von Vorhandenen (u.U. auch teuer gekauften)
Type1 oder OpenType Fonts ist allerdings in der Tat nicht trivial,
für eine Diplom- oder Doktorarbeit aber auch sicherlich nicht
unbedingt ein KO Kriterium.
Auch weitere Anpassungen des Layouts sind schwer zu erreichen
und man benötigt sehr tiefgreifende Kenntnisse.
Das ist richtig, denn dazu muss man sich mit den Tiefen von TeX
selbst, der zugrunde liegenden Beschreibungssprache,
auseinandersetzen.
Nun ist man aber u.U. nicht der Einzige, der genau dieses Problem
schonmal hatte. Beispielsweise gibt es für Juristische Arbeiten ein
hochgradig beknacktes Layout, an das man sich aber zu halten hat.
LaTeX unterstützt es zwar nicht „von Haus aus“, aber dafür gibt es
die „jura“ Dokumentenklasse (\documentclass{jura}).
So geht es einem eigentlich bei den allermeisten Layoutproblemen. Nur
wenn man besonders ausgefallene Dinge realisieren will, muss man sich
eben mit TeX selbst auseinandersetzen und sich ein eigenes Makropaket
stricken. Was alles geht, kann man unter
http://www.tug.org/texshowcase/
bewundern.
Der Austausch von Dokumenten gestalltet sich von einfach bis
nicht möglich. Wenn pdf akzeptiert wird, ist es natürlich kein
Problem – eine der Stärken von Latex gegenüber Word.
In der Tat sollte pdf für das fertige, abzuliefernde Dokument stets
das Format der Wahl sein. Damit gibt es mit Sicherheit keine Probleme
auf dem Rechner des Adressaten.
Aber gerade bei Zusammenarbeit von Arbeitsgruppen eignet sich LaTeX
dank seiner Eigenschaft, als „Quelltext“ lediglich normalen ASCII
Zeichensatz (bzw. 8 Bit Erweiterungen wie ISO-8859-15, wenn man
Umlaute und Eurozeichen dazuzählt) zu verwenden, ganz besonders gut.
So kann ein Jeder mit seinem Lieblingseditor in und mit den Texten
arbeiten und Revisionssysteme wie Subversion sorgen für ein
reibungsloses Dokumentenmanagement inkl. rollback und Zusammenführung
von „konkurrierenden“ Versionen.
http://subversion.tigris.org/
Gruß
Fritze