Das Leben diene der Kunst.... ?

Von: , Frage gestellt am Do, 5. Mär 2009

Ich habe gesehen, dass hier auch gerade das Thema Thomas Mann und Nietzsche andiskutiert wird. Mich interessiert ein spezieller Punkt in diesem Kontext, nämlich das Verhältnis der Manns zu "Kunst UND Leben".

Die Frage, ob

>>>
die Kunst dem Leben,
oder
das Leben der Kunst
zu dienen habe
<<<

wurde von Heinrich und Thoams Mann aufgegriffen... so las ich jüngst.

Das verändernde Wirken der Kunst auf das Leben
wird unter anderem hier angerissen:
"Können Kunst und Literatur unser Leben verändern? http://www.philtalk.de/msg/1003617230-30.htm -
und zum Thema (Die Manns und ihr Verhältnis zu "Kunst und Leben") selbst, fand ich folgendes interessantes, auch im "wer weiss was forum":

a)

aus http://209.85.129.132/search?q=cache:bNyw7dhEBc0J:ww... folgerndes: In vielen Romanen spielt Heinrich Mann mit den Eckpunkten der eigenen Biographie, aber auch mit biographischen Elementen aus den Lebensläufen von Verwandten und Bekannten. Doch bleibt dies eben immer nur Spiel: auf dem schmalen Grat zwischen Fiktion und Realität, zwischen Kunst und Leben, balanciert er allerdings sein Leben lang.

Auf den ersten Blick scheint dies ein Widerspruch, erinnert man sich Heinrich Manns doch in erster Linie als Satiriker, der erbarmungslos die gesellschaftlichen Missstände des Kaiserreichs anprangerte, erinnert man sich seiner als politischer Intellektueller, der energisch die Einheit von Geist und Tat, von Kunst und Realität also, einforderte...

Heinrich Mann wusste um die Künstlichkeit dieser Lösung.

Derartiges ließ sich im Roman konzipieren, hatte aber nichts mit der Realität zu tun. Kunst und Leben traten unauflöslich auseinander. Allen Lösungen, wie sie die Kunst anbot, mussten daher mit der nötigen Skepsis betrachtet werden. Die Kunst wurde unter diesen Umständen jedoch auch zur Zuflucht, weil sie in ihren Welten gewährte, was die Wirklichkeit nicht geben konnte. Hatte sich Heinrich Mann in Kindertagen in die Traumwelten der Märchen begeben, so suchte er nun sein Heil in den selbstgeschaffenen Paradiesen der Kunst...

Diese unverantwortliche Spielerei wird dem älteren Heinrich Mann selbst ungeheuerlich erscheinen: ebenso wie seinen ersten Roman "In einer Familie" wird er später in autobiographischen Äußerungen und Notizen diese Tätigkeit verschweigen.

Erhalten bleibt ein Generalverdacht gegen die Kunst

wegen ihrer Fähigkeit, eine Gelegenheit zur Flucht aus der Realität zu schaffen,

wegen ihres Charakters als Gegenentwurf zur Wirklichkeit,

als Spiel, das niemals auf Einlösung dringen kann und wird.

Gleichzeitig gewährt ausgerechnet die Kunst jedoch den Freiraum, den es braucht um Alternativen zur Wirklichkeit überhaupt entwickeln zu können.

Kurz: Kunst schafft Freiheit von der Realität, beinhaltet aber auch die Gefahr sich zu sehr von der Realität zu lösen.

Die Kunst in diesem Zwielicht zu sehen, das sind die lebenslangen Früchte der
Nietzsche-Lektüre. ***)

Sie dokumentieren sich noch in einem Nietzsche-Aufsatz Heinrich Manns, der 1939 in der Zeitschrift "Maß und Wert" erscheinen wird.

Heinrich Mann sucht die Utopie, steht ihr aber auch immer skeptisch gegenüber, weil er realisiert, dass sie aus der Kunst geborene Utopie ist, der dadurch trotz ihrer politischen Absicht auch stets etwas Apolitisches anhaftet.

Trotz dieser Skepsis einerseits, beharrt er andererseits auf der Erfüllung der Utopie, ist immer wieder dazu geneigt, die Utopie auch gegen den Willen der Menschen notfalls gewaltsam herzustellen. So erwächst aus dem Dilemma der Kunst das Dilemma der Erziehung.

***)
Nietzsche also?

b)

Steffen zu ECCO HOMO in http://www.wer-weiss-was.de/article/1379963 "Nietzsches Kunstverständnis? Kurz und vereinfachend gesagt,

lehnt Nietzsche eine Ästhetik ab, die die Kunst als ein autonomes System in der Gesellschaft verortet, d.h. die herschende Kunstauffassung seit der Klassik. Er plädiert für eine LEBENSKUNST.

Das meint: Heraustreten aus dem ästhetischen (philosophischen) Diskurs über Kunst. Kunst dient der Steigerung des Selbst, sie hilft, die Sinnlosigkeit der Welt im Schein zu überspielen.

Allerdings wendet er sich dagegen, dass dieser Schein als Schein verschwindet.

Man sollte sich schon bewusst sein, dass es Schein ist. (Mit Nietzsches Worten: Über den dionysischen Abgrund imaginiert der Mensch in der appolinischen Kunst einen Sinn, ohne zu vergessen, dass dies nur ein Schein ist.)

Das halten aber nur bestimmte Menschen aus (der Übermensch).

Kunst ist also ein großer Trost und dient direkt der Bewältigung des Lebens..."

Also nochmal die Frage von mir:

Die Frage, ob
>>>
die Kunst dem Leben,
oder
das Leben der Kunst
zu dienen habe
<<<
wurde von Heinrich und Thoams Mann diskutiert..

Wer weiss mehr dazu?

Gruss
Michael

"MultiVista"

2 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 17 Stunden 2 hilfreich
    Re: Das Leben diene der Kunst.... ?

    Hallo Michael, Mich interessiert ein
    spezieller Punkt in diesem Kontext, nämlich das Verhältnis der
    Manns zu "Kunst UND Leben".
    Die Frage, ob
    die Kunst dem Leben,
    oder
    das Leben der Kunst
    zu dienen habe
    Du hast dazu ein langes Referat losgelassen, aber es stellt
    sich trotzdem die Frage. Was meinst Du (wirklich)dazu ?
    Ist es nicht vollkommen irrelevant, was Mann oder sonstwer
    dazu rausläßt ? (oder angeblich dazu gedacht hat ?)
    Solche Wechselfragen täuschen nur eine Intellektualität vor
    welche in solchen Fragen (meist)wirklich nicht zu erkennen ist.
    Sie sind meistens (nicht immer)nur Wichtigtuerei,Spielereien für die,
    welche nicht wirklich etwas auszusagen haben, Schrott.
    Für mich ist diese Wechselfrage das letztere.
    Gruß VIKTOR

    • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
      Re^2: Das Leben diene der Kunst.... ?

      Also ich war ja auch überrascht, als ich vernahm, dass so eine "Wechselfrage" (ist sie wirkliuch Schrott?) von den Gebrüdern Mann diskutiert wurde. Ich denke, dass so eine Frage nicht uninteressant zu sein scheint.
      Weiss allerdings nicht, was die Manns dazu literarisch-dialektisch beizutragenb hatten. Vielleicht sitze ich auch einer Fehlinformation auf.
      Aber dieses Thema gibt zumindest zu weiteren Gedanken Anlass.

      William Blake gehörte zu den großen genialen Außenseitern der Kulturgeschichte. Unter anderem schrieb wer mal:

      „Die unwissenden Beleidigungen verschiedener Individuen werden mich nicht daran hindern,

      > meine Pflicht der Kunst gegenüber zu erfüllen <

      ich erwarte, dass jene, denen man gesagt hat, meine Werke seien nur ungelehrte und regelwidrige Exzentritäten und das Gekritzel eines Verrückten, mir Gerechtigkeit widerfahren lassen, sie studieren, bevor sie darüber urteilen."

      Eine seiner berühmtesten Bildschöpfungen zeigt seine Kunstfigur Urizen, wie er von den Wolken aus die Welt mit einem Zirkel vermisst. Urizen gehört zum Personal seiner privaten Mythologie und
      symbolisiert für ihn die Begrenztheit der Vernunft.

      "Albion"?

      Meine Straßen sind meine Gedanken der Imagination.
      Erwache Albion, erwache! Und lass uns zusammen erwachen.

      Meine Häuser sind Gedanken, meine Bewohner Gefühle,
      Die Kinder meiner Gedanken.

      "Albion" stand für Blake auch

      > für den Menschen, der all seine Fesseln abgeworfen hat und frei ist. Damit sind nicht nur die Konventionen der damaligen Zeit gemeint. Der Dichter reagierte auch auf soziale Missstände. <

      (Deutlich wird dies in einem seiner Werke, in dem er das Schicksal jener Jungen beschreibt, die von ihren Eltern aus Armut an Schornsteinfeger verkauft werden.)

      Ich denke mal, dass die Intentionen des Künstlers Blake
      sowohl ein Plädoyer dafür waren, dass Kunst dem Leben diene, aber auch das Leben der Kunst...

      Gruss
      MultiVista

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