Kants Kategorischer Imperativ

Von: , Frage gestellt am Di, 14. Aug 2007

Hallo zusammen,

die einen finden Kant bewundernswert, andere widerum schlagen eher die Hände überm Kopf zusammen oder schmunzeln vor sich hin, wenn sie von ihm hören / lesen...

auf jeden Fall gibt es da so eine "These" oder Behauptung, wo ich gerne von Euch wissen möchte, ob Ihr das auch so seht und wenn nicht mir Eure Erklärung dazu abgibt.

Den Kategorische Imperativ definiere ihn nochmal kurz, für die eingefleischten Philosophen, bei denen es lange her ist:
"Der Wille sei durch ein Gesetz bestimmt, das Sittengesetz. Wir handeln allein aus Pflicht (nicht aus Neigungen oder Trieben) selbstbestimmend. Die Vernunft hat die Kontrolle über uns, die uns die Antwort gibt was sittlich ist oder nicht.

Ist dieses Sittengesetz von Kant vergleichbar oder eher nur eine "schön philosophisch ummalte" Aussage die wir im heutigen Alltag kennen:
"Was du nicht willst, was man dir tu, das füge keinem andern zu."

Seht Ihr das auch so, oder liegt bei Kants KI mehr dahinter oder hat sogar eine ganz andere Bedeutung?

Dank im Voraus !!!

tina81

28 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 2 hilfreich
    Re: Kants Kategorischer Imperativ

    Hallo zusammen,

    die einen finden Kant bewundernswert, andere widerum schlagen
    eher die Hände überm Kopf zusammen oder schmunzeln vor sich
    hin, wenn sie von ihm hören / lesen...
    Er ist gut verständlich, wird aber krass falsch verabsolutiert. auf jeden Fall gibt es da so eine "These" oder Behauptung, wo
    ich gerne von Euch wissen möchte, ob Ihr das auch so seht und
    wenn nicht mir Eure Erklärung dazu abgibt.

    Den Kategorische Imperativ definiere ihn nochmal kurz, für die
    eingefleischten Philosophen, bei denen es lange her ist:
    "Der Wille sei durch ein Gesetz bestimmt, das Sittengesetz.
    Wir handeln allein aus Pflicht (nicht aus Neigungen oder
    Trieben) selbstbestimmend. Die Vernunft hat die Kontrolle über
    uns, die uns die Antwort gibt was sittlich ist oder nicht.
    Hier fällt auf, dass sittlich selbstbestimmtes Handeln an einen Widerstand geknüpft wird. Es wird nicht nur gesagt, dass die Vernunft herrsche, sondern dass sie sich gegen Widerstand durchsetzt. Ist dieses Sittengesetz von Kant vergleichbar oder eher nur
    eine "schön philosophisch ummalte" Aussage die wir im heutigen
    Alltag kennen:
    "Was du nicht willst, was man dir tu, das füge keinem andern
    zu."
    Es gibt zwar einige Sätze, die so funktionieren, dass sie in etwa diese Bedeutung haben, aber beim obigen Zitat scheint mir das eher nebenbei mitzuschwingen und nicht von zentraler Bedeutung. Seht Ihr das auch so, oder liegt bei Kants KI mehr dahinter
    oder hat sogar eine ganz andere Bedeutung?
    Wahrscheinlich ist die Bedeutung der Stelle insbesondere die: Glaube nicht, nur weil gut gehandelt ist, seist du schon ein Mensch, der selbstbestimmt nach einem Sittengesetz handelt! Nur wenn du gegen einen Widerstand (!) handelst, der in dir selber ist, hast du wirklich selber etwas bewirkt.

    Was das Sprichwort "was du nicht willst..." (usw.) betrifft, so ist es negativ formuliert, während bei Kant (und vielen anderen) auch die positive Formulierung vorkommt, sinngemäss etwa: Handle so, dass dein Handlungsziel auch das Ziel eines andern sein kann - also vermeide nicht nur, was du nicht selber erleben willst, sondern tu auch das, was du als Tat erleben möchtest.

    Aber wie gesagt, das ist im obigen Zitat eher nur Voraussetzung oder Hintergrund, aber nicht klar die Aussage.

    In der heutigen Zeit hat eine so hohe Bewertung von Pflicht an Bedeutung eher verloren, immerhin ist sie im Wirtschaftsleben noch da und dort anzutreffen. In solchen Aussagen wird als für Leistung entscheidend angeschaut, wieviel Unlust überwunden werden muss, wenn man die Arbeit vollbringt.

    NB. Für mich persönlich hat die Tat Vorrang vor dem Motiv, d. h. wer gut handelt, auch wenn es ihm leichter fällt als einem andern, hat letztlich an sich schon etwas geleistet, und wer glaubt, dass der Zweck die Mittel heiligt, liegt falsch. Das ist aber Ansichtssache und eher mein "Geschmack". Kant hat aber wohl dieses Problem angesprochen und als konsequenter Betrachter aus der Ich-Perspektive umgekehrt beantwortet. Dank im Voraus !!!

    tina81
    Es möge nützen.
    Gruss
    Mike

  2. Antwort von nach 10 Stunden 1 hilfreich
    Re: Vernunft und Seele

    Was hierbei richtig ist, daß die Vernunft zwar eine kontrollierende und erkennende Funktion hat, aber bei weitem nicht in der Lage ist, ihre Herrschaft in jedem Fall sicher auszuüben.

    Beweise dafür gibt es genug.

    Was Kant nicht wußte ist, daß der Mensch nicht allein von der Vernunft geführt wird, sondern auch vom Herzen. Also von den tieferen Emotionen, sowie auch von unbewußten irrationalen Impulsen.

    Gehen wir in diese Tiefe, finden wir das, was sich durch Intuition bemerkbar macht. Diese hat glaube ich, auf uns die größte Wirkung beim Handeln. Die Vernunft ist dabei sekundär.

    Der Einfluß dieses geheimnisvollen Ursprungs ist auch für unser Handeln verantwortlich und man könnte ihn auf ein Göttliches Element in uns zurückführen. Nennen wir es die Seele.

    gruß
    rolf

    • Antwort von nach 22 Stunden 0 hilfreich
      Dank, daß wenigstens du an das Unbewußte erinnerst

      Hi. Was hierbei richtig ist, daß die Vernunft zwar eine
      kontrollierende und erkennende Funktion hat, aber bei weitem
      nicht in der Lage ist, ihre Herrschaft in jedem Fall sicher
      auszuüben.
      Ich glaube, was du meinst, betrifft eher den Verstand, der, wenn man so will (muß man aber nicht), eine Sache des Bewußtseins ist. Die Vernunft dagegen ist eine Sache des Unbewußten. Dein Hinweis ist aber wichtig, insofern du von Intuition sprichst, die aus der Tiefe des Geistes kommt.

      Vernunft ist kein durch das Bewußtsein bewirkter Faktor, weil Bewußtsein überhaupt nur eine Oberfläche ist, deren Bewegungen aus der Tiefe des Unbewußten entstehen. Auch die Vernunft kommt aus dieser Dimension - daß wir bewußt auf sie reflektieren, heißt noch längst nicht, daß wir sie bewußt hervorbringen. Da meine Hinweise darauf schon vor einem halben Jahr (generell) ignoriert oder nicht verstanden wurden, will ich hier nicht weiter ins Detail gehen. Ich nenne nur nochmal die Theorien von Jacques Lacan (ein wichtiger Name, der in diesem Forum außer von mir noch nie genannt wurde) und, ganz woanders situiert, Jürgen Habermas. Ersterer verortet die Vernunft im Unbewußten (in der Symbolischen Ordnung), letzterer in den Prozessen der Kommunikation, die unabhängig von den Hervorbringungen des Ich anzusehen sind.

      Der Faktor Unbewußtes wird in diesem Forum einfach VIEL ZU SEHR vernachlässigt. Es ist, als hätten Freud, Lacan und Habermas nie existiert. So kommt man aber bei Diskussionen nie hinter die Oberfläche. Leute, wir sind im 21. Jhd. angekommen - sollte man meinen.

      Sorry übrigens, Pendragon, für das von mir gewohnte Namedropping - kann nix dafür, daß du mit besagten Namen Schwierigkeiten hast.

      Gruß

  3. Antwort von nach 12 Stunden 2 hilfreich
    Re: Kants Kategorischer Imperativ

    Hallo zusammen, die einen finden Kant bewundernswert, andere widerum schlagen
    eher die Hände überm Kopf zusammen oder schmunzeln vor sich
    hin, wenn sie von ihm hören / lesen...
    in der Philosophie geht es nicht um Bewunderung, sondern um Argumentation. Das schließt natürlich nicht aus, dass die Bewunderung AUS einer Argumentation heraus FOLGT. Die Abneigung gegen Kant resultiert meistens aus Unverständnis, woran Kant ja aufgrund seiner schwierigen Formulierungen nicht ganz unschuldig ist. Wer Kant allerdings verstanden hat, MUSS ihn bewundern, was wiederum keineswegs ausschließt, dass er seine Argumente für falsch hält. Aber für falsch halten kann man sie freilich erst, wenn man sie verstanden hat. Den Kategorische Imperativ definiere ihn nochmal kurz, für die
    eingefleischten Philosophen, bei denen es lange her ist:
    "Der Wille sei durch ein Gesetz bestimmt, das Sittengesetz.
    Wir handeln allein aus Pflicht (nicht aus Neigungen oder
    Trieben) selbstbestimmend. Die Vernunft hat die Kontrolle über
    uns, die uns die Antwort gibt was sittlich ist oder nicht.
    Der Kategorische Impertativ sagt - kurz und allgemeinverständlich gefasst -, dass man so handeln soll, wie man meint, dass alle sich (in dieser Situation) verhalten sollen. In diesem Fall verhält man sich nach Kant moralisch. Moralisch sollen wir uns nach Kant nun auch verhalten, wenn es unseren Neigungen widerspricht.

    Ein bisschen habe ich in der Formulierung geschummelt, denn die Formulerierung oben in den Klammern "in dieser Situation" steht bei Kant nicht ausdrücklich. Ich denke aber, dass man diese Formulierung aus anderen Textstellen ableiten kann (das ist allerdings hier in der Kürze leider nicht darstellbar).

    Wenn du von "Kontrolle" sprichst, scheint mir da eine Abneigung schon mitzuschwingen, aber eine solche negative Kontrolle hat Kant nicht gemeint. Wir können ja seiner Meinung nach durchaus frei entscheiden, ob wir so handeln oder anders. Ist dieses Sittengesetz von Kant vergleichbar oder eher nur
    eine "schön philosophisch ummalte" Aussage die wir im heutigen
    Alltag kennen:
    "Was du nicht willst, was man dir tu, das füge keinem andern zu."
    Was heißt schon "vergleichbar"? Der Kategorische Imperativ ist wesentlich präziser und umfangreicher als dieser Satz, den man als "Goldene Regel" kennt. Außerdem ist der Kat. Imp. von Kant in verschiedenen, durchaus voneinander abweichenden Formulierungen vorgetragen worden, die sich nicht so einfach auf einen Nenner bringen lassen, weil sie verschiedene Aspekte des Kat. Imp. darstellen.

    Eine schöne leicht verständlich Einführung ist: ISBN 3423301449 [Buch anschauen] . Freilich werden auch in diesem Buch die Probleme nur angerissen. Ein wirkliches Verständnis ergibt sich erst nach jahrelanger Lektüre und Neulektüre - das ist leider so.

    Aber immerhin bietet das Buch eine seriöse Grundlage, die in so vielen "Diskussionen" über Kant leider fehlt.

    Gruß

    Bona

    • Antwort von nach 14 Stunden 1 hilfreich
      Re^2: Kants Kategorischer Imperativ

      Moin, Den Kategorische Imperativ definiere ihn nochmal kurz, für die
      eingefleischten Philosophen, bei denen es lange her ist:
      "Der Wille sei durch ein Gesetz bestimmt, das Sittengesetz.
      Wir handeln allein aus Pflicht (nicht aus Neigungen oder
      Trieben) selbstbestimmend. Die Vernunft hat die Kontrolle über
      uns, die uns die Antwort gibt was sittlich ist oder nicht.
      Der Kategorische Impertativ sagt - kurz und
      allgemeinverständlich gefasst -, dass man so handeln soll, wie
      man meint, dass alle sich (in dieser Situation) verhalten
      sollen. In diesem Fall verhält man sich nach Kant moralisch.
      Moralisch sollen wir uns nach Kant nun auch verhalten, wenn es
      unseren Neigungen widerspricht.
      Und hier offenbar sich meiner Meinung nach auch die Schwäche, nämlich der Zwang zur Allgemeingültigkeit. Die Vorstellung, sowohl Situationen, als auch Handelnde könnte in einer Weise ähnlich oder identisch sein, dass sich daraus eine Allgemeingültigkeit ableiten ließe, ist lediglich abstrakt, aber nicht praktikabel :-)

      Gruß
      Marion

      • Antwort von nach 14 Stunden 1 hilfreich
        Re^3: Kants Kategorischer Imperativ

        Hallo Marion, Und hier offenbar sich meiner Meinung nach auch die Schwäche,
        nämlich der Zwang zur Allgemeingültigkeit. Die Vorstellung,
        sowohl Situationen, als auch Handelnde könnte in einer Weise
        ähnlich oder identisch sein, dass sich daraus eine
        Allgemeingültigkeit ableiten ließe, ist lediglich abstrakt,
        aber nicht praktikabel :-)
        das Gegenteil von Allgemeingültigkeit ist Regellosigkeit. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du einen Relativismus im Sinne einer Anarchie vertrittst, oder?

        Mein Rekurs auf die Richtigkeit IN EINER SITUATION hatte ja gerade zur Absicht, den scheinbaren Zwang (der Kant m. E. eben fälchlicherweise vorgeworfen wird) zu relativieren. Dadurch eben lösen sich solche (dem Kat. Imp. unterstellten) Scheinprobleme, nach denen man der Ehrlichkeit wegen einen versteckten Juden, nach dem ein Nazi fragt, verraten müsse, auf. Das ist nämlich keineswegs der Fall, denn in diesem Falle - wiederum vereinfacht formuliert - würde eine andere Formel des Kat. Imp. greifen, nämlich die, dass man Menschen nicht nur als Mittel, sondern AUCH IMMER ("auch" UND "immer") als Zweck behandeln soll.

        Eher schon als Allgemeinheit kann man dem Kat. Imp. Leerheit vorwerfen (wie das Hegel und andere getan haben), weil er ja nicht sagt, was man tun soll, sondern nur, wonach man seine Absichten zu richten hat. DAS nun aber wird ebenso durch die Situationsbeziehung relativiert wie der erste Vorwurf. Und wie ich schon sagte, meine ich, dass man diese Situationsbeziehung (mindestens im Ansatz, aber aus meiner Sicht auch weitergehend) bei Kant an anderen Textstellen nachweisen kann.

        Es ist natürlich richtig, dass man dann streng genommen nicht mehr von einem "kategorischen", sondern von hypothetischen Imperativen sprechen müsste, aber dennoch würden diese hypothetischen Imperative Teile des Kategorischen Imperativs sein (bzw. sie müssten sich ihm untergliedern lassen).

        Fachlich korrekter (aber immer noch zu kurz) müsste man sagen:
        Die hypothetischen Imperative wären nicht-reine synthetische Urteile apriori (bzw. diese lägen jenen zugrunde), sind mithin also weder analytisch noch empirisch, wohl aber hätten sie als synthetische Urteile einen gewissen Allgemeingültigkeitsstatus. Ich beziehe mich hier vor allem auf die Arbeiten von Konrad Cramer.

        Aber das geht eigentlich für dieses Forum schon zu weit und soll dich auch nicht weiter belasten. Mein entscheidendes Argument ist auch ohne den Rekurs verstehbar, denke ich, oder?

        Gruß

        Bona

        • Antwort von nach 15 Stunden 0 hilfreich
          Re^4: Kants Kategorischer Imperativ

          Moin, Und hier offenbar sich meiner Meinung nach auch die Schwäche,
          nämlich der Zwang zur Allgemeingültigkeit. Die Vorstellung,
          sowohl Situationen, als auch Handelnde könnte in einer Weise
          ähnlich oder identisch sein, dass sich daraus eine
          Allgemeingültigkeit ableiten ließe, ist lediglich abstrakt,
          aber nicht praktikabel :-)
          das Gegenteil von Allgemeingültigkeit ist Regellosigkeit. Ich
          kann mir nicht vorstellen, dass du einen Relativismus im Sinne
          einer Anarchie vertrittst, oder?
          Das bezeichnet ja nur die Form. Bei einer Ethik, die hingegen in der Person selbst begründet ist, z.B. der Motivation, anderen Lebewesen mit Mitgefühl und Hilfsbereitschaft gegenüberzutreten, kann das Resultat zwar in gewisser Weise "anarchistisch", aber dennoch für die Gesellschaft hochgradig erfreulich sein :-) Mein Rekurs auf die Richtigkeit IN EINER SITUATION hatte ja
          gerade zur Absicht, den scheinbaren Zwang (der Kant m. E. eben
          fälchlicherweise vorgeworfen wird) zu relativieren. Dadurch
          eben lösen sich solche (dem Kat. Imp. unterstellten)
          Scheinprobleme, nach denen man der Ehrlichkeit wegen einen
          versteckten Juden, nach dem ein Nazi fragt, verraten müsse,
          auf. Das ist nämlich keineswegs der Fall, denn in diesem Falle
          - wiederum vereinfacht formuliert - würde eine andere Formel
          des Kat. Imp. greifen, nämlich die, dass man Menschen nicht
          nur als Mittel, sondern AUCH IMMER ("auch" UND "immer") als
          Zweck behandeln soll.
          Und genau hier wird es meiner Meinung nach völlig abstrakt. In deinem konkreten Beispiel mag das ja noch hilfreich sein, aber was machst du in Situation, die durch das jeweilige Strafrecht gar nicht gedeckelt sind? Hier gibt es grundsätzlich erstmal maximale Handlungsfreiheit für jeden. Ein konkretes Beispiel: Wenn jemand vor der Entscheidung steht, ein Verhältnis mit einer verheirateten Person einzugehen, wie hilft ihm dann Kant bei der Entscheidung, um sein Handeln nun ethisch verwerflich ist oder nicht? Wie hilft einem Kant bei der Entscheidung, ob es ethisch bedenklich ist, Fleisch von Tieren zu konsumieren, die nicht artgerecht gehalten werden etc.? Eher schon als Allgemeinheit kann man dem Kat. Imp. Leerheit
          vorwerfen (wie das Hegel und andere getan haben), weil er ja
          nicht sagt, was man tun soll, sondern nur, wonach man seine
          Absichten zu richten hat. DAS nun aber wird ebenso durch die
          Situationsbeziehung relativiert wie der erste Vorwurf. Und wie
          ich schon sagte, meine ich, dass man diese Situationsbeziehung
          (mindestens im Ansatz, aber aus meiner Sicht auch
          weitergehend) bei Kant an anderen Textstellen nachweisen kann.

          Es ist natürlich richtig, dass man dann streng genommen nicht
          mehr von einem "kategorischen", sondern von hypothetischen
          Imperativen sprechen müsste, aber dennoch würden diese
          hypothetischen Imperative Teile des Kategorischen Imperativs
          sein (bzw. sie müssten sich ihm untergliedern lassen).

          Fachlich korrekter (aber immer noch zu kurz) müsste man sagen:
          Die hypothetischen Imperative wären nicht-reine synthetische
          Urteile apriori (bzw. diese lägen jenen zugrunde), sind mithin
          also weder analytisch noch empirisch, wohl aber hätten sie als
          synthetische Urteile einen gewissen
          Allgemeingültigkeitsstatus. Ich beziehe mich hier vor allem
          auf die Arbeiten von Konrad Cramer.
          Schon ok. Ich hab ja auch nicht gesagt, dass Kant bullshit ist, ich hab nur gesagt, dass er abstrakt ist und bleibt in seinen Vorstellungen und damit wenig als praktische Handlungsmaxime taugt. Aber das geht eigentlich für dieses Forum schon zu weit und
          soll dich auch nicht weiter belasten. Mein entscheidendes
          Argument ist auch ohne den Rekurs verstehbar, denke ich, oder?
          Meins auch? (Sofern ich dich mit ein paar rein praktischen Überlegungen "belasten" darf :-))

          Lieben Gruß
          Marion

          • Antwort von nach 15 Stunden 0 hilfreich
            Re^5: Kants Kategorischer Imperativ

            Moin,
            Wenn jemand vor der Entscheidung steht, ein Verhältnis mit
            einer verheirateten Person einzugehen, wie hilft ihm dann Kant
            bei der Entscheidung, um sein Handeln nun ethisch verwerflich
            ist oder nicht?
            ich habe Kant so verstanden, daß hier auch die Vernunft eingreifen muß.
            Ist es vernünftig, diese mein Handlen als allgemein gültiges zu sehen?
            Wenn man das zu ende denkt sicher nicht, denn dann kommt wieder Bonas Einwand der Regellosigkeit zum Tragen und auch das Handeln gegen die eingenen Vorlieben. Wie hilft einem Kant bei der Entscheidung, ob
            es ethisch bedenklich ist, Fleisch von Tieren zu konsumieren,
            die nicht artgerecht gehalten werden etc.?
            Auch hier wieder die Vernunft.
            Ist es (langfristig) vernünftig Tiere so zu halten und die Umwelt entsprechend zu belasten?
            Sicher nicht --> also sollte man keine Tiere aus nicht artgerechter Haltung konsumieren.

            Sicher ist die Vernunft kein Allheilmittel, aber in vielen Fällen hilft sie weiter.

            Gandalf

            • Antwort von nach 17 Stunden 0 hilfreich
              Re^6: Kants Kategorischer Imperativ

              Moin, ich habe Kant so verstanden, daß hier auch die Vernunft
              eingreifen muß.
              Ist es vernünftig, diese mein Handlen als allgemein gültiges
              zu sehen?
              Wenn man das zu ende denkt sicher nicht, denn dann kommt
              wieder Bonas Einwand der Regellosigkeit zum Tragen und auch
              das Handeln gegen die eingenen Vorlieben.
              Für mich ist Regellosigkeit kein Einwand, sondern Realität. Für die meisten Entscheidungen, die wir tagtäglich treffen, gibt es keine Regeln, sondern jeder handhabt es so, wie er mag. Wenn du beispielsweise einen größeren Betrag im Lotto gewinnst, kannst du dir endlich den lang gehegten Wunsch einer Weltreise ermöglichen, das Geld für dich und deine Nachkommen gewinnbringend anlegen oder einer Einrichtung spenden, die sich für den Erhalt des Rgenwaldes einsetzt. Was wäre im Sinne von Kant "vernünftig"? Dafür gibt es keine Regeln. Alles wäre irgendwie "o.k.", je nachdem, wen man fragt. Wie hilft einem Kant bei der Entscheidung, ob
              es ethisch bedenklich ist, Fleisch von Tieren zu konsumieren,
              die nicht artgerecht gehalten werden etc.?
              Auch hier wieder die Vernunft.
              Ist es (langfristig) vernünftig Tiere so zu halten und die
              Umwelt entsprechend zu belasten?
              Sicher nicht --> also sollte man keine Tiere aus nicht
              artgerechter Haltung konsumieren.
              Wieso belastet es die Umwelt weniger, wenn ich fünf Hühner im Hünerhof rumrennen lasse, als wenn ich fünf Hühner im sauberen, gut zu reinigenden schuhkartongroßen Boxen mit Gitterfußboden halte, wo die Ausscheidungen direkt umweltfreundlich entsorgt werden können und die Eier auch sauber bleiben?

              Gruß
              Marion, die jetzt gleich wegfährt und ein paar Tage lang vermutlich nur unregelmäßig ins Internet kann, also kann es mit weitere Antworten etwas dauern.



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