Moral

Von: , Frage gestellt am Mi, 24. Jan 2001

Guten Morgen!

Vielleicht mal wieder eine dumme, viel zu unphilosophische Frage (wobei ich gerade gelesen habe, dass es die nicht gibt - Gruß an Jo), aber trotzdem interessiert mich Eure Meinung sehr:

Was ist moralisch eher zu vertreten:
Ehrlichkeit, die den eigenen moralischen Vorstellungen entspricht, wenn man jedoch bereits vorher weiß, dass diese Ehrlichkeit einen anderen Menschen verletzen kann, oder Rücksichtnahme vor den Gefühlen anderer, wobei das "Verschweigen" oder "Lügen" jedoch den eigenen Wertvorstellungen zuwiderläuft?
Oder anders gefragt: Darf ich "meine Moral", mein Gewissen, über die Gefühle anderer stellen?

Danke im Voraus,
Gruß,
Morgan

18 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 7 Stunden hilfreich
    Re: Moral

    Oder anders gefragt: Darf ich "meine Moral", mein Gewissen,
    über die Gefühle anderer stellen?

    Ja Morgan. Das darf Frau/Mann. Mein Gewissen "glaube" ich ja zu kennen. Die Gefühle anderer werden mir aber weitgehend fremd bleiben. Was ist aber Moral? Moral verstehe ich als ein "Instrument" das es uns erlaubt andere Menschen zu manipulieren. Um eigene Schwächen nicht erkennen (Begreifen!) zu müssen. Jeder Staat ist auf diesem Gebiet ein Meister.

    Liebe Grüsse

  2. Antwort von nach 11 Stunden 2 hilfreich
    Re: Moral

    Hi Morgan!

    Und die Moral von der Geschicht... Oder anders gefragt: Darf ich "meine Moral", mein Gewissen,
    über die Gefühle anderer stellen?
    Du kommst aber auch mit Sachen an... Hmm, über diese Frage wird sich jeder Kantianer freuen... soviel steht fest.
    Und deshalb gehe ich auch direkt mal von ihm aus, dem guten Immanuel...

    Den kategorischen Imperativ setze ich, wie immer, als bekannt voraus. Diesen kann man auch in der schönen goldenen Regel finden: "Was Du nicht willst, was man Dir tut...".
    Was ist mir lieber - zu erfahren, dass ich nur noch eine Woche zu leben habe, oder diese letzte Woche, sofern es mir möglich ist, in aller Freiheit und Ausgelassenheit zu verbringen???

    Auch hierbei kommt es NUR auf den persönlichen Standpunkt an, und zwar den des Betroffenen!!! Jedem von uns ist es wohl schon so gegangen, dass er einem geliebten Menschen eine bestimmte Begebenheit "verschwiegen" hat, weil er wusste, dass es die betreffende Person zu sehr in Mitleidenschaft ziehen würde...
    Das eigene Gewissen ist das höchste Gericht,vor dem man stehen kann. Folglich trägt man nach einer solchen Situation auch immer ein bestimmtes Magengrummeln mit sich rum..klar.
    Aber dennoch bin ich lieber bereit ein ungutes Gefühl zu hegen, als einem Menschen das Leben zu vermiesen, auch wenn das von begrenzter Dauer sein mag.
    Andererseits neigen wir alle zum Egoismus, und werden unsere Moral immer dann siegen lassen, über die Gefühle anderer stellen, wenn es für UNS einen Nutzen hat - das behaupte ich schlicht und einfach so!
    (Hiermit entschuldige ich mich in aller Form bei allen überzeugten Altruisten.)
    Du siehst, dass es schwer ist (wie immer) eine klare allgemeine Antwort zu geben. Das sollte man in diesem Fall auch nicht - denn eine persönlichere Sache als das eigene Gewissen gibt es eigentlich nicht.
    Fazit: Mal wieder ist das Auge des Betrachters ausschlaggebend, und nicht zuletzt die vorliegende Situation - aber das sagte ich ja schon...

    Mannomann, was hast DU ein Glück, dass ich jetzt nicht die ganze Zeit Kant zitiert habe...hihi...aber Deine Frage war z.B. einer der Gründe, warum er die "Kritik der Urteilskraft" geschrieben hat, wenn Dich das interessiert... Danke im Voraus,
    Keine Ursache

    Wir lesen uns - wir sind ja nicht blind...

    Jojo

  3. Antwort von nach 12 Stunden hilfreich
    Re: Moral

    Hallo Morgan!

    Also ich denke es verhält sich folgendermaßen:

    Man sollte die Moral nicht über die Gefühle der Menschen stellen. Denn für irgendwelche Moral ist derjenige nicht empfänglich, wenn er selber gerade unbedingt was Unrationelles oder Dummes tun will.

    Stattdessen sollte man einfach zeigen, welche Position man selbst dazu bezieht ohne zu belehren. Wie gesagt das will die Person eh nicht hören. Wenn man sich jedoch stets so verhält, daß man erstens im Reinen mit sich ist und zweitens sich nicht widersprich, dann kann man gut seine Moralvorstellungen vermitteln.

    Das Wichtigste beim Abwägen (soll ich nun "belehren" oder lieber nicht) ist meiner Meinung nach Mitgefühl für die Person in dieser Situation zu haben und zu erkennen, daß sie sich selbst schädigt. Nur wenn die Person sich einem öffnet, kann man auch offen darüber reden - sofort oder zu gegebener Zeit.

    Es ist schwer Erfahrungen in Worte zu fassen, aber ich hoffe es kommt trotzdem rüber, was ich sagen will.

    Sebastian

  4. Antwort von nach 14 Stunden hilfreich
    Re: Moral

    Hallo Morgan,
    habe deinen Artikel gerade gelesen und finde die Frage gar nicht so "unphilos.".Ich finde, das man wohl das Recht hat seine Moral zu vertreten. Jeder sieht diese Welt aus einem anderen Blickwinkel und hat ganz unterschiedliche Prioritäten. Rücksichtnahme ist wichtig und auch zu vertreten. Doch wenn die eigene Moral in einer Sache oberste Priorität hat dann muß man danach handeln. Denn müssen eben die anderen mal darauf "Rücksicht" nehmen. Ehrlichkeit und Direktheit haben zwar nicht immer kurzfristige Erfolge aber längerfristig definitiv.
    Der Nomade [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  5. Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
    Re: Moral

    Hi Guten Morgen Morgan,
    es ist zu empfehlen, daß man sich an den zur Zeit gültigen Regeln der Moralen und Sitten orientiert und seine Moral adaptiert damit hineinbringt, dann paßt du in die gegenwärtige Gesllschaft voll rein , ansonsten transzendierst du.
    Grütze aus der Pfütze [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
      Tiefe Bestürzt

      Lieber aaron,

      nichts für ungut, aber was für ein konformistischer Ansatz soll das denn sein: Man soll seine Moral an die (sowieso begrifflich schwammige) Gesellschaft anpassen?

      Dennis

      • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
        Re: Tiefe Bestürzt

        Hi, wenn du deine Moral in die Moralen der gegnwärtigen Gesellschaft einfügst, fällst du ja in das Raster aller gegenwärtigen Moralen un Sitten ein.Wenn du nur deine Individualmoral leben willst, bleibst du unter Umst. für dich.
        Kommt immer auf deine Einstellung zur Moral an.
        Tschüß [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

        • Antwort von nach 2 Tagen 1 hilfreich
          Re^2: Tief Bestürzt

          Das bedeutet also konkret für dich moralische Anpassung als Selbstzweck, Nachläufertum aus Eigennutz, auf das die Herde mich nicht verstößt und mir ihre Liebe verweigert.

          Da stehen mir, weiß ich, die Haare zu Berge. Ich hoffe nicht als Einzigem in diesem Forum.

          Dennis

        • Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
          Re^2: Tiefe Bestürzt


          Hi Aaron

          Mich haut's auch vom Hocker, wenn ich Deine Ansicht hier lese.

          Wenn Du Dich so leicht und locker in die jeweiligen Moralvorstellungen Deiner Umgebung einpasst, dann darf ich mir gar nicht vorstellen, wie Du Dich z.B. in Deutschland anno 1940 verhalten hättest ..... oder in Serbien, Irak, Kolumbien, Nord-Korea .... usw

          Moral sollte wohl mehr sein, als einfach nur eine Modeerscheinung, der man sich anpasst, um hip zu sein.

          Grüsse
          Martin



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