Absolute ethische Normen?

Von: , Frage gestellt am Mo, 15. Jan 2001

Hi liebe Philosphen

Eine Frage stösst mir immer wieder auf

Gibt es so etwas wie absolute ethische Normen. Also Normen, die immer und überall und zu jeder Zeit gelten. Sozusagen von der Steinzeit bis Heute und weltweit (oder noch besser, für alle intelligenten Wesen)
Und wie kann man solche ethischen Normen erkennen und beweisen.
(Denn nur dann kann ich sie guten Gewissens anderen aufZWINGEN)

Ich behaupte: Solche absoluten Normen gibt es nicht. Alle ethischen Normen sind im Kern subjektiv. Unser ethisches System ist die Frucht eines langen Entwicklungsprozesses und spiegelt unser System des menschlichen Zusammenlebens wieder. Somit sind die ethischen Normen auch heute noch einem Wandel unterworfen.

Hoffe, ich hab mich einigermaßen verständlich ausgedrückt.

Gruss
Mike

40 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 5 hilfreich
    keine absoluten ethischen Normen

    Hi Michael

    Es ist sozusagen ein Kennzeichen der Geschichte der Ethik bis einschließlich heute, die Frage nach der Möglichkeit absoluter ethischer grundsätze zu behandeln. Die Antwort heißt allerdings, wie du auch vermutetest: Nein, es gibt keine Möglichkeit, eine solche Norm zu begründen.

    Man hat versucht, solche Grundsätze zu finden aus der Beobachtung von Normsetzungen aller Kulturen, von denen man weiß, oder vor allem auch, sie irgendwie aus einem allgemeingültigen Begriff vom Menschen abzuleiten (hierzu mag man mal unter dem Stichwort "Naturrecht" suchen). Das würde eine Antwort auf die Frage "was ist der Mensch?" voraussetzen, die sich aber ebenso als unmöglich erwiesen hat, zumal sich klassische (sogenannte metaphysische) Fragestellungen vom Typ "was ist X?" als nur bedingt sinnvoll erwiesen, und von manchen philosophischen Richtungen und Schulen auch komplett abgelehnt werden. Eine solche grundsätzliche anthropologische Frage müßte den Begriff "Mensch" irgendwogegen negativ bestimmen, zum Beispiel als Gegensatz gegen etwas anderes... lange Zeit schien sich der Begriff "Natur" dafür zu eignen, aber wie man leicht sieht (heute) ist das nicht sehr sinnvoll, weil der Begriff "Natur" wiederum nur im Gegensatz gegen "Mensch" bestimmbar ist und im übrigen auch gar kein Gegensatz ist, denn Natur gehört zum Menschen auch dazu, zumindest wegen seiner Körperlichkeit. Diese Probleme machen heute sog. bioethische Fragen so extrem schwierig. Und wie kann man solche ethischen Normen erkennen und
    beweisen.
    Ethische Normen ganz allgemein (nicht nur absolute) sind eben solche Angelegenheiten, die nicht einem Beweis unterliegen können. Das haben sie übrigens mit Axiomen in der Mathematik und in der theoretischen Physik gemeinsam.

    Man kann nur aus ihnen ableiten. Und was man aus ihnen ableitet, das sind Kriterien für die moralische Bewertung von Handlungen: wenn eine Handlung eine ethischen Norm entspricht, dann ist sie moralisch gut, wenn sie ihr wiederspricht, dann moralisch schlecht.

    Da aber Normen immer kuturabhängig sind, umgekehrt sogar zur Bestimmung einer bestimmten Kultur beitragen (auch so ein Problemchen für sich!), fast immer also traditionsbedingt sind, deshalb wird es nur selten Handlungsbewertungen geben, die in allen Kuturen und unter allen Bedingungen gleichlauten.

    Es zeigt sich aber das das nichteinmal für so allgemeine Grundsätze wie "jeder Mensch hat unter allen Bedingungen Recht auf Leben". Erstmal wird der Begriff "Mensch" allein schon durch biologische Erkenntnisse problemamtisiert, was zu Komplikationen z.B. in der Abtreibungsfrage führt: ist eine Morula (befruchtete Eizelle nach den ersten Teilungen) ein Mensch oder nicht? Sicher ein sog. "möglicher Mensch", aber ist eine nur "möglicher" Mensch ein Mensch? Denn auch eine unbefruchtete Eizelle und eine Spermie ist ein möglicher Mensch. Aber wenn nun der Grundsatz hieße: Man darf mögliches menschliches Leben nicht verhindern (das wäre zum Beispiel eine "Ableitung" aus dem Grundsatz "jeder Mensch hat Recht auf Erhaltung des Lebens"), dann führt das zu Komplikationen: es wäre dann z.B. "moralisch schlecht", wenn ein Mensch auch nur einen kleinen Augenblick lang NICHT mit der Befruchtung von Eizellen beschäftigt wäre, weil er eben dann mögliches menschliches Leben verhindert hätte.

    Aber wenn man z.B. folgern würde, eine Morula sei kein Mensch, weil er den Begriff "Mensch" biologisch erst später ansetzen würde, dann wäre die Abtreibung eine Morula nicht moralisch schlecht. Aber selbst dann hätte er die Aufgabe, die Grenze zwischen Morula und Mensch zu bestimmen. Das aber könnte er, wenn überhaupt, nur rein bioplogisch machen. Was aber hat eine rein biologische Begriffsbestimmung mit Ethik zu tun?

    Also, das soll zeigen, daß ethische Normen nie etwas anderes sein können, als genstände der Auseinandersetzung, der Diskussion und dann - in Folge - Sache der vorübergehenden (und daher auch korrigierbaren) Vereinbarung zu sein. Unser ethisches
    System ist die Frucht eines langen Entwicklungsprozesses und
    spiegelt unser System des menschlichen Zusammenlebens wieder.
    Somit sind die ethischen Normen auch heute noch einem Wandel
    unterworfen.
    So ist es, und so wird es auch weitgehend in der Ethik gesehen. Das Problem ist, daß unsere ethische Basis auf sehr alten Traditionen beruht, und die Alten hatten einfach ein paar Probleme nicht, die wir heute haben. Das hat zur Folge, daß wir für Fragen der Abtreibung, der Organverpflanzung, der Genmanipulation und allse das heute keine traditionellen ethischen Normen zur Verfügung haben. Ich folgere perslich daruas: wir müssen sie schnellstens ansetzen - notfalls ohne Tradition.

    Daß es keine absoluten Normen gibt, wußten offenbar übrigens schon die antiken Kulturen: denn diese Normen wurden inder Regel nachträglich als von einem Gott eingeführt erklärt. Dadurch haben sie zumiondest eine mythologische Begründung. Und deshalb eben auch eine "quasi"-absolute: sie waren "absolut", aber nur für die Anhänger dieses Gottes-Kultes.

    Grüße
    M.G.

  2. Antwort von nach 3 Stunden hilfreich
    Ja, eine :-)

    Hallo mike, Hi liebe Philosphen
    ich bin zwar in philosophischen Dingen nicht sehr bewandert und was nun folgt klingt vermutlich auch nicht gerade "hochphilosophisch" aber ich möchte trotzdem gerne etwas dazu sagen. :-) Gibt es so etwas wie absolute ethische Normen. Also Normen,
    die immer und überall und zu jeder Zeit gelten. Sozusagen von
    der Steinzeit bis Heute und weltweit (oder noch besser, für
    alle intelligenten Wesen)
    ich verstehe ethische "Norm" jetzt mal als Richtschnur oder Maßstab für das menschliche Handeln und würde unter dieser Vorausetzung sagen: Ja, das gibt es. Und zwar den schönen Spruch:

    "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu". Und wie kann man solche ethischen Normen erkennen und
    beweisen.
    (Denn nur dann kann ich sie guten Gewissens anderen
    aufZWINGEN)
    Ich glaube, die einzige Prämisse für obige "Norm" liegt darin, dass der Mensch den andern auch als Menschen (an)erkennt. Diese Erkenntnis kannst du natürlich keinem aufzwingen, aber schließlich sind intelligente Menschen dazu in der Lage, miteinander zu kommunizieren. Es sollte daher also nicht schwer sein, herauszufinden wie sich der "andere" in beliebiger gesellschaftlicher Situation in der Konsequenz meines Handels fühlt. Dann braucht derjenige eigentlich nur noch gegenchecken, ober er es ok fände, wenn der "andere" ihm das gleiche antut.

    So, Posting ist zum Beschuss freigegeben :-)

    Gruss
    Marion

    • Antwort von nach 9 Stunden hilfreich
      Noch eine Variation

      ich verstehe ethische "Norm" jetzt mal als Richtschnur oder
      Maßstab für das menschliche Handeln und würde unter dieser
      Vorausetzung sagen: Ja, das gibt es. Und zwar den schönen
      Spruch:

      "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem
      anderen zu".
      So drückte es Vaclav Havel aus:

      Verhalte dich stets so, wie alle sich verhalten sollten, ohne Rücksicht darauf, ob die anderen sich so verhalten.

      Alledings fehlt diesen "Maximen" ein konkreter Inhalt, so dass es doch wohl keine Normen sind.

      Beste Grüße Fritz Ruppricht

      • Antwort von nach 13 Stunden hilfreich
        das ist sehr problematisch!

        "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem
        anderen zu".
        So drückte es Vaclav Havel aus:

        Verhalte dich stets so, wie alle sich verhalten sollten,
        ohne Rücksicht darauf, ob die anderen sich so verhalten.


        Alledings fehlt diesen "Maximen" ein konkreter Inhalt, so dass
        es doch wohl keine Normen sind.
        Vor allem ist es sehr problematisch, wenn jemand sie anwendet, der meint, "alle sollten stehlen, rauben, morden ..."!

        Alles gute
        Michael

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Re: Noch eine Variation

        Hallo Fritz

        Ich fasse den Spruch wesentlich anders auf, als die hier von dir dargestellte Variante. Als Erklärung siehe bitte meine Postings weiter oben.

        Gruss
        Marion

    • Antwort von nach 14 Stunden hilfreich
      Re: Ja, eine :-)

      Hi, Marion, was du hier meinst, handelt über menschlichen Umgang usw. an sich. Ethische Normen gibt es nicht, und schon gar nicht an iregendwelche Sprüche orientiert.
      Das ist ne komplexere Angelegeheit, als du es meinst.Schau dir mal den Artikel darüber an.
      Grütze
      von pensiegfried [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Re^2: Ja, eine :-)

        Hallo Aaron, Hi, Marion, was du hier meinst, handelt über menschlichen
        Umgang usw. an sich. Ethische Normen gibt es nicht, und schon
        gar nicht an iregendwelche Sprüche orientiert.
        Willst du diese Behauptung auch begründen, bzw. mir erläutern, warum du dieser Spruch nicht die Bedingungen erfüllt, die du für eine "ethische Norm" anlegen würdest ? Das ist ne komplexere Angelegeheit, als du es meinst.Schau dir
        mal den Artikel darüber an.
        Ich glaube, dieser Spruch ist auch wesentlich komplexer, als es auf den ersten Blick vielleicht den Anschein hat.

        Gruss
        Drache, noch sehr munter :-)

        • Antwort von nach einem Tag hilfreich
          Re^3: Ja, eine :-)

          Hi, hab mein Siegfried Dasein auch n o c h munter drauf, Spaß beiseite,
          Mit ethik, lieber Dragon, will man ja auch die Moralen begründen, u.a. und um die Moralen zu begründen, wird man ja auch z.B. seine eigene Individualphilosophie mit Ethik begründen wollen und da gibt es bei mir keine Norm.
          Sprüche kann man mit einbeziehen, je nach dem also das ist auch individuell zu sehen meiner Meinung nach.
          Grütze vorerst.
          Hoffe, Kriemhild kommt mir nicht zu nahe, ( nur n kleiner Scherz nebenbei. [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 18 Stunden hilfreich
      Re: Ja, eine :-)

      Liebe Marion,
      wie du vielleicht nicht vermutest, war deine Antwort auf die Frage nach absoluten ethischen Normen hochphilosphisch. Denn das 'Was du nicht willst was man dir tu das füg auch keinem anderen zu' ist die Vulgärform des kantischen Imperativs: Jeder sollte die Maximen seines Handeln so festlegen dass sie als Norm für die gesamte Gesellschaft gelten könnten (o.ä., den genauen Wortlaut kann ich nicht aus dem Stehgreif rezitieren).
      Leider muss ich dich enttäuschen, insofern, dass ich nicht deiner Meinung bin. Der kantische Imperativ ist für mich nutzlos, da er davon ausgeht das ein einzelnes Individuum fähig sein könnte eine universelle Ethik, eben für die gesamte Gesellschaft zu begründen.
      Ein modernes Beispiel: Ein Aktienhai übernimmt durch geschicktes taktieren an der Börse die Mehrheit an einer Handvoll kleinerer Unternehmen. Er schließt die Betriebe, entläßt die Belegschaft und verflüssigt das fest Kapital, verkauft Maschinen etc. Tausende Menschen werden arbeitslos. Du bist nun wütend auf dieses offensichtliche Unrecht und erschießt den Aktienhai - Die Christen würden dich verfluchen, aber was heißt das schon. Kants Imperativ hilft hier nicht weiter. 'Du sollst nicht töten' oder Du sollst nicht töten, weil du nicht willst, das dich jemand tötet' ist hier offentsichtlich nicht als universelle, ethische Norm geeignet.
      Der Schluss ist, dass es keine universelle Norm gibt. Die Ethik muss sich nach der Situation ausrichten, in der das Individuum sich befindet, nicht aus Selbstgefälligkeit allerdings, sondern aus Engagement.



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